szmtag

Unstoppable – USA 2010
★★★☆☆

Dank der Schusseligkeit eines Lokführers rollt ein mit gefährlichen Chemikalien beladener Zug führerlos durch dicht besiedeltres Wohngebiet und droht zu entgleisen. Ein ungleiches Bahner-Team (Chris Pine und Denzel Washington) raufen sich zusammen um den Zug zu stoppen ehe es zur Katastrophe kommt.

Unstoppable liefert gut inszenierte Hausmanskost ab, deren unzweifelhafter Aufwand leider unter der absoluten Überraschungslosigkeit des Plots leidet. Unterhaltsam aber unspektakulär folgt diese verfilmte Matheaufgabe (Zug A fährt um 15:43 mit einer Geschwindigkeit von 20km aus Kaltenbach ab, Zug B…) dem Handbuch für heroische Katastrophenfilme. Das ist nicht unsympathisch, lohnt aber eher als TV-Unterhaltung denn im Kino und lässt im wesentlichen die Frage offen, warum Tony Scott nichtmal irgendwas dreht, das ein bißchen ambitionierter ist als “routinierte Unterhaltung”.

Wall Street 2 Geld schläft nicht (Wall Street – Money Never Sleeps) – USA 2010
★★½☆☆

Gordon Gekko (Michael Douglas) ist aus dem Knast draußen und muß sich dem veränderten Börsenmarkt stellen, der mitten auf seine schwerste Krise zusteuert. Und ein Shia Lebeouf ist auch dabei.

Es ist erschreckend, wie wenig Stone und seinen Drehbuchautoren einfällt zu einem Thema das eine derartige Aktualität hat. Statt bissiger Analyse und ätzendem Subtext ergeht sich der Film in sentimentalem Gequengel.
Natürlich ist Michael Douglas immer noch großartig und auch Nebenrollencameos von Susan Sarandon und Charlie Sheen sorgen für Lichtblicke. Leider tröstet das nicht über den mit der Hauptrolle völlig überforderten Shia Lebeouf hinweg, der noch blasser ist als Sheen im Original. Zwischen ihm und seiner Freundin knistert es gar nicht und auch in den Szenen mit Douglas bleibt er der trotzige Greaser, der anscheinend seine Mittagspause am Indiana Jones-Set nutzte um ohne Kostümwechsel schnell Wall Street runterzukurbeln. Ebenso enttäuschend bleibt Josh Brolin, der seine Schurkenrolle im wesentlichen mit einem, leicht verkniffenen Gesichtsausdruck abspult.

Überhaupt langweilt es, wie sehr sich der Film in persönlichem kleinklein ergeht, wo er die Chance hätte einen Weltwirtschafts-Thriller zu erzählen. Jede Doku wie “The smartest guys in the room” oder “Casino Jack and the United States of Money” ist da spannender anzusehen, als Stones mildes Alterswerk.

Der erste Teil war vorhersehbar und konventionell, überzeugte aber durch witzige Dialoge und die schnörkellose Geschichte, die das Klischee der 80er herausdestilierte. Teil 2 ist sentimental und bisslose Variation die es nicht wirklich gebraucht hätte.

So bleibt das Beste vom Film leider die aus dem Trailer bekannte Gefängnisentlassung von Gekko zu Beginn – und selbst die bedient sich großzügig bei Blues Brothers…

Einfach zu haben (Easy A) – USA 2010
★★★½☆

Nachdem sie aus Mitleid vorgab mit mehreren Jungs zu pennen, die des Images wegen dringend das erste Mal hinter sich bringen oder ihre Heterosexualität unter Beweis stellen müssen, wird ein Schulmädchen (Emma Stone) zur Schlampe abgestempelt. Sie versucht aus dem Makel einen Vorteil zu machen, doch das ist gar nicht so einfach.

Angenehm witziger Teeniefilm, irgendwo zwischen den alten John Hughes-Werken (die er explizit zitiert) und Clueless. Dank der exzellenten Besetzung, allen voran natürlich die fast schon unheimlich sympathische Emma Stone, bleibt der Film auch in den gefühligeren Momenten angenehm unschmierig und lässt vergessen, das die Story natürlich nicht die originellste ist, alle Erwachsenen sehr platte Abziehbilder sind und der Film gefährlich dran entlang schrammt als Hollywood-Liberal-Propaganda durchzugehen. Die temporeiche Umsetzung und die Vielzahl an schrägen Charakteren machen Easy A dnn aber doch zu einem Wohlfühl-Film für kalte Winterabende.

