Kurzreviews: Cyrus, RED, Ein gutes Herz (Review)

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Kurz und gut, heute dabei: Cyrus +++ RED +++ Ein gutes Herz

Cyrus – USA 2010
★★★★☆

Ein alternder Langzeitsingle (John C. Reily) der schon fast aufgehört hat an die Liebe zu glauben lernte eine Frau kennen. Sie verlieben sich und alles könnte so schön sein, wäre da nicht der eifersüchtige erwachsene Sohn (Jonah Hill)…

Cyrus ist eine angenehme Überraschung im Filmeinerlei das derzeit in die Kinos kommt. Was nach den Trailern zu einer plumpen Klamotte oder einem Psychothriller aussieht entspannt sich als relaxter und angenehm unaufgeregtes Drama, mit viel Humor.

John C. Reily beweist einmal mehr, was er wirklich drauf hat. Wenn sich sein John am Anfang gegenüber Marrisa Tomei mit dem Oger Shrek vergleicht, trifft er damit genau ins Schwarze – den beide erobern das Herz des Zuschauers, obwohl sie nicht gerade wie Filmstars aussehen. Die Regiebrüder Duplass nehmen ihre Figuren ernst und verzichten bewusst auf krasse Zuspitzungen der Figuren und ihrer Konflikte. Jonah Hills Cyrus wird nicht dämonisiert, nicht zum brillanten Superpsychopathen, sondern bleibt in seiner Rolle als Sohn der irgendwie den Absprung ins eigene Leben verpasst hat und sich gegen den Eindringling wehrt, der die ungesunde Idylle zwischen ihm und seiner Mutter bedroht. Das ein paar Schuhe zum Angelpunkt des Konflikts werden und das diese Kleinigkeit auch dramaturgisch funktioniert, beweist das Geschick der Macher, die sich völlig damit zufriedengeben eine feine kleine Geschichte um Einsamkeit, Angst und Annäherung zu erzählen, die sich ganz auf die Stärken der Schauspieler verlässt.

Beklemmend ist denn auch nicht das (recht kurze) offenen Psychoduell zwischen Cyrus und John, sondern die Plausibilität der Figuren und ihrer Handlungen, die nie auf eine Rolle festgelegt werden. Selbst in seinen unheimlichsten Momenten bleibt Cyrus glaubwürdig.

Und wer könnte einer Romanze wiederstehen, die mit den Worten “Nice Penis” beginnt?

RED – Fünf alte Rochen drehen durch (RED) – USA 2010
★★★½☆

Ex-Geheimdienstler (Bruce Willis) im Ruhestand gerät auf die Abschussliste der Regierung. Er reaktiviert ein paar seiner Kumpels um der Sache auf den Grund zu gehen…

Nach zwei Flops (Flightplan und Timetravellers Wife) bekommt Regisseur Schwendtke jetzt dochmal die Kurve und liefert einen routiniert unterhaltsamen Actionfilm ab. Das er dabei hauptsächlich auf die großartige Besetzung bauen kann, hilft dem klassisch erzählten Streifen nicht unbeträchtlich.

Doch auch abseits des zweifellosen Charmes seiner Truppe alter Humpel (bei der neben Willis und Mirren besonders Brian Cox mal wieder heraussticht) vermag der Film zu unterhalten. Gefällige optische Spielereien, wie die Postkartenblenden oder Willis Wanted-ähnlicher Ausstieg aus einem fahrenden Wagen wissen zu gefallen. Natürlich bleibt die Spannung stets überschaubar, denn bei soviel Starpower bleibt nie ein Zweifel das es der Rentnergang gelingt zu überleben – ja selbst der einzige Opfertod ist eher plänkelndes Zwischenspiel, als emotionaler Tiefschlag.

Bei aller Brutalität bleibt der Film doch stets leichtfüssig beschwingt, auch wenn das Tempo gemächlicher, die Inszenierung weniger hibbelig ist als es moderne Actionfilme normalerweise erfordern. Das ist aber egal, denn es geht nicht darum ob die Truppe Erfolg hat, sondern nur wie sie ihr Ziel erreicht – und mit so sympathischen Auftragskillern, Psychopathen und eiskalten Mördern verbringen wir doch gerne unsere Zeit. Oder? ;)

Ein gutes Herz (The good heart) – USA 2009
★★½☆☆

Alter Griesgram (Brian Cox) mit Herzproblemen freundet sich mit jungem Rumtreiber (Paul Dano) an.

