Review

Rammbock (Review)

Standard, 6. 12. 2010, Jet Strajker, 11 Kommentare

„Gabi?“

Originaltitel: Rammbock
Herstellungsland: Deutschland/Österreich 2010
Regie: Marvin Kren
Darsteller: Michael Fuith, Theo Trebs, Sebastian Achilles, Ingrid Beerbaum, Carsten Behrendt, Melanie Berke, Sabrina Caramanna, Emily Cox, Jörn Hentschel
[rating:3.5] Jet Strajker
[rating:3] Batzman

Zombies in Berlin, überall. Ein Weltuntergangsszenario auf Kreuzberger Art. Apokalypse Altbau, Horror Hinterhof. – Die Deutschen und das Genrekino, immer noch von allerhöchstem Seltenheitswert. Ein Zombiefilm, co-produziert vom ZDF, das wäre dann wohl sogar Meta, eine schöne Wunschvorstellung oder ein redaktioneller Unfall. Aber „Rammbock“ von Marvin Kren ist tatsächlich ein zunächst als kleines Fernsehspiel fürs Nachtprogramm erdachter und dann schließlich gar fürs Kino weitergereichter Zombie- oder korrekterweise Virushorrorfilm aus Deutschland, mit freundlicher Unterstützung vom Zweiten Deutschen Fernsehen. Und er ist ziemlich klasse, er braucht Vergleiche mit Danny Boyles London-Dystopie „28 Days Later“ nicht scheuen, und auch mit all den anderen Romero-Erben nicht. Ein Film von großer Eigenwilligkeit, Charme und Konsequenz, der nicht einmal Bonussympathien für seinen Mut zum teutonischen Genrekino benötigt.

Der Wiener Michael (Michael Fuith) sucht seine Gabi. Die Beziehung ist am Ende, drum will er sie in Berlin überraschen und zurückerobern. Doch Gabi ist nicht zuhause, nur Handwerker trifft Michael in ihrer Wohnung an. Und dann geht alles ganz schnell. Der Heizungsmann mutiert zur bissfreudigen Bestie, Sirenen ertönen, das Fernsehen sendet nur noch Testbilder. Michael und der Auszubildende Harper (Theo Trebs) müssen sich verbarrikadieren, um vor einer wütenden Infiziertenmeute sicher zu sein. Ein aussichtloser Überlebenskampf beginnt, um der Epidemie zu entrinnen. Aber wo ist eigentlich die Gabi?

Den Einbruch des plötzlichen Grauens in den ganz gewöhnlichen Berliner Alltag inszeniert Kren von Beginn an als faszinierenden Kontrast: Bilder mutierter Menschen und Genreästhetik in Kombination mit hauptstädtischem Lokalkolorit, das hat einen ganz speziellen Reiz. Folglich bindet er die Räumlichkeiten des typischen Altbaukomplexes in die Handlung ein und verarbeitet den apokalyptischen Horror äußerst geschickt als Kammerspiel im Hinterhof. Das (manchmal etwas vordergründige) Drehbuch von Benjamin Hessler kombiniert dabei stets Gegensätze – alltäglich banale treffen auf existenzielle Umstände – und vermeidet bewusst die Klischees der US-Vorbilder: Die Helden sind keine Superhelden, sie verteidigen sich nur ungern und machen dabei natürlich keine sonderlich gute Figur. Sie ziehen sich zurück, verstecken sich in Wäschekammern und auf Dachböden, versuchen sich nachvollziehbar in der Ausnahmesituation zu positionieren.

Zuletzt ließ Regisseur Bruce LaBruce den untoten Titelhelden seines „Otto; or, Up with Dead People“ durch Berlin schwelgen, „Rammbock“ aber fügt sich den Konventionen des Genres wesentlich deutlicher, was seine Klischeebrüche und Modifizierungen am sonstigen Horrorkino umso erfrischender erscheinen lässt. Einen waschechten und ernsthaften Zombiefilm aus deutschen Landen hat es ja nun auch dringend einmal gebraucht, insbesondere nachdem die lebenden Toten hier bisher ausschließlich ein trauriges Dasein im Amateurquatsch der Schnaas- und Rose-Fanzirkel fristen mussten. Da ist es nur konsequent, dass Kren seine Geschichte nicht ironisiert: Die Helden können keine Zombiefilmalphabete aufsagen und müssen auch nicht knöcheltief im Blut waten. Einen so puren Zombiefilm gab es schon lange nicht mehr. Wirklich schade, dass er nur etwas über eine Stunde läuft.

