Ich fand David Tennant großartig als Doctor. Alleine dadurch, dass er 3 Jahre mit seiner unwiderstehlichen Mixtur aus Euphorie, Ernsthaftigkeit und manchmal auch Creepyness die NewWho-Welt dominierte, war er wohl der Doctor den die meisten jungen Fans und Neueinsteiger mit der Serie identifizierten.
Aber ich mochte auch Christopher Ecclestone, dessen tougherer, mit wahnsinnigem Grinsen ausgestatteter Doctor die Wiederbelebeung der fast seit 50 Jahren existierenden SciFi-Serie einleitete und nach neunjähriger Pause abermals zu einem riesigen Erfolg machte. Das Ecclestone nach nur einer Staffel bereits wechselte war einerseits ein Schock, gewöhnte aber gerade die Newbies unter den Zuschauern an eine der wichtigsten konstanten der Serie: Die Regeneration. Doctor Who ist nicht an einen Schauspieler gebunden. Er bleibt der Doctor, auch wenn jede Inkarnation des Zeitreisenden aus Gallifrey ihre eigenen Ticks und Macken hatte. Es half, das der Doctor wechselte, aber seine Begleiterin Rose zunächst dieselbe blieb. Es half auch, dass David Tennant zwar einen anderen Doctor spielte, der Serie aber im Grundtenor treub blieb.
Insofern bedauerte ich zwar Tennants Abschied als Doctor, ebenso wie Russel T. Davies Abgang – der bei aller Kritik die man an ihm üben konnte – immerhin alleine durch seine Behaarlichkeit und Energie die Rückkehr des Doctors ins TV ermöglicht hatte – aber ich war mehr gespannt als skeptisch. Mit Steven Moffat, der einige der besten Episoden des NewWho geschrieben hatte, schien ein mehr als fähiger neuer Showrunner gefunden und auch Matt Smith sollte zumindest eine Chance bekommen. Ich gehörte nicht zu denen, die ihm alleine auf Grund seines Alters (er ist der bisher jüngste Doctor) die Qualifikation absprachen. Auch wenn die komplette Produktionscrew ausgetauscht wurde, sah ich der Sache erstmal entspannt entgegen.
Was mich mehr beunruhigte waren dann kurz vor Serienstart die Berichte über das deutlich gekürzte Produktionsbudget für die Serie. Gerade die für UK-Verhältnisse recht teure Produktion hatte geholfen Doctor Who erstmals Bilder zu geben, die den bizarren und immer schon großartig skurrilen Geschichten angemessen waren. Wo früher jede zweite Folge in einem Steinbruch spielte, explodierten im NewWho ganze Planeten, krachten Raumschiffe in Big Ben und wurde die Erde von ganzen Legionen von Cyberman und natürlich Daleks bedroht. Das mochte nicht ganz auf dem Niveau vergleichbarer US-Serien sein, war aber ein Quantensprung verglichen mit den alten Who-Shows. Jetzt sollte es also weniger Geld geben. Ja die Crew zog sogar für den Dreh nach Kroatien für einige Folgen, nur um Geld zu sparen.
Dazu wurde in Interviews immer deutlicher, das Moffat und die neue Crew alles dransetzen wollten um den Übergang von einem zum anderen Doctor als so harten Bruch wie möglich zu inszenieren. Das Unwort Reboot fiel mehrmals und das man sich ja als Staffel 1 begreife und nicht als Staffel 5. Moffat wirkte teilweise ein bißchen wie ein Emporkömling, der im Schatten der Macht brav gedient hatte, aber einmal am Ruden plötzlich ein bißchen größenwahnsinnig wurde. Das konnte er sich leisten, denn die guten Folgen die er geschrieben hatte (unter anderem Meisterwerke wie Blink und The Girl in the Fireplace) gaben ihm viel Vorschussvertrauen. Auch bei mir.
Skeptisch wurde ich erstmals beim neuen Logo des Doctors. War das bisherige schon eher so semi-hübsch, sah das neue aus wie für eine Zeichentrickserie. Ja die ganze neue Titelsequenz mit dem scheusslich remixten Theme wirkte irgendwie billiger – was schon etwas heißen will, denn Doctor Who-Intros waren seit jeher immer etwas cheesy.
Doch was solls, das Intro ist der kleinste Teil einer Serie (wenn man nicht gerade True Blood heißt und sich ein 2min-Intro-Epos leistet) und war zu verschmerzen. Und Matt Smith, der schon am Ende der letzten RTD-Episode kurz zu sehen war, gab gleich das Gefühl, das hier der richtige gecastet wurde. Er bringt eine neurotische Energie mit, die zwar weder Tennant noch Ecclestone channelt, aber zur Figur trotzdem wunderbar passt. Jeder Doctor Who hatte diesen Anklang von Wahnsinn in den Augen und auch Matt Smith ist da keine Ausnahme. Seine altmodische Kleidung setzt einen erfrischenden Kontrapunkt zu seinem Aussehen und lässt vergessen, dass der Schauspieler gerade 27 ist.
