Kurzreviews: Tucker and Dale vs. Evil, Gullivers Reisen (Review)

20 Comments

Hier zwei aktuelle Starts der vergangenen Woche: Tucker and Dale vs. Evil +++ Gullivers Reisen

Tucker and Dale vs. Evil – Kanada 2010
★★★★☆

Die Hillbillys Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine) werden von urlaubenden Teenagern versehntlich für mörderische Psychopathen gehalten. Ehe sie das Missverständnis aufklären können, sind auch schon die ersten Leichen zu beklagen…

Tucker & Dale dürfte wohl der erste originelle Backwood-Slasher der vergangenen 20 Jahre sein. So simpel die Prämisse ist, die übliche Konstellation von Teenies gegen Hinterwäldler umzudrehen, so genial und konsequent wurde sie hier umgesetzt.

Das es nicht einfach ist aus einer ironischen Idee auch einen gelungenen Film zu machen bewies die Slasher-Satire “Behind the Mask” ja vor einer Weile, die nach einem spassigen Auftakt dann leider doch in gewohnte Bahnen verfiel. Regisseur Eli Craig setzt in seinem Film vor allem auf seine sympathischen Hauptdarsteller, denn ohne Alan Tudyks Tucker und dem gutmütig bärigen Dale, gespielt vom kanadischen Komiker Tyler Labine, würde sich der Gag wohl bald totlaufen. Natürlich sind sie witzige Figuren, aber nie lächerliche Idioten. Man fühlt mit ihnen und deswegen funktioniert der Film.

Das die Story aber nach einem etwas behäbigen Auftakt dann sehr schnell an Fahrt gewinnt und über die komplette Länge unterhält, liegt an den knuffigen Figuren und dem gekonnten Spiel mit gängigen Backwood-Situationen. Über weite Strecken bietet Tucker & Dale vs. Evil quasi zwei Filme in einem: Die Sichtweise der liebenswerten Hinterwäldler die völlig entsetzt sind, das um sie herum durch dumme Zufälle ständig Teenies sterben und die Sicht der Teenager, aus der Tucker & Dale zwei gemeingefährliche Hillbilly-Psychos sind, die mit ihnen ihre perversen Gelüste ausleben wollen. Das ist zum Teil zwar ganz schön konstruiert, aber dennoch witzig anzusehen und macht einfach eine Menge Spaß.

Das Gorehounds nebenher mit ein paar deftigen Splatterszenen belohnt werden, ist da eher der geringste Grund sich diese herzerwärmende Slasher-Komödie anzusehen.

Gullivers Reisen (Gullivers Travels) – USA 2011
★½☆☆☆

Der schüchterne Postabteilungs-Nerd Gulliver (Jack Black) schummelt sich um seine Angebetete zu beeindrucken in einen Job als Reisejournalist und landet nach einem Sturm auf der Insel Liliput, wo er von den winzigen Menschen als riesiges Monster angesehen wird…

Es muss Möglichkeiten geben diese Gulliver-Variante noch unlustiger zu machen, aber so spontan fällt mir keine ein. Die Macher dieses Jack-Black-spielt-Jack-Black-Vehikels haben sich viel Mühe gegeben jeden Ansatz von Spaß und Story auszusparen und liefern stattdessen die volle Packung infantilen Dünnsinns, der aber wohl nichtmal 11jr mehr ein müdes Lächeln entlocken dürfte. Ob nun Soldaten in Blacks Arschritze gestoßen werden, Gulliver ein Feuer auspisst oder eine abgeschmackte Popnummer intoniert und mit einem Transformer kämpft – immer wird der größtmögliche Fremdschamfaktor erreicht, der wünschen lässt Black und Leute wie Bill Connoly wären nicht an diesem Mist beteiligt.

