Review

Kurzreviews: Ich bin Nummer Vier, Gnomeo und Julia, We want Sex, In einer besseren Welt (Review)

Standard, 26. 3. 2011, Batzman (Oliver Lysiak), 12 Kommentare

Hier zwei Reviews zu aktuellen Starts, sowie ein nachgeholter Film: Ich bin Nummer Vier +++ Gnomeo und Julia +++ Wir wollen Sex +++ In einer besseren Welt

Ich bin Nummer Vier (I am number four) – USA 2011
★★½☆☆

John (Alex Pettyfer) ist eines von zehn ausserirdischen Kindern, die als letzte ihres Volkes vom Planten Lorien auf der Erde versteckt wurden. Doch böse Ausserirdische sind ihnen auf den Fersen und bringen die mittlerweile fast erwachsenen Kids in der Reihenfolge ihrer Nummern um. Nachdem Eins bis Drei schon das Zeitliche gesegnet haben, muss sich jetzt auch John, alias Nummer Vier seiner Haut erwehren… und dabei will er doch nur ein ganz normales Teenie-Leben führen.

Was auf dem Papier noch als ganz nettes Twilight für Jungen mit weniger schmollen und mehr Explosionen ausgesehen haben mag, entpuppt sich dann auf der Leinwand leider als uneinheitlicher Mischmasch, dem leider jedes Quentchen Originalität abgeht.

Auch wenn das Finale actionmässig mit Monsterhunden, ordentlich Krawumm und der (viel zu späten) Einführung des Kick-Ass-Babes Number Six durchaus punkten kann, dominiert zuvor leider der dramaturgische Leerlauf, Unlogik und Dialoge die einem wahrlich die Schuhe ausziehen. Das Subtilitätslevel der Inszenierung wird auf den Punkt gebracht, wenn dem Hauptcharakter John (gespielt vom Sympathiebolzen Alex Pettyfer, der sich selbst für den nächsten DeNiro zu halten scheint und der für einen Teenager dann doch etwas zu erwachsen und alt ausschaut) gesagt wird, er solle sich sich unauffällig verhalten und man ihn im nächsten Schnitt aus dem Bus steigen und sich die Kapuze eines Hoodies überstülpen sieht. Ah! Unauffällig. Wir haben verstanden.

Das ihm im folgenden pubertätsbedingte Superkräfte erwachsen und er wie jeder Junge feststellt, das er mit seinen Händen ganz wunderbare Sachen machen kann, mindert keinesfalls die unfreiwillige Komik, wenn dann später Sätze wie „Shoot me with your Lumen!“ geäussert werden.

Auch wenn sich Dianna Agron als Generic-Edgy-Girlfriend Mühe gibt, bleibt doch die Romanze in der der Mittelteil des Films herumdümpelt seltsam leb- und lieblos, erschöpft sie sich doch nur in der Variation von (aus Smallville und Co. bekannten) High-School-Serien Klischees von bösen Jocks und gemobbten Nerd-Sidekicks (ganz okay: Callan McAuliffe der schon in Rob Reiners Flipped überzeugen konnte und in dieser Dumm-Dumm-Variante von „Rebel without a cause“ die Rolle des Plato spielen darf, inklusiver der schwuler Untertöne).

Völlig verschwendet bleibt Timothy Olyphant, der vielleicht nicht der größte Schauspieler ist, aber schon besseres verdient hätte als die zu kurz geratene Mentoren-Rollen die nichtmal ausreicht um die wichtigste Frage des Films schlüssig zu erklären: Warum zum Teufel dürfen die Kinder Loriens bitte nur in der Reihenfolge ihrer Nummern umgebracht werden? Das Buch erklärt zumindest kurz, dass es sich um einen Schutz-Zauber handelt, doch im Film bleibt den Zuschauern nur zu rätseln, ob die Schurken, die aussehen wie Piercingfreaks aus der Lederkneipe, vielleicht obendrein noch einen seltsamen Zahlenfetisch haben.

Wobei die Szenen in denen sie auftreten eindeutig die Highlights sind und die Fütterung der Monsterhunde mit gefrorenen Truthähnen zumindest eine witzige Idee ist und mit den gelungenen Action-Szenen am Ende dann doch für spassige-trashigen Fun sorgt.

Als Franchise-Starter wird sich Number Four, der fast mehr Storyline für die Fortsetzungen anteast als selbst Story zu erzählen, aber wahrscheinlich in die lange Reihe missglückter Young-Adult-Novel-Adaptionen einreihen, die im Nachgang zu Twilight und Harry Potter in die Kinos gedrückt wurden. Angesichts der mauen Einspielergebnisse des Films, wie des bescheidenen Erfolgs der Buchvorlage (vom nicht ganz skandalfreien Fake-Autobiographen James Frey), scheint es unwahrscheinlich, dass wir miterleben werden wie Number Six nochmal zum Einsatz kommt – was das einzig bedauernswerte an der ganzen Sache ist.

