Hier zwei aktuelle Starts der vergangenen Woche: Tucker and Dale vs. Evil +++ Gullivers Reisen
Tucker and Dale vs. Evil – Kanada 2010





Die Hillbillys Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) werden von urlaubenden Teenagern versehntlich für mörderische Psychopathen gehalten. Ehe sie das Missverständnis aufklären können, sind auch schon die ersten Leichen zu beklagen…
Tucker & Dale dürfte wohl der erste originelle Backwood-Slasher der vergangenen 20 Jahre sein. So simpel die Prämisse ist, die übliche Konstellation von Teenies gegen Hinterwäldler umzudrehen, so genial und konsequent wurde sie hier umgesetzt.
Das es nicht einfach ist aus einer ironischen Idee auch einen gelungenen Film zu machen bewies die Slasher-Satire “Behind the Mask” ja vor einer Weile, die nach einem spassigen Auftakt dann leider doch in gewohnte Bahnen verfiel. Regisseur Eli Craig setzt in seinem Film vor allem auf seine sympathischen Hauptdarsteller, denn ohne Alan Tudyks Tucker und dem gutmütig bärigen Dale, gespielt vom kanadischen Komiker Tyler Labine, würde sich der Gag wohl bald totlaufen. Natürlich sind sie witzige Figuren, aber nie lächerliche Idioten. Man fühlt mit ihnen und deswegen funktioniert der Film.
Das die Story aber nach einem etwas behäbigen Auftakt dann sehr schnell an Fahrt gewinnt und über die komplette Länge unterhält, liegt an den knuffigen Figuren und dem gekonnten Spiel mit gängigen Backwood-Situationen. Über weite Strecken bietet Tucker & Dale vs. Evil quasi zwei Filme in einem: Die Sichtweise der liebenswerten Hinterwäldler die völlig entsetzt sind, das um sie herum durch dumme Zufälle ständig Teenies sterben und die Sicht der Teenager, aus der Tucker & Dale zwei gemeingefährliche Hillbilly-Psychos sind, die mit ihnen ihre perversen Gelüste ausleben wollen. Das ist zum Teil zwar ganz schön konstruiert, aber dennoch witzig anzusehen und macht einfach eine Menge Spaß.
Das Gorehounds nebenher mit ein paar deftigen Splatterszenen belohnt werden, ist da eher der geringste Grund sich diese herzerwärmende Slasher-Komödie anzusehen.
Gullivers Reisen (Gullivers Travels) – USA 2011





Der schüchterne Postabteilungs-Nerd Gulliver (Jack Black) schummelt sich um seine Angebetete zu beeindrucken in einen Job als Reisejournalist und landet nach einem Sturm auf der Insel Liliput, wo er von den winzigen Menschen als riesiges Monster angesehen wird…
Es muss Möglichkeiten geben diese Gulliver-Variante noch unlustiger zu machen, aber so spontan fällt mir keine ein. Die Macher dieses Jack-Black-spielt-Jack-Black-Vehikels haben sich viel Mühe gegeben jeden Ansatz von Spaß und Story auszusparen und liefern stattdessen die volle Packung infantilen Dünnsinns, der aber wohl nichtmal 11jr mehr ein müdes Lächeln entlocken dürfte. Ob nun Soldaten in Blacks Arschritze gestoßen werden, Gulliver ein Feuer auspisst oder eine abgeschmackte Popnummer intoniert und mit einem Transformer kämpft – immer wird der größtmögliche Fremdschamfaktor erreicht, der wünschen lässt Black und Leute wie Bill Connoly wären nicht an diesem Mist beteiligt.
Natürlich sind Swifts satirische Spitzen völlig getilgt worden, das selbst die TV-Version mit Ted Danson aus den 90ern noch wie anspruchsvolles Literaturkino wirkt. Hier stimmt aber auch so gar nichts, alles wirkt wie ein schlechter Sketch, der einfach zu lange ausgewalzt wurde und irgendwann einfach ins Kino gebracht wurde, weil er over Budget lief.
Black spielt sich selbst, den annoying Nerdrocker – der in School of Rock noch so wunderbar sympathisch war, hier aber absolut nervt. Background braucht er keinen, der Film hat es eilig und schafft ihn in gerade mal einer Viertelstunde nach Liliput – das nicht clever modernisiert wurde sondern eine unstimmige Klamaukversion eines Landes ist, das sich zwar nicht gegen seine Feinde wehren kann, aber in Sekunden Riesenhafte Bungalows, Theatersäle, Riesenroboter und Broadways nachbaut.
Nichtmal der schlechteste Shrek-Film hat so miese Popkultur-Gags wie dieser Gulliver-Film – alles ist tumbe Anspielung ohne Witz und Verstand.
Jason Segel, der immer noch aussieht wie der magersüchtige Bruder von Gerard Depardieu ist als Sidekick wenig überzeugend, bleibt aber zumindest angezogen diesmal. Prinzession und Bösewicht wissen aus ihren One-Note-Rollen auch nichts zu machen und haben zueinander genausowenig Chemie wie zum extrem schlecht einkopierten Gulliver, der in keiner Szene vergessen lässt, dass hier Jack Black vor der Green Screen herumkaspert. Wirklich nie stellt sich ein homogenes Gefühl ein, dass Liliputtler und Gulliver dieselbe Welt bewohnen. Ihre Physik stimmt nicht überein von der Beleuchtung ganz zu schweigen und die Composits sind hingeschluderte Armutszeugnisse.
Sorry, aber gegen diesen Film war Year One noch ein subtiles Comedy-Meisterwerk und eine echte Anschauempfehlung. Stay away! Run! Gulliver is coming and singing…
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Februar 13th, 2011 •
- 20 Kommentare
- Schlagwörter: Gullivers Travels, Jack Black, jason segel, Tucker and Dale vs Evil
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