“Ich bin nicht hier um euch zu mögen. Ich bin hier um euch zu lehren.”
Herstellungsland: Deutschland 2010
Regie: Christine Hartmann
Buch: Katharina Reschke, Christine Hartmann
Darsteller: Sophia und Jana Münster, Heino Ferch, Hannelore Elsner, Katharina Thalbach, Susanne von Borsody, Anja Kling, Oliver Pocher






Die beiden eineiigen Zwillinge Hanni und Nanni werden von einer fiesen Mitschülerin ausgetrickst und infolgedessen beschuldigt, in einem Kaufhaus geklaut zu haben. Deswegen fliegen sie auch von ihrer Schule. Ihre Eltern müssen sich, zähneknirschend, nun dringend etwas einfallen lassen. Auch wenn sie ihren Töchtern glauben. Und da hat die Mutter der beiden die rettende Idee: Das Internat, auf das sie auch schon als junges Mädchen gegangen ist. Der “Lindenhof”.
Während Hanni vom ersten Moment an gegen das Internat ist und sich unnahbar gibt, weil sie davon überzeugt ist, sowieso bald wieder auf ihre alte Schule zurückzukehren, entdeckt ihre Schwester Nanni die Vorteile die das Internatsleben, im speziellen auf diesem Internat, so mit sich bringt. Die Loyalität der beiden Schwestern wird auf eine harte Probe gestellt und gipfelt in einem Hockeyspiel, das vermutlich über alles entscheidet: Ihre Zukunft, die Zukunft des Lindenhofs und die Beziehung zweier Schwestern.
Es ist mal wieder so weit! Eine weitere ultra-erfolgreiche Hörspiel/Jugendbuch-Reihe wurde verfilmt. Dazu muss ich vielleicht vorneweg folgendes anmerken: Ich habe die Hanni und Nanni-Hörspiele nie gehört. Meine Tochter auch nicht. Deswegen wird der Vergleich zur Vorlage, der ja gerade bei solchen Verfilmungen immer äusserst heikel ist, leider von mir nicht gezogen werden können. Aber Elternteile, die die Hörspiele liebten und jetzt den Film gesehen haben, dürfen sich gerne in den Kommentaren verewigen, wie sich beides zueinander verhält. Aber zum Film:
Ich finde das wirklich erstaunlich, das gerade Kinderfilme in Deutschland immer eher so stefmütterlich behandelte Big Budget Produktionen sind. Also, zumindest was das Cast betrifft. Da spielt wirklich immer jeder mit, der hierzulande einen ordentlichen Tagessatz erhält. So auch hier: Hannerlore Elsner, Heino Ferch, Sunny Melies, Olli Pocher – alles keine günstigen Schauspieler (gut, letzterer ist noch nicht mal Schauspieler). Aber auf der anderen Seite machen die auch alle ihre Sache gut und es lohnt sich einen FIlm so zu besetzen. Weil man damit schon eine gewisse Grundqualität erreicht, die einem solchen Film gut tut. Und die auch die “unerfahrenen” Schauspieler, sprich alle Kinder die Schüler an dem Internat sind, mitreisst und beflügelt. Das funktioniert super. Die Kinder in dem Film spielen eigentlich alle sehr frei von der Leber weg, sehr fresh und sehr ungekünstelt. Klar, wenn es um die kleine Liebesgeschichte am Rande geht, das finden die Kids ein bisschen peinlich zu spielen, das merkt man denen auch an, aber das macht es irgendwioe auch wieder süß und vor allem: Authentisch. Insofern geht das vollkommen klar. Schauspielerisch macht der Film also wirklich Spass, bis auf eine Ausnahme. Und die ist gar nicht mal so überraschend: Oliver Pocher gibt den Pocher, der so tut als wenn er ein übereifriger Kaufhausdetektiv wäre, der ein wenig schleimig unangenehm ist. Und man merkt jede Sekunde der, gott sei dank, wenigen Szenen von Pocher: Der wurde hier besetzt um ihn aufs Plakat schreiben zu können, nicht weil irgendjemand (vermutlich inklusive ihm selbst) davon überzeugt wäre, das er genau der Richtige für diese kleine Rolle ist. Das nervt. Aber ist, wie gesagt, zum Glück recht kurz geraten. Kann man, mit viel Zähne zusammenbeissen, ignorieren. Ist aber natürlich gerade in dem Kontext, das alles andere perfekt gecastet ist, natürlich ein bisschen peinlich.