Es hat was ironisches Paul Dano und Brian Cox fast zehn Jahre nach L.I.E. wieder in einem Film zu sehen, wieder in einer verkorksten Vater-Sohn-Beziehung. Geändert hat sich wenig, Cox ist noch immer das brachiale schauspielerische Schwergewicht, der in einer Sekunde ekelhaft und in der nächsten Überraschend anrührend sein kann, Dano spielt den linkisch-unsicheren Typen mit dem goldenen Herzen.

Die beiden spielen gut, die technische Seite dieses Films ist untadelig. Die Nebenrollen sind passend besetzt und die Kameraarbeit und Musik sind eigensinnig, aber passend. Der Schwachpunkt ist leider das Drehbuch, welches eine süssliche Sozialkitsch-Story erzählt die ab Minute 10 absehbar, wenn wir erfahren dass der dauerherzinfarktierende Jaques den obdachlosen jungen Mann bei sich aufnimmt, der gerade einen Organspende-Ausweis ausgefüllt hat. Ich hoffte den ganzen Film lang, dass er nicht diesen offensichtlichen Weg beschreiten würde. Das er mit Erwartungshaltungen spielt um dann geschickt eine Wendung einzubauen, die verblüfft, doch dem ist leider nicht so. Auch wenn die Figuren sympathisch sind und die Schauspieler eine Menge raushauen, ist es unglaublich mit was für einer abgedroschenen Story dieser Film durchzukommen versucht. Schade, sehr schade um zwei tolle Schauspieler.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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11 Comments

  1. Binding

    Zu “R.E.D.”: Unterm Strich ganz okay und mit einigen echt guten Sequenzen. ABER: “Bei aller Brutalität bleibt der Film doch stets leichtfüssig beschwingt” ist genau das, was mir dabei tierisch auf den Sack ging. Denn der Film ist wirklich ziemlich brutal, und weil es eine Komödie ist, ist das meiner Meinung nach in diesem Fall (also an der speziellen Gewalt-Inszenierung konkret festgemacht) zynische Gewaltverharmlosung. Normalerweise hab’ ich damit kein Problem, aber hier hat es mich total gestört. Vor allem diese Unsitte, bei Gewaltszenen “coole” Rockmucke über die Sequenz zu legen, geht gar nicht, finde ich. Und was bitte sollte die menschenverachtende Einführungsszene mit dem Geheimdienst-Killer (Karl Urban), als er – SPOILER – völlig erbarmungs- und mitleidlos den Typ zuhause erhängt? Später sieht man denselben Kerl dann als netten Familien-Typen, der am Schluss sogar noch die Seiten wechselt und sympathisch wird. Hallo??? In so einer ” leichtfüssig beschwingten” Komödie geht das gar nicht, finde ich. Ich hab’ mich deswegen dafür geschämt, dass es ein deutscher Regisseur ist.

  2. DVC

    RED: Mich hat das gewaltverherharmlosende nicht gestört, man wusste es doch schon vorher. Bruce Willis ist der Killer mit dem Sinn für Ironie.
    Der Film ist ab 16 und in diesem Alter sollte man die Fähigkeit besitzen zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Mir persönlich gehen die Diskussionen über Gewaltinszenierungen gehörig auf den Sack(Stichwort: KickAss-Hitgirl).

    Ich fand den Film sehr unterhaltsam, lustig und mit genau der richtigen Prise Action. Kein Dauerfeuerwerk für die Augen, sondern dezent gesetzte Actionszenen, die auf hunderte kaputte Autos verzichten.
    Ohne das Starensemble hätte der Film wohl nicht funktioniert, gerade Willis erinnert an seine Paraderolle aus DIE HARD.
    Ein Film der sich selber nicht ernst nimmt und sehr gut unterhält.

