“Captain, I wish to report a mutiny. I can name fingers and point names.”
Originaltitel: Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Rob Marshall
Drehbuch: Ted Elliott, Terry Rossio
Darsteller: Johnny Depp, Penélope Cruz, Geoffrey Rush, Ian McShane, Stephen Graham, Gemma Ward, Richard Griffiths, Sam Claflin




Jet Strajker




Batzman (okay eigentlich eher 3.25 aber ich runde mal auf)




Nilz N. Burger
Captain Jack Sparrow (Johnny Depp), Captain Barbossa (Geoffrey Rush), Captain Blackbeard (Ian McShane), Angelica (Penélope Cruz) und ein Äffchen im Flaschenschiff machen sich auf die Suche nach der magischen Quelle ewiger Jugend. Ihre Wege kreuzen Nixen, Zombies und eine Handvoll miese One-Liner, ehe sich unterschiedliche Interessen zu einem finalen Kampf zuspitzen. That’s pretty much it.
Aus der vielleicht irgendwann einmal halbwegs reizvollen Idee, eine Disneyland-Attraktion zum digitalen Piratenfilm mit milden Fantasy- und Horroreinlagen aufzublasen, ist längst ein süffiger Familien-Franchise mutiert. Alle Versuche, aberwitzige Abenteuer auf See als epische Bombasttrilogie mit losem “Star Wars”-Mittelteil aufzuziehen, verlaufen sich in “Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides” nunmehr im verkrampften Vorhaben, Jack Sparrow nach Entledigung bisheriger Nebenfiguren endgültig die One-Man-Show überlassen und ihn als tapsigen Seemann zur Piratenversion eines Indiana Jones hochstilisieren zu können.
Ein grotesk überbezahlter Johnny Depp schultert den Film in gewohnt exaltiert tuntigen Posen und ungekonnter Komik im Over-Acting-Überbietungsduell mit Geoffrey Rush, der als Captain Barbossa noch einmal mehr aufdreht als in den Vorgängern. Neuzugang Penélope Cruz wiederum gibt ganz die geheimnisvolle Exotin – in der Tradition eines der langbärtigsten (vormals rassistischsten) Hollywoodklischees sind ihr größter Vorzug fremdartige Unnahbarkeit und eine große Klappe. Der Rest ist Schweigen.
Dem dramaturgischen Kauderwelsch der bisherigen “Pirates”-Episoden hält dieser vierte Film eine verhältnismäßig gradlinige Geschichte vor, die um die Suche verschiedener Parteien nach einem magischen Jungbrunnen kreist. Der Regiewechsel verleiht der Serie allerdings keine neuen Impulse. Ob sich nun ein facettenloser Gore Verbinski oder ein mit leicht missglückten Musicals erprobter Rob Marshall an den strikten Auflagen Jerry Bruckheimers orientiert, ist letztlich unentscheidend – “Pirates of the Caribbean” ist zielstrebiges Produzentenkino in Reinkultur, Knöpfe drücken kann jeder.
Trotz einer etwas überschaubareren Handlungskonstruktion bleiben die teils parallel gezogenen Plotstränge episodisch und zerfahren wie eh und je. Von Schauplatz A wird munter zu Situation B gehopst (Schauplätzchensituatiönchen), und am Ende wird sowieso alles wieder auf Null, also Neutrilogie, gesetzt. Umso unverständlicher, dass auch der vierte Teil erneut nahezu zweieinhalb Stunden veranschlagt, um seine popelige Schrumpfmodellausgabe eines großen Abenteuerfilms zu basteln.
Restliche Unerträglichkeiten garantiert abermals Hans Zimmer, der die bekannten Themen seines Joint-Venture-Zöglings Klaus Badelt weiterhin unverändert über jede noch so kleine Regung donnert und mit dieser Gebrauchsmusik ein neues Kapitel im persönlichen Manifest der Vordinglichkeit aufschlägt. Die Penetranz seines “Pirates”-Getöses hat mich jedenfalls zum ersten Mal in vielen Jahren Kinogängerei dazu veranlasst, meine Ohren mit kleinen, aus Taschentuch geformten, Kügelchen zu schonen, was eigentlich einer Praxis spießiger Konzertgänger entspricht, hier aber zum Wohle meiner Sinnesorgane unablässig war. Lautstarke Soundeffekte, die beharrliche Aufdringlichkeit mit epischer Größe verwechseln, verleihen der akustisch gefährlichen Zimmer-Primitivität zusätzliche (Ir)Relevanz.
