“You wouldn’t have to change for me Bella. I’m in love with you, and I want you to pick me instead of him.”
Originaltitel: The Twilight Saga: Eclipse
Herstellungsland: USA 2010
Regie: David Slade
Darsteller: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Billy Burke, Ashley Greene, Bryce Dallas Howard, Dakota Fanning, Anna Kendrick, Nikki Reed, Peter Facinelli




Jet Strajker




Batzman
Alles wie gewohnt in Forks, Washington: Herzschmerz, Eifersucht, schlechtes Wetter. Bella (Kristen Stewart) steht immer noch zwischen den Fronten und ihre Perücke sieht gar fürchterlich aus. Edward und sein Vampirclan müssen sich gegen eine so genannte “New Blood”-Armee von Blutsaugern zur Wehr setzen, und die oberkörperfreien Indianerwölfe stehen ihm trotz aller Rivalitäten bei. Das macht die Sache für Bella nicht einfacher. Sie ist jetzt zwar verlobt mit dem Vampir (Robert Pattinson), empfindet aber auch Liebe für den Werwolf (Taylor Lautner). “I love you”, gesteht sie Jacob, bei Edward dann schon “I love you more”. Wirklich kompliziert war und ist das alles nach wie vor nicht, aber langsam geht’s ans Eingemachte: Die Hochzeitsglocken drohen zu läuten und der erste Sex kommt bestimmt. Endlich!
Ich hätte es damals nicht für möglich gehalten, dass die Teenie-Trash-Romanze “Twilight” – bis dato noch lediglich ein, ich sage mal: Jugendbuch-Phänomen – solch ein kommerzieller Erfolg werden würde. Nun muss man ja mittlerweile, neben den Adaptionen der “Harry Potter”-Romane, wohl vom größten und wahrscheinlich auch wichtigsten Kino-Franchise der letzten zehn Jahre sprechen. Das lässt sich als aufmerksamer Filmfreund nur noch schwer umgehen, auch wenn die Filme eigentlich, nun ja, etwas doof sind. Und konservativ und ein bisschen sehr langweilig. Aber immerhin sprechen wir von einer Serie, für die zum Teil hochinteressante Regisseure verpflichtet wurden, oder zumindest im Gespräch waren – zuletzt gar David Cronenberg, der den zentralen Vampirmensch-Konflikt der schönen Bella gewiss nicht nur als schmachtvolle Sehnsuchtsmetapher verhandelt hätte.
Mit dem bisher auf etwas abseitige Genrefilme wie den superguten “Hard Candy” oder den superschlechten “30 Days of Night” abonnierten Briten David Slade haben die Produzenten für den dritten “Twilight”-Film “Eclipse” aber auch eine alles andere als langweilige Regiewahl getroffen. Nach Catherine Hardwicke und Chris Weitz bringt Slade ein deutlich markanteres visuelles Konzept in die Serie ein, das sich in modischen (aber eben immerhin:) Horrorbildern verortet. Neben den üblichen rührseligen Gefühlsbekundungen zwischen Bella und ihren monströsen Verehrern, Vampir-Romeo Edward und Sixpack-Werwolf Jacob, setzt der dritte Film zudem einige dramaturgische Actionakzente, die Slade mit spürbarer Genreaffinität möglichst ausspielt. Dafür, dass hier zum dritten Mal in Folge eigentlich nichts passiert, passiert dann doch so einiges: Kämpfe und so was, durchaus unterhaltsam.
Slade findet im Vergleich zu seinen Vorgängern ein ausgewogenes Verhältnis zwischen romantischem Sinnieren in Larifari-Dialogen und mehr oder weniger packenden Action- und Horrorszenen. Der dritte Film rückt, was seinen Look und die besseren visuellen Effekte betrifft, nunmehr tatsächlich in den Bereich des Blockbuster-Kinos vor, auch wenn das Budget von nicht einmal 70 Millionen US-Dollar immer noch bescheiden ausfällt in Relation zum erwartungsgemäß gigantischen Einspielergebnis. Aber: Das ist alles gut gemacht hier. Der Score von Howard Shore ist sogar großartig, geradezu episch, konkurriert im Film hingegen natürlich mit zahlreichen schwerfälligen Pop- und Indiesongs. Allerdings sind auch die wieder schön! Wenn Muse etwas von einer Neutron Star Collision singen, verkauft sich diese jugendliche Ménage à trois zumindest nicht unter Wert.
