Rapunzel (Review)

7 Comments

“Great. Now I’m the bad guy.”

Originaltitel: Tangled
Herstellungsland: USA 2010
Regie: Nathan Greno /Byron Howard
Drehbuch: Dan Fogelmann
Besetzung: Mandy Moore, Donna Murphy, Zaqchary Levi, Ron Perlman, Richard Kiel

★★★★☆

Als Kind von ihren königlichen Eltern entführt fristet Rapunzel ihr Leben als typischer Teenager in einem Turm, behütet von der eigennützigen Vettel Mutter Gothel, die sie für ihre wahre Mutter hält. Von Fernweh geplagt, ergreift Rapunzel die Chance zur Flucht, als der Dieb und Abenteurer Flynn in ihren Turm stolpert…

Mit Rapunzel liefert Disney Animation (nach Chicken Little, Meet the Robinsons und Bolt) seinen ersten klassischen Märchenfilm im CG-Format ab. Stand das letzte Jahr im Zeichen der Zeichentrick-Renaissance mit “Küss den Frosch”, stellt Rapunzel einen sehenswerten Amalgam aus Zeichentrick-Look und CG-Dreidimensionalität dar. Hintergründe und Figurendesign sind unverkennbar in der Tradition von “Die Schöne und das Biest”, “Tarzan” und “Arielle” – doch diesmal sind es nicht einzelne Elemente die aus dem Rechner stammen, sondern der ganze Film.

Das klingt erstmal schwierig und für Zeichentrickfans eher unschön, funktioniert aber in der Tat erstaunlich gut. CG-Animation und Disney-Look gehen hier eine Symbiose ein, die den Film deutlich abhebt von “Shrek” oder “Ice Age”. Auch wenn Rapunzel im ersten Moment etwas zu Barbie-mässig erscheint, gewinnt sie durch ihre Art und die Animation genau wie Aushilfs-Retter Flynn schnell an Persönlichkeit und Charme.

Mit dem klassischen Märchen hat das natürlich mal wieder nichts zu tun, aber wer weiß von Rapunzel schon mehr als das ein Mädchen mit langen Haaren im Turm gefangen gehalten wird. Das der Prinz geblendet und die schwangere Rapunzel in die Wüste geschickt wird, haben wohl eh die wenigsten auf dem Schirm und wäre wohl auch etwas zu finster, für einen Disney-Weihnachtsfilm. Auch für einen der mit den Worten “This is the story how I died” beginnt (nur eine von mehreren Sunset Boulevard-Anspielungen).

Überhaupt haben die Macher weniger ein klassisch, rührseeliges “Jungfrau in Nöten”-Konzept im Kopf, als eine actionreiche Abenteuergeschichte. Nicht umsonst wurde der Filmtitel in den USA in “Tangled” geändert, um sicherzustellen dass auch Jungs reingehen, die so gar keinen Sinn für Romantik und Märchen haben. Als Screwball-Comedy mit einem gleichberechtigten Paar, funktioniert der Film deswegen auch wirklich gut. Rapunzel ist ein selbstbewusster Teenager, kein armes Hascherl, dass ihrer Rettung harrt (sic!) und Flynn ist alles andere als der obercoole Macho. Die Regisseure und Autoren hatten ganz eindeutig mehr “Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten” und “Indiana Jones” im Kopf, als “Dornröschen” oder “Schneewittchen”.

Mit vielen rasanten Actionszenen und gut getimeten Gags, einem kleinen Schuss Romantik und Sentimentalität, sowie zwei der sympathischsten Sidekicks der letzten Jahre (das Polizeipferd Maximus und das rabiate Chamäleon Pascal), bietet der Film alles was ich von einem guten Disney-Streifen erwartet.

Und natürlich braucht es auch einen guten Schurken, bzw. eine gute Schurkin, denn Disney-Filme leben von ihren Gegnern. Mutter Gothel, die eindeutig an Gloria Swanson und andere alternde Hollywood-Diven angelehnt ist, punktet hier auf ganzer Linie und liefert zudem einen interessanten Twist. Denn sie ist für Rapunzel tatsächlich der Mutter-Ersatz und im Umgang miteinander präsentiert sich Gothel eher als psychologische Manipulatorin, denn als übersinnliche begabte Zauberin. Als Coming of Age-Story finden sich in Gothel viele Elemente der Übermutter wieder, die besitzergreifend nicht zulassen kann, dass ihre Tochter erwachsen wird und das Nest verlassen möchte. Wenn die Kinder älter werden, werden die Eltern alt – hier sogar buchstäblich, denn ohne die verjüngende Kraft von Rapunzels Haaren verwelkt Gothel schneller als ein Vampir auf der Sonnenbank.