“Pirates of the Caribbean 4″ ist eigentlich nichts weiter als maximale Anstrengung. Der Film ist so frei von Spaß, Innovation und Handwerk, dass man weinen möchte ob der ungenutzten Fähigkeiten, dem ja nur allzu sehr gebeutelten Piratenfilm neues Leben einzuhauchen. Selbst noch Blockbuster-Freunde werden Dank geschrumpften Budgets um jedes Spektakel gebracht, weil Action durch endlose Quasseleien und aufregende Spezialeffekte durch nichts weiter als eine Handvoll jugendfrei zugeknöpfter CGI-Meerjungfrauen ersetzt wurden.
Schauwerte gibt es auch keine, die wenigen Momente mit touristischem Karibikflair werden ausgiebig von einem Aschenbecher-3D der besonders unansehnlichen Sorte sabotiert. Unterm Strich ist dieser Film glanz- und niveaulose Sommerunterhaltung, die vor gedankenlosen Zügellosigkeiten nur so strotzt. Nervpotenzial: 10/10 mögliche Flaschenschiffchen.
Batzman meint:
“The pellet with the poison’s in the vessel with the pestle; the chalice from the palace has the brew that is true! Right?”
Arrrr! Natürlich ist der vierte Teil schwächer als seine Vorgänger. Das er auf der RED gedreht wurde tut ihm nicht gerade gut, sehen die Bilder doch weniger detailreich aus und gerade in dunklen Szenen teilweise eher billig. Das Color-Grading scheint ebenfalls etwas mit der heißen Nadel gemacht worden zu sein und im großen und ganzen erreicht der Film leider an keiner Stelle den epischen Look und Spektakelgrad der vorigen Teile. Alles wirkte eine Nummer günstiger, angefangen bei den Seeschlachten bis hin zu den Gegnern, die diesmal leider wirklich eher ein schlapper Schlag ins Wasser sind: Meerjungfrauen sind weder interessant noch gruselig und nach Zombie-Piraten und Davey-Jones famos animierter Gruseltruppe tatsächlich eine herbe Enttäuschung. Sie funktionieren als Gegner überhaupt nicht, was anscheinend auch die Macher gemerkt haben, denn abgesehen von einer Wasserschlacht spielen sie als Gegner so gar keine Rolle.
Was man von dem Priester und der einen französischen Nixe leider nicht behaupten kann, die wohl als halbherziger Versuch eines Orlando/Keira-Ersatzes angesehen werden müssen, aber selbst diese beiden noch unterbieten. Die Nixe guckt die ganze Zeit wie ein Guppie der seine Tage hat und der Priester ist im wesentlichen da und verbraucht Luft. Als eigener Subplot sind die beiden zu flach und nichtssagend und machen zuwenig Entwicklung durch (die dann in einem hölzernen Dialog mal einfach behauptet wird) und als witzige Nebenrolle sind sie auch zu egal und verblassen neben den wirklichen Schwergewichten wie Davey Jones und Black Beard.
Der Showdown ist ebenfalls kein echtes Ruhmesblatt, wirkt er doch wie eine Rauferei in der 007-Halle, die nie den Schwung des finalen Duells aus Teil 1 entwickelt und Spektakelmässig auch nicht mit dem Kraken oder der gigantischen Seeschlacht in Teil 3 mithalten kann. Das sich niemand wirklich ernsthaft für die Quelle der ewigen Jugend interessiert, macht die Sache nicht einfacher – aber dies ist eh kein Film der sich wirklich für seine Story interessiert.