Gnomeo und Julia (Gnomeo and Juliet) – USA 2011
★★★½☆

Die Gärten der verfeindeten Nachbarn Montague und Capulet sind Lebensraum der roten und der blauen Gartenzwerge, die sich ebenfalls nicht riechen können. Was einige Probleme mit sich bringt als sich Gnomeo (James McAvoy) in Julia (Emily Blunt) verliebt…

Wie man aus einem schlechten Wortspiel einen doch ganz charmanten Film macht, zeigt Gnomeo und Julia – der zumindest im Original vor allem auch von seiner exzellenten Stimmbesetzung lebt. Wo sonst kann man Michael Caine, neben Jason Statham, Ozzy Osbourne, Matt Lucas, Hulk Hogan und Maggie Smith gemeinsam erleben?

Ganz zu schweigen von James McAvoy als Gnomeo und Emily Blunt als Julia – die Stimmen sind es, die mit ihrer Mischung aus zeitgenössischer Flapsigkeit und shakespearschem Pathos dieses Gartenzwerg-Melodram tatsächlich zum Leben erwecken.

Auch wenn wir um viele Klischees, Filmzitate und die typischen CGI-Film-Popsong-Montagen nicht herumkommen, sorgt doch der ungewöhnliche Look der Figuren, die eben tatsächlich wie tönerne Figuren aussehen, für genug Eigenwilligkeit diese Story nochmal mit einem neuen Dreh anzusehen – obwohl die Macher um Shrek2-Co-Regisseur Kelly Asbury sehr deutlich ihre Riffs auf Baz Luhrmans R&J-Verfilmung spielen und die vielen Songs des Produzenten Elton John Erinnerungen an Moulin Rouge wachrufen.

Für Shakespeare-Fans und Animationsjunkies in jedem Fall ein netter Film zum Zwischendurch gucken. Dabei ist nachzusehen, dass die vergleichsweise günstigen Indie-Produktion (der man ihre turbulente Produktions- und Studiowechselgeschichte zum Glück nicht anmerkt), natürlich nicht ganz das Animations-Niveau anderer Big-Budget-Streifen erreicht.

We want Sex! (Made in Dagenham) – UK 2010
★★★½☆

60er Jahre in Dagenham, UK. Die Stadt lebt von der Autoindustrie, doch Ford weigert sich die in den Betrieben beschäftigten Frauen angemessen zu bezahlen. Zur Überraschung des Konzerns treten die Frauen in den Streik und kämpfen für gleichen Lohn, lassen sich weder durch Drohungen noch gutes Zureden beeindrucken.

Süffig servierter Geschichts-Exkurs aus längst vergangenen Zeiten, als Frauen noch um die Gleichberechtigung gekämpft haben, anstatt sich nach Supermodel-Karriere zu sehnen.

Dank der sympathischen Besetzung, die es leicht macht sich mit den „Guten“ zu identifizieren und die leichte Schwarz/Weiß-Zeichnung der Story zu vergessen, sorgt der Film für erfreulich unlarmoyante Unterhaltung, was bei dem Thema ja keineswegs selbstverständlich ist.

Sally Hawkins die von der grauen Maus zur Streikführerin mutiert überzeugt dabei genauso wie Bob Hoskins als verschmitzter Aufwiegler und die unnachahmliche Miranda Richardson, als bitchige Staatssekräterin.

Etwas mehr Tiefe und Angriffslust täte dem Film bisweilen zwar ganz gut, aber da er sich auch nie in die Untiefen des Sozialkitsch verirrt, überwiegen dennoch die positiven Eindrücke zusammen mit einer geballten Ladung an Sixties-Bildklischees, die vergessen machen, dass die Geschichte in Wirklichkeit natürlich doch ganz anders abgelaufen ist.

In einer besseren Welt (Hævnen) – DK 2010
★★★½☆

Während sich der Vater als Arzt um Flüchtlinge in einem afrikanischen Flüchtlingscamp kümmert, wird sein Sohn zuhause in Dänemark das Opfer von Schulmobbing, bis er sich mit einem anderen Aussenseiter anfreundet: Christian, der gerade seine Mutter verloren hat und jetzt zwanghaft nach einem Ventil sucht um sich für die Ungerechtigkeit der Welt zu rächen.

