Okay, hier drei Starts der Woche: Karate Kid (2010) +++ Knight and Day +++ Micmacs – Uns gehört Paris
Karate Kid – USA 2010
Batzman: 




Renington Steele: 





Der kleine Junge Dre (Jaden Smith) wird von seiner Mutter gezwungen nach China zu ziehen. Dort bekommt er von bösen Asia-Jungs so lange aufs Brett, bis ihm Jackie Chan zeigt wie man Kung-Fu lernt. Und deswegen nennt er sich dann Karate Kid. Oder so…
Ein weiteres glattgebügeltes 08/15-Remake, das sich in diesem Fall zwar sklavisch an die Vorlage hält – es aber trotzdem nicht schafft zu überzeugen. Fast alles ist 1:1 kopiert, doch die wenigen Änderungen die eingefügt wurden schaffen es die Geschichte ziemlich zu ruinieren. Und das nicht nur, weil die eindrucksvollen Lokalkolorit versprühenden Aufnahmen immer den faden Beigeschmack eines Chinas mit sich tragen, das die Tourismusbehörde schnell von allen Dissidenten gereinigt hat.
Gröbster Fehler ist die Verschiebung des Alters der Hauptfigur, die die gesamte Storykonstruktion aus dem Gleichgewicht bringt. Ein 16-17jr Teenager der sich mit Karate in einem Wettkampf durchsetzen muss und in ein Mädchen verliebt funktioniert – zumal wenn er von Ralph Maccio gespielt wird.
Ein arroganter 12jr der aussieht als wäre er höchstens 10 funktioniert gar nicht. Besonders dann nicht, wenn er wie im Falle von Jaden Smith nur zwei verschiedene Gesichtsausdrücke kann: Cooler Rap-Poser und weinerliches Kleinkind. Während Jackie Chan eine durchaus ansprechende Neubesetzung des Mentors ist (der leider vom Skript ziemlich im Regen stehen gelassen wird), nervt Will Smiths Sprössling ganz gewaltig. Er ist kein charmantes Motormouth, kein naiv-freundlicher Zeitgenosse wie Daniel-San damals, er ist eine muffiges, verzogenes Gör, das gern einen auf dicke Hose macht und wenns ernst wird anfängt nach Mami zu schreien.
Wo im Original noch halbwegs nachvollziehbare Machtkämpfe unter Jugendlichen zwischen 17-22 inszeniert wurden, macht es hier so gar keinen Sinn, wenn die bösen Kung-Fu-Kids Dre nicht nur zusammenschlagen sondern tatsächlich töten wollen, wenn Jackie Chan Kinder zusammenschlägt um Dre zu beschützen und ihn tagelang die Jacke aufhängen lässt. Wax on, Wax off, war schon konstruiert, funktionierte aber im Rahmen der Story wunderbar – hier ist alles nur banales Kindergarten-Geplänkel. Mögen auch die Kampfszenen härter und realistischer sein, die Storylogik quietscht als würde ein Kindertheater die Originalgeschichte nachspielen, als würden sich Kinder Bärte ankleben um wie Männer zu wirken.
Dre ist kein ebenbürtiges Gegenstück zu Jackie Chan, der den ganzen Film guckt, als wüsste er selbst nicht was er mit dem unsympathischen Jammerlappen anfangen soll. Unmotiviert wird ein Trip zum Kloster der pieselnden Mönche eingeschoben, unmotiviert werden asiatische Glückskekssprüche gemurmelt, gegen die Mr. Miyagi wie Existenzphilosophie wirkte.
Das Original ist eine Geschichte über Freundschaft, mit überraschend bitteren Zwischentönen. Das Remake ist Musikvideo-Schrott ohne Anspruch, Logik und vor allem ohne Figuren die wirklich im Gedächnis bleiben.
Mit Ausnahme vielleicht der Mutter, deren coole Black-Mama-Attitüde nach zehn Minuten so auf den Sack geht, das man wünschte sie würde bei der nächsten Tempelführung in ein Loch fallen.
Wenn zu beginn der platte Lacher gesetzt wird und Jackie Chan statt die Fliege mit den Stäbchen zu fangen sie mit der Fliegenklatsche platthaut, dann ist das gleichzeitig Sinnbild für die Herangehensweise des Films, der vieles aufbläht und größer macht und dabei gleichzeitig alle Nuancen ignoriert, die das Original liebenswert machten. Es ist schon peinlich mit anzusehen, wie ungeschickt hier die gesamte Romanze – die natürlich nicht funktionieren kann, weil hier eben kleine Kinder zu sehen sind – aufgerollt wird. Wenn man schon Minuten vorher weiß, das gleich der lustige Scherz mit dem Schattenriss der beide beim Küssen zeigt, kommt, weil die gesamte vorangegangene Szene schon überdeutlich und ohne jede Finesse beide Kids vor eben diese Leuchte setzte, dann ist klar: Das ist Kino 2010 – wo der inszenatorische Dampfhammer selbst die cheesig-liebenswerten Ungelenkheiten eines alten 80er Films wie hohe Filmkunst wirken lässt.
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Renington meint: Das Review über mir ist typisches Rumgebatze. Weder versaut die Besetzung den Film, noch ist er seelenlos. Das ist alles Unfug. Dieses Remake reicht sicherlich nicht an sein Original heran, weiß aber auf weiten Strecken zu unterhalten, bietet ein packendes Finale und schaut sich trotz Überlänge erstaunlich flott.
Selbstverständlich hat Jayden Smith mehr drauf, als „zwei Gesichtsausdrücke“. Tatsächlich ist die Besetzung nicht wirklich daneben, sondern eben anders. Hier ist es wirklich ein „Kid“, das einen Kampfsport lernt und Batzman musste ja auch unbedingt das Nicht-Argument Kung Fu bringen… sicheres Zeichen eines Reviews ohne wirkliche Argumente… das zu kritisieren ist so, als würde man Rocky dafür kritisieren, dass darin kein richtiger Boxsport gezeigt wird (der dort nicht gezeigt wird). Das ist alles Blödsinn.
Selbstverständlich lässt das Remake die Wärme des Originals vermissen, wobei ich mir allerdings nie sicher bin, ob diese gefühlte Wärme nicht vor allem in der Nostalgie begründet liegt.
Ein paar Fakten: Jayden Smith macht seine Sache gut und hat sicherlich mehr als „zwei Gesichtsausdrücke“. Auch die Figur eines 12jährigen als Karate Kid versaut keinen Film und das weiß eigentlich auch jeder, der mal 12 Jahre alt war. Jackie Chan als stoischer Gegenpart spielt großartig und es macht ihm sichtlich Spaß, mal nicht die Martial Arts-Faxen auspacken zu müssen. Beide zusammen ergänzen sich prächtig, wenn man sich nicht zwanghaft das Gespann Macchio/Morita vor Augen führt, sondern den Film ausnahmsweise mal für sich stehen lässt.
Karate Kid, das Remake, macht Spaß, er unterhält und ist am Ende sogar mitreißend und viel mehr habe ich mir von ihm gar nicht erwartet. Eigentlich hätte der Film eine durchschnittlich/gute Note von 3 Sternen verdient, aber wegen Batzis Batzigkeit kriegt er von mir einen halben Stern mehr. So als ausgleichende Gerechtigkeit, ganz im Sinne des Films. ;P
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Knight and Day – USA 2010