Das nach dem anfänglichen Schrecken und einer übertrieben Slapstick-lastigen Sequenz in “The Eleventh Hour” dann doch kein kleines Mädchen sondern ihr erwachsenes Gegenstück als neuer Companion des Doctors eingeführt wurde, ließ auch hoffen – immerhin waren die bisherigen Companions alle ziemlich überzeugend, auch wenn Martha sicher die schwächste war und die unvergleichliche Donna Noble bisher am stärksten – nicht zuletzt weil sie sehr an die mittlerweile gealterte 70er Jahre Kult-Companion Sarah Jane erinnerte (die mit der Kinderserie The Sarah Jane Adventures ja seit 2006 ebenfalls eine erfolgreiche und gelungene eigene Serie bekommen hat).
Amie Pond gespielt von Karen Gillan machte sich also mit dem neuen Doctor auf Reisen und ein paar geheimnisvolle Risse in Universum schienen diesmal die B-Story der Staffel zu sein.
Leider machte sich schon in Folge 2 sehr deutlich das niedrige Budget bemerkbar. Die Story die wie ein Riff auf die Season 1 Folge “The Long Game” wirkte, unterhielt zwar manierlich, war aber eher sparsam ausgestattet und getrickst und etablierte einige Probleme des Elften Doctors, die sich die folgende Staffel hindurch immer wiederholen sollte.
Hannah Montanna in der Tardis
Amy Pond ist zu wenig beeindruckt von allen Wundern die sie auf ihren Reisen erlebt. Sie hat überhaupt recht wenig Charakter, abgesehen von einer bisweilen etwas angestrengten Girlie-Attitüde. Sie nimmt die Reisen in der Tardis hin wie unsereiner die Fahrt in der U-Bahn – was es oft schwer macht wirklich beeindruckt zu sein, denn die Companions waren immer auch emotionale Ankerpunkte für die Zuschauer. Wenn Laura Dern und Sam Neil in Jurrassic Park beim Anblick der Brontosaurier nur gesagt hätten “Aha. Dinos” wäre die Wirkung dieses Moments genauso im Eimer gewesen, wie es jetzt hier der Fall ist wenn Amy – deren Hauptqualifikation es zu sein scheint sexy auszusehen und im Minirock herumzurennen – jede neue Destination der Tardis mit quirlliger Gleichgültigkeit zur Kenntnis nimmt.
Der Doctor ist ein Trottel.
Ob es darum geht das Schicksal des Sternenwals in The Beast Below zu entscheiden, in Victory of the Daleks eine selbstbewusste Bombe an der Explosion zu hindern oder in The Lodger zu realisieren was es mit dem geheimnisvollen oberen Stockwerk des Hauses auf sich hat: Es ist immer die lustige Amy die die richtige Entscheidung trifft, während der Doctor viel Zeit mit lustig herumstolpern und genereller Unfähigkeit vertrödelt. Wo Donna Noble als moralisches Gewissen mit dem Doctor in Konflikt geriet – und dadurch Spannung aufbaute, demontiert Amys Hoppla-hier-komm-ich-Entscheidungsfindung den Time Lord nicht unerheblich. Matt Smith ist ein guter Doctor – aber was er in dieser Staffel an Material bekommen hat ist der Figur unwürdig. Bis auf den gelungenen Zweiteiler “Time of the Angels/ Flesh & Stone” gab es kaum Momente in der der Doctor ernst zu nehmen war oder sich wie jemand verhalten hat, der schon 10 erfolgreiche Leben gelebt hat.
Doctor Who wird zum Landarzt und Stubenhocker.
Von den 13 Folgen der 5. Staffel spielen 4 auf einem Dorf. 4 weitere spielen auf engem Raum in Wohnhäusern oder Winston Churchills Bunker. Die Folge The Lodger wirkte vom ganzen Setting und der Story her schon wie der Vorschlag für eine Doctor Who-Sitcom. Wer bei RTDs- Who-Folgen schon rummaulte, das ihm alles zu oft in London spielte – der bekam in dieser Staffel an Schauwerten nochmal deutlich weniger geboten. Nach dem im wahrsten Sinne des Wortes unterirdischen Zweiteiler “The Hungry Earth / Cold Blood” (dessen magere Story auch bequem in einer Folge Platz gehabt hätte) war ich wirklich kurz davor zu schreien. Noch