Cars 2 (Review)

11 Comments

-“I’m Finn McMissile, British Intelligence”
-“Mater, Average Intelligence”


Originaltitel: Cars 2
Drehbuch: John Lasseter & Ben Queen
Regie: John Lasseter & Brad Lewis
Stimmen: Owen Wilson, Larry the Cable Guy, Michael Caine

★★★½☆

Um mal aus dem Wüstenkaff Radiator Springs herauszukommen und weil er von einem italienischen Rivalen provoziert wurde, lässt sich Lightening McQueen zur Teilnahme an einem Rennen rund um die Welt überreden, das gleichzeitig eine Werbeveranstaltung für einen neuen umweltfreundlichen Kraftstoff sein soll.

Zusammen mit Kumpel Hook/Mater und seiner restlichen Crew geht es zunächst nach Japan. Dort wird Hook/Mater vom britischen Agenten Finn McMissile mit einem US-Spion verwechselt und in eine lebensgefährliche Verschwörung hineingezogen…

Wie wohl viele fragte ich mich, warum Pixar sich entschloss ausgerechnet Cars fortzusetzen, zählt der Film zwar zu den erfolgreichsten Produktionen des Studios, besonders was Merchandise angeht, aber bei Kritikern und Publikum galt er gleichzeitig als schwächster Film der erfolgsverwöhnten Kalifornier. Sprechende Autos und Route 66-Nostalgie mochten in Amerika noch leidlich funktionieren, hierzulande war die Begeisterung für die Autos in der Sinnkrise eher verhalten.

Zum Glück geht Teil 2 in eine ganz andere Richtung: Raus aus der Wüste und weg mit schwermütigen Doc Hollywood-Paraphrasen, hin zu einem lupenreinen Agentenfilm, der sich sehr deutlich an den Bondfilmen der 60er und 70er orientiert. Vielleicht lag es an der gesenkten Erwartungshaltung, weil es eben ein Sequel zu Cars war, aber als Actionfilm hat mir Cars 2 viel Spaß gemacht, was nicht zuletzt an Michael Caine als Finn McMissile lag, der – in Erinnerung an alte Harry Palmer-Tage – immer noch einen wunderbar-coolen Spion abgibt. Vollgepackt mit Gadgets, mit unrealistischen Stunts und überlebensgroßen Gegnern (schön breit ausgespielt von Thomas Kretschmann als Profesor Z) bietet er genau das, was ich in den letzten Bond-Filmen so schmerzlich vermisst habe: Albernen Spaß vor grandiosen Kulissen und einer Handlung die nicht wirklich komplex ist. Natürlich errät der aufmerksame Zuschauer die Auflösung recht schnell, aber wie bei Bond kommt es hier auch eher auf das wie, als das was an. Die internationalen Kulissen von Japan, über Paris bis London sehen wirklich imposant aus und Pixar beweist, wie schon mit den Incredibles, dass sie wirklich rasante Actionszenen choreographieren können.

Natürlich ist das ganze was die Charaktertiefe, die emotionalen Momente und die Nachhaltigkeit angeht zu keiner Sekunde auf demselben Niveau wie etwa UP oder der letztjährige Toy Story 3. Egal was die Autos machen, egal wie sehr die Freundschaft zwischen Mater und McQueen behauptet wird, es bleiben redende Autos, die sich in Verfolgungsjagden besser machen, als wenn sie sich Zuneigung gestehen. Die Cars-Welt bleibt ebenso ein Konstrukt, das wirklich nur solange funktioniert, wie man nicht drüber nachdenkt, denn wenn es wirklich nur Autos und andere Transportmittel gibt, bleibt einfach die Frage, warum die Welt aussieht als gäbe es Menschen und Tiere.

Zum Glück hilft das hohe Tempo, solche Gedanken die meiste Zeit zu ignorieren, denn was hier optisch geboten wird, ist tatsächlich beeindruckend. Die Detailfülle der einzelnen Locations, die originellen Autos, vom hässlichen Gremlin bis zur sexy Agentin Holly Shiftwell sowie viele gute Gags (neben einigen platten Slapstick-Momenten) und Anspielungen unterhalten und schaffen es zu überraschen. Zumal der Tonfall insgesamt etwas härter und dem Genre angemessener ist, als der kuschlige erste Teil. Wenn Professor Z einen US-Agenten foltert und umbringt, ist das für einen Pixar-Film schon ziemlich deftig und wird nur bedingt abgemildert durch die Tatsache, dass es ja immer um Autos geht.

