Kurz und gut, heute dabei: Cyrus +++ RED +++ Ein gutes Herz
Cyrus – USA 2010





Ein alternder Langzeitsingle (John C. Reily) der schon fast aufgehört hat an die Liebe zu glauben lernte eine Frau kennen. Sie verlieben sich und alles könnte so schön sein, wäre da nicht der eifersüchtige erwachsene Sohn (Jonah Hill)…
Cyrus ist eine angenehme Überraschung im Filmeinerlei das derzeit in die Kinos kommt. Was nach den Trailern zu einer plumpen Klamotte oder einem Psychothriller aussieht entspannt sich als relaxter und angenehm unaufgeregtes Drama, mit viel Humor.
John C. Reily beweist einmal mehr, was er wirklich drauf hat. Wenn sich sein John am Anfang gegenüber Marrisa Tomei mit dem Oger Shrek vergleicht, trifft er damit genau ins Schwarze – den beide erobern das Herz des Zuschauers, obwohl sie nicht gerade wie Filmstars aussehen. Die Regiebrüder Duplass nehmen ihre Figuren ernst und verzichten bewusst auf krasse Zuspitzungen der Figuren und ihrer Konflikte. Jonah Hills Cyrus wird nicht dämonisiert, nicht zum brillanten Superpsychopathen, sondern bleibt in seiner Rolle als Sohn der irgendwie den Absprung ins eigene Leben verpasst hat und sich gegen den Eindringling wehrt, der die ungesunde Idylle zwischen ihm und seiner Mutter bedroht. Das ein paar Schuhe zum Angelpunkt des Konflikts werden und das diese Kleinigkeit auch dramaturgisch funktioniert, beweist das Geschick der Macher, die sich völlig damit zufriedengeben eine feine kleine Geschichte um Einsamkeit, Angst und Annäherung zu erzählen, die sich ganz auf die Stärken der Schauspieler verlässt.
Beklemmend ist denn auch nicht das (recht kurze) offenen Psychoduell zwischen Cyrus und John, sondern die Plausibilität der Figuren und ihrer Handlungen, die nie auf eine Rolle festgelegt werden. Selbst in seinen unheimlichsten Momenten bleibt Cyrus glaubwürdig.
Und wer könnte einer Romanze wiederstehen, die mit den Worten “Nice Penis” beginnt?
RED – Fünf alte Rochen drehen durch (RED) – USA 2010





Ex-Geheimdienstler (Bruce Willis) im Ruhestand gerät auf die Abschussliste der Regierung. Er reaktiviert ein paar seiner Kumpels um der Sache auf den Grund zu gehen…
Nach zwei Flops (Flightplan und Timetravellers Wife) bekommt Regisseur Schwendtke jetzt dochmal die Kurve und liefert einen routiniert unterhaltsamen Actionfilm ab. Das er dabei hauptsächlich auf die großartige Besetzung bauen kann, hilft dem klassisch erzählten Streifen nicht unbeträchtlich.
Doch auch abseits des zweifellosen Charmes seiner Truppe alter Humpel (bei der neben Willis und Mirren besonders Brian Cox mal wieder heraussticht) vermag der Film zu unterhalten. Gefällige optische Spielereien, wie die Postkartenblenden oder Willis Wanted-ähnlicher Ausstieg aus einem fahrenden Wagen wissen zu gefallen. Natürlich bleibt die Spannung stets überschaubar, denn bei soviel Starpower bleibt nie ein Zweifel das es der Rentnergang gelingt zu überleben – ja selbst der einzige Opfertod ist eher plänkelndes Zwischenspiel, als emotionaler Tiefschlag.
Bei aller Brutalität bleibt der Film doch stets leichtfüssig beschwingt, auch wenn das Tempo gemächlicher, die Inszenierung weniger hibbelig ist als es moderne Actionfilme normalerweise erfordern. Das ist aber egal, denn es geht nicht darum ob die Truppe Erfolg hat, sondern nur wie sie ihr Ziel erreicht – und mit so sympathischen Auftragskillern, Psychopathen und eiskalten Mördern verbringen wir doch gerne unsere Zeit. Oder? ;)
Ein gutes Herz (The good heart) – USA 2009





Alter Griesgram (Brian Cox) mit Herzproblemen freundet sich mit jungem Rumtreiber (Paul Dano) an.
Es hat was ironisches Paul Dano und Brian Cox fast zehn Jahre nach L.I.E. wieder in einem Film zu sehen, wieder in einer verkorksten Vater-Sohn-Beziehung. Geändert hat sich wenig, Cox ist noch immer das brachiale schauspielerische Schwergewicht, der in einer Sekunde ekelhaft und in der nächsten Überraschend anrührend sein kann, Dano spielt den linkisch-unsicheren Typen mit dem goldenen Herzen.
Die beiden spielen gut, die technische Seite dieses Films ist untadelig. Die Nebenrollen sind passend besetzt und die Kameraarbeit und Musik sind eigensinnig, aber passend. Der Schwachpunkt ist leider das Drehbuch, welches eine süssliche Sozialkitsch-Story erzählt die ab Minute 10 absehbar, wenn wir erfahren dass der dauerherzinfarktierende Jaques den obdachlosen jungen Mann bei sich aufnimmt, der gerade einen Organspende-Ausweis ausgefüllt hat. Ich hoffte den ganzen Film lang, dass er nicht diesen offensichtlichen Weg beschreiten würde. Das er mit Erwartungshaltungen spielt um dann geschickt eine Wendung einzubauen, die verblüfft, doch dem ist leider nicht so. Auch wenn die Figuren sympathisch sind und die Schauspieler eine Menge raushauen, ist es unglaublich mit was für einer abgedroschenen Story dieser Film durchzukommen versucht. Schade, sehr schade um zwei tolle Schauspieler.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Dezember 2nd, 2010 •
- 11 Kommentare
- Schlagwörter: Brian Cox, Bruce Willis, Cyrus, Ein gutes Herz, John C Reilly, Jonah Hill, Red, Review












































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