“Eclipse” gibt allmählich Anlass, “Twilight” heimlich mögen zu dürfen. Für junge Mädchen und sicher auch ein paar Jungs kurz vorm Coming Out ist diese Serie eine legitime Projektionsfläche für naive idealisierte Träumereien. “Twilight” konserviert klassische Prinzessinnenwünsche, für die es offenbar immer noch Bedarf gibt. Bella ist, getreu dieser Logik, so etwas wie das Pony von heute. Und natürlich scheint es bezeichnend, dass derlei Mädchenfantasien offenbar nur noch im Fantasy-Kontext ausgemacht werden dürfen, um einigermaßen integer zu bleiben. Das verrät wohl doch einiges über das ideologisch vermeintlich bedrohliche Potenzial dieser Filme, die ihrer konservativen Sehnsüchte zum Trotz wohl nichts weiter als harmlose Bebilderungen unschuldiger Pubertätswünsche sein können.

Batzman meint:
“Has he no shirt, or what?”
Filmisch nähert sich der dritte Twilight-Teil in der Tat von unansehbar kommend dem Bereich meh. Vielleicht wird man auch einfach mürbe oder gnädiger, weil Kirsten Stewart in Interviews und anderen Filmen immer so hübsch sympathisch ist und mit der Nudelhupe Bella recht wenig gemein zu haben scheint. Ja Twilight Eclipse nervt weniger als seine Vorgänger.
That being said, muss aber dennoch angemerkt werden das er von gut auch noch ein paar Kontinente weg ist. Was diesmal weniger an den Herumschmoll Marathons liegt, die im Vergleich zu den Vorgängern deutlich zurückgefahren wurden, sondern an der Harmlosigkeit der Inszenierung, die angeblich tödliche Bedrohungen in einer kuschligen Blut- und Spannungsarmut inszeniert das Harry Potter dagegen wie italienische Exploitationware der 70er wirkt. Gut, zumindest passiert im Gegensatz zu früher mal überhaupt irgendetwas in den Filmen, diesmal steht eine Vampirarmee in den Startlöchern und zwingt Werwölf-Bubis und die guten Vampireumel gemeinsam zu kämpfen, und ein paar nette Rückblenden erzählen warum sich die Indianerteckel und die Vampire historisch nicht riechen können, aber es erstaunt dennoch, wie es den Machern gelingt so wenig Handlung tatsächlich auf volle zwei Stunden zu strecken.
Besonders wenn im finalen Akt der eigentliche Krieg mit der “Vampirarmee” (die aus einer Handvoll missmutiger Kids besteht, die man anscheinend mit der Aussicht auf Gratis-Rasierklingen vor irgendeinem Goth-Club abgeschleppt hat) fast vollständig im Off stattfindet, während Bella, Edward und Jacob auf einem verschneiten Hügel mal wieder ihre Beziehung durchdiskutieren müssen. Jakob ist seit Edward wieder da ist mit der Gesamtsituation unzufrieden, Bella will endlich gebissen werden und vögeln und Edward ist im wesentlichen da und fletscht im 15min Rhythmus die Beißer, wenn ihn wieder Emotion überkommt, wo wie andere Leute ein Schluckauf. Natürlich geht es – entgegen aller Behauptungen einer übergeordneten Handlung im Endeffekt nur darum mit wem Bella denn letztlich katsching machen wird.
Was mal wieder gut die grundsätzliche Problematik der Story auf den Plan bringt: Bella ist ein furchtbarer Charakter. Sie besitzt kein Eigenleben, nichts was sie wirklich auszeichnet oder menschlich attraktiv macht. Abgesehen von ein zwei “frechen” Sprüchen die man ihr diesmal zugesteht um sie überhaupt als lebendiges Wesen durchgehen zu lassen, bleibt es das Mysterium des Films, warum sich irgendjemand – ganz zu Schweigen von einem erfahrenen Altersweisen Vampir und einem rolligen Werwolf für sie interessieren sollten. Gut der gemeine Heterosexuelle soll ja bisweilen recht simpel funktionieren, solange irgendwo Titten dran sind – aber selbst im Bereich tumbe Blinsen gibt es ja sicher attraktivere Kleiderständer als Bella, die im sozialen Umgang ja weiterhin das Fingerspitzengefühl eines zurückgebliebenen Höhlentrolls beweist.