That being said… ist der Film dennoch wirklich solide Unterhaltung, die zwar viel zu lang ist und locker einen kleinen Schnitt von 40min vertragen hätte, die aber dennoch viele schöne Momente bietet und durch die grandiose Besetzung selbst kleiner Nebenrollen (Richard Griffith als König, Stephen Graham als Scrumm, Judy Dench in einem Cameo und dem unvermeidlichen Auftritt von Keith Richards dessen einer Kalauer schon sein dasein rechtfertigt) immer wieder Punkten kann. Wobei diese nachsichtige Beurteilung sicherlich auch damit zusammenhängt, dass ich im Gegensatz zu vielen anderen Kritikern und Zuschauern Teil 2 und 3 ebenfalls sehr gern mochte – trotz ihrer Schwächen. Wer die schon nicht mochte, wird sich vermutlich mit Teil 4 noch wesentlich schwerer tun.
Ich habe mich gefreut Captain Jack mal wieder zu sehen. Johnny Depp spielt wie gewohnt und strauchelt nur ein bißchen, das er diesmal nicht der charismatische Widersacher sondern der positive Held sein soll, was der Figur nicht so ganz zu Gesicht steht und deutlich macht, dass er besser der Katalysator einer Story ist, als deren Motor. Er ist ein Zustand, eine Idee, eine Attitüde, die sich nicht entwickeln kann und darf, wenn sie funktionieren soll. Das er hier den Held spielen soll und es keinen wahren, guten und reinen echten Helden gibt der von Belang wäre und dem Sparrow Antagonist sein kann, lässt den Film oft recht antriebslos erscheinen. Was nicht heißt, dass Sparrow keine guten Momente hat: Seine Flucht aus London, die Zickerein mit Penelope Cruz und sein generelles Jack-Sein, sorgen allerdings dennoch für nostalgische Wiedersehensfreude. Er ist nicht mehr ganz so cool, wie in Teil 1 und so richtig verlieben will ich mich nicht mehr in ihn, aber er behält dennoch einen warmen Platz im Herzen, genau wie Barbossa, den Geoffrey Rush gewohnt souverän mit Leben erfüllt. Ian McShane, der nach viel Voice-Work hier mal wieder sein markantes Gesicht zeigen kann, ist als Black Beard eine willkommene Ergänzung und hilft das Vakuum aufzufüllen, das nach dem Abschluss der großen Story in Teil entstanden ist.
Natürlich bleiben Probleme, natürlich wirkt das ganze wie Teil 3 sehr episodisch und nicht besonders geschickt ausbalanciert, ja es fehlt neben dem narrativen Zug auch das Gefühl das wirklich etwas auf dem Spiel steht. Trotz einzelner Bedrohungsmomente, spielt Regisseur Rob Marshall schon ziemlich auf Nummer sicher und präsentiert eher eine ulkige Truppe Raufbolde, als tatsächlich blutrünstige Piraten. Die moralischen Scharaden aus Teil 3 sind eher einem leichtfüssigen Fangenspiel gewichen, bei dem nie der Eindruck entsteht, es könnte tatsächlich etwas schlimmes passieren. Fast als wären sich alle Beteiligten dann doch bewusst, das man in einem Spaß, einem Cash-In mitspielt, das nicht wegen seiner zwingend guten Story (die Quelle der ewigen Jugend ist fast nichtmal mehr MacGuffin zu nennen, sowenig Bedeutung hat sie), sondern einfach der Fortführung eines erfolgreichen Franchises wegen gedreht wurde.
Was dem Film hilft ist die immer noch große Liebe zum Detail, die Darsteller, die teilweise witzigen Dialoge und Oneliner, die schmissige Musik die immer neu die ewig gleichen 3 Themen variiert und die Südseekulisse, die dann oft doch ein wenig von echtem Film spüren lässt, der anderen Green-Screen-Orgien heutzutage abgeht. Ja im Grunde profitiert der Film enorm vom Niedergang des Blockbusterkinos der letzten Jahre – denn so viele Schwächen er auch hat, gemessen an dem was Hollywood einem ansonsten zumutet, ist das Wiedersehen mit Captain Jack Sparrow immer noch schmuddelig-altmodisches Popcornkino, das sich zumindest ein bißchen für seine Figuren interessiert.
Und wenn sie die dummen Meerjungfrauen, den verkaterten Goldfisch und den Priester rausgeschmissen hätten, wäre er sogar nochmal eine Nummer besser.
