“Dastan, where’s the Dagger?”
Originaltitel: Prince of Persia: The Sands of Time
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Mike Newell
Buch: Boaz Yakin & Doug Miro
Darsteller: Jake Gyllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley, Alfred Molina, Toby Kebbell, Reece Ritchie









(Mal Sehen)
Persien irgendwann kurz vor Scheherazade: Der vom König Sharaman adoptierte Waisenknabe Dastan ist mittlerweile zu Jake Gyllenhaal herangewachsen und erstürmt mit seinen Brüder das Königreich Alamut, weil ihnen ihr sinisterer Onkel Nizam (Ben Kingsley) eingeflüstert hat, dort gäbe es Massenvernichtungswaffen.
Das ist natürlich eine Lüge, denn Nizam will in Wirklichkeit die Macht über den rieselnden Dolch erlangen, mit welchem er die Zeit zurückdrehen kann. Dafür muss er allerdings erst Dastan aus dem Weg räumen. Der Prince of Persia macht sich zusammen mit Prinzessin Tamida (Gemma Nochaufnbier) auf ins Abenteuer um das Schlimmste zu verhindern…
Bei allen Bedenken die ich hatte, muss zugeben, dass “Prince of Persia” ein rundrum solider Abenteuerfilm ist, der streckenweise viel Spaß macht. Auch wenn hier nur eine Variante vom König der Löwen mit Dastan als Simba, Kingsley als Scar , Arterton als Nala und Alfred Molina als Pumba mit ein bißchen Herr der Ringe verrührt wird, hat der Film ein paar Schauwerte und Schauspieler die im großen und ganzen einen guten Job machen.
Kingsley ist mal wieder ein ansehnlicher Bösewicht, auch wenn er schauspielerisch nicht gerade an neue Grenzen gebracht wird. Gyllenhaal gibt souverän den Helden, dessen Hauptaufgabe es ist dekorativ herumzustehen und verschmitzt zu grinsen und Gemma- nunja sie ist halt da und versucht das Beste aus der unterschriebenen Rolle zu machen. Richard Coyle und Toby Kebbell schaffen es auch Dastans Brüder die nötige Ambivalenz zu geben und machen die schlussendliche Wandlung glaubwürdig.
Überhaupt ist es überraschend, wie gut die Interaktion der Figuren funktioniert. Natürlich sind die Dialoge mit ihren vielen Ausrufesätzen und dem Mangel an Ironie nicht eben großes Gehirnfutter, aber im Rahmen dieser “Kleiner Muck auf Extacy”-Prämisse funktionieren Charaktermomente erstaunlich gut. Ich wollte eigentlich immer wissen, wie es weitergeht (auch wenn die Story sehr absehbar ist), ich erfreute mich an den großen Palastpanoramen und der Basar-Atmosphäre in der sich auch Indiana Jones wohlgefühlt hätte.
Weniger überzeugend, wenn auch nicht richtig schlecht ist die Action, von denen Dastans Flucht über die Dächer noch am eindrucksvollsten ist. Hier kommt ein bisschen Bourne-Gefühl auf, während später dann manchmal die Hektik gemischt mit Matrix-Rendermatsche dominiert. Das Jump’n'Run-Feeling, das streckenweise Elemente des Spiels bis ins Detail kopiert (genau wie einige Szenen im Palast eindeutige Hommage an die Pixelvorlage sind), sorgt zwar für Tempo, nimmt aber auch Spannung. Denn so wie Dastan im Game die Zeit zurückdreht und man einfach mehrere Anläufe brauchen kann, bis man eine knifflige Stelle bewältigt, so erzeugt auch der hupfende Gyllenhaal wenig Gefühl tatsächlichen Bedrohtseins. Die Szenen laufen ab und laufen auch mal etwas zu lang, aber sie treiben nicht zwingend die Handlung voran, noch lassen sie mit den Helden mitbangen.
Immer wieder wurde von Seiten der Macher die Hoffnung genährt, das dieser “Prince” der nächste Jack Sparrow sein könnte, der als Start eines erfolgreichen Franchise den Weg für weitere Teile ebnet. Was wenig bedacht wurde ist dabei allerdings die Tatsache, dass die Pirates-Filme aus einem einzigen Grund funktioniert haben und der heißt weder Orlando Bloom, noch Keira Knightley, sondern Johnny Depp. Captain Sparrow ist eine schillernde, ambivalente und grundlegend interessante Figur, die alleine die ganze ranzige Patina des Piraten-Genres vergessen ließ. Dazu kam die gekonnte Vermischung mit phantastischen Elementen, die vergessen ließ, das wir den Roten Korsaren und Long John Silver eigentlich nie wieder sehen wollten.