Vielleicht liegt es an meinem grundsätzlichen Unverständnis für Prinzessinenfantasien, aber irgendetwas an diesem Jungmädchentraum stinkt zum Himmel, wenn sich wirklich das gesamte filmische Universum nur noch um Bella dreht. Vampire und Werwölfe – selbst die die nicht in sie verliebt sind – vergessen ihren jahrtausendealten Zwist nur um sie zu beschützen. Nicht nur Jakob, Edward und ihr Vater (der immernoch ungerechtfertigt sympathisch ist und aussieht als wäre er gerade aus einem schwulen Lederclub gekommen) – nein die ganze Welt hat nur noch Bella im Kopf. Ist das wirklich die schönste Phantasie unscheinbarer junger Mädchen? Das sie nichts machen müssen, sich wie verwöhnte kleine Bratzen benehmen dürfen, aber mal so gar keine intellektuellen Qualitäten wie Witz, Charme, Bildung oder Esprit an den Tisch bringen müssen und dennoch bedingungslos von allen umschwärmt werden? Sorry, Missis, aber wenn das euer Traum ist, dann lasst euch bitte begraben, denn ganz ehrlich kann der Genpool auf diese Art von Tussi-Gehabe auch prima verzichten.
Storytechnisch ist es natürlich folgerichtig, wenn sich Bella zwar von Jakob den Arsch nachtragen und versichern lässt wie endgeil sie doch ist, ihm aber bei jeder Gelegenheit vor den Koffer kackt. Was sollte sie auch mit jemanden anfangen der sich tatsächlich menschlich verhält, Humor hat und dessen Vorstellung von Spaß haben aus etwas anderem besteht als nur auf einer Blumenwiese zu sitzen und schlechte Schüttelreime zum Besten zu geben. Bella verdient einen Langweiler wie Edward, der gutaussehende Werwolf-Haufen hat wahrscheinlich ohne die kleine Prinzessin eh mehr Spaß miteinander.
Okay fassen wir zusammen: Der Film ist weniger furchtbar als seine Vorgänger, hat einen Hauch mehr Handlung und kinderfreundliche Actionszenen mit gipsköpfigen Vampiren die trotz angeblicher Armeestärke immer noch aussehen wie Raufereien einer Schülerklasse beim Ausflug in den Harz. Ein bißchen mehr Humor kommt dank den Werwölfen ins Spiel, doch das im Intro angeteaste Versprechen die Vampire mal tatsächlich als Bedrohung ernst zunehmen bleibt genauso wie echte Charakterentwicklung auf der Strecke. Dafür hat es ein paar nette Sprüche und eine Schulabschlusrede, die wahrscheinlich der einzig solide geschriebene Teil des Films ist, der mehr als zwei Zeilen hat.
Jets Hoffnung aus der Vorlage könne ja mit irgendeinem wirklich guten Regisseur mal etwas wirklich großes werden, halte ich jedoch auch für verfrüht, denn als Alfonso Cuarón damals die Harry-Potter-Serie aus den Untiefen des Kinderfilms rettete, nutzte er nur das Potential der Bücher endlich aus, in denen die Komplexität und Dunkelheit bereits angelegt war. Bei Stephanie Meyers Oeuvre wäre das aber wohl der Versuch im Sandkasten nach Öl zu bohren.
Es bleibt belanglos, aber dann auch wirklich nicht mehr schlecht genug um den Film wirklich zu hassen. Denn seien wir ehrlich: Auch wenn sich “True Blood” mit mehr Blut und Titten tarnt: Viel tiefsinniger ist die Beziehung der Protagonisten dort auch nicht.
- Jet Strajker •
- Juli 2nd, 2010 •
- 43 Kommentare
- Schlagwörter: Horror, Review, Twilight, Twilight Eclipse, Vampire









































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