“Clusterfuck!”
Originaltitel: Transformers: Dark of the Moon
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Ehren Kruger
Darsteller: Shia LaBeouf, Rosie Huntington-Whiteley, Ken Jeong, John Malkovich, Patrick Dempsey, Alan Tudyk, Frances McDormand, John Turturro




Batzman




Jet Strajker (Review gibt’s hier)
Wie sich herausstellt, war das “Race into Space” ganz anders als alle dachten: Amis und Russen wollten unbedingt als erste auf den Mond, weil sie dort irgendwas ausserirdisches vermuteten. Die Amerikaner haben wie bekannt gewonnen und fanden ein Raumschiff der Autobots. Meanwhile back in the 21. Centure arbeiten die Autobots als Auftragskiller für die Regierung und warten darauf, wann die Decepticons mal wieder zuschlagen, während Sam (Shia LeBeouf) mit der Gesamtsituation unzufrieden ist und sich von der Welt nicht ausreichend geliebhabt fühlt, obwohl er sie doch geretettet hat. Wie gut, dass Megatron und seine Bande zur Hand sind, um.. das zu machen was sie immer machen… Sachen kaputt und so.
Herr Batzman, wo bleibt denn das Positive? Je nun. Transformers 3 ist ein Jota weniger furchtbar als Teil 2, was vor allem dem 3D geschuldet ist. Nicht das es besonders beeindruckend wäre, denn die Mischung aus CGI-3D, echtem und Fake3D sieht nur in wenigen Szenen wirklich gut aus.
Aber dank 3D muss sich Bay von seinem üblichen Nahaufnahmen/Wackelcam-Schnittinferno verabschieden und tatsächlich mal zeigen, was eigentlich gerade passiert. Das hilft teilweise der Übersicht und lässt die wirklich hervorragend gerenderten Schlachten besser zur Geltung kommen, als in den Vorgängern.
Leider ist das die einzig wirklich Verbesserung, denn der Rest ist immer noch in erster Linie laut und lang. 158min geht dieser Teil, der sich für die erste Stunde in quälend langatmiger und ziemlich dummer Exposition dahinschleppt nur um dann in der restlichen Zeit ermüdende Daueraction abzufeuern, die sich in ihrer Penetranz gegenseitig aufhebt. Bay hat immer noch nicht kapiert, das eine spektakuläre Szene nur dann wirkt, wenn sie aus dem restlichen Umfeld heraussticht. Ein Berg ist nur dann beeindruckend hoch, wenn das umliegende Land flacher ist. Doch für Bay ist nur mehr mehr und deswegen verkommen dutzende Szenen, die vielleicht das beeindruckende Highlight eines eigenen Films wären (wie das kippende Hochhaus – das wie die ähnliche Szene aus Cloverfield auf Stereoiden wirkt), hier zu einem monotonen Action-Grundrauschen.
Bay kitzelt nicht die Sinne, er sorgt nicht für Wow! sondern sorgt nur für Ermattung und Ermüdung. Jemand der in einem Vortrag einmal die Stimme hebt und etwas schreit bekommt Aufmerksamkeit, aber wer einen ganzen Vortrag herunterschreit nervt und verhindert, dass man ihm zuhören möchte.
Wobei Bay auch nichts zu sagen hat, selbst gemessen an den geringen Maßstäben die ein Action-Blockbuster erfüllen sollte. SPOILER AHEAD.
Die Story versucht wie in Teil 2 irgendwas sehr kompliziertes, ein pathetisches Drama um Vertrauen, Verschwörung und Verrat aufzubauen – wird aber immer wieder durch die eigenen Dummheit und dem Fehlen von Figuren die in irgendeiner Form ernstzunehmen wären sabotiert. Sam (im Dauerhysterie-Modus gespielt von Shia LeBeouf der mittlerweile aussieht wie fertige Anfang 30 und Kettenraucher) ist samt seiner immer noch grenzdebilen Familie, dem neuen T&A-Wunder Rosie Huntington-Whiteley ein einziger schlechter Witz. Es gibt keine Dialoge im herkömmlichen Sinne, sondern nur Geschrei, Grimassieren und schlechten Slapstick, die sie als menschliche Wesen weniger glaubhaft und mitfühlbar wirken lassen als den Road Runner. Noch immer begleiten notgeile Minitransformer die Menschen, noch immer hat Sam zu Bumblebee eine autorerotische Beziehung (inkl. Beziehungskrisen) und noch immer ist er für die gesamte Story im Grunde herzlich überflüssig, müssten er und die Sex-Blinse nicht stellvertretend für die zu rettende Menschheit einstehen. Die Inszenierung wirkt, als wäre Sam samt Meshpoke im ersten Drehbuchentwurf nichtmal vorgekommen und erst im letzten Draft in einer hastigen Rewrite-Session eingefügt worden – so unwichtig ist seine Rolle.
