Kurzreviews: Rio, The Mechanic, Trollhunter (Review)

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Drei Neustarts der Woche im Überblick: Rio +++ The Mechanic ++ Trollhunter

Rio – USA 2011
★★★½☆

Der seltene Papagei Blu, der als verwöhntes Haustier in einem Buchladen aufwuchs, kehrt erstmals in seine Heimat Rio zurück, weil der dort mit dem letzten Weibchen seiner Art eben jene retten soll. Doch nicht nur die Vogelschützer sind die blauen Flatterviecher scharf, sondern auch sinistre Schurken und schon bald befindet sich der kleine, flugunfähige Nerd Bird auf der Flucht durch ein ihm unbekanntes Land.

Überraschungsfreier aber sehr unterhaltsamer Film der Ice-Age-Macher, der wesentlich witziger und optisch opulenter daherkommt, als die Abenteuer von Sid, Manni und Co.
Jesse Eisenberg als Fish-out-of-water Nerd-Bird sorgt im Zusammenspiel mit Anne Hathaways Jewel für viele liebenswerte Momente und auch wenn man schnell weiß wie die Story dieser Flucht-in-Ketten-Variante verlaufen wird und wahrlich jedes Rio-Klischee aus der Kiste gekramt wird, fällt es schwer bei der temporeichen Geschichte nicht doch mitzuwippen.

Denn die Schauwerte sind beachtlich, die Sets überzeugen durch knallige Farben und hohe Detailfülle und die Nebenfiguren sorgen für soliden Sidekick-Humor. Die Werbekooperation mit dem Erfolgs-Mobile-Game Angry Birds, die sich in kurzen Momenten auch im Film wiederfinden, dürfte dabei nur eine von vielen netten Ideen sein, die der Film für sich verbuchen kann. Emotional erreicht diese Liebeserklärung des brasilianisch-stämmigen Regisseurs Carlos Saldanha an seine Heimat zwar nie die Tiefe vergleichbarer Filme, hat aber dennoch einige rührende Momente und das knuffige Screwball-Gezicke der beiden Papageien lässt die 90min schnell ver… ähm -fliegen.

Nette Unterhaltung ohne Ewigkeitsanspruch, mit einer zumindest im Original, hervorragenden Voice-Cast.

The Mechanic – USA 2010
★★★☆☆

Auftragskiller (Jason Statham) wird von seinen Bossen dazu manipuliert seinen Mentor abzuknallen. Als er rausbekommt das er getäuscht wurde, nimmt er zusammen mit dem Sohn des Mentors blutige Rache…

Unterhaltsam und hart, versteht dieses Remake es durchaus zu unterhalten und liefert altmodische Auftragskiller-Spannung ab. Das guckt sich ganz nett weg, haut aber auch nicht zwingend vom Hocker, wenn es auch insgesamt alles sehr ordentlich inszeniert und gespielt ist.

Ein bißchen unspektakulärer und kleiner, als man es von Statham-Filmen gewöhnt ist, bietet der Film letztlich für einen Kinofilm dann aber doch etwas wenig und kommt nie so ganz darüber hinweg, dass die Chemie zwischen den Hauptdarstellern ein bißchen egal ist und es dank ihrer Charaktere auch nie so ganz gelingen will, wirklich mit ihnen mitzufiebern. Ben Foster entwickelt als rachehungeriger Sohn dann doch etwas zuviel sadistische Freude am töten und Stathams Charakter bleibt einfach zu Statham – es ist okay ihnen zuzusehen, aber im Grunde auch nicht so wichtig, ob sie leben oder sterben.

Zudem passiert im Grunde auch recht wenig und von der Hochhaus-Nummer abgesehen, ist die Action auch eher guter Durchschnitt, so das sich beim Zuschauen immer mal wieder Distanzierung breit macht, die verhindert wirklich in die Story einzutauchen und das Geschehen nicht wie eine Ameisenfarm mit amüsiertem Interesse zu beobachten.

Okay, aber mehr auch nicht.

Trollhunter – Norwegen 2010
★★★☆☆

Eine Mockumentary über ein Filmteam, das sich einem offiziellen Trolljäger anschliesst.