Natürlich sind Swifts satirische Spitzen völlig getilgt worden, das selbst die TV-Version mit Ted Danson aus den 90ern noch wie anspruchsvolles Literaturkino wirkt. Hier stimmt aber auch so gar nichts, alles wirkt wie ein schlechter Sketch, der einfach zu lange ausgewalzt wurde und irgendwann einfach ins Kino gebracht wurde, weil er over Budget lief.

Black spielt sich selbst, den annoying Nerdrocker – der in School of Rock noch so wunderbar sympathisch war, hier aber absolut nervt. Background braucht er keinen, der Film hat es eilig und schafft ihn in gerade mal einer Viertelstunde nach Liliput – das nicht clever modernisiert wurde sondern eine unstimmige Klamaukversion eines Landes ist, das sich zwar nicht gegen seine Feinde wehren kann, aber in Sekunden Riesenhafte Bungalows, Theatersäle, Riesenroboter und Broadways nachbaut.
Nichtmal der schlechteste Shrek-Film hat so miese Popkultur-Gags wie dieser Gulliver-Film – alles ist tumbe Anspielung ohne Witz und Verstand.

Jason Segel, der immer noch aussieht wie der magersüchtige Bruder von Gerard Depardieu ist als Sidekick wenig überzeugend, bleibt aber zumindest angezogen diesmal. Prinzession und Bösewicht wissen aus ihren One-Note-Rollen auch nichts zu machen und haben zueinander genausowenig Chemie wie zum extrem schlecht einkopierten Gulliver, der in keiner Szene vergessen lässt, dass hier Jack Black vor der Green Screen herumkaspert. Wirklich nie stellt sich ein homogenes Gefühl ein, dass Liliputtler und Gulliver dieselbe Welt bewohnen. Ihre Physik stimmt nicht überein von der Beleuchtung ganz zu schweigen und die Composits sind hingeschluderte Armutszeugnisse.

Sorry, aber gegen diesen Film war Year One noch ein subtiles Comedy-Meisterwerk und eine echte Anschauempfehlung. Stay away! Run! Gulliver is coming and singing…

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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20 Comments

  1. burns

    Ich bin SO erleichtert, dass Du über Gulliver genau das schreibst, was ich beim ersten Trailer von diesem Film schon erwartet hatte.
    Umso mehr freue ich mich auf Tucker and Dale.

  2. der sepp

    tucker und dale fand ich auch sehr erfrischend und gut (: obwohl ich das ende n bisschen seltsam fand trotzdem sehr witzig über weite strecken

  3. Mein Senf

    Tucker & Dale ist wirklich eines der Horror-Comedy Highlights der letzten 20-30 Jahre. Zum einen bringen die beiden Protagonisten eine Menge Comedy-Talent ein, zum anderen nimmt der Film seine Figuren ernst. Hillbillys wie Studenten – so dämlich sich beide Parteien letztlich auch anstellen.

    Auch die Metaebene funktioniert prächtig, ohne sich penetrant in den Vordergrund zu schummeln. Das Spiel mit den Konventionen ist bestens dazu geeignet, um diesem konservativen Genre, seine eigenen ideologischen Gräben unter die Nase zu reiben. Hier werden Tolenranz statt Vorurteile und Dialog statt Konfrontation propagiert.

    Ich habe nun schon einige Funsplatter-Sachen auf dem Fantasy Filmfest gesehen, aber noch nie war die Stimmung derart ausgelassen, wie bei Tucker & Dale. Absolute Guckempfehlung.

  4. slowcar

    Tucker and Dale vs Evil haben mich auch sehr begeistert!

  5. genervt

    “Wir haben eure Freundin!” Ganz groß! :D

  6. Alex

    Ach komm, gib Tucker and Dale vs. Evil noch den fünften Stern, du weißt das der Film den verdient hat! Tu es!

  7. Jonny

    Zur Info: das Feuer auspissen ist tatsächlich litherrarisch so festgelegt.
    Soll heisen im Buch pisst er auch mit nem X-Schlauch das Feuer aus.