Die Story wird in der Erzählung komplizierter erklärt, als sie tatsächlich ist und der “Eco-Friendly Fuel”-Aspekt darf getrost als Gimmick betrachtet werden oder als Feigenblatt für einen Film der ansonsten recht schamlos die rollenden Benzinfresser glorifiziert. Lasseter ist ein Autonerd, der sichtlich Spaß an den Figuren hat, auch wenn wohl gerade europäische Zuschauer sich nicht ganz so mit seinem Hillbilly-Simpel Mater/Hook identifizieren können, wie der Pixar-Boss und viele Amis. Und vielleicht ist auch die Konzentration auf Mater als emotionalen Ankerpunkt des Films der Grund, warum der Film, so unterhaltsam er ist, nie wirklich ans Herz geht, denn der Abschleppwagen bleibt nunmal ein trotteliger Typ den man eher wohlmeinend belächelt, als wirklich liebgewinnt.

Trotz allem ist Cars 2 wohl das bestmögliche Sequel, dass Pixar aus dem Konzept machen konnte und gerade für Bond-Fans ein zwar oberflächlicher, aber dennoch sehr kurzweiliger Spaß mit hoher Schauwertdichte.

Dennoch bin ich auf das nächste Nicht-Sequel Brave und das Prequel zu Monsters Inc. (neben Oben und Toy Story 3 einem meiner anderen Favoriten des Studios) doch gespannter, als auf Cars 3 – so er denn kommen wird.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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11 Comments

  1. bassline8

    Batzman, ich hatte den Titel auserkoren, um ihn mit meinen Jungs zu schauen. (Werden beide bald 6) FSK hat der 0 Jahre, aber folgender Satz macht mich nachdenklich:

    “Wenn Professor Z einen US-Agenten foltert und umbringt, ist das für einen Pixar-Film schon ziemlich deftig und wird nur bedingt abgemildert durch die Tatsache, dass es ja immer um Autos geht. ”

    Ist der jetzt nicht zu krass für kleine Kinder?

    Klar ist, dass solche Filme ähnlich wie Simpsons, Shrek und co. auf 2 Ebenen funktionieren und die kleinen ja unmöglich die ganzen Referenzen auf andere Filme nachvollziehen können, aber ich hatte weniger explizite Gewalt erwartet.

  2. Schlaumeier

    Ich freu mich drauf!
    Was mir allerdings jetzt schon sauer aufstösst ist die Schilderung der Folter-/Tötungsszene! Etwas aus der Perspektive meiner (eher kleineren) Kinder gesprochen, finde ich, Pixar übertreibt den Action, Grusel und Gewalt Aspekt zum Teil deutlich. Cars 1 war da, wie ich finde, sehr angenehm: Rasante Action, aber wenig Fallhöhe, kaum Lebensgefahr, alle “Monster (Mähdrescher) sind nicht nur beängstigend sondern auch immer ein wenig komisch.(Krasser Gegensatz dazu: Nemo: Nachdem eben mal fast alle Anverwandten ausgelöscht werden beginnt eine 80 minütige Lebensgefahr mit wirklich gruseligen Villains (Bruce, etc), Bomben, Tod durch Ersticken, gehechselt werden und ähnlichem. Das ganz unter dem konstanten Eindruck der Verlorenheit, Einsamkeit und der Perspektive ein Vollwaise zu sein: Wieder aus der Sicht meiner Kinder: Ein Schei** Film!).
    Ich sehne mich oft genug nach einer eher “unschuldigeren” Action zurück – ich habe neulich, nach 25 Jahren, Aristocats von Disney gesehen: Ich werd das Gefühl nicht los, das man sich damals mehr Mühe gegeben hat auch an sich harmlose Action spannend darzubieten.

  3. Batzman

    @Schlaumeier und Bassline: Kinder sind da robuster als man denkt und halten Grusel und Spannung meist viel besser aus, als Erwachsene glauben. Das weiß man ja nicht erst seit Bettelheim. Und auch wenn die Szene für Pixar-Verhältnisse hart ist, ist es trotzdem noch kein Hardcore und erschliesst sich z.T. wohl auch eher erwachsenen als Kindern. Ob man allerdings 6jr in Cars schleppen muss, würde ich trotzdem bezweifeln – denke so ab 8-9 ist der Film nachvollziehbar und verträglich.

  4. Torsten

    “Wie wohl viele fragte ich mich, warum Pixar sich entschloss ausgerechnet Cars fortzusetzen, zählt der Film zwar zu den erfolgreichsten Produktionen des Studios, besonders was Merchandise angeht”

    Das hast du dir die Antwort doch schon selbst gegeben. Auch Pixar ist längst nicht mehr die kleine Independent-Filmschmiede, sondern ein Millionen-Konzern, und zu glauben, sie hätten mit ihren Filmen in erster Linie irgendwelche anderen Motive als Geld zu machen, ist echt naiv.