PS: Schaut den Film in 2D – 3D saugt wie immer und ist natürlich eh wieder nur die postkonvertierte Sparversion, die hauptsächlich für matschig-düsteren Brei sorgt obwohl Teile des Films sogar in echtem 3D gefilmt wurden.
Nilz N. Burger meint:
“Sieht mein Gesicht aus, als wenn ich an der Quelle der ewigen Jugend gewesen wäre?”
Fangen wir mit den Schwächen an: Die Priesterfigur ist nun wirklich eine der dümmsten und ärgerlichsten Figuren, die jemals in ein Drehbuch geschrieben wurden. Vor allem in ein Hollywooddrehbuch, die ja sonst eher für ihre Sorgfalt und ihre sehr bewusste Ausbalanciertheit bekannt sind (im Sinne von: Nichts dem Zufall überlassen). Aber was auch immer Bruckheimer dazu veranlasst hat, diese Figur aufzunehmen, er hat Schläge mit dem Script verdient. Der Kleriker ist nicht nur blass, er hat auch keine wirklich eigene Geschichte (ausser eben praktizierender Christ zu sein), nur nervige Textzeilen und läuft wie der größte Trottel der Welt immer mitten in jede Waffe munter hinein, die in seiner Nähe hochgehalten wird. Eine angestrengte Ernsthaftigkeit mit einer klassischen Telenovela-inneren-Zerrissenheit runden das Bild der überflüssigen Gähnfigur noch ab. Ja, schon klar, man wollte hier einen Bloom-Ersatz schaffen. Aber nur so halbherzig. Das bringt mich aber, nach allem Ärgernis, schon zur positiven Seite vom vierten Teil von “Fluch der Karibik”:
ENDLICH! Endlich ist diese total langweilige und von Teil zu Teil immer unnachvollziehbarere und viel zu viel Screentime eingenommen habende Gähni-Gähni-Story von Bloom/Knightley weg! Einer der Gründe, warum ich mit den Filmen, die ich ja eigentlich mochte, nie so richtig etwas anfangen konnte. Diese On/Off-Beziehungsgeschichte mit den 1000 Twists war mir einfach zu kompliziert zu folgen, in all dem Storygewühl. Warum so viele Nebenkriegsschauplätze? Das hat man sich wohl jetzt auch gefragt und gibt dem Publikum endlich das, wofür es ein Ticket zu “Fremde Gezeiten” kauft: Jack Sparrow, Jack Sparrow und Jack Sparrow.
Der vierte Teil löst alles ein, was man immer sehen wollte. Jack Sparrow auf großer Fahrt, in Gefahr, mit einem kleinen Love Interest und wie er sich aus dem ganzen Quatsch wieder rauswindet. Endlich hat man den Fim gemacht, auf den die Leute seit drei Teilen warten mussten. Die Quelle der ewigen Jugend ist egal? Stimmt! Egal! Na und? Es geht hier um One-Liner, um ein bisschen Spektakel und jut ist. Ja, ich gebe gerne zu: Die Actionszenen sind nicht gerade prickelnder geworden. Ehrlich gesagt sind die alle relativ lahm und zahm, wenn man sie mit denen vergangener Teile vergleicht (ich denke immer an dieses Mühlrad mit dem die durch den Dschungel planiert sind – das war toll. Bezeichnenderweise weiss ich aber schon gar nicht mehr, welcher Teil das war…). Aber immer noch okay. Marshall ist halt ein relativ unvisionärer Regisseur und vielleicht ist das ja auch vollkommen in Ordnung für Fluch der Karibik. Vielleicht muss man Johnny Depp hier einfach machen lassen. Das Ergebnis zahlt sich jedenfalls aus. Ausserdem sind die Nixen coole Figuren. So eine Art Vampir-Meerjungfrauen. SpookySexyCool.
Der Film ist ein Spass. Ein Kindergeburtstag. Ein Wochenendanheizer. Ich kann mir gut vorstellen danach noch auf eine Party zu gehen und den ganzen Abend Rum zu trinken. Dabei mag ich gar keinen Rum.
- Jet Strajker •
- Mai 19th, 2011 •
- 49 Kommentare
- Schlagwörter: Adventure, Fantasy, Johnny Depp, Pirates Of The Caribbean, Pirates Of The Caribbean 4, Review
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