Rapunzels Emanzipation ist dabei aber so rasant und humorvoll umgesetzt, dass sich etwaiger Subtext eher im Rückblick erschließt als aufdrängt. Im Vordergrund stehen die Eskapaden der vier Hauptfiguren und der liebenswerten Seitencharaktere. Ob Palastwachen oder Wikinger-Haudegen mit Back-Ambitionen, der Film ironisiert ohne zu einer Parodie a la Shrek zu werden. Disney bewegt sich, aber bleibt sich dennoch treu.

Etwas enttäuschend sind diesmal lediglich die Songs. Nachdem mir Randy Newmans Score zu “Küss den Frosch” ausnehmend gut gefiel und viele eingängige Lieder enthielt, darf der Rapunzel-Soundtrack bestenfalls als durchwachsen bezeichnet werden. Auch wenn Disney-Legende Alan Menken die Songs geschrieben hat, erinnert besonders “When will my Life begin” sehr unschön an gruseligen Teenie-Pop a la Miley Cyrus und auch die anderen Songs der Prinzessin sind bestenfalls erträglich und kein Vergleich zu den Songs aus Aladdin oder Beauty and the Beast. Notwendige Konzession vielleicht, wenn man einem Pop-Star die Sprechrolle Rapunzels anvertraut – aber Mandy Moore spricht eindeutig besser, als sie singt. Immerhin darf Donna Murphy in “Mother knows best” eingängig diabolisches Schurken-Gift verspritzen und rettet ein wenig die musikalische Ehre des Films.

Über die furchtbare Monrose-Version von “I see the light” der hierzulande zu hören ist, schweige ich besser genauso wie über die an Schülertheater erinnernden “Synchronkünste” von Moritz Bleibtreu und Alexandra Neldel.

Das obligatorische 3D ist mal wieder da und stört nicht, verleiht dem Ganzen aber wie meist jetzt keinen besonderen optischen Nährwert – wer den Film in 2D sieht, kann dies im Wissen tun, nichts großartiges zu verpassen. Trotz kleiner Abstriche bleibt Rapunzel ein eindeutige Anschau-Empfehlung. Und sei es wegen Pascal…

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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7 Comments

  1. stb247

    Du hast den Wahnsinnsuntertitel der deutschen Version unterschlagen:

    Rapunzel – Neu verföhnt”

    Kein Scherz!!! Manchmal denke ich, für deutschen Filmvertrieb braucht man nicht mehr, als Grundschulabschluss. Einfach nur peinlich.

  2. Doughnut

    “Rapunzel – Neu verföhnt”
    Kein Scherz!!!”
    Doch, und zwar ein gar nicht mal so schlechter. ;-)
    Wenn du schon so schlau bist, dann mach doch mal nen Vorschlag für einen deutschen Titel, der besser ist. ^^

    zur Synchro:
    Ist die wirklich so schlecht? Hab bisher nur den Kinotrailer gesehn und da fand ich sie eigentlich ganz okay…

  3. CineMan

    Also als ich den Untertitel gehört habe, musste ich lachen!
    Weit besser und einfallsreicher als viele andere Filmtitel bzw. Untertitel.

  4. jAnsen

    Beim deutschen Verleih muss man ja schon froh sein, dass es nicht “Verflochten und zugenäht – Rapunzels neue Abenteuer” geworden ist.
    Trotzdem dreht sich mir bei unnötigen “Erklärtiteln” der Magen um.

  5. med

    Nach dem Film ist mir Pascal jetzt ziemlich suspekt und eher creepy o_O

  6. Elias

    Unglaublich. Früher stand der Name Disney für gute Zeichentrickfilme, die sich sowohl alt und jung ansehen konnten. Heute dreht Disney fast nur noch Müll. Von so miesem Abfall wie Chicken Little zu the Wild zu Home of the Ranch.

    Dreamworks dreht momentan sehr viel bessere Filme, Drachenzähmen leicht gemacht war z.B. auf dem Niveau eines Disneyfilmes.

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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14