  3. Wonschi

    @ DVC: “Ein Film der sich selber nicht ernst nimmt und sehr gut unterhält”

    Leider gibt es zu wenig solcher Filme! Und gerade solche Filme zu drehen ist gar nicht mal so einfach! Viel zu viele Filme nehmen sich zu ernst, die Filmkritiker auf der Berlinale, in Venedig usw. jubeln, doch wenn man dann diese von Steuern finanzierten Filme sieht, wirken viele unfreiwillig komisch oder einfach nur zum Einschlafen. ;o)

  4. Binding

    @ DVC: “Der Film ist ab 16 und in diesem Alter sollte man die Fähigkeit besitzen zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.”

    Darum ging es mir nicht. Es geht um die Haltung der Filmemacher zur Gewalt und die Inszenierung der Gewalt im Film. Manche Sachen sind zynisch und müssen einfach nicht sein. Speziell dieser Film hätte überhaupt nicht so brutal sein brauchen, um zu funktionieren.

  5. qim

    Mir fällt zu RED nur eins ein: Mary-Louise Parker ist für ihr Alter ne verdammt geile Sau! Und der Film war klasse!

  6. Jack the Ribber

    RED hat mich sehr gut unterhalten! Alleine John Malkovich ist es schon wert, ihn sich anzusehen. Sehr weird und mit den beiden besten Sprüchen im Film.

  7. Sebastian

    @Jack: die das wären?

  8. Leto

    Wow! Ich habe gerade R.E.D. gesehen und den kann ich wirklich nur uneingeschränkt jedem Action-Fan empfehlen! Die Gratwanderung zwischen Humor undAction gelingt perfekt, Willis ist wie immer obercool, Malcovic hat die besten Oneliner und Brian Cox stieht jedem die Show. Echt eine positive Überraschung, auch wenn die Story nicht gerade vor Originalität strotzt,so etwas hat man in der einen oder anderen Variation schon zigmal gesehen. Ich finde den Film dafür, dass man ihn ja wirklich nicht ernst nehmen kann (erinnerte mich zuweilen an “Wanted!”) auch nicht zu brutal, er bleibt auch in derAction leichtfüssig und in gewisser Weise beschwingt.

  9. Binding

    @ Leto: “Wanted” war zwar storymäßig absolut gaga (ein Webstuhl, der Mordaufträge vergibt, WTF!), dafür aber ein klasse Actionthriller mit obergeil inszenierten Hochglanz-Optik-Szenen. Insofern würde ich ihn AUF GAR KEINEN FALL mit “RED” vergleichen wollen (übruigens auch, weil er sich trotz allem Gagatums noch ernst nahm), allerhöchstens die Autoausstieg-Szene mit Bruce Willis und vielleicht noch das Container-Panzerfaust-Geballer. Weil “Wanted” so dermaßen over the top war, konnte ich übrigens “Salt” in Sachen Angelina Jolie auch gar nicht mehr cool finden.

  10. whiterabbit

    Also ich konnte mich bei R.E.D. nur vor lachen kringeln! ^^ Helen Mirren ist einfach nur klasse… hat die eigentlich schonmal irgendwo mitgemischt, was nix geworden ist? O.O
    Wer holt das Schwein? ;)

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    humanoidhistory:

    R.I.P. Robin Williams (1951-2014)

    08/12/14

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    vividvivka:

    … Damn.
    I have no words.
    RIP kiddo. Hope you found some peace.

    08/12/14

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    fozmeadows:

    imsirius:

    Your character falls into the “friend zone” - Is this primarily a man’s problem, or are women put in the friend zone as well? x

    DANIEL RADCLIFFE FOR ALL THE AWARDS

    ALL OF THEM

    08/11/14

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    paisleydanger:

    edd-de-saren:

    Guardians of the galaxy, 50’s style 

    Super excited to be hosting the PSCC screening of this tonight

    08/11/14


  • bestnatesmithever:

    whatstrending:

    Guardians of the Galaxy star Chris Pratt busts out his street cred by KILLING Eminem’s “Forgot About Dre”! What songs do you know by heart?

    I’m having a hard time understanding that there are people who don’t appreciate Chris Pratt.


    08/06/14