Enter the Void – Fr 2010
★★½☆☆

Ein Drogendealer mit Kindeheitstrauma stirbt nachdem er von der Polizei aus Versehen erschossen wird und fabuliert in den letzten Sekunden seines Lebens wie seine “Seele” durch die Gegend schwebt…

Als Bildschirmschoner gerade noch erträglich und zweifellos von großer handwerklicher Finesse getragen, ermüdet diese verschwurbelte Drogen-Todes-Erfahrung schon in den ersten Minuten, denn so verliebt wie der Regisseur in sein technischen Spielereien ist, so wenig interessieren ihn letztlich die Protagonisten, denen er das Drama mit der groben Kelle serviert.

Alles ist Effekt und letztlich doch nicht mehr als die psychedelische Tunnelszene aus 2001 mit Ficken versetzt. Menschen interessieren Noe, trotz anderslautender Schamlippenbekenntnisse (und dem unnötigen Versuch einer klassisch narrativen Handlung) nach wie vor nicht wirklich. Ganz im Gegensatz zur plumpen Provokation, die Leute die mit Messer und Gabel ficken wohl immer noch als shocking mißverstehen. Als Videoinstallation wäre dieser Film im Verzicht auf Story wahrscheinlich besser aufgehoben und wirkungsvoller – als Film nervt er nach kurzer Zeit, weil er als reines Bildwerk einfach nicht funktioniert und sich immer wieder an die dünne Geschichte klammert, die aber einfach nicht wirklich interessant ist.

Was bleibt ist eine laute, lahme und vor allem langweilige Schwurbeligkeit, die selbst die plumpen religiösen Obertöne nur des Effekts wegen, einsetzt – den spirituell möchte der Regisseur sein schwebendes Techno-Todesgewichse nicht verstanden wissen. Nach anstrengenden, überlangen zweieinhalb Stunden bleibt nur das Fazit, das soviel technisches Können im seelenlos-inhaltlichen Vakuum verreckt. Enter the Void – zumindest der Titel stimmt.

23 Kommentare

  1. bei “enter the void” habe ich mich auch nach 2 1/2 stunden nicht “ermüdet” gefühlt , sondern eher … erschlagen vielleicht ? beeindruckt war ich auf jeden fall . aber dass ganz viele den film nicht mögen würden war mir schnell mal klar damals – “provokation als selbstzweck” würden sie sagen . und damit so unrecht nicht haben . das alleine ruiniert einen film aber nicht . er war trotz aller tristesse unterhaltsam , anstrengend und doch verträglich , kurzum : nicht misslungen . jedenfalls habe ich das kino mit einem breiten grinsen verlassen :)

    Kommentar #1 von doc am 04.01.2011 um 05:16 Uhr

  2. Wann wird der “Easy A” denn hier erscheinen?

    Kommentar #2 von Chris am 04.01.2011 um 09:51 Uhr

  3. @chris
    vor ca 4 Wochen, nennt sich aber “Einfach zu haben” – dabei ist Easy A ein viel viel passenderer Titel..

    Kommentar #3 von fidel am 04.01.2011 um 10:00 Uhr

  4. easy a war mir dann doch zu klischeebeladen, selbst wenn es irgendwie witzig gemeint sein sollte. auch im zweiten anlauf nicht zu ende geguckt…

    Kommentar #4 von slowcar am 04.01.2011 um 10:04 Uhr

  5. Warum steht in der URL “…/04/kurzreviews-black-swan-unstoppable-…”
    wenn gar keine Black Swan-Review dabei ist ?

    Kommentar #5 von egal am 04.01.2011 um 11:12 Uhr

  6. “Einfach zu haben” ist in der Tat die beste Teenie-Highschool-Komödie seit langem. Allerdings gab es schonmal einen Thriller mit derselben Gerüchte-in-Umlauf-Setzen-Grundidee, der auch sehr gut war.

