“Peace was never an option”
Originaltitel: X-Men: First Class
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Matthew Vaughn
Buch: Ashley Miller, Zack Stentz
Darsteller: James McAvoy, Michael Fassbender, Rose Byrne, January Jones, James McAvoy, Nicholas Hoult, Kevin Bacon






Anfang der 60er Jahre. Hochzeit des kalten Krieges. Vor dem Hintergrund der Kubakrise kreuzen sich die Wege von Professor Charles Xavier (James McAvoy) und Eric Lehnsherr (Michael Fassbender) – beides Mutanten. Im Dienst der zunächst skeptischen US-Regierung nehmen sie zusammen mit einer Gruppe junger Mutanten den Kampf gegen den übermächtigen Gegner Sebastian Shaw (Kevin Bacon) auf…
Was für eine erfreuliche Überraschung. Nachdem dummen Wolverine-Soloabenteuer und dem wirklich dummen Trailer hatte ich schon die schlimmsten Befürchtungen für dieses X-Men-Prequel. Zumal die beiden neuen Darsteller jetzt nicht wirklich viel gemein mit Patrick Stewart und Ian McKellen zu haben schienen und nur die übliche Blockbuster-Krach-Bumm-Action im Vordergrund zu stehen schien. Doch das glatte Gegenteil ist der Fall. X-Men:First Class ist ein Charakter-Film, der sich trotz Mutanten-Effekten immer auf seine Figuren konzentriert und die beiden Hauptprotagonisten in all ihren Ambivalenzen lebendig werden lässt. Als würdiges Prequel (trotz einiger ärgerlicher Continuity-Fehler zu den ersten drei X-Men-Filmen) inszeniert Vaughn teilweise mit kammerspielartiger Intensität und nimmt sich die Zeit Figuren emotional aufzubauen, ehe er sie ins Actiongetümmel schmeisst.
Auch wenn das gesprochene Deutsch der Darsteller in der Eingangsszenen im KZ nicht ohne komische Momente ist, legt dieses Intro einen wuchtigen Grundstein für Magnetos Figur und all das, was später aus ihm wird. Kevin Bacon spielt den Schurken hier mit diabolischer Präsenz und einem perfekten Gespür für den feinen Grad zwischen comichafter Überhöhung und völliger Karikatur. Zwischen ihm und Eric spielt sich eine teuflische Hassliebe ab, die als Parabel über Kindesmissbrauch angesehen werden kann, wenn aus dem Opfer langsam ein neuer Täter wird. Fassbender überrascht hier mit einer Intensität, die ich ihm bislang nicht zugetraut habe. Sein Eric Lehnsherr ist genau wie McKellens ein getriebener, unsteter Geist. Zerrissen zwischen Angst und Rachegefühlen. Wenn er sich in Südamerika an ein paar Altnazis rächt ist das sowohl als Actionthrill, wie auch als Psychodrama hochspannend – genau wie seine finale Konfrontation mit Bacons Sebastian Shaw.
McAvoy bildet den ruhigeren Gegenpool und es scheint folgerichtig, das aus dem behüteten Jüngelchen aus reichem Hause, ein arroganter und bisweilen naiver junger Mann wurde – der erst durch seine Erfahrungen zum nachdenklichen Professor X aus den späteren Filmen reifen wird. Es ist die fehlende Reife, die den Reiz in dern Konfrontation der beiden Erzfreunde ausmacht – denn noch steht die moralische Überlegenheit Xaviers auf wackligen Füssen, wenn er sich anmaßt die Führung übernehmen zu können. Vaughn nimmt sich viel Zeit für die Gespräche der beiden, die in vieler Hinsicht spannender sind, als jede Actionszene. Das Vaughn dabei trotz Drama den Humor nicht vergisst (selten war das eine “Fuck!” das einem PG13-Film erlaubt ist so brillant eingesetzt wie hier) macht ihn nochmal sympathischer, denn er schafft es meist witzig zu sein ohne albern zu werden.
Etwas durchwachsener sind die jungen Mutanten die hier die Grundlage der späteren X-Men bilden. Während einige, wie der vom nerdig-putzigen Nicholas Hoult dargestellte Beast oder die junge Mystique, sehr gut funktionieren und ihr eigenes Dilemma und Drama durchleben, bleiben andere eher blass und touchieren mit ihren Kräften mehr als einmal die Albernheitsgrenze. Zugute zu halten ist dem Film, das er sich der Lächerlichkeit bewusst ist und diese sogar thematisiert, wenn die Jungmutanten ihre Kräfte vorführen und sich gegenseitig aufziehen und mobben. Leider bleiben die meisten von ihnen etwas flach und austauschbar, ob nun die Stubenfliegenfrau, der Evolutionsmann, Havoc oder Sonic Boom.
Überraschend gut funktioniert hingegen Swarowski-Girl als Bacons Handlanger. Sieht sie auf den ersten Blick auch eher albern aus, entpuppt sie sich doch als würdiger und vor allem gefährlicher Gegner mit ihrem ganz eigenen sadistischen Charme.
Der gelungene optische Look, der sich stark vom geleckten Blockbuster-Style der Vorgänger unterscheidet schafft es die Retro-Stimmung gut einzufangen und auch die Actionszenen sind insgesamt effektiv und vor allem deutlich inszeniert. Keine Wackelcam kein hibbeliges Schnittgewitter – Vaughn kann – wie er schon mit Kick Ass bewiesen hat – Action so inszenieren, dass sie rasant wirkt und trotzdem jederzeit deutlich ist, was eigentlich passiert. Ein größerer Wermutstropfen sind dabei lediglich die Spezialeffekte, die für einen Film dieser Größenordnung erschreckend billig und schäbig aussehen. Gerade das Finale mit seinen dutzenden Schiffen wirkt dabei in einigen Einstellungen fast wie einem Asylum-Film entsprungen. Detailarme Texturen sorgen dafür, dass die digitale Herkunft der Flugzeugträger und U-Boote jederzeit offensichtlich ist, genau wie beim Rest der Umgebung. Für einen Film der sich mit Effekten insgesamt zurückhält, überrascht es, wie schlecht hier teilweise gearbeitet wurde. Während die Mutanteneffekte im großen und ganzen okay sind (kein Vergleich zu den billigen Digi-Klingen die Wolverine im letzten Film tragen musst) sieht die gesamte Seeschlacht aus wie mit der heißen Nadel gerendert, ja streckenweise als hätte man ein halbfertiges Previz genutzt.
Einem schwächeren Film, wie dem Vorgänger, würde das vielleicht schaden – doch da hier die Story und die Figuren im Mittelpunkt stehen, ist es nur ein kleiner Störfaktor, der den Genuss des Films, der vom Gefühl zwischen klassischem Bond und dem ersten X-Men anzusiedeln ist, nicht wirklich schaden kann.
Vaughn hat die Serie erfolgreich revitalisiert – nicht rebootet, denn bis auf ein paar dumme Kleinigkeiten funktioniert der Film als normales Prequel, und dafür gesorgt, dass nach all dem überkandidelten und albernen Comic-Buch-Mist der letzten Marvel-Verfilmungen wieder die berechtigte Hoffnung besteht, das Genre auch zukünftig ernst nehmen zu können.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juni 13th, 2011 •
- 36 Kommentare
- Schlagwörter: Comics, Kickass, Matthew Vaughn, Review, X-Men, x-men first class









































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