Als wären die Witwicky-Bande nicht schon Comic-Relief genug, wimmelt es natürlich von weiteren überkandidelten Nebenfiguren, deren Szenen ebenfalls mit dem subtilen Witz eines Armeestiefels ins Skrotum vorgetragen werden. Am besten kommt dabei noch John Malkovich weg, dessen Auftritte für sich genommen immerhin eine ähnliche Wirkung haben wie Dustin Hoffmans Overacting in Hook. Frances McDormand als Verteidigungsministerin ist hingegen ebenso verschwendet wie Alan Tudyk und John Turturro.
Das große Drama spielt sich zwischen den Robotern selbst ab, die noch menschlicher agieren als zuvor und diesmal noch expliziter spucken, sabbern und bluten. Bay verortet sich dabei politisch natürlich gewohnt subtil und reaktionär: Die Autobots als ultimative Amerikaner die im Krieg gegen den Terror auch keine Gefangenen machen, während die Decepticons sich als Al-Kaida-Bots mit allem Bösen der Erde verbünden und Megatron als als metallener Bin-Laden, inkl. Beduinenfeddel in der Wüste seine Getreuen um sich sammelt. Was die technisch hervorragend animierten Schlachten zwischen den Transformers sehr verstörend macht, wenn man sieht, wie brutal sie sich gegenseitig Abschlachten. Dafür das hier – wie uns der Film immer wieder deutlich macht – intelligente und angeblich fühlende Lebewesen agieren ist es erschreckend wie unglaublich sadistisch “gesplattert”, verstümmelt, gefoltert, geblutet und exekutiert wird. Selten hat ein PG13-Film so brachial und gnadenlose Gewalt gegen Lebewesen glorifiziert – die nur deswegen als harmloser wahrgenommen wird, weil es dem Äusseren nach Roboter sind. Es ist auch bezeichnend, dass Bay und Kruger nur gegenüber den Robotern irgendwelche Gefühle und dramatische Momente antesten – während ihnen die Menschen lästiges Klamaukfutter im Getriebe sind, holen Sentinel und Megatron die große Pathos-Keule raus.
Dumm leider, dass die ganze Story so unglaublich schlecht erzählt ist. Bay streckt auf Stunden aus, was inhaltlich und dramaturgisch keine 20min füllt und ignoriert wie dumm die gesamte Aufhängung des Plots ist. Nachträglich wird versucht eine übergeordnete Verschwörungsstory in die Continuity zu bringen, die aber leider so gar keinen Sinn machen will. Warum Roboter die es bis zum Mond geschafft haben und fliegen können, eine Laser-Katzentür brauchen um die restlichen paar Meter bis zur Erde zurückzulegen, bleibt genauso unnachvollziehbar wie der restliche Plan um ihren Schrottplaneten ins Erdorbit zu bringen und die Menschheit zu versklaven. Wenn der Film einfach sagen würde, Böse Roboter wollen die Menschheit versklaven, wäre es vermutlich unproblematischer – erst durch die überkomplizierten Plots und Verschwörungsszenarien, schiesst sich die Story wirklich ins Knie. Häschenwitze sollten nicht mit Verweisen auf Nanotechnologie erzählt werden.
Es bleibt also alles beim Alten. Bay macht langweiligen, aber gut getricksten Lärm, dessen Action nicht funktioniert weil sie zu beliebig ist und sich gegenseitig auslöscht, die Story ist von Ehren Kruger in seinem Pflegeheim wahrscheinlich mit Wachsmalern auf ein abgerissenes Stück Tapete gemalt worden, der Humor wendet sich abermals an notgeile 9jr Jungen mit ADHS und auch die üblichen Bay-Standards vom homophoben Witz, rassistische Ausfälle von Araber mordenden Autobots bis zu bösen Russen in Tchernobyl, bis zum Armee-Zeitlupen-Porno mit schlechtem Poprock sind wieder vertreten.
Mittlerweile mag ich mich darüber allerdings nicht mal mehr aufregen, denn war der erste Teil noch ein Markstein für den Niedergang des Actiongenres und der zweite ein grausamer Höhepunkt an Zuschauerverachtung, ist das Blockbuster-Niveau mittlerweile dergestalt, das Bays Gräueltät nur noch eine von vielen Scheusslichkeiten ist die kaum mehr als resigniertes Seufzen provoziert. So wie ein mittelmässiger Film wie “Pirates of the Caribbean 4″ im Vergleich besser wirkt als er es ist, wirkt Transformers 3 weniger schlimm.
Und das ist das eigentlich Traurige an der Sache.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juni 29th, 2011 •
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- Schlagwörter: Michael Bay, Shia Lebeouf, Transformers, Transformers 3










































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