Das Buch funktioniert ziemlich gut. Und das liegt, meines Erachtens nach, daran, das es eigentlich fast keine Pause einlegt. Mehrere Handlungsstränge laufen parallel und schaffen so ein Tempo und ein Chaos, wie bei einer Essensschlacht im Internats-Speisesaal. Das tut dem Film extrem gut. Die Stränge sind jetzt auch nicht so verwoben, das man den Überblick verlieren würde, sondern laufen alle schön parallel zueinander. Die einzelnen Problemchen und Geschichten werden sehr übersichtlich nacheinander “wegerzählt”, natürlich bis auf die eine große Rahmenhandlung. Die zieht sich, mehr oder weniger spannend, über den ganzen Film bis es dann zum Herzschlagfinale kommt. Und danach noch zu einem kleinen Finale.
Ich mag vor allem die kleinen Figuren in dem Film, deren Geschichtchen meistens nur anerzählt, oder zumindest komplett über Dialog erzählt werden. Aber die machen mir Spass. Wie zum Bespiel Heino Ferch, der immer das Gefühl hat, sich für seinen Job rechtfertigen zu müssen, weil er eben Kochbuchübersetzer ist. Oder Sunny Mellies als Mutter eines der Internatskinder, die auch die Herausgeberin der Vogue sein könnte und ein paar sehr lustige One-Liner am Rande des finalen Hockey-Matches hat. Super.
Das Fazit ist eigentlich klar: Der Film ist super. Für Mädchen (und sicher auch ein paar Jungs). Für Erwachsene ist er okay. Für Liebhaber der Hörspiele, kann ich nicht beurteilen. Aber wer Mädchen zwischen 6 und 15 zu Hause hat, der kann sich hier einen schönen Nachmittag machen, bei dem auch Eltern nicht zu Tode gelangweilt werden. Nur, und das ist ja schon fast mein Standardfazot bei deutschen Kinderfilmen: Man kann Kindern mehr zutrauen. Dramaturgisch. Und auch inhaltlich. When do you realize that, Germany?
- Nilz N Burger •
- Juni 29th, 2010 •
- 14 Kommentare
- Schlagwörter: Hanni und Nanni, Kid Movies, Review


















Ich wußte gar nicht, daß es Hörspiele davon gibt. Als Kind hab ich die Bücher aber alle gelesen.
Kommentar #1 von Praelat am 29.06.2010 um 10:08 Uhr
Haben die das mit dem Hockey-Spiel nicht aus einer Simpsons-Episode gemopst? Na egal.
Kommentar #2 von Pomme am 29.06.2010 um 12:06 Uhr
Einspruch!
Ich habe den Film mit meinem Sohn (8,5 Jahre) und seiner Klassenkameradin (8,5 Jahre) gesehen. Die beiden fanden den Film gut, ich dagegen ziemlich grausam.
Schlimm: Die schauspielerische Leistung der Zwillinge, insbesondere die Szene, wo beide herzhaft “lachen”.
Schlimm: Hannelore Elsner, Susanne von Borzody, Katharina Thalbach, Oliver Pocher
Ok: Sunny Melies, Heino Ferch
Schlimm: Die verkitschte Amerikanisierung mit dauerhafter Schleim-Musikuntermalung a la “High School Musical” etc.
Kommentar #3 von Toddl am 29.06.2010 um 12:24 Uhr
Die Überraschung des Tages: Die bisher einzige positive Besprechung zu “Hanni & Nanni” erscheint bei den Fünf Filmfreunden. Und Nils, hast du auch “Rock It” noch mal eine zweite Chance gegeben? ;)
Kommentar #4 von Schwanenmeister am 29.06.2010 um 12:46 Uhr
Wer “Kids” sagt, wenn er sich anschickt, über Kinder zu sprechen, bringt mich auf die Palme. Big Time!
