“You’ve got a playdate with destiny!”
Originaltitel: Toy Story 3
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Lee Unkrich
Drehbuch: John Lasseter, Andrew Stanton, Lee Unkrich, Michael Arndt
Darsteller (Sprecher): USA: Tom Hanks, Tim Allen, Joan Cusack, Ned Beatty, Michael Keaton, Whoopi Goldberg
Deutschland: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian




Nilzenburger




Batzman




Jet Strajker (Review gibt’s hier)
Wie das Leben eines Spielzeugs so spielt: Die Kinder, deren Lieblingsspielzeug man war, werden größer und älter, sie machen die Schule fertig und gehen aufs College – und mit den Spielzeugen wird immer weniger gespielt. Und weniger. Und weniger. Ausserdem dezimieren sie sich, weil über die Jahre auch mal eins verloren geht oder auf dem Flohmarkt verkauft wird. Am Ende verstaubt man in einer Kiste. So geht es auch Woody und Buzz Lightyear und ihren Freunden. Die Soldaten verschwinden schon freiwillig und wollen sich neue Kinder suchen. Denn Andy geht aufs College. Nun ist die Zeit, in der er mit Figuren spielt endgültig vorbei. Einzig Woody will er, als Erinnerung, mitnehmen auf seine Studentenbude. Was den Cowboy natürlich zwischen die Fronten stellt: Andys Lieblinsspielzeug bleiben oder bei seinen Freunden bleiben? Aber ein Spielzeug, mit dem nicht mehr gespielt wird, das macht doch gar keinen Sinn, oder?
SPOILER AHEAD
Nach einem ungewissen Hin und Her landen sie alle als Spende im örtlichen Kindergarten. Freude herrscht unter den Spielzeugen: Jetzt wird wieder mit ihnen gespielt! Jetzt hat ihre Existenz wieder einen Sinn! Und die neuen Spielzeuge, allen voran der rosa Kuschelbär Lotso, sind so nett und freundlich! Ja, hier würden sie ein neues Leben beginnen. Lotso teilt ihnen einen Bereich zu und freudig erwarten sie die Kinder. Und jetzt dämmert es ihnen langsam: Sie sind den Kleinsten zugeteilt worden: Kleinkinder, die den Wert von Spielzeug nicht kennen oder schätzen. Sie reissen an ihnen, stecken sie in den Mund, werfen sie herum. Als sie mit Lotso reden wollen, um dieser Spielzeughölle zu entkommen, zeigt sich sein wahres Gesicht: Desillusioniert, weil seine damallige Besitzerin ihn hat fallen lassen, regiert er nun wie ein Despot über die Spielzeuge des Kindergartens. Und das ist beileibe nicht das einzige Problem, das unsere Spielzeuge haben. Denn durch eine Verkettung unglücklicher Umstände, kann man auch schonmal in der Müllverbrennungsanlage landen…
Ich glaube nicht, das ich zu viel gespoilert habe. Irgendwas muss ich euch ja über den Film erzählen. Es ist nun 2 Wochen her, das ich in der Pressevorführung war und das Gefühl hält immernoch an, deswegen wird es wohl so sein: Toy Story 3 ist ziemliche Perfektion für mich. Ich war schon von Beginn an Fan der Reihe, der Figuren, der ganzen Handlung. Beim ersten Teil konnte man das vielleicht noch mit dem staunen über den ersten komplett computeranimierten Film abtun, aber schon da mochte ich eben auch die Handlung (Ich könnte jetzt auch ausholen und erzählen wie ich damals in Köln auf der grossen Galapremiere mit Freunden als letztes noch auf der After-Show-Party war und wir dann so getan haben, als würden wir beim Abbau helfen und die riesen Pappaufsteller der Figuren schnell in unser Auto geworfen haben – den Buzz Lightyear in Übergrösse hatte ich noch jahrelang…:)). Diese Spielzeuge umgab immer etwas Besonderes. Man hatte nie Grund zum Zweifel, das sie wirklich lebendig wären. Und natürlich ist gerade die Animation von Spielzeug ja wie geschaffen für einen computeranimierten Film. Da sieht das Plastik eben wie Plastik aus..
Den zweiten Teil mochte ich auch, erstaunte mich doch die Chuzpe der Macher, sich einem so eher nerdigen Kleinuniversum wie Spielzeugsammlern anzunehmen und zur zentralen Geschichte zu machen. Auch da wieder: Ein schöner Beat aus Bedrohung, Humor und in sich stimmigem Universum.
Was aber Regisseur Lee Unkrich, der bei den vorherigen Episoden “nur” Co-Regisseur war, nun mit dem dritten Teil abgeliefert hat, ist die reinste Essenz. Ist Toy Story to the max/to the bone je nach Betrachter. Das Buch ist so unglaublich dicht geschrieben, die Figuren sind trotz Plastik so plastisch wie noch nie und der Rythmus ist mir so bei noch keinem einzigen Animationsfilm untergekommen. Das Drama wechselt sich mit spielerischer Leichtigkeit mit dem Spass ab. Die Figuren und ihre Probleme gehen zum ersten Mal wirklich zu Herzen. Die Emotionen sind authentischer, als das gesamte Œvre von, meinetwegen, Jodie Foster. Ich habe in diesem Film so sehr gelitten, wie in noch keinem Pixar Film und bin dennoch ebenfalls so glücklich, wie noch aus keinem Pixar Film aus dem Kino gekommen.