eine Folge in irgendeinem kroatischen Dorf hätte ich nicht ertragen. Zumal die Vincent van Gogh-Folge zuvor schon mit das Schwächste und gequälteste war, was ich in langer Zeit bei DW erlebt hatte. Star-Drehbuchautor Richard Curtis lieferte eine billig aussehende, unlogische und unnötig pathetische Folge ab die wie ein ungeschickter Beitrag im Schulfernsehen wirkte, um Kindern mit dem Vorschlaghammer einzubleuen wie toll doch Vincent van Gogh war. Weil es das Budget nicht erlaubte und sich Curtis eh nicht dafür interessierte, wurde das Monster mal wieder unsichtbar gemacht, was zu etlichen peinlichen Slapstickszenen für den armen Matt Smith führte. Das die Folge verglichen mit der ähnlich gelagerten Shakespeare-Episode aus Season 3 wesentlich lahmarschiger daherkam, machte es nur noch ärgerlicher. Da konnte auch der wundervolle Bill Nighy in seiner Gastrolle wenig retten.
Moffat macht die Serie kleiner.
Bei RTD haben sich einige Fans beschwert über die Soap-Versatzstücke und die emotionalen Momente der Show und RTDs Hang immer gewaltige Bedrohungen aufzufahren. Moffat scheint das bewusst zurückzunehmen und katapultiert die Serie damit zurück in die 70er und 80er – Durch den Verzicht auf wirklich große Storylines und der Vorliebe eher platten Slapstick als subtilen Witz und emotionale Bande zu verwenden, verliert die Serie an Wirkung.
Rory der langweilige Automaton
Soviel Erzählpotential die neue Serie in die Beziehung zwischen Amy und Rory investiert, die beiden bleiben blass. Die Chemie zwischen den Schauspielern ist kaum vorhanden und verglichen mit der ähnlich gelagerten Beziehung zwischen Rose und Mickey bleibt es ein lauwarmer Abklatsch. Wo Rose platonische Liebe zum Doctor und ihre Faszination für die Reise einen spannenden Konflikt zum braven Mickey aufbauten (der sich ja in späteren Folgen erstaunlich entwickeln durfte), bleibt Rory der nette Langweiler und Amys ständige Unentschlossenheit ob sie nun Rory bedingungslos liebt oder doch mal eben mit dem Doctor in die Büsche gehen würde macht sie eher unangenehm Oberflächlich, als sympathisch. Die ganze sexuelle Komponente, die vom Doctor nicht zu erwiedernde sexuelle Attraktion – die in der Doctor/Martha-Beziehung erstaunlich reif behandelt wurde – hat hier eine Teeniegören Plattheit, die der Serie schadet.
Moffats Taschenspielertricks
So überraschend und vielleicht auch schwer verdaulich die BAD WOLF-Auflösung der ersten Season war, so effektiv war sie auch. Kritiker warfen RTD gerne mal seine Overkill-Attitüde für die Season-Finale vor, aber verglichen mit dem was Moffat hier ablieferte, war das alles wirklich noch Gold. Denn RTD wusste wie man Spektakel inszeniert, wie man große Emotionen dirigiert und mit dem typischen Who-Witz in Ballance hält.
Erst seit ich die schleppende Dramaturgie der Folgen in dieser Staffel erlebt habe, die oft wie verzweifelte Versuche wirkten doch möglichst günstig 45min zu füllen, weiß ich RTDs Fähigkeiten als Story-Editor der die Drehbücher der Autoren in Form bringt, wirklich zu schätzen. Moffat kommt sich zwar supersmart vor mit seinem Dimensions-Riss-Plot den er als Riss der Woche in jeder Folge mal kurz ins Bild setzte (und der Riss der Woche war diesmal: Hinter dem Kühlschrank – Applaus!), schafft durch seine insgesamte flache Figurenzeichnung (Ausnahme: River Song) und die eher hausbackenen Stories keine echte Spannung. Vor allem dann nicht, wenn er wie ein schlechter Hütchenspieler nur des Effekts wegen im Finale die halbe Serienmythologie schrottet.
Finaaaale… ohhhjehh….
Und er kommt sich dabei auch noch so wahnsinnig clever vor. Nachdem unlogischen, aber immerhin rasanten ersten Teil des Season-Finales, das zum ersten Mal in der Staffel gute Bilder, Effekte und ein bißchen SciFi-Atmosphäre bot, tauchte die endgültig letzte Folge wieder in bekannte Tiefen ab.