Kommentar #5 von nixx am 29.06.2010 um 16:08 Uhr
Sollen die Sterne in eurem Bewertungssystem eigentlich ausdrücken, wie gut man Kinder mit dem jeweiligen Film ruhigstellen kann? Dann kann ich nämlich verstehen, warum “Hanni und Nanni” hier z.B. so stark über den letzten Scorcese dominiert.
Da wird zum zigtausendsten Mal ein Kinderbuch-Klassiker verwurschtelt und “modernisiert”, ohne dem Stoff etwas nennenswertes hinzuzufügen, ohne ihn irgendwie neu zu erfinden, ohne eine Rechtfertigung, warum es ausgerechnet DIESER Stoff zu DIESER Zeit sein muss. Der Kinderfilm war schon immer Vorreiter für diese Geistige Verarmung der Filmemacher, die sich mittleiweile auf alle Filmsegmente ausgeweitet hat. An andere Stelle wird dann von euch rumgekotzt, wenn die olle Serie aus den 80ern oder die Bestsellerreihe von Vorgestern verwurschtelt wird. Im Kinderfilm scheint ihr das absolut ok zu finden. Und wenn Pixar oder Dreamworks wieder irgendeinem Gegenstand Leben einhauchen und ihm Knopfaugen verpassen, sind drei-vier Sterne garantiert.
Nils fragt sich, warum so viele teure deutsche Darsteller immer in Kinderfilmen mitspielen. Ich vermute, es liegt zum guten Teil daran, dass Filmkritiker in diesem segment so extrem gnädig sind und man somit auch bei einem mittelmäßig abgelieferten für-die-Kohle-Job keinen nennswerten Imageschaden zu befürchten hat. Alles für unsere Kleinen, gell?
Hat euch schonaml jemadn verraten, dass auch Kinderfilme von Erwachsenen gedreht werden und dass ihr die ruhig so heftig kritisieren könntet wie die von euch scheinbar so gehassten Hollywood-Blockbuster oder Arthaus-Smarthaus-Schinken?
Kommentar #6 von der magnus am 29.06.2010 um 17:11 Uhr
@nixx: whatever. aber nicht mit den kokosnüssen werfen.
@magnus: dein einstieg ist falsch (verwechsele nicht die wertungen für die filme selber, wir hatten diese diskussion schon tausendmal, du würdest im kino auch nicht hanni und nanni mit scorsese vergleichen, warum sollten wir das tun, differenzieren sollte man schon können in dieser welt, etc. pp.), aber dann wird es interessant:
deine kritik an pixar kann ich zwar auch nicht mitnehmen, aber lies dir mal batz-reviews von pixarfilmen durch, wenn du dann immernoch behauptest, wir würden kinderfilme mit glacee-handschuhen anpacken, dann kommen wir wohl von unterschiedlichen welten. pixar liefert nunmal, davon abgesehen, aber immer eine ziemlich solide qualität ab, die über das augen-auf-irgendwas-draufmachen hinaus geht. ist aber eine andere diskussion.
die frage die sich stellt ist, ob ich mit kindefilmen zu gnädig bin und das ist interessant. die frage hab ich mir nämlich auch gestellt. vielleicht hat der film nur 3 sterne verdient. aber vielleicht ist der ja auch gar nicht für mich gemacht? vielleicht soll der in erster linie kids ansprechen und für erwachsene wenigstens nicht superdebil rüberkommen? ja, die haben die hanni und nanni-mythologie, wenn man es so nennen will, modernisiert. so what? ich hätte den film, in den 70ern angesiedelt, auch charmanter gefunden, aber so ticken filmemacher nicht. vor allem produzenten nicht.
und hey: ich liebe die charlies-angels-filme und nach dem 5 minuten preview vom a-team film hab ich da auch ein ganz gutes gefühl, deswegen erzähl mir nix von mecker-reflex bei 80er-jahre-serien-verfilmungen.
und ein weiteres missverständnis: wir hassen keine blockbuster. ich weiss nicht wie du drauf kommst. klingt nach gekränkter eitelkeit, weil wir einen deiner lieblingsfilme zerrissen haben. aber so ist das nunmal: wir sind 5 verschiedene jungs die alle verschieden schreiben weil sie alle verschiedene sichtweisen und interessen haben und damit kommen wir zu deinem letzten punkt:
ich bewerte zu “gut”. mag sein. ich habe auch eine andere herangehensweise. ich ärege mich selten über scheisse (ausser wenn ich wes anderson filme sehe), sondern versuche in erster linie das positive in einem film zu sehen. und h & n hat seine positiven seiten, definitiv. auch was oben bemängelt wurde, das immer musik laufen würde finde ich tatsächlich gar nicht schlimm, so wie ich die zwillinge auch nicht talentfrei finde.
reicht das als begründung?