  8. Mein Senf

    @Jonny:
    Stimmt, das ist ziemlich unglücklich und legt den Verdacht nahe, dass der Autor die Vorlage gar nicht kennt und sich insofern auch kein wirkliches Urteil über deren satirisches Potential erlauben kann. In diese Falle, mangelnde Nähe zur satirischen Vorlage ausgerechnet anhand der Pinkelszene belegen zu wollen, tappen irgendwie ziemlich viele Schreiberlinge, wenn sie über den Film sprechen.

    Umso verwunderlicher, da Jack Black in mehreren Interviews explizit darauf hingewiesen hat, dass seine Löschaktion so auch im Buch vorkommt.

    Abgesehen davon, sprich auch wenn sie “historisch verbürgt” ist: Komischer macht das so eine Art von Fäkalhumor aber natürlich auch nicht.

  9. Batzman (Oliver Lysiak)

    @Jonny @Meinsenf

    Ich hab aber die fehlende Nähe zur satirischen Vorlage gar nicht mit der Pinkelszene belegt, sondern die Pinkelszene als Beispiel dafür gebracht wie unwitzig der Film ist.

    Das er diese Szene beibehält den satirischen Subtext Swifts aber ansonsten ignoriert spricht für die Schwerpunktsetzung der Macher – bei Swift hat die Szene natürlich eine Bedeutung, bei Jack Black ist es einfach eine Pipikaka-Humor-Szene.

  10. Mein Senf

    @Batzman:
    Ja stimmt – diesen Zusammenhang stellst du in der Tat nicht her – sorry dafür, das war falsch formuliert.

    Ich meinte eher, dass es etwas unglücklich wirkt, wenn man mangelnde Qualität gegenüber der Vorlage ausgerechnet mit einer Szene belegt, die auch in der Vorlage zu finden ist. Mal ganz unabhängig davon wie sinnvoll sie in die Handlung eingebaut ist.

    Dein Ansatz im letzten Satz deines Kommentars fand ich viel besser: Dort machst du anhand der Pinkelszene das ganze Dilemma dieser Gulliver-Verfilmung sichtbar.

    Der Film scheint auf jeden Fall in deinen Flop-Jahrescharts gesetzt zu sein. Von Gullivers Reisen wusste ich bisher immer nur, dass er nach Liliput kommt und dort an die Erde gebunden wird. Ich habe weder die Vorlage gelesen, noch die Ted-Danson-Version gesehen und das Jack-Black-Vehikel werde ich mir höchstens mal auf DVD geben.

    Zwei Sachen interessieren mich aber doch noch:
    1. In diversen anderen Kritiken wurde den ganzen Popzitaten, denen du ja reine Selbstzweckhaftigkeit unterstellst, ein moderater satirischer Ansatz beigemessen. Demnach wurde Lilliput aus dem Grund nicht modernisiert, damit es Jack Black in kürzester Zeit im Alleingang tun kann. Dadurch bringt er aber die Gesellschaft total aus dem Gleichgewicht und richtet gewissermaßen moralischen Schaden an. Das las sich auf dem Papier eigentlich ganz charmant. Wie hast du das gesehen?
    2. Hast du die Swift-Vorlage jetzt eigentlich gelesen oder nicht?

  11. Batzman (Oliver Lysiak)

    @MeinSenf

    Die Popzitate waren extrem platte Referenzen auf moderne Sachen, die aber alle nicht über das Wiedererkennen der Referenz hinausgehen. Das ist eher auf dem Niveau von Epic Movie und anderem Friedman/Selzer-Schrott als das es der tatsächlichen Auseinandersetzung mit den unteschiedlichen Lebenswelten gilt. Aus Avatar Gullivatar zu machen und einen Minibroadway nachzubauen auf dem jedes bekannte Musical-Plakat eine Gulliver-Version ist, ist einfach platt – zumal sich mit der Innenwelt Gullivers und seinem beschränkten Horizont gar nicht auseinandergesetzt wird.