Die etwas tollpatschige June (Cameron Diaz) stolpert auf dem Flughafen in den Geheimagenten Roy (Tom Cruise) hinein. Was wie ein Missgeschick aussieht ist der Auftakt zu eine rasanten Tour-de-Force rund um den Globus, bei der June zwischen die Fronten von Roy und bösen Schurken gerät, die hinter einer fantastischen Erfindung her sind…
Und noch ein Throwback in die 80er. Wo Karate Kid sich an einer verkrampften Moderniesierung eines Popcorn-Klassikers versucht, nimmt sich der überraschend unterhaltsame “Knight and Day” die klassischen Actionkomödien dieser zeit vor und gibt sich dabei überraschend Retro. Wie bei der “Jagd auf den Grünen Diamanten” oder dem “Vogel auf dem Drahtseil” wird hier ein absolut fluffig-leichtes Actionabenteuer zelebriert, das nichtmal ansatzweise versucht logisch oder plausibel zu sein.
June ist den halben Film narkotisiert, wenn Roy sie von einem Ort zum anderen schleppt, die Action ist derartig Over-the-Top, dass selbst Roger Moore-Bonds neidisch werden und Tom Cruise spielt zielsicher auf Autopilot. Er mag ein spinnerter Scientologe sein, der schon lange nicht mehr alle Marmeln im Becher hat – aber charmant grinsende Action-Typen mit leicht dunkler Note kann er.
June macht da in Form von Cameron Diaz eine solide Figur, wirkt aber nicht ganz so in ihrem Element, was auch daran liegen mag, dass Diaz in vielen Szenen überraschend fertig aussieht und die 37jr locker auch für Mitte 40 durchgehen könnte, wenn ihr Gesicht doch die Spuren einiger plastischer Eingriffe und Botoxspritzen zu verraten scheint. Was nichts daran ändert, dass June in ihrer gebremsten Hysterie ganz sympathisch ist, auch wenn sie mehr Goldie Hawn als Kathleen Turner channelt.
Knight and Day ist unglaublich altmodisches Popcorn-Kino, bei dem die schiere Häufung an absurden Situationen darüber hinwegtröstet, dass die Story nicht wirklich Sinn macht und der MacGuffin in Form von Paul Danos Erfindung auch nicht wirklich vom Pott haut. Es kracht und zischt und explodiert, es sterben haufenweise Bösewichte und dennoch bleibt der Tonfall locker und humorvoll. Die mißtrauische Screwball-Liebe zwischen Roy und June rettet den Film, weil immer dann wenn man sich fragt, wie blöde das eigentlich doch alles ist, schon die nächste Szene kommt, eine andere Stadt die Aufmerksamkeit fordert und einige durchaus hübsche Kalauer für Abwechslung sorgen.
Selbst die – bei allem Milliardenbudget – zum Teil etwas holprigen Green-Screen-Aufnahmen und digitale Stiere gehen in diesem Cheese-Fest noch im Augenzwinkern unter.
Knight and Day ist unwichtig, er löst sich nach dem Ansehen recht schnell im Kopf auf… aber in diesem enttäuschenden Kinosommer ist er schon fast ein kleiner Lichtblick, weil er kein Franchise bedient, kein direktes Remake ist und insgesamt so harmlos spassig daherkommt, das es schwer fällt ihn als vergessenswerte Unterhaltung nicht doch zu mögen.
Micmacs – Uns gehört Paris – Fr 2009