Kommentar #7 von Nilz N Burger am 29.06.2010 um 17:23 Uhr
Mein Gott, das Poster ist ja schrecklich!
Kommentar #8 von Mozzerino am 29.06.2010 um 23:47 Uhr
Btw, die eine Frau heißt Hannelore und nicht Hannerlore und die andere schreibt sich Sunnyi Melles.
Kommentar #9 von www am 30.06.2010 um 07:23 Uhr
ich habe euch mal kritisiert irgendwann worauf ihr mir eure fibel um die ohren gehauen habt.
aber irgendwie ist die kritik an euch doch immer die gleiche (z.bsp. blockbuster-bashing)….vllt. solltet ihr manche kritik doch mal an euch ran lassen….aber wat solls….das hier jedoch stört mich wirklich:
ihr wollt keine objektive meinung äussern sondern eure eigene??
das ist euer großes anliegen hier auf der seite.
aber da passt doch was nich:
zitat nilz oben:
“vielleicht hat der film nur 3 sterne verdient. aber vielleicht ist der ja auch gar nicht für mich gemacht? vielleicht soll der in erster linie kids ansprechen und für erwachsene wenigstens nicht superdebil rüberkommen?”…..usw.
bei diesem film schaut nilz eindeutig darauf was der film aussagen möchte und was er eventuell bei leuten erreicht deren geschmack dies ist.
somit ist hier ist eine objektivere betrachtung des films zu sehn als bei anderen….
und hey ganz ehrlich dein fazit des films hört sich auch nicht nach 3,5/5 punkten an.
Kommentar #10 von HerrSchuh am 30.06.2010 um 17:34 Uhr
Word.
Kommentar #11 von der magnus am 30.06.2010 um 21:36 Uhr
Warum sprichst du immer von Hörspielen, der Film basiert auf den Büchern von Enid Blyton (siehe u.a. Poster). Und vielleicht wäre es sinnvoll eine/n Kritiker/in heranzuziehen, der/die die Bücher auch gelesen hat, denn mich würde es schon interessieren, inwiefern es als Literaturverfilmung gelungen ist.
Und jetzt wünsche ich mir ein Alibi-Kind, das mit mir den Film anschauen geht ;)
Kommentar #12 von CK am 04.07.2010 um 21:18 Uhr
Warum sprichst du immer von Hörspielen?? Der Film basiert auf den Büchern von Enid Blyton (siehe u.a. Poster). Außerdem wäre es vielleicht sinnvoll gewesen eine/n Kritiker/in heranzuziehen, der/die die Bücher auch gelesen hat. Denn mich würde es schon interessieren, inwiefern “Hanni und Nanni” als Literaturverfilmung gelungen ist.
Und jetzt wünsche ich mir ein Alibi-Kind, das mit mir den Film anschauen geht ;)
Kommentar #13 von CK am 04.07.2010 um 21:22 Uhr
Ich hab weder den Artikel hier gelsen noch irgendwelche anderen, aber ich weiß das ich mir den Film nicht ansehen werde… Als Kind (bin zwar erst 16 aber egal) habe ich Bücher und Anime Serie GELIBT und ich hab mich gefreut als cih gesehen habe das es einen Film geben wird, dann hab ich den Trailer gesehen und war entsetzt, dsa was die einem da als Hanni und Nanni verkaufen wollen ist alles aber kein Hanni und Nanni, genau wie eine Freundin die sich genau so gefreut hat wir haben uns über den Trailer unterhalten und sidn eindeutig zu dem Schluss gekommen dsa Hanni und Nanni nicht die Zwillinge sind die in irgendwelchen Kaufhäusern randale machen, egal ob die den Moderner machen wollen, sowas kann man Kinder Idolen nicht antun…. Meine meinung wem die nicht passt dem kann ich leider nicht helfen
Kommentar #14 von Ann-Christine am 19.07.2010 um 10:27 Uhr