“Fish with boobies.”
Originaltitel: Piranha 3D
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Alexandre Aja
Buch: Josh Stolberg and Pete Goldfinger
Darsteller: Elisabeth Shue, Steven R. McQueen, Christopher Lloyd, Eli Roth, Adam Scott, Richard Dreyfuss, Jerry O’Connell, Dina Meyer, Ving Rhames
Batzman: 




Renington Steele: 





Durch ein Seebeben werden Urzeitkrebse (pardon: Piranhas) freigelassen, die sich munter durch eine Horde Spring-Breaker fressen. Nur eine mutige Gesetzeshüterin versucht das Schlimmste zu verhüten…
Regisseur Aja dreht hier eine Horrorkomödie, die sich offenkundig eher an Dantes “Gremlins” als an dem Original orientiert, das sich eher durch unterschwelligen satirischen Witz, denn durch offene Comedyeinlagen auszeichnete. Was vielleicht keine so schlechte Idee ist, denn Piranhas sind alles mögliche, aber bestimmt nicht gruselig oder bedrohlich. Sie schauen aus wie Dolph Lundgren mit Verstopfung, sind wuselig und irgendwie sieht man nie genau, was sie eigentlich machen außer als blubbernder, giggelnder Schwarm herumzuschwimmen. Eine echte Manifestation des Grauens, eine unbegreifliche Bedrohung wie “Die Vögel” oder ein Ikonographischer Gegner wie “Der Weiße Hai” wird aus den kleinen Knabberguppies wohl nie werden.
Alexandre Aja hat das kapiert und versucht deswegen auch nie ernsthaft Spannung aufzubauen. Lieber ergeht er sich in mal mehr, mal weniger gelungenen Referenzen an das 70er und 80er Jahre Horrorkino. Da singt Richard Dreyfuss, der seine Rolle aus Jaws weiterspielt nocheinmal das Lied aus einer der Schlüsselszenen des großen Klassikers, da darf Christopher Lloyd nochmal den Doc Brown für Arme geben und Ex-Teeniestar Jerry “Stand by me & Ultra Man” O’Connel gibt mit Inbrunst den schmieren Girls Gone Wild-Pornoregisseur. Der Film stürzt sich mit Verve in das trashige Genre und versucht mit aller Macht den Spaß und die Unbeschwertheit der dummen, Blut-Effekt überladenen Filme vergangener Dekaden nachzustellen. Alles ist grell und laut und bunt und blutig und teilweise auch ganz witzig, wobei die beste Szene des Film die ersten 2 Minuten sein dürften.
Auch der Gimmickfaktor von 3D wird voll ausgespielt. Aja hat kein Interesse am “künstlerischen” 3D das so subtil ist, dass man es nichtmal mehr bemerkt. Er verspricht In-You-fucking-face-Effects und liefert sie auch: Piranhas schwimmen direkt nach vorne und grimmassieren in die Kamera und auch ansonsten fliegt so ziemlich alles nach vorne was nach vorne fliegen kann: Kotze, Titten, Blut, Pimmel, mehr Titten und noch ein bißchen Blut und Titten just for the damn of it. Was ein guter Ansatz ist, denn wenn 3D irgendeine echte Berechtigung hat, dann in solchen billigen Thrill-Rides, die tatsächlich ohne 3D einen Teil der Wirkung einbüssen werden.
Was jedoch enttäuscht ist wieder mal das FakeD, das postkonvertierte 3D, das einfach an keiner Stelle mit echtem 3D mithalten kann. So plakativ Aja auch mit Effekten spielt, selbst wenn eine blonde Uschi direkt in die Linse reihert, bleibt die digitale Kotze seltsam auf Abstand. Spätpubertäre Jungs die hoffen die dicken Hupen mal ordentlich in den Kinosaal ragen zu sehen, werden selbst beim breit ausgewalzten lesbischen Unterwasserballet wohl ein wenig enttäuscht sein. Konvertiertes 3D bleibt konvertiert und hat selbst wenn es so albern und gimmicky eingesetzt wird wie hier einfach keine echte Tiefe.