Basil (Dany Boon) ist gleich doppelt von der Waffenindustrie geschlagen: Sein Vater wurde im Krieg von einer Landmine zerfetzt und als Erwachsener bekommt der verwaiste Mann eine Kugel in den Kopf. Diese tötet ihn nicht, macht ihn aber zum freakigen Aussenseiter, der mit einer Reihe skurriler Freunde beschliesst sich an den Waffenherstellern zu rächen…
Öchz. Es ist so anstrengend sich Jean-Pierre Jeunot-Filme anzuschauen, da er sich einfach nicht wirklich weiterentwickelt und lediglich die immergleichen Taschenspielertricks recycelt, die er seit Delicatessen im Ärmel hat. Überartifizielle Bilder, die aber trotzdem ein bißchen langweilig aussehen und ein Figurenensemble das so voller liebenswerter Ticks und Macken steckt, das so mit aller Gewalt verschroben Herzerwärmend sein möchte, das man kaum anders kann als sich unsittlich am Gefühl berührt zu sehen.
Ärgerlicher wird die ganze Sache noch dadurch, dass Jeunet sich diesmal eines immer aktuellen und schweren Themas annimmt, das man mit seiner zuckrigen Kuschelkonsensens-Herangehensweise nur schwer in den Griff bekommt. Diese Klein-Moritz-Sicht auf Waffenhersteller hätte als Parabel unter der Feder eines talentierten Autoren wie Roald Dahl vielleicht eine Chance gehabt, aber da Jeunet ja jeden echten Konflikt scheut und prinzipiell alles irgendwie knuffig-skurril haben möchte, bleibt am Ende mehr Frustration als Erkenntnis zurück. Denn zum Thema Waffenlobby hat Jeunet so gar nichts zu sagen – sie sind ihm gefällige Bösewichte, die er aber nie wirklich ernst nimmt. Genau wie die sich anbietenden Heist-Elemente die in ihrer ganz doll verschrobenen Cartoonigkeit ebenfalls wie aufgewärmtes Essen von vorgestern schmecken.
Jeunots gefällige Malen-nach-Zahlen-Künstlichkeit bleibt ärgerlich antäuschende Analog-Filmkunst (als Gegenstück zu Analog-Käse), deren schmierige Gefälligkeit nach dem Beifall derjenigen heischt, die American Beauty und Amelie schon für Indie und Arthaus halten.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 22nd, 2010 •
- 21 Kommentare
- Schlagwörter: Karate Kid, knight and day, Micmacs, Review











































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