  5. Anumunrama

    Seid Stev Jobs da Mitwirkt hat sich sicherlich einiges getan was provit angeht.
    Hoffe ich kann meine Kumpels dazu bringen den anzuschauen anstatt green lantern nach DER Bewertung :D

  6. Mein Senf

    @Thorsten ohne “h”:
    Mit deiner Meinung machst du es dir ein bisschen zu einfach. Niemand hier wird hier wohl ernsthaft bezweifeln, dass Major-Filmstudios gewinnorientierte Unternehmen sind. Das war schon immer so und das wird auch immer so sein. Das beißt sich aber nicht zwangsläufig mit künstlerischer Qualität, wie Pixar in den letzten Jahren recht häufig unter Beweis gestellt hat. Manche Studios vertreten eben die (naive?) Auffassung, dass auch die Qualität (und nicht allein der vorige Bekanntheitsgerad bzw. das Zeitgeist- und Fortsetzungpotential) über den Erfolg eines Produktes entscheidet.

    Und unter diesen Gesichtpunkten ist es durchaus berechtigt zu fragen, warum Pixar sich nun dazu entschlossen hat, ausgerechnet das Pferdchen mit dem geringsten künstlerischen Potential nochmal aufzuzäumen.

    Ich meine die Antwort darauf lautet nicht

    “Weil sie geldgeil sind.”

    sondern

    “Weil jemand eine gute Idee für eine Fortsetzung gehabt hat und der Film darüber hinaus große kommerzielle Chancen hat.”

    Aus diesem Grund wird (lt. Pixar-Eigenauskunft) übrigens auch “Findet Nemo” bislang nicht fortgesetzt. Der hätte ohne Frage ein riesiges kommerzielles Potential, aber niemand hat eine tragfähige Idee für eine Fortsetzung.

  7. Schlaumeier

    @Batzmann: Ich denke ich kann recht gut beurteilen, wie robust zumindest meine Kinder sind. Ich bin eigentlich recht froh darüber das sei noch recht zart besaitet und extrem empfindsam für filmische Dramaturgie sind. Gruselige und gewaltsame Sachen gehen bei uns halt einfach gar nicht. Und ich finde halt das diese in so manchen Kinderfilmen einfach unnötig sind, d.h. der Film würde ohne explizite Darstellungen keineswegs schlechter oder weniger unterhaltsam werden, auch nicht für ältere Semester.
    Ist aber freilich nur meine persönliche Auffassung.

  8. Schlaumeier

    Gibt es eigentlich genaue Zahlen über den Erfolg eines Pixar Films? Aus meiner Kindergarten Perspektive teilt sich “Cars” merchandising-technisch den ersten Platz mit Starwars (Auf Jungsseite, bei Mädels regiert nachwie vor die Lillifee). Ich kann mich eigentlich an keinen Pixar Film erinnern der in der Altersklasse von 4-8 einen so gewaltigen Impact hatte.
    Und auch wenn das vielleicht ein nur zweitrangiges künstlerisches Kriterium ist: Die kleinen Jungs finden Lightning McQueen gut weil sie den Character gut finden – insofern funktioniert die Characterzeichnung der Figuren aus deren Perspektive prima, die Tatsache das es sich nur um “Autos die reden” handelt ist da ein bedeutender Pluspunkt – keinesfalls ein Manko.

    PS: hab ich schon erwähnt das ich Cars 1 ganz knuffig finde?

  9. Batzman (Oliver Lysiak)

    @Schlaumeier

    Die Kindergartenperspektive ist wohl korrekt. Cars 2 ist der erfolgreichste Pixar-Film was Sekundärverwertung angeht, weswegen wohl auch die “Maters Tale Tales”-Serie produziert wurde. Wenn du im Disney-Store guckst gibts 4 Regale nur mit Cars-Zeug, mehr als für jeden anderen Film.

    Was den Grusel angeht, glaub ich das Kids auch mit Dingen die sie inital erschrecken gut umgehen können. Jeder Disney-Film seit Schneewittchen hatte unheimliche und spannende Momente und solange ein Erwachsener dabei ist, der ihnen hilft das Ganze zu verarbeiten finde ich kann man Kids auch schon sowas zumuten. Besser als sie in Watte zu packen und ihnen immer nur eine kunterbunte Kuschelwelt vorzuspielen. Und eigentlich beinhaltet jeder wirklich gute Kinderfilm (wie zB die alte Krabat-Zeichentrickverfilmung) beängstigende Momente. Ich hab mich als Kind vor Madam Medusa in Bernhard und Bianca gefürchtet und trotzdem hundertfach das Hörspiel angehört… bzw nicht trotzdem, sondern gerade deswegen.

  10. Fluffy Bunny

    Boah, bin ich froh, daß meine Eltern mich genau so aufgezogen haben, wie sie es getan haben…

  11. Sina

    Da hast du absolut Recht! Und genau das ist meiner Meinung nach auch ein Aspekt, der den Reiz von Disney-Filmen ausmacht, nämlich dass du sowohl als Kind als auch als Erwachsener so unglaublich viel Spaß an den Filmen hast!

    Ich hab als Kind Disney-Filme rauf und runter gesehen und bin auch jetzt immer noch ganz heiß darauf, wenn ein neuer Film von Disney rauskommt :-)

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