    Er richtet keinen moralischen Schaden an, weil das ganze Weltenkonstrukt nicht funktioniert und Liliputt nie glaubhaft funktioniert.

    2. Ich hab die Swift-Vorlage mit 14-15 mal gelesen, hatte aber nicht mehr alle Details im Kopf und hab mir vor dem Review nochmal eine ausführliche Synopsis durchgelesen. Die Danson-Halmi-Verfilmung fürs TV war in jedem Fall wesentlich näher dran und hat Swifts Seitenhiebe auf Religionswahn, höfische Rituale und Kriebstreiberei sehr viel besser eingefangen als dieser Krampf mit Black.

  12. rettich

    Also ich habe noch vor kurzem die ersten beiden Reisen Gullivers’ von Swift gelesen. Die erste ist die nach Lilliput.
    Das Poster des Films und Jack Black hat mich schon davon überzeugt, dass ich mir den Film nicht anschauen brauche.
    Die Feuer-Auspinkel-Sache ist im Buch natürlich ganz lustig, was für eine Bedeutung ich dem zusprechen könnte weiß ich allerdings nicht. Da gibt es wesentlich lustigere Teile (insbesondere die Beschreibung der Politik in Lilliput).

    Was ich im allgemeinen nicht verstehe, ist warum solche Filme hier überhaupt ein Review bekommen, während Filme wie Winters Bone (ja, ich häng mich da immer wieder dran auf), einfach unter den Tisch fallen.

  13. Jane_Doe

    Ich frag mich bei Jack Black Filmen immer, ob die ganzen peinlichen Aktionen en detail so im Drehbuch stehen oder einfach “Jack macht sein Ding”. Mal abgesehen von den schlechten Effekten fand ich den Film tatsaechlich ganz unterhaltsam, einer der besseren Black-Filme. Eine positive Sache, ich hab Emily Blunt für mich entdeckt. Ürigens wieder der Hammer, der deutsche Alternativtitel “Da kommt was Großes auf uns zu”. Argh.

  14. Batzman (Oliver Lysiak)

    @rettich

    Winters Bone startet bei uns 31.März und wird wenn auch erst dann hier reviewed. Wir bemühen uns in der Regel Filme zu ihrem Deutschlandstart zu besprechen, da es dann die meisten Leser interessiert.

  15. Sven

    Ich brauch mir Jack Blacks durch Kanonen zurückschwappende Wampe nicht in riesengroß und 3D anzusehen.
    Ehrlich, das dürfte der 3D Tiefpunkt sein.

  16. rettich

    @batz: ok – dann nehm ich das natürlich zurück.

    habe den film bereits mitte – ende letzten jahres gesehen und dachte hier wäre er einfach mal schick ignoriert worden oä, was mich wunderte, grade wo er doch jetzt sogar oscarnominiert ist.
    ich meine er lief nämlich auch schon auf der letzten berlinale.

  17. the third

    ich finde gullivers reisen ziemlich witzig

  18. mace

    “Die” haben gesagt es würde mindestens 24 Stunden anhalten…

  19. stb247

    Tucker & Dale vs. Evil ist super!

    Den kann man wirklich empfehlen. Der läuft im Cinestar am Potsdamer Platz zwar erst 23:00Uhr, aber wenn man die Zeit hat, sollte man sie sich nehmen. Zum,al ich da gern Eintritt zahle, statt mir nen schlechten Workprint ausm Netz zu ziehen.

  20. CineMan

    Endlich gesehen!
    Tucker and Dale vs. Evil war & ist klasse!
    Auch von mir 4 Sterne.
    Wer seine Freude an Filmen wie Braindead, Shaum Of The Dead, Armee der Finsterniss & The Frighteners hatte, ist auch hier mehr als gut aufgehoben ….

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