Ich muss an dieser Stelle minimalst spoilern, wenn du GAR NICHTS über den Film wissen möchtest, dann überspringe diesen Absatz, aber: Die Szene in der Müllverbrennungsanlage ist so unglaublich fesselnd und mitreissend, das ich fast auf meinem Stuhl gestanden habe. Dieser Zusammenhalt der Freunde, der in dieser Szene gezeigt wird: Wem da kein Tränchen kommt, der hat noch nicht gelebt.
Der Film hat natürlich mehrere Metaphern. Es geht um Abschied und ums Altern. Es geht um das Erwachsenwerden, weswegen der Film auf einer Meta-Ebene auch eine “coming of age”-Story ist (“Meta” weil er das erwachsenwerden von Andy durch die Spielzeuge erzählt…). Gleichzeitig ist er aber auch eine Art “Rocky Balboa” für Kinder. Denn er stellt ganz offensiv die Frage: “Wohin mit den Alten?”, wenn in diesem Fall auch Spielzeuge gemeint sind, so stehen sie doch auch ein Stück weit für Eltern. Oder Andy als “Vater” der Spielzeuge.
Toy Story 3 ist sicher auf seine ganz eigene Art düsterer, morbider als die Teile davor. Das liegt in der Natur der Sache, denn diesmal geht es um existenzielle Fragen. Die Frage nach dem “danach”, nach dem “Wie geht es weiter?”. Ich empfand den Film deswegen als sehr philosophisch. Allerdings nicht so sehr, das es den Spass killen würde. Hier wurde die perfekte Balance aus allem gefunden. Die Power hollywoodscher Drehbuchkunst in Reinform. Ein bisschen hat mich das an Tim Burtons ersten Film “Pee-Wees Big Adventure” erinnert, einer meiner All-time-Favourites…Wenn ich noch weiter schwärme, denkt man ich würde dafür bezahlt. Aber im Ernst: Unglaubliches Meisterwerk.
Die deutsche Synchro verwirrt zuerst durch Michael Bully Herbig als Stimme von Woody, aber man gewöhnt sich schnell dran (Peer Augustinski kann es ja nicht mehr machen…). Zu kritisieren wäre das “im Off”-rausschreiben von Figuren, wie dem Schäfermädchen, die ja immerhin lange genug Woodys Love Interest war. Ihr gönnt man nicht mal eine kleine Szene und sei es nur ein Rückblick, warum sie nicht mehr da ist. Das wird nur erzählt. So etwas mag ich nicht. Man muss schon gut mit seinen “Darstellern” umgehen, auch wenn sie nicht echt sind. Aber das ist jammern auf allerhöchstem Niveau. Den Meisten wird es vermutlich nicht mal auffallen.
Anderer Kritikpunkt, falls das für irgendjemand ein Kriterium sein sollte: Das ganze in 3D zu sehen ist komplett überflüssig. Die meiste Zeit habe ich die Brille aufbehalten, damit wenigstens das Bild scharf ist, aber leider wird das durch die Plastikdinger ja auch immer leicht verdunkelt. Der Film braucht so einen Stuss nicht, um plastisch zu wirken. Wenn ich ihn nochmal gucke, dann in 2D, um die volle Farbenpracht zu bekommen. Das 3D nutzt dem Film an keiner Stelle, bietet erzählerisch nichts und ist die meiste Zeit sehr unspektakulär nur auf Raumtiefe ausgelegt. Wenn das Zuschlag kostet: Lieber Finger weg und von dem Geld eher noch Schokonüsse oder ein Eis holen.
Von diesen minimalen Kritikpunkten abgesehen gilt aber: Wer wissen möchte, warum Hollywood immernoch das Mekka, das Zentrum und die Weltzentrale des großen, mitreissenden, emotionalen Kinos ist, der wird um diesen Film nicht herumkommen. Taschentücher einpacken!
Batzman meint:
“F.A.O. my Schwartz!”
Ich bin ja nicht eben als größter Fan der frühen Pixar-Werke bekannt. Toy Story fand ich als ersten echten CGI-Animationsfilm ganz schick, aber der hochgelobte zweite Teil war mir immer etwas zu rührseelig und noch heute bekomme ich leichten Ausschlag, wenn Cowgirl Jessie von Sarah McLachlans hypersülzigem “When she loved me” ihr Trauma aufarbeitet. Klar, es gab auch eine ganze Menge witziger Momente und die Einführung von Barbie war ein willkommener Neuzugang, aber die ganze Woodys Round-Up Bedrohung wirkte auf mich lange nicht so dramatisch, wie das Psychokind in Teil 1.