Prince of Persia bedient sich zwar moderner Tricks, ist in seiner Erzählweise aber erschreckend bieder und konservativ, wenn man mal von den kleinen Seitenhieben auf die US-Außenpolitik absieht. Abgesehen vom magischen Rieseldolch bleibt der Film im Rahmen seines Settings eher bodenständig. Keine Ghoule, keine Monster, kein missmutiger Flaschengeist der Abwechslung ins Hüpfen und Schwertschwingen brächte.
Mike Newell, der seine Schauspieler gut im Griff hat, erzählt dieses Prinzenabenteuer mit einer sehr glatten, kantenlosen Hauptfigur, die nicht aus selbst heraus interessant ist. Gyllenhaal, bei allem Smiley-Charme und einer gewissen spitzbübischen Ungelenkheit, ist kein Jack Sparrow und auch kein Indiana Jones – ja er ist nichtmal ein Will Turner. Er ist genau genommen wenig mehr als eine hüpfende Hülle, die das Gute will und im großen und ganzen recht sympathisch wirkt.
Der einzig wirklich spannende Charakter ist Kinsgleys Nizam, der aber zu selten vorkommt und sich aus pragmatischen Gründen nicht unbedingt für eine Fortsetzung anbietet. Das alles spricht nicht gegen den Film, aber gegen einen Franchise – denn nachdem Happy End drängt sich mir jetzt nicht zwingend der Wunsch auf, die weiteren Erlebnisse von Dastan und Tamida zu erleben, denn dazu sind sie einfach zu austauschbar und banal.
Für sich genommen bleibt ein Film der Fans des etwas betagten Genres durchaus gefallen dürfte, sich keine wirklich schlimmen Ausfälle leistet, aber auch wenig wagt und keinerlei neue Impulse zu setzen vermag. Das modernste an diesem Film sind wohl noch die Matrix- und Mumien-Effekte und der Schmucklose Font auf dem Poster. Zum weggucken also ganz hübsch, aber für einen Möglichen Franchise-Starter dann doch etwas zu kurz gesprungen.
Mal Sehen meint: Ich will es so kurz wie möglich machen: In den letzten Jahren wurden meine Erwartungen selten so dermaßen unterboten, wie bei diesem Film. Zusammen mit zwei Freundinnen und einem Freund freuten wir uns auf unterhaltsames Popcorn-Kino der feinen Sorte und am Ende des Abends hatten nur die Frauen ihren Spaß. Wir glaubten eine neue Form des Films entdeckt zu haben: Den Frauen-Actionfilm.
Es wäre ja schon zu verkraften gewesen, dass die Geschichte durchschaubarer war, als eine leere Sanduhr, wenn wenigstens die Actionszenen gestimmt hätten. Ich hatte ständig das Gefühl, dass der Parkour-Spezialist nur halbtags gearbeitet hatte, wenn die Jump-and-Run-Szenen kurz vorm spannend werden abgebrochen wurden. Ich bin mitten in einer solchen Szene eingeschlafen!
Ich sage jetzt nicht, dass ich eingeschlafen bin, um mit einer Übertreibung deutlich zu machen, wie langweilig ich den Film fand: Ich bin tatsächlich mittendrin eingeschlafen und das ist mir im Kino noch nie passiert! Schuld war das völlige Fehlen von Charisma, was schon an eine persönliche Beleidigung grenzte. Es verging keine Sekunde, ohne, dass ich mir nicht auch so einen Dolch gewünscht hätte, der mir die letzten Stunden wiedergegeben hätte. Die Witze waren hölzern (was sollte dieser armselige Steuer-Running-Gag?!), die Actionszenen abgeschnitten und nicht einmal Jake Gyllenhaal konnte etwas raus holen.
Warum gebe ich also doch noch 1,5 Sterne? Wie setzen sie sich zusammen?
Die Farben waren schön und Ben Kingsley spielt mit.
Ich betone, dass ich normalerweise der Blockbuster-Fan bin und ich ignoriere alle Andeutungen, dass ich mir sonst nur armenische Schwarz-Weiß-Schmonzetten aus den frühen Vierzigern in OT und ohne Untertitel anschaue ignoriere. Seit “Jumper” hat ein Film mich nicht mehr so gelangweilt, wie dieser hier.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Mai 30th, 2010 •
- 21 Kommentare
- Schlagwörter: Fantasy, Jake Gyllenhaal, Mike Newell, Prince Of Persia, Review
-
http://- Sophie
-
http://3dgsnerd.xware-cg.com/ Michael
-
nils
-
http://www.twitter.com/plunderkerze Liz
-
Sascha
-
DoughNut
-
http://diehaarigenbiester.de/ Andrea
-
petit
-
http://geniusjoe.spreadshirt.de The Director
-
TopF
-
TopF
-
http://keine Leonidas
-
http://diehaarigenbiester.de/ Andrea
-
Hans
-
Sascha
-
Schlaumeier
-
Doughnut
-
http://keine Leonidas
-
http://- JMK
-
http://www.drrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr.de thunder









