Zur Handlung bleibt wenig zu sagen, außer das sie insgesamt etwas unspektakulärer ist als die Werbung vermuten lässt. Ein wenig wirkt der Film wie um die große Strandparty-Szene herumgebastelt, die wohl die meisten finanziellen Ressourcen verschlungen haben dürfte. Sie ist das “Sahnestück” des Films, an dem Aja auch gleichzeitig zeigt, was ihn von wirklichem Funsplatter-Regisseuren wie dem frühen Raimi oder Jackson unterscheidet: Der Hang zum Sadismus, den er ja auch schon in seinen frühren Werken weidlich ausgekostet hat. Er maskiert seine Bloodscapades hier zwar als augendzwinkernd albern als Splatstick (oder fabuliert in Interviews von einer kritisch-satirischen europäischen Annäherung an die US-Kultur und scheint zu glauben, er sei der erste der auf die Idee gekommen sei das Abschlachten von dummen Jocks und Hupenludern als Seitenhieb auf die US-Kultur zu inszenieren), doch immer wieder weidet er sich genüßlich an Schmerz, Wimmern und Elend.
Nach dem Fressangriff sieht der Strand eher aus wie bei Private-Ryan als dem Ende von Evil Dead. Sterbende Menschen, keine Karikaturen sondern Menschen, die vor Schmerzen und Angst schreien. Das könnte als subversive Genrekritik umgedeutet werden, die durch seine restliche Inszenierung allerdings nicht gedeckt wird. Aja liebt sein Leiden. Was er nicht so liebt sind seine Figuren oder eine wirklich packende Dramaturgie, denn spannungsmässig plätschert es gerne mal dahin, fehlt es an wirklichem Zug und Ziel. Nicht kulminiert und der Showdown ist dann, bis auf den netten und absehbaren Schlussgag, auch eher ein Antiklimax – so klein und unscheibar wirkt er nach dem furiosen Strandgemetzel.
Die Darsteller schmeißen sich in das wenige was sie haben und spielen die Klischeefiguren so gut es geht, doch im Grunde haben nur Stephen R McQueen, Jerry O’Connel und Jessica Szohr wirklich nennenswerte Screenzeit – vielleicht von den beiden unnötigen Kindern mal abgesehen. Der Rest der durchaus ansehnlichen Cast darf sich im wesentlichen mit Extended Camoes abfinden, selbst Elisabeth Shue als überzeugend toughe Polizistin ist nicht wirklich so oft zu sehen. Ving Rhames hat im Grunde die eine Szene die in der Werbung ausführlich präsentiert wurde und das wars, Eli Roth und Christopher Lloyd sind ebenfalls im Minutenbereich zu sehen.
Letztlich erwartet natürlich auch niemand eine wirklich ausgefeilte Handlung, wenns nur darum geht ein bißchen blutigen Spaß mit Titten und Killerfischen zu haben, doch ein bißchen mehr klare Linie, etwas weniger Herumlavieren an einem dutzend Orten wäre auch für einen B-Trasher bisweilen ganz nett. So erinnert das Ganze in seinen schlimmen Momenten immer wieder an Jeannot Swarks furchtbaren JAWS 2, bei dem auch nur ein haufen völlig egaler Kids bei einer Beachparty gefressen wurde.
Und manchmal versucht Aja auch einfach zu sehr cool und retro und spassig zu sein. Die Filme von damals hatten bei all ihrer Trashigkeit oft eine gewisse rührende Naivität und einen leichtfüssigen Optimismus in der Art wie sie ihre dummen Stories erzählten – Aja fehlt diese unverkrampfte Leichtfüssigkeit, die Robert Rodriguez in seinen besten Momenten mühelos einfängt (und die auch Machete zu einem so viel besseren Film macht als Piranhas 3D). Aja will den Spaß erzwingen, was ihm streckenweise gelingt, aber trotzdem eher nach gut gelerntem Kunststück aussieht, als nach echtem Naturtalent.