Gut gespielt und kompetent gemacht, entkommt der Film dennoch nie ganz seinem intellektuellen Konstrukt, dass die Aussage immer vor die Handlung und Figuren stellt und deswegen einem streckenweise das Gefühl gibt die Regisseurin betrachte ihre Figuren mit demselben Interesse wie ein Wissenschaftler Laborratten.
Und so ganz zueinander finden beide Filmteile – die Flüchtlingscamp-Story und das Drama um die gefährliche Freundschaft der beiden Jungen – dann auch nicht, weil der Film die Parallelen stets zu deutlich aufdrängt, das eine immer auch als schulmeisterliche Reflektion des anderen zu sehen sein soll. Das schmälert nicht die schauspielerischen Leistungen, gerade Mikael Persbrandt beeindruckt durch seine ruhige Präsenz und auch Ulrich Thomsen als überforderter Vater eines kleinen unsympathischen Psychokindes (der von allen Figuren leider am Klischeehaftesten rüberkommt, in der Erklärung seines Verhaltens) weiß zu gefallen.
Ob der Oscar letztlich verdient war, ist schwer zu entscheiden, denn trotz der Stärken des Films bleibt ein wenig der Eindruck hier wurde mehr die Intention, als das Werk ausgezeichnet – was ja keine Seltenheit ist bei den Academy Awards.

You Might Also Want To Read

Cold Prey 2 (FFF09 Review)

21. 8. 2009

Corpse Bride

27. 7. 2006

Ananas Express

25. 10. 2008

12 Kommentare

  • Reply Svente 26. 3. 2011 at 15:38

    War die review von „ich bin nr. 4“ so schlecht, dass ihr sie entgegen eurer Ankündigung doch lieber jetzt erst bringt? ;)

  • Reply mein Senf 26. 3. 2011 at 16:04

    Huch „Gnomeo und Julia“ kommt ja überraschend gut weg. nach den öden Trailern hatte ich da so gar nicht nichts erwartet.

  • Reply Batzman (Oliver Lysiak) 26. 3. 2011 at 16:21

    @Svente

    Nöö, ich war letztes WE unterwegs und hatte erst jetzt Zeit für die Reviews.

  • Reply Dr. Strangelove 26. 3. 2011 at 18:41

    Wenn ich die Wahl hätte wäre ich in andere Filme gegangen.. als die drei da oben. Obwohl ich momentan eh keine Ahnung habe was gerade im Kino läuft. Oh doch… „In einer besseren Welt“, „Biutiful“ vielleicht.

  • Reply Batzman (Oliver Lysiak) 26. 3. 2011 at 19:16

    @Strangelove

    Sorry, aber son Krebssterbefilm muss ich im Moment echt nicht haben und Hævnen klingt spannend, aber auch als wenn man ihn genausogut auf BD gucken kann. Und von den oberen Filmen hab ich nur den letzten privat gesehen und die anderen eh beruflich .

    Sieht aber derzeit eh ziemlich mau aus im Kino…

  • Reply Batzman (Oliver Lysiak) 27. 3. 2011 at 16:41

    @Strangelove

    There you go ;)

  • Reply Dr. Strangelove 27. 3. 2011 at 19:05

    Schönes Review. Danke.

  • Reply TopF 27. 3. 2011 at 22:31

    wie ich schon sagte
    das mit nummer 4 wird belangloser schmarn ^^

  • Reply Silent Rocco 28. 3. 2011 at 4:41

    Biutiful für oben genannte (Kram)Filme absichtlich aus dem Weg gehen?
    Autsch.

  • Reply genbatzu 8. 4. 2011 at 15:22

    eure verlinkung zu gnomeo und julia in derl inken leiste ist…falsch ._.

    verlinkt wird dort auf http://gnomeoundjulia

  • Reply Mr. Hankey 19. 5. 2011 at 12:44

    „In einer besseren Welt“ empfand ich als extrem herausragend. Kann zwar Batzmans Kritikpunkte in Teilen nachvollziehen (wenn ich sie auch nicht so empfinde), aber insgesamt fand ich bei dem Werk vor allem herausragend, wie ennorm stark der Streifen mit den Gefühlen der Zuschauer spielt. Selten einen Film gesehen, der Wut, Trauer, Hoffnung, Freude und sogar Lachen so perfekt spüren lößt, wie „In einer besseren Welt“. Und klischeehaft fand ich die Hauptfigur gar nicht. Gerade ihm gegenüber tauschen sich gefühlte Sympathie und gefühlter Hass ständig aus, so dass von einer Klischee-Figur IMO nicht die Rede sein kann.

    Aus meiner Sicht ist der OScar jedenfalls verdient! :-)

  • Reply Kino-fan 16. 6. 2011 at 10:48

    Für Kinder die das Orginal nicht kennen is der Film schlecht zu verstehen. Dazu kommt das die Besten witze im ganzen Film wie bei vielen Filmen schon im Trailer gezeigt wurden.

  • Kommentar hinterlassen

    Die Fünf Filmfreunde is Stephen Fry proof thanks to caching by WP Super Cache