Ein Film den man so gerne lieber hätte, als es dann tatsächlich der Fall ist. Denn er ist originell gemacht, liebevoll getrickst und streckenweise ziemlich witzig. Die Schilderung der Trolle, die sich viel Inspiration aus der norwegischen Mythenwelt gezogen hat und sie mit all den Tricks aufbereitet, die er sich bei Blair Witch, Cannibal Holocaust oder Rec abgeschaut hat.

Doch alle guten Ideen und die knorrige Besetzung bewahren den Film leider nicht davor, dass er seine initiale Idee dann doch nicht mit genug interessanter Handlung auffüllen kann, die einen Spielfilm rechtfertigt. Spätestens bei der dritten Troll-kommt, Crew rennt-Wackelcam-Aktion schleicht sich dann doch etwas Langeweile ein, zumal es an dramaturgischem Zug mangelt und einem klaren Ziel – was dazu führt, dass die Szenen mitunter recht beliebig wirken und auch der angedeutete Wahnsinn der Produzenten, die um jeden Preis weiterdrehen wollen nicht wirklich nachfühlbar wird.

Eindeutig ein Beweis dafür, dass auch Norwegen eine interessante Filmszene hat, die auf weitere schräge Filme hoffen lässt. Ob wir allerdings wirklich das US-Remake von Troll Hunter brauchen, sei mal dahingestellt.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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13 Comments

  1. Silent Rocco

    Ich liebe Trollhunter. Wirklich ein wunderschöner kleiner Monsterfilm mit wunderbaren Details und einer riesigen Portion Charme. Apropos Charme, das ist das, was schon dem Rio-Trailer völlig fehlte, weshalb ich auch alles will, nur nicht diesen Film sehen (in diese Kategorie fällt auch Hop). Dann doch lieber ‘ne 90-Minuten-Partie Angry Birds :) Mechanic unterschreib ich so. Der ist Statham, der ist Durchschnitt. Ok aber kein Muss.

  2. kumi

    Ich schließe mich der Meinung Roccos betreffend Trollhunter an, ein sehr charmanter, atmosphärischer kleiner Monsterfilm, der mir richtig gut gefallen hat. Rio werde ich mir sicher nicht im Kino ansehen, da haben mich schon die Trailer einigermaßen abgetörnt, aber für einen verregneten Nachmittag mit Kind vor der Glotze sicher o.k.

    Dass Norwegen eine interessante Filmszene hat, war aber schon mit »Elling«, »Dead Snow«, »Die Kunst des negativen Denkens« oder »O’ Horten« klar :-)

    Und den hier hab ich schon als Kind geliebt :-)

  3. Binding

    “Trollhunter” ist doch eher eine Groteske als irgendwas anderes sonst. Und auf dieser Ebene funktioniert er hervorragend. Superlustig mit absolut lakonischem Witz – sehr unterhaltsam! Man könnte das Ganze auch ziemlich schnell gaga finden (zumal die Trolle auf ein nicht-skandinavisches Horrorpublikum zunächst lächerlich und billig wirken), aber wenn man sich ein bisschen mit der skandinavischen Mythenwelt auskennt, merkt man, wie “realistisch” und “authentisch” der Fim ist – und genau daraus zieht er dann auch größtenteils seinen Humor.

  4. dottore

    trollhunter ist auf jeden fall ‘gute unterhaltung’ und mal nicht im ‘hollywood’-stil, sondern herzig =) …

  5. Fluffy Bunny

    …ich wollte gerade Dead Snow erwähnen, da hat “kumi” mich aber schon geschlagen. Wenn Trollhunter nur ähnlich gut wird ist er für mich ein sure bet.

    Gerade eben dieser schwarze, leicht lakonische, “nordische” Humor macht, verbunden mit der maßlosen Energie, die das junge Kino dort verbreitet auch bei Kleinstproduktionen viel mehr Spaß als 99% des US-Genre-Outputs!