    “Enter the Void” mag technisch genial und faszinierend sein (und sein Vorspann ist wirklich krassomat-endgeil), aber die Masche leiert sich sehr schnell zu Tode und wird nicht nur langweilig, sondern wirkt sogar auf Dauer folterähnlich. Der Film ist definitiv zu lang! Und zuviel Geficke ist auch drin, um ihn überhaupt noch ernst nehmen zu können. Noé will das nicht spirituell verstanden wissen??? Ja wie denn dann??? Als Geschwister-Drama? Dann hat er aber eine ziemlich davon ablenkende Methode gewählt!

    Kommentar #6 von Binding am 04.01.2011 um 11:30 Uhr

  7. Von “Einfach zu haben” war ich auch sehr angetan. Spielte für mich in einer Liga mit den guten Highschool und College Filmen der Nullerjahre, wie , “Superbad”, “Juno” und “Accepted”.

    Kommentar #7 von Gerrit am 04.01.2011 um 11:50 Uhr

  8. @egal

    Ich hatte erst ein Black-Swan-Review mit drin, hab das dann aber doch noch rausgenommen weil der Film erst am 20.01. anläuft und wir da dann sicher noch ein Vollreview zu machen.

    Kommentar #8 von Batzman am 04.01.2011 um 12:04 Uhr

  9. @ 9 | Batzman:

    und gerade auf das Review bin ich gespannt. Habe Black Swan vorgestern im Flugzeug gesehen und war…positiv verstört. Scheiße, Ballett ist die Hölle!

    Kommentar #9 von Hell-G am 04.01.2011 um 12:33 Uhr

  10. Jupp, Ballett in die Klischeestoryhölle :) …aber schick aussehen tut er.

    Zu den Reviews, Easy A interessiert mich nicht, kann mir aber vorstellen, dass er nett ist. Bei Unstoppable habe ich nach all den meist positiven Reviews echt gehofft, wieder ‘nen Knaller-Scott zu sehen… und habe mich dann so unendlich gelangweilt. Ich meine ein Zug, ein egaler, irgendwie absolut ungefährlicher (klar hat man versucht ihn gefährlich wirken zu lassen, für mich rollte er aber friedlich auf seiner Schiene dahin), ein unbemannter Zug…. man, war mir dieser Film egal. Und kleinste Actionszenen, die nicht der Rede wert wären, wurden hier wirklich in’s Lächerliche überinszeniert. Nee, nicht mein Film.

    Bei Wall Street trifft’s der Satz “Teil 2 ist sentimental und bisslose Variation die es nicht wirklich gebraucht hätte.” wirklich perfekt.

    Bei Enter The Void bin ich von der “guten” Bewertung fast schon überrascht. Ich meine 2 1/2 Sterne von Batz? Wow :) Und bitte ein paar Sätze aus diesem Review schonmal für TRON: Legacy rüberkopieren.

    Kommentar #10 von Silent Rocco am 04.01.2011 um 12:51 Uhr

  11. ” Das ist nicht unsympathisch, lohnt aber eher als TV-Unterhaltung denn im Kino und lässt im wesentlichen die Frage offen, warum Tony Scott nichtmal irgendwas dreht, das ein bißchen ambitionierter ist als “routinierte Unterhaltung”. ”

    Weil er nichts anderes kann? (je nachdem, wie sehr er sich seiner eigenen Stärken bewusst ist: Weil er nichts anderes will?)

    Kommentar #11 von Dachsman am 04.01.2011 um 17:08 Uhr

  12. Nach 60Minuten Enter The Void hab ich aufgegeben. Eine 90er Jahre TrainspottingInzestDrogenGoaEsoterik-Arthouse Achterbahnfahrt ohne Inhalt ist ziemlich anstrengend.

    Kommentar #12 von zeitzeuge am 04.01.2011 um 19:22 Uhr

  13. ich hab enter the void beim fantasy filmfest in berlin gesehen und aus neugier auf eine auflösung tapfer bis zum schluss durchgehalten. muss sagen, der film hätte einfach bei der sargszene enden müssen, dann hätte man ihn noch als kunstexperiment akzeptieren können. so lang wie der film ist, hat das was von folter für mich.. aber der vorspann ist so ziemlich der beste vorspann der je gemacht wurde!!! ich hätte im kino vor glück weinen können (im übertragenen sinne ;)

    Kommentar #13 von xyzabc am 04.01.2011 um 20:03 Uhr

  14. Ich hab sogar geweint… echt. Im Kino ein Reizüberflutungsglücksmoment ohne Vergleich.

    Kommentar #14 von Silent Rocco am 04.01.2011 um 20:39 Uhr

  15. inception & unstoppable – dumm & dümmer….