Ein harmloser Blutfilm, mit ein paar fiesen Untertönen, dessen angekündigtes Sequel jetzt schon spannender klingt als er selbst und nach dem bei allen Gags ein wenig das Gefühl zurückbleibt, dass er irgendwie nicht so viel Spaß gemacht hat, wie er mit den Zutaten eigentlich müsste. Und das Aja ganz eindeutig nicht der neue Joe Dante ist.
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Renington meint: Piranha 3D ist mein Film des Jahres. Selbstverständlich hat er seine Schwächen, aber das Schöne ist: Alexandre Aja weiß das und versucht erst gar nicht, sie zu verdecken. Ganz klar ist der Film um das zehnminütige Gorefest herumgebaut, aber: 1.) bietet Piranha 3D genug Unterhaltung (= Titten), um den Rest-Film so angenehm wie möglich zu gestalten und 2.) sind diese 10 Minuten das größte Splatterfest, dass man im Kino seit Braindead auf der Leinwand gesehen hat. Alleine dafür (und für die Motorboot-Haar-Szene) verdient der Film nichts anderes als Standing Ovations.
Piranha 3D ist ein sehr visueller Film und bietet jede Menge toller Bilder, das überdeckt natürlich die fehlende Substanz. Subtext oder Botschaft jenseits von der ollen Giftmüll-im-Meer-Story sucht man hier vergebens. Das Grandiose dabei: Aja ist sich dem extrem bewusst und verzichtet auf Pseudo-Messages und bietet genau das, was Fans sehen wollen, ohne den Nerds in den Arsch zu kriechen: Tits and Gore to the max… Piranha just delivers exactly that.
Gut: Piranhas würde auch als Kurzfilm oder Effekt-Demo funktionieren… ein bisschen Vorgeplänkel, die Szene, ein bisschen Nachgeplänkel und gut is. Aber dann müssten wir auf Dreyfuss’ Jaws-Homage (inklusive einem fucking Strudel), auf Christopher Lloyds Doc Brown-Einlage, auf Ving Rhames fighting Piranhas with a fucking Motor und jede Menge Titten verzichten. Will ja auch keiner.
Das alles zusammengenommen ergibt einen superunterhaltsamen Film, der Pulp in goldenen Großbuchstaben quer über die Leinwand schreibt und sein Genre vor allem auch visuell umzusetzen weiß. Piranja hat Eier. Und Gore. Und Titten. I’ll pick my Brainfood somewhere else and that’s okay.
Dass ausgerechnet der ausgewiesene Splatterfreund Batzman das olle „Sadismus“-Argument für Alexandre Aja auspackt ist ein weiterer Pluspunkt für den Film. Jeder einzelne Regisseur, der seine Wurzeln im Horror-Genre hat (Peter Jackson, Sam Raimi, Steven Spielberg [yes, Duell is Horror by definition] um nur ein paar zu nennen) hat sich mit diesem Argument konfrontiert gesehen, meistens aus der Ecke konservativerer Kritiker, ohne Batzi da jetzt irgendwie dazuzurechnen.
Alexandre Aja ist kein Scorsese, aber er stammt aus einer neuen (?) Schule von Regisseuren, die vor allem visuell absolut überzeugen. Ich würde da auf jeden Fall noch Zack Snyder mit zurechnen, mit Abstrichen auch Robert Rodriguez und vor allem – HA! – Sam Raimi. Die haben alle Stil und sie wissen, diesen visuell umzusetzen und ich freue mich aufrichtig, dass Alexandre Aja trotz seines Mirrors-Totalausfalls mit Piranhas im Mainstream angekommen ist. Aja weiß, wie man inszeniert und genau das sieht man an dieser grandiosen Umsetzung eines eigentlich eher mauen Stoffes wie Piranha 3D. Und für diese kurzweiligsten 85 Minuten des Jahres verneige ich mich. Summer, Blood, Tits, Gore and Fish. Hell yeah!
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Oktober 14th, 2010 •
- 29 Kommentare
- Schlagwörter: Alexandre Aja, Horror, Piranha 3D, Review









































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