    Ich freu mich drauf das Ding zu sehen…

  6. Steffen

    RIO hat wirklich Spaß gemacht… David Kross als “Blu” (womöglich eine Anspielung auf Blu-ray) hat seine Sache in der detuschen Synchro auch gut gemacht. Mir hat auch Roberto Blanko als Tuckan gefallen :D

    Das war mal wieder ein schöner 3D-Animationsfilm – bin gespannt wie er dann auf Blu-ray 3D abscheiden wird.

  7. Batzman

    @Fluffy

    Ich fand Dead Snow im Direktvergleich gelungener. Ist zwar konventioneller vom Ansatz her, aber auch konsequenter durcherzählt von Anfang bis Ende. Trollhunter ist origineller, aber lahmt storytechnisch dann leider doch etwas.

  8. Eskobar

    “The Mechanic” war ziemlich fein, aber auch überraschend brutal.. da wir mir ehrlich gesagt ziemlich viel Splatter drin..

    Die wohl schockierenste Szene findet in einer normalen Küche statt.. :D

  9. Casaloki

    Ich bin da eher vorsichtig, alles aus einem Land, was ansatzweise in die Schublade lustig/horror passt, auch in die selbige zu werfen. Hab beide Filme gesehen und beide auf ganz unterschiedliche Art als sehr gelungen empfunden. Aber Trollhunter ist entgegen Dead Snow auch gleich mal eine schräge Tourismuswerbung und mit “Typen” wie eben dem Trolljäger. Während Dead Snow nur lustiger Splatter mit Nazis ist.
    Drama gibts aber bei Trollhunter in der Höhle, doch ich war zunächst überrascht, wie schnell der tote Kameramann abgehakt und ersetzt wurde. Es passt jedoch in den Kontext des Filmes, da er ja Christ war, deshalb sterben musste und dann die neue Kamerafrau Muslima ist. Somit wurde schon der nächste “Gag” eingebaut.
    Alles in allem sollte man Trollhunter vielleicht wirklich nur im Kino auf einer großen Leinwand sehen, dies gilt vor allem für die Endsequenz auf der Hochebene mit dem Bergtroll, bei voller Lautstärke. Beeindruckend!!!! Abschließend: Nach diesem Film habe ich das große Bedürfnis, mir diese wahnsinnig schöne Landschaft selber mal anzugucken.

  10. Alex_der_Pirat

    The Mechanic: Dass der Mechanic keine Bindung zu seinem Schüler aufbauen will und es deshalb eher kühl zwischen den beiden abgeht ist doch gewollt. The Mechanic hat doch ganz offensichtlich vor, den wagemütigen Sohn seines Mentors in die Klinge laufen zu lassen, ehe dieser vom wahren Killer seines Vaters erfährt. Nur deshalb stimmt der Mechanic dem Plan mit dem Adrenalin zu, da er weis, dass der Plan gründlichst in die Hose gehen wird. Von daher finde ich den Film durchaus in einer Reihe mit anderen Statham-Werken. Nur das Ende schein mir etwas zu sehr geplant… :|

  11. nils

    Äh, ist das bei The Mechanic noch jemandem aufgefallen, dass da recht häufig Zeug ins Bild hängt? Gegen mitte/ende des Films ist zweimal kurz hintereinander in guter Qualität und gut beleuchtet ein Mikro zu sehen, zwischendurch steht bei einer Szene auf dem Hochhausdach ein unbeteiligter Mitarbeiter auf dem Dach (wo die beiden sich so furchtbar geheim einschleichen, da steht zufällig jemand daneben…). Fand das recht störend…
    nils

  12. nils

    Hm, hatte hier was gepostet aber hat entweder nicht geklappt oder ist von der Troll-Kontrolle geschluckt worden. Wie auch immer, hier nochmal mit Screenshot: http://img861.imageshack.us/i/02copyj.png/

    Eigentlich sind die beiden da alleine auf dem Hochhausdach und klettern heimlich am Haus hoch. Wie kann man sowas beim Schneiden übersehen?

  13. Nico

    @nils:

    Gniiihihi. Also, wenn man sowas erst beim Schnitt bemerkt, dann haben schon beim Dreh 10 Leute nicht aufgepasst. Und wenn man’s im Schnitt nicht bemerkt…Oweieiei.

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