Batzman Batzman meint:

Ein Österreicher kommt nach Berlin um seiner Ex-Freundin den Wohnungsschlüssel wiederzubringen. Doch statt der erhofften Aussprache findet er sich plötzlich mitten in einer Zombieinvasion wieder und muss zusammen mit einem Azubi um sein Leben kämpfen…

Zunächst mal darf natürlich Respekt gezollt werden, wenn in Deutschland überhaupt ernsthaft der Versuch unternommen wird einen Zombiefilm zu drehen. Und insgesamt macht Rammbock, der wie viele ungewöhnliche Projekte im Rahmen des kleinen Fernsehspiels realisiert wurde, vieles richtig. Die plötzliche Bedrohungssituation, das Feststungszenario mit seinen Ein und Ausbrüchen, die üblichen zwischenmenschlichen Konfikte. Er orientiert sich dabei eher am Infizierten-Film a la 28 Days Later als am klassischen Romero, was wie immer ein wenig auf die Spannung schlägt und insgesamt etwas neue Ideen vermissen lässt. Das die schauspielerischen Leistungen (besonders der junge Azubi grinst sich etwas zu cool durch Film) eher durchwachsen sind, darf genremässig entschuldigt werden – schwerer wiegt da schon, das er trotz gerade mal 60min Laufzeit doch einige Längen hat hat und insgesamt etwas zu zahm und unblutig daherkommt.

Die Kammerspielartige Inszenierung die nur in einer Szene das Ausmaß der Katastophe erahnen lässt dürfte hingegen dem Budget geschuldet sein und soll dem Film nicht zum Nachteil gereichen.

Ein guter Anfang, aus dem sich aber gerne noch etwas mehr entwickeln darf.

„Rammbock“ ist ab sofort auf DVD erhältlich.

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11 Kommentare

  • Reply the_peppermint 6. 12. 2010 at 23:28

    Der Film kommt auch nächsten Montag im ZDF: http://tinyurl.com/285debm

  • Reply Jet Strajker 6. 12. 2010 at 23:30

    Aber in einer gekürzten Fassung.

  • Reply Jott 7. 12. 2010 at 0:59

    Das ZDF hat ja hat schon mal einem später wegweisenden Film auf die Sprünge geholfen: „Wild Style“ -DER HipHop Film schlechthin- wurde vom ZDF mitproduziert und lief als „kleines Fernsehspiel“ an einem Montag 1983, ich glaube, unter dem Namen „Graffiti“.
    Der Startpunkt für viele, die in dieser Nacht dem Rap verfallen sind…

  • Reply Kansas 7. 12. 2010 at 4:48

    Um… war aber jetzt ein sehr umsichtiges Review oder? Will den Film auch garnicht so schlecht reden wie ich ihn fand. Zumal es ein fröhliches zerlegen aller Hudeleien war und letzendlich mein Spaß daran.

    //kleine spoiler ab hier//

    Klischeebrüche sind mir irgendwie entgangen. Trotz Tollwut und Lampenfieber. Mein Eindruck war eher dass der Film sich diversen alten Klischees bedient. Zumind. was die Dramaturgie betrifft. Nur als Bsp. das bimmelnde Mobile zur ungünstigsten Zeit, die klapprige Schrankbarrikade oder das rücklings Umfallen und verharren. Der egoistisch, feige und gemeine Nachbar vom Fenster gegenüber, lässt zunächst übles Klischee erahnen. Allerdings, muss man berücksichtigen, dass jegliches character development (glücklicherweise) auf der Strecke bleibt. Im Schnitt gabs Patzer, schlechtes Timing und überflüssige Kameraperspektiven. Auf die Dialoge mag ich nicht eingehen aber was war denn da mit den Fernsehsprechern los? Das kam so in etwa wie ‚Tagesschau vor 30 Jahren‘. Zugegeben, über den 9/11 Vergleich musste ich lachen. Dummerweise gibts sogar’n groben Typoschnitzer im cast. Mein Gesamteindruck ist daher, dass es nur bescheidene Qualitätssicherung gab und die deadline viel zu eng bemessen dazu.

    Was mich persönlich nunmal ärgert ist, dass es so viele Talente gibt, die niemals eine Chance im TV bekommen und es Zwängt sich mir der Verdacht auf das die Macher nicht ihr bestes gegeben haben. Ausserdem muss ein moderner Zombiefilm doch berücksichtigen dass wir eine Nation potenzieller Zombie Experten sind. Nur leider ist das Genre nun wieder für die nächsten 15 Jahre ausgebrannt.

