“Ich kann nicht beide verlieren…”
Originaltitel: Rise of the Planet of the Apes
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Rupert Wyatt
Buch: Pierre Boulle, Rick Jaffa, Amanda Silver
Darsteller: James Franco, Andy Serkis, Freida Pinto, John Lithgow, Tom Felton




Nilzenburger




Batzman




Renington Steele
Will Rodman ist einer heissen Sache auf der Spur: Dank jahrelanger Tests an seinen Laboraffen scheint er endlich einem Mittel auf die Spur gekommen zu sein, das wahre Wunder bewirken kann. Es macht nicht nur Affen deutlich schlauer, als sie sind, es kann Neuronen im Hirn neu verbinden. Somit ist es ein potentielles Heilmittel gegen ALzheimer! Das könnten nur Tests an Menschen beweisen. Davon muss aber der Vorstand überzeugt werden. Bei der Präsentation eskaliert alles, der Vorzeigeaffe dreht durch und verwüstet alles und kann nur durch erschiessen gestoppt werden. Natürlich auf dem Schreibtisch im Meetingraum.
Die Forschung ist somit erstmal hin. Niemand wird nun noch weiter Geld in dieses Projekt investieren. Und dann entdeckt Rodman den wahren Grund dafür, das sein intelligenter Superaffe so durchgedreht ist: Sie hat kurz vorher ein kleines Schimpansenbaby zur Welt gebracht und wollte den kleinen Jungen beschützen. Alle Anderen Laboraffen wurden eingeschläfert, Will beschliesst das Schimpansenbaby zu retten und bei sich groß zu ziehen. Er lebt mit seinem, an Alzheimer erkrankten, Vater zusammen in einem Haus.
Der Affe wird größer und ist sehr intelligent, weil er das Wundermittel quasi von seiner Mutter vererbt bekommen hat. Als Will eines Tages beschliesst, das Mittel an seinem Vater zu testen, erlebt er die nächste große Überraschung: Es wirkt! Hat er wirklich den Schlüssel gegen Alzheimer gefunden? Aus dem Schimpansenbaby ist ein großer Schimpanse geworden. Cesar kann sich in Zeichensprache mitteilen und ist überdurchschnittlich begabt. Er stellt so etwas wie den “missing Link” dar, den Übergang von Affe zu Mensch. Aber das kann ja alles nicht gut gehen, sonst wäre der Film ja vorbei.
Cesar kommt in eine Art Affenknast, weil eine Situation eskaliert ist. Dort trifft er auf andere, “normale” Affen. Zum ersten Mal in seinem Leben. Schnell verbündet er sich mit ihnen, um ihrem Gefängnis, in dem sie von einem sadistischen Wärter gequält werden, zu entkommen. Und Cesar hat auch schon ein Ziel für sich und seine neuen Freunde.
Puh. Gar nicht so einfach den Film zu erzählen, ohne zu sehr zu spoilern. Ich denke aber, es ist ganz gut gelungen. Ich wollte auch nicht schon wieder mit so Plakatfragen (“Wo werden sie hingehen?”) enden.
Also gut, den Film hab ich jetzt gesehen. Ich weiss gar nicht wie lange das her ist, das ich die Original Teile von Planet der Affen gesehen habe. Ein paar Jährchen schon. Ich war und bin also nicht mehr so richtig drin, in der Mythologie der Filme. Da ist ja dann ein Film, der mir alles vorher erzählen will, eigentlich ja genau richtig!
Und eigentlich ist es auch furzegal. Man muss kein Fan des Franchise sein, um an diesem Film gefallen zu finden. Das ist vermutlich der Segen eines Prequels. Aber ich muss sagen: Mir hat gefallen was ich gesehen habe. James Franco macht einen guten Job, ich guck mir den aber eh ganz gerne an. Tom Felton spielt den bösen Affen-KZ-Gefängnis-Wärter und erinnert dabei, sicher nicht zufällig, natürlich wieder an Draco Malfoy. Sogar einen Zauberstab haben sie ihm wieder gegