
Ahhhh Serien. In Zeiten in denen Event-Filme immer ereignisloser und enttäuschender werden, bieten Serie willkommene Abwechselung und wohlige Heimat in unruhigen Zeiten. Denn auch wenn TV-Produktionen mittlerweile durchaus aufwendig produziert werden, haben sie doch nie das Budget eines Blockbusters und müssen sich deswegen notgedrungen auf altmodische Tugenden beschränken: Gute Schauspieler, packende Dialoge und… Stories.
Zeit also mal wieder einen Blick von der Leinwand auf den kleinen Bildschirm zu werfen. Einzutauchen ins Serienfieber.
V – USA 2009





Ausserirdische Echsenwesen, die sich als Menschen tarnen kommen angeblich in Frieden. Dank gelungener PR-Maßnahmen glaubt ihnen die Menschheit auch, wäre da nicht eine kleine Gruppe Widerständler, die sich nicht auf die Heilsbotschaften der Visitors einlassen wollen.
Der Reboot des SciFi-Klassikers aus den 80ern versucht wie sein Vorgänger politische Motive und Massenmanipulation als zentrale Themen neben der Action zu etablieren. Waren die V’s damals als eindeutige Nazi-Metapher zu lesen, die Hitlerjugend-ähnliche Organisationen aufbaute, ist die Message diesmal weniger eindeutig und kann sowohl als simplifizierte Warnung vor der Macht der Massenmedien, wie auch als Anti-Obama-Agenda gelesen werden, wenn die Ausserirdischen Schurken mit Global Health-Care locken, in Wirklichkeit aber die Freiheit der guten, gläubigen Amerikaner bedrohen.
Das wäre vielleicht bedenklich, wäre die ganze Serie nicht ein insgesamt eher harmloses, oftmals beeindruckend käsig-getrickstes Trashfest, das mit so platten Figuren aufwartet, dass jegliche politischen Botschaften letztlich doch im B-Movie-Plot untergehen. Nach zwei Staffeln, die leider auch recht viel Leerlauf bieten, bleibt aber doch eine gewisse Faszination für den Kampf der Rebellen gegen die V’s – was nicht zuletzt an den sympathischen Darstellern liegt – auch wenn sich nie ganz der grimmige Unterton der originalen Mini-Serie einstellen will.
Falling Skies – USA 2011





Ausserirdische Wesen haben die Erde im Handstreich übernommen. Nur noch wenige Überlebende ziehen unter dem Schutz der letzten Militäreinheiten durch die Lande und versuchen verzweifelt zu überleben und eine Schwachstelle ihrer grotesken Besatzer zu finden…
Spielberg kann trotz vieler Flops nicht vom TV lassen. Seine Variante der ausserirdischen Invasion kommt nicht übermässig Original daher und erinnert an eine Mischung aus V, Battlestar Galactica, seinem eigenen War of the Worlds und Aliens die direkt District 9 entstiegen sind. Statt auf Massenverführung setzen die tricktechnisch beeindruckend inszenierten Aliens hier allerdings eher auf Massenvernichtung und so spielt der Großteil der Handlung in Ruinen und heruntergekommenen Fabrikhallen und ähnlichem. Statt auf Spaß setzen die Macher auf düstere Endzeitstimmung, die sich leider ein bißchen sehr ernst nimmt und die Serie insgesamt weniger unterhaltsam als V macht. Der Konflikt Zivilisten-Militär wurde in Galactica schon ziemlich zu Tode diskutiert und bisher hat Falling Skies dem nicht wirklich viel hinzuzufügen und leider sind auch die Schauspieler der Hauptrollen eher aus dem Fundus einer Direct-to-Video-Produktion zusammengeklaubt und erreichen nicht das Niveau der Kampfstern-Crew.
Auch die Stories hauen bisher noch nicht so recht um, auch wenn der durchgehende Subplot – die Befreiung der durch die Aliens versklavten Jugendlichen – durchaus Potential hat. Dennoch dominiert bisher das Mission-of-the-Week-Konzept, das einer raschen Progression im Wege steht und auch wenn erst wenige Folgen ausgestrahlt wurden, beginnt sich – trotz einiger netter Actionszenen und toll animierter Kampfroboter und Aliens – eine gewisse Redundanz einzustellen. Aber warten wir mal ab, noch hat die Serie alle Chancen sich zu entwickeln…
Louie – USA 2011





Louis C.K. spielt sich selbst – zumindest eine Variante seiner selbst, die Louie heisst. Zwischen Stand-Up-Auftritten und Midlife-Crisis, Vaterschaft und Geldsorgen übersteht er wie wir alle irgendwie sein Leben.
Louis C.K. ist großartig und einer der besten derzeitigen Stand-up-Comedians, dessen Humor deshalb so bitter ist, weil er hauptsächlich auf sich selbst zielt. In seiner Depredy-Serie stehen diese Auftritte in denen er sein eigenes Leben schonungslos seziert, neben Stories aus seinem Alltag, in dem er mit den ganz kleinen, ganz normalen Alltagssituationen zu kämpfen hat. Ob sich die verhasste Mutter als Lesbe outet, die dauerdepressive Schwester heulend anruft oder Louie einfach nur versucht als Wochenend-Vater im Umgang mit der Tochter alles richtig zu machen: Immer sind die Szenen so real, so hart ausgespielt, das es oft schwerfällt hinzusehen. Zwischend Fremdscham, Trauer und verzweifelten Lachen pendelt diese Serie die in ihren komprimierten Vignetten soviel wahres Gefühl einfängt, dass es schwer fällt sie noch im Comedy-Bereich neben dämlichen Sitcoms anzusiedeln.
Silk – UK 2011





Eine Gruppe Anwälte die alle nur das eine wollen: Silk, die seidenen Roben die mit dem Titel “Queens Counsel” verbunden sind, dem höchsten anwaltlichen Titel im Vereinigten Königreich. Natürlich kann nicht jeder den Titel erlangen und so bekriegen sich die Anwälte der Kanzlei, während sie nebenbei private Affären und ihre Fälle durchkämpfen.
Silk ist die mittlerweile vierte Anwalts-Serie von Peter Moffat, der selbst als Rechtsanwalt Erfahrungen sammeln durfte, ehe er sich aufs Schreiben verlegte. Er beherrscht sein Metier und kann sich, obwohl die Serie nur solide Gerichts-Unterhaltung liefert, auf seine überzeugende Besetzung verlassen, die in all ihrer moralischen Ambivalenz überzeugt und mitreisst. Die aktuellen Themen der Fälle bieten dabei einen wohltuenden Kontrapunkt zu den persönlichen Kämpfen der Anwälte und den politischen Schiebereien in der Kanzlei. Für Fans des Genres, auch dank dem üblichen britischen Understatement und dem im Vergleich zu US-Serien rauerem Stil, eine Anschauempfehlung.
Teen Wolf – USA 2011





Scott McCall ist ein durchschnittlicher High-School-Typ, der eine ungewollte Veränderung durchmacht, nachdem er von einem Werwolf gebissen wurde. Zusammen mit seinem Freund Stiles versucht Scott seine animalischen Ausbrüche im Zaun zu halten, ein halbwegs normales Leben zu führen und rauszukriegen, wer ihm den ganzen Schlamassel eingebrockt hat.
Okay ich hab auch erst gedacht: Das kann nicht euer ernst sein. Vor allem nachdem MTV die US-Adaption der genialen UK-Serie Skins so völlig in den Sand gesetzt hatte, waren meine Erwartungen an Teen Wolf nicht wirklich hoch. Und überhaupt: Wie sollte aus einem käsigen 80er Klamaukfilm, dessen übler Fortsetzung und der noch viel schlimmeren Cartoon-Serie etwas ansehbares entstehen? Doch die Überraschung ist gelungen: Teen Wolf ist eine ansehbare und überaus unterhaltsame Serie, die sich deutlich mehr an Buffy, als am alten Film orientiert, von dem sie zwar einige Grundelemente übernimmt, sie aber in eine ganz andere Richtung dreht.
Der Humor ist düsterer und ironischer, die Action und Gewalt ist härter und die Schauspieler sind gar nicht mal so schlecht. Klar, die Werwolftricks sind eher recht digital und nicht überragend, werden aber effektiv genug inszeniert das in den unheimlichen Szenen genug Spannung aufkommt. Dazu entwickelt die Serie eine schicke eigene Mythologie, die sich nie ganz ernst nimmt, aber auch Meilen entfernt ist vom Klamauk des Films. Zudem wimmelt es von Verweisen auf andere Werwolf-Filme von The Howling bis zu Pakt der Wölfe. Doch Teen Wolf macht Spaß und findet bislang eine gute Ballance zwischen leichtem Grusel, Spannung, Mystery und der unvermeidlichen Romantik. Kein Überknaller aber solides Serienfutter für Freunde des Übernatürlichen.
Modern Family – USA 2009





Drei Familien: Der Familienpatriarch gespielt von Ed O’Neil, der eine viel jüngere Frau mit Kind geheiratet hat, seine Tochter mit ihrem Mann und Kindern, sowie sein schwuler Sohn mit seinem Lebensgefährten und der frisch adoptierten Tochter. Moderne Familien und ihre Probleme.
Natürlich ist es befriedigend zu sehen, dass Ed O’Neil nach verschiedenen Anläufen jetzt eine Serie gefunden hat, die ihn wohl dauerhaft zu mehr als nur “Al Bundy” machen wird. Doch die Serie und ihren liebenswerten Witz nur auf ihn zu beschränken wäre ungereicht, denn in Modern Family spielt ein wunderbares Ensemble. Irgendwo zwischen Drama und Sitcom lebt die Serie von ihren Figuren und Dialogen, die natürlich gewisse Probleme auch mit didaktischem Impetus behandelt, dabei aber immer selbstironisch leichtfüssig bleibt und nie in moralin-sauren After-School-Special-Tonfall verfällt, den andere Serien mitunter drauf haben. Zwar ist Modern Family im Vergleich zu “United States of Tara” immer noch ein dramatisches Leichtgewicht, bietet aber fluffige Unterhaltung mit gewitzten Dialogen, die wirklich Spaß machen.
Come Fly with me – UK 2011





Mockumentary über einen britischen Flughafen und die unterschiedlichen Menschen die dort arbeiten, von den Check-Inn-Stewardessen über den Besitzer einer Billig-Airline bis zum Flugbegleiter und dauergenervten Touristen.
Nach dem Vorbild echter Airport-Reportage-Serien nehmen sich Matt Lucas und David Walliams diesmal die Reiseindustrie vor. Das Konzept ist dabei ihrem Erfolg Little Britain sehr ähnlich: Von einer Off-Stimme anmoderiert erleben wir unterschiedliche Charaktere, alle von Lucas und Walliams gespielt, die ihre wiederkehrenden Marotten präsentieren. Man könnte auch sagen, das ganze sei Little Britain am Flughafen mit neuen Figuren und ohne die süffisante Erzählstimme von Tom Baker.
Die Gags und abstrusen Make-Ups der beiden treffen dabei nicht immer ins Schwarze und nicht ganz zu unrecht fühlten sich diverse Minoritäten von den rassistischen Klischeefiguren verunglimpft, dennoch haben die beiden ein Talent dafür ihre Figuren, so nervig sie auch sind, nie völlig unsympathisch werden zu lassen. Selbst die furchtbarsten Kreaturen besitzen genug naive Unschuld, dass man ihnen ihre furchtbaren Verhaltensweisen verzeihen möchte und wissen will, was sie das nächste Mal anstellen. Und für Fans von Little Britain wird wohl eh kein Weg an der Serie vorbeiführen.
School of Comedy – USA 2008-2010





Eine Sketch-Show für Erwachsene in der Kinder Erwachsenen-Rollen spielen und dabei kein Blatt vor den Mund nehmen.
Die aus einem Theater-Projekt entstandene Comedy-Truppe School of Comedy schafft was viele andere Comedy-Shows nicht schaffen: Sie ist tatsächlich witzig. Die Jugendlichen zwischen 12 und 17 bewiesen dabei einen Sinn für Timing und skurrile Figuren, der manch erwachsenem Comedian zu wünschen wäre. Shooting-Star der Serie ist dabei zweifellos Will Poulter, der durch “Son of Rambow” und den letzten Narnia-Film auch Kinozuschauern ein Begriff sein dürfte. Wie John Cleese spielt Poulter am besten absurde Authoritätsfiguren und Unsympathen, schafft es zwischendurch aber auch immer wieder absurd-dramatische Momente einzubauen. Ob als Showmaster, bösartiger Lehrer oder genervter Ehemann, Poulter setzt seine Pointen gekonnt und wird vom restlichen Ensemble des ebenfalls wirklich großartig ist trefflich unterstützt.
Booohooo cry my a fucking river!
Wall Street – Was Oliver Stone nicht erzählte
Twenty Twelve – UK 2011





Noch ein Jahr bis zur Olympiade in London und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – die Mockumentary begleitet das Organisations-Team auf ihrem schwierigen Weg zwischen Bauproblemen und PR-Gaus.
Inspiriert von einer australischen Serie, liefert das britische Pendant einen ungemein spassigen, wie fiktiven Blick hinter die Kulissen eines Mega-Events. Klasse Schauspieler und einige echte Sportler und Funktionäre machen die Mockumentary auch für einen Sport-Hasser wie mich zu einem Vergnügen, denn wenn ausländische Delegationen dank schlechter Verkhersführung endlos durch London kutschiert werden, die beauftragte für die Nachnutzung bei Anfragen von einem Nervenzusammenbruch in den nächsten fällt und die von Jessica Stevens (of Spaced-Fame) grandios-zickige gespielte PR-Beauftragte weder Website noch Kunstausstellungen oder auch nur ein Logo hinbekommt, dann ist das so nahe an der Realität, dessen was man in London so bestaunen kann, dass man sich streckenweise fragt, ob die Doku nicht doch real ist.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 19th, 2011 •
- 35 Kommentare














































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