    Und hier kommt die gute Nachricht: Der Film macht trotzdem Spaß. Das mag auch daran liegen dass er sich selbst nicht immer ernst nimmt. Also teils zur Komödie wird, wobei der Protagonist niemals zur Witzfigur oder zum Superhelden verkommt. Erwartungshaltung einfach runterschrauben, denn als Abschlussarbeit (als solche kam es mir zumind. vor) mit bescheidenem Budget ist es sehenswert. Wer sonst nur deutsches TV gewöhnt ist wird sowieso sehr positiv überrascht sein. Zombie Romanze gibts dann aber leider doch keine. Oder?

  • Reply Metfred 8. 12. 2010 at 14:54

    Zombieseuchenausbruch, Kämpfe, Opfer, Überlebende – der Film erzählt das alles nochmal. Man darf getrost weiterexistieren, falls man „Rammbock“ verpasst hat. Es gibt nichts Neues.
    Aber es gibt genug Gutes. Der Hauptdarsteller ist von verblüffender Alltagshässlichkeit und nimmt dem Zuschauer gleich mit der ersten Szene jede Erwartung an irgendeine Form von heldischem Abenteuerkino. Gut so, die Action ist so lahm inszeniert, das wäre auch nicht gutgegangen. Das geldsparende Hinterhofszenario geht auf, wirkt nicht nur wie eine Notlösung. Für einen vom öffentlichen Rundfunk finanzierten Film ist er erfreulich frei von bemühter Kritik der gesamtgesellschaftlichen Zustände, ausnahmsweise sind also einmal nicht die USA/Nazis/Atomlobbyisten/Biomöhrengegner Schuld und antikapitalistisches Bramarbasieren im Belagerungsring gibt’s auch nicht.
    Der Film kennt seinen augetretenen Grund, die nur 60 Minuten Spielzeit tun ihm gut. Die Geschichte Normalos gegen Zombies wird recht effizient erzählt und ergeben nette Unterhaltung für alle, die solcher Handlungen noch nicht völlig überdrüssig geworden sind.

  • Reply TV-Tipp: Rammbock | Die Fünf Filmfreunde 12. 12. 2010 at 18:26

    […] zeigt heute und morgen den deutschen Zombieflick „Rammbock“, den Rajko und Batz erst neulich hier besprochen hatten. Der Film läuft heute abend um 22.30 Uhr auf ZDFneo und am morgen am 13. […]

  • Reply TV-Tipp: Rammbock - Nerdcore 12. 12. 2010 at 18:35

    […] zeigt heute und morgen den deutschen Zombieflick „Rammbock“, den Rajko und Batz erst neulich hier besprochen hatten. Der Film läuft heute abend um 22.30 Uhr auf ZDFneo und am morgen am 13. […]

  • Reply dª]V[ªX » TV-Tipp: Rammbock 12. 12. 2010 at 19:49

    […] zeigt heute und morgen den deutschen Zombieflick „Rammbock“, den Rajko und Batz erst neulich hier besprochen hatten. Der Film läuft heute abend um 22.30 Uhr auf ZDFneo und am morgen am 13. […]

  • Reply alan 15. 12. 2010 at 23:23

    Naja, den Vergleich zu „28 days later“ muss man scheuen, da Danny Boyle das Genre neu erweckt (und angereichert) hat und Rammbock einfach nur „vorhandenes“ in Deutsch recycled……und das einfach Jahre zu spät. Wenn man die kreativität von „Dead Set“ und anderen neueren Zombiefilmen nimmt….ist Rammbock nur ein „me too“ Movie. Nett gemacht, aber nicht im Ansatz innovativ und neu. Tja……..“Wir sind die Nacht“ war auch so ein „me too“ Dingels…..wer zu spät kommt, denn…..naja…Gorbatschow hat es ja schon gesagt gehabt! Cya

  • Reply Flinx 18. 12. 2010 at 17:52

    Meine Fresse, was hier wieder gemotzt wird :-)

    Hab den Film eben etwas verspätet gesehen und fand ihn super – eindeutig einer der besseren Filme des Genres.

    Und das vor allem nachdem ich mich die Tage zuvor durch „The Walking Dead“ gequält (naja ein bisschen wenigstens) habe. Da wurden meine Erwartungen jedenfalls enttäuscht.

  • Reply “Rammbock” – Watch It Free And In Full Length Now On ZDF Mediathek : misterhonk.de 19. 12. 2010 at 22:08

    […] grüßen). Der Film ist für einen deutschen Zombiefilm wirklich gut, wenn auch nicht bahnbrechend (hier das Review der F5). Für Genre-Fans aber definitiv eine Empfehlung. Oben der Trailer und unten der Link zur […]

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