Ich war also etwas skeptisch, als ich Teil 3 ansah – den bislang hatte sich Pixar ja gerade durch neue Ideen ausgezeichnet und nicht als Firma profiliert, die Franchises bis zum letzten ausschlachtet, sondern gerade in den letzten Jahren durch genial-verschrobene Filme wie “Up” den Animationsfilm nochmal auf ein neues Level gehoben hatten. Meine Sorge hielt jedoch nicht lange vor. Wirken die ersten paar Minuten noch wie eine Rehash der vorangegangenen Teile (eingeleitet von einer wie immer großartigen Fantasy-Actionsequenz), zeigte sich bald die ganze eigene Qualität des Films. Im Gegensatz zu Shrek 3 und 4 – die wie passable Pflichtübungen wirken, waren sich die Macher von Toy Story 3 ihrer Verantwortung bewusst. Der Film ist ganz klar eine Herzensangelegenheit, die Pixars Anfangstagen huldigt und die Figuren an jeder Stelle mit dem nötigen Respekt behandelt.
Auch wenn es inhaltlich mehr als eine Parallele zum zweiten Teil gibt, ist die Stimmung des Films doch eine ganz andere. Andy ist erwachsen geworden und Toy Story wird es auch. Ist schon der Anfang von einer düstereren Melancholie geprägt, die weniger mit Schmalz als mit Resignation zu tun hat, verwandelt sich der Film mit dem Eintritt in die Kindertagestädte zu einem waschechten Gefängnisausbruchs-Streifen, der (ähnlich wie zuvor Chicken Run) das Setting des Knastalltags in ein vergleichbares Setting übersetzt und daraus viel Wortwitz und visuelle Gags generiert. Mit dem an den Paten erinnernden Lotso, dem sexuell ambivalent gehaltenen Ken, dem extrem creepigen Riesenbaby wirken die Bedrohungen diesmal sehr viel realer und ernsthafter als zuvor. War Stinky Pete eher eine Witzfigur, ist Lotso ein echtes Monster (das ganz nebenbei Jessies Story ins Psychopathenhafte spiegelt).
Wie üblich ist es bewundernswert, wie gut die Chemie zwischen den Figuren stimmt, wie alle liebgewonnenen Toys ihren Platz finden und mindestens eine gute Szene bekommen, wie treffend und witzig die Dialoge sind. Während Mike Meyers in Shrek seinen Text eher gelangweilt-routiniert runterspult, sind Tom Hanks, Tim Allen und vor allem Ned Beatty als Lotso in Topform und Kurzauftritte wie die von Timothy Dalton als Character-Actor-Igel Mr. Pricklepants sorgen für viel Witz. Der mag sich nicht zwingend jedem 6jr. Toy Story-Fan erschließen, aber jeder über 10 dürfte seine helle Freude an der anspielungsreichen Story haben, die trotz aller Sidegags, Popkulturreferenzen und spannenden Actionszenen nie zu einer Nummernrevue verkommt und der man am Ende sogar das hart am Kitsch schrammende Ende verzeiht. Diesmal wirkt es wirklich verdient, denn das düstere Finale jagt die Helden wirklich durch die Hölle und lässt den emotionalen Ausklang als verdient warmherzigen Ausklang gerechtfertigt erscheinen.
Technisch ist der Film natürlich ebenfalls untadelig und modernisiert den Look gerade soweit, das die im Vergleich zu den Vorgängern höhere Detailvielfalt auffällt ohne das die Hauptfiguren unpassend verändert werden. Das 3D, das auch hier erst während der Produktion beschlossen wurde, ist ähnlich subtil wie in “Up” – es verlängert die Leinwand zum Guckkasten, anstatt krampfhaft Dinge ins Publikum zu werfen. Es ist nett anzuschauen, aber Zuschauer die die 2D-Version sehen, verpassen nicht wirklich viel – abgesehen vielleicht vom großartigen Kurzfilm “Day & Night” – einer Mischung aus traditioneller und CGI-Animation, die eine der wenigen wirklich originellen Anwendungen des 3D-Verfahrens darstellt.
Toy Story 3 ist ein runder Film, der Elemente der ersten beiden Teile aufgreift und auf ein Level hebt, welches die reine Story (die wie erwähnt fast zuviele Parallelen zu Teil 2 besitzt) transzendiert. Es ist ein erwachsener, nostalgischer, spannender, actionreicher Abschluss der Reihe, die hoffentlich hiermit tatsächlich ihr Ende findet. Woody, Buzz und Co. dürfen in Kurzfilmen gerne weiter herumalbern, aber als Spielfilmreihe hat Toy Story ein perfektes Ende gefunden.
Und jetzt will ich nen Lotso haben!
Wer nochmal die ersten beiden sehen möchte, kann sich die ja hier holen. Das war ihr Amazon-Partnerlink. Die Firma dankt…:)
- Nilz N Burger •
- Juli 29th, 2010 •
- 54 Kommentare
- Schlagwörter: Animation, Pixar, Review, Toy Story 3









































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