Hatte ich noch gehofft das die hanebüchene Allianz die alle Who-Villains zu einem modischen Gruppenfoto vereint (welches schon fast als gönnerhafte hingeworfenes Moment zur Fanboy-befriedigung zu verstehen war) – irgendwie als Phantasie entlarvt wird, versuchte Moffat gar nicht erst eine schlüssige Auflösung des sehr ausweglos erscheinenden Finales in der letzten Folge. Wer sich je über die Deus Ex Machina-Momente bei RTD aufregte, bekam hier eine peinlich-platte Paradox-Ausflucht, die schon vor dem Vorspann all die Spannung und existentielle Bedrohung der letzten Folge der Lächerlichkeit preisgab und zur albernen Farce machte. Um die komplette Handlung und die Allianz der Bösewichte nie wieder zu erwähnen.
Der Doctor zieht sich mit einem praktischen Zeitreisearmband und dem Sonic-Screwdriver, der immer dann wunderbar funktioniert wenn es dramaturgisch gerade passt, am eigenen Schopf aus der sichersten Falle des Universum. Wo RTD sich auch der inkonsistenz des Sonic Screwdrivers bewusst war, hielt er sich wenigstens an die Vorgabe, das dieser nicht einfach als Allheimittel und Plotelement zur Lösung einer tödlichen Bedrohung einzusetzen war. Moffat war das egal, er wollte nur schnell aus dem einzig interessanten Setting der ganzen Serie raus.
Danach folgte viel günstig inszeniertes Herumgestolper im Museum dessen größte Bedrohung ein staubiger Dalek war – ein lahm angetäuschter Tod, der alleine deswegen schon unglaubwürdig war, weil ihm keine Regeneration folgte – und eine Auflösung die nicht nur unspektakulär sondern auch so aus dem Arsch gezogen war, das es wirklich die Sau grauste. Wer sich über Tennants ewiglangen Abschied in der letzten Staffel aufregte, bekam hier nochmal genau dasselbe in schlechter – hier wurde versucht auf die Tränendrüse zu drücken obgleich völlg klar war das absolut nichts auf dem Spiel steht.
Man konnte Moffat hier prima beim Onanieren zusehen, weil er sich minutenlang selbst auf die Schulter klopfte, weil er ein paar unwichtige Szenen in die vorrangegangenen Episoden eingebaut hatte, die er jetzt stolz abspulen konnte. Hier Fanboys schaut: Ich tue jetzt so, als wäre das ganze wahnsinnig komplex und tiefgründig, obwohl man die Szenen auch alle hätte weglassen können. Wow, der Moffat is so deep, huh?
Blöd nur, dass er dabei ignoriere, dass das alles vielleicht auch irgendeinen Sinn machen sollte. So vergaß er im komödiantisch albernen Hochzeitsfinale – das den Doctor mal eben aus dem Bereich des Techbabble und SciFi völlig in die Märchenwelt schubste – auch noch zu erklären, was es denn mit der Explosion der Tardis und dem Big Bad dieser Staffel überhaupt auf sich hatte. Wieso explodiert die Tardis? Wer war die Stimme? Keine Zeit für die Auflösung, wir müssen ja noch Rory und Amy bei lustigen Kalauern zeigen.
Tolle Leistung in einer Season nicht nur alle Gegner des Doctors der Lächerlichkeit preiszugeben, sondern den Doctor selbst zum magischen Slapstick-Rumpelstilzchen werden zu lassen an das man nur fest genug Glauben muss, damit es zurückkommen kann. Dagegen war das Finale von Staffel 3 – das damals auch schon viel Kritik einstecken musste – schon wieder Hardcore SF vom Schlage Isaac Asimovs.
Amy Pond und Rory sind also auch die nächste Staffel wieder dabei und wahrscheinlich gibts wieder ganz viele toll-witzige Momente mit Sexy Amy, deren größte Charakterentwicklung wohl die Wahl des nächsten Minirocks sein wird.
Kann ich bitte RTD und seine Crew wiederhaben?
Achnee die machen ja weiterhin Torchwood – das jetzt vom US-Sender Starz eingekauft wurde, ein höheres Budget bekommt und in die USA verlegt wird.
Oh.Oh.
Meine Wertung der 5. Season im Schnelldurchlauf:




The Eleventh Hours




The Beast Below




Victory of the Daleks




Time of the Angels/Flesh & Stone




The Vampires of Venice




Amy’s Choice




The Hungry Earth / Cold Blood




Vincent and the Doctor




The Lodger




The Pandorica Opens




The Big Bang
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juni 27th, 2010 •
- 65 Kommentare
- Schlagwörter: Doctor Who, Science Fiction, Series










































Pingback: keks tv « Эхо блогосферы