    Kommentar #15 von Paratrooper am 04.01.2011 um 21:25 Uhr

  16. @silent rocco ging mir genauso bezüglich enter the void! ein absoluter glücksfall!!

    Kommentar #16 von chris am 06.01.2011 um 12:26 Uhr

  17. Namen haben es schon in sich und so Akteure die echt kaum im Kino auftauchen sind nicht der rede wert. Auch wenn seine Filme unter eurem Nievau sind sollte es doch möglich sein “Shia LaBeouf” 1x richtig zu googlen ;)

    Kommentar #17 von Hans Wurst am 06.01.2011 um 17:12 Uhr

  18. Berichtigungsposts sind so schon schlimm genug, noch schlimmer sind eigentlich nur die, die selbst keinen Deut besser sind ;)

    Kommentar #18 von Silent Rocco am 06.01.2011 um 17:17 Uhr

  19. Hatte auch das Vergnügen Enter the Void auf dem FFF in Berlin zu sehen und bin nach wie vor schwer begeistert. Der Vorspann allein ist schon fetziger als 10 andere Filme. Über den Rest kann man sich streiten, klar hat er seine Längen aber es ist auch ein Film der erlebt werden will bzw. muss. Und auf einem Fernseher kann das nicht funktionieren. Aber im Kino auf großer Leinwand und LAUT entwickelt er mit seinen Kamerafahrten eine Faszination der man sich nur schwer entziehen kann.

    Kommentar #19 von rAuPY am 07.01.2011 um 01:40 Uhr

  20. ich hab mit dem kritiker meines vertrauens drüber geredet, und er fand die geschwister story bei void wirklich gut, ich fand sie müll, aber allein
    für die handwerkliche umsetzung geb ich 4 sterne…. das wurde nicht mal
    so mit ner red runtergekurbelt und sieht nett aus. gaspar noe… respekt

    Kommentar #20 von tobias am 09.01.2011 um 10:51 Uhr

  21. hab den film auch zum ersten mal beim fff gesehen. allein die credits sind besser als viele andere filme. GANZ WICHTIG ist aber zu sagen, dass der film an ein bestimmtes publikum geht. was ich damit meine ist, dass man ihn im nüchternen zustand selbstverständlich anstrengend findet. wenn man aber die passenden drogen genommen hat, machen die flackernden lichter, die bunten farben und die kamerafahrten absolut sinn. außerdem stirbt der protagonist garnicht. er raucht dmt und die ganze story ist teil der starken wirkung. wenn der film weiterginge, würde oscar zu hause auftstehn oder im krankenhaus, und erzählen, dass er den seltsamsten drogentraum seines lebens hatte.. alles in allem ein drogenfilm. nix für leute, die keine psychodelischen sachen nehmen.

    Kommentar #21 von toni am 17.01.2011 um 16:54 Uhr

  22. @toni ähm, tut mir leid, aber was für ein unglaublicher schwachsinn! drogenfilme sind also nur für leute die den müll selbst schlucken oder wie???
    sind copfilme dann eigentlich auch auch nur für polizisten gemacht???

    ich habe noch nie drogen genomme, bis heute nicht mal einen joint ausprobiert (und das wird auch so bleiben) und ich fand Enter the void trotzdem klasse.

    Kommentar #22 von chris am 07.03.2011 um 16:13 Uhr

  23. So. Hab jetzt auch “endlich” Easy A gesehen… War nicht ganz so schlimm wie “Juno” aber fast. Die Eltern lächerlich liberal. Emma Stone soooooo süß, dass ich es ihr schon wieder nicht abgenommen habe. Ein paar nette Ideen aber nichts was die übermäßig guten Kritiken rechtfertigen würde. Also “Superbad” ist da zilliausend Mal besser.

    Kommentar #23 von Ken Takel am 21.04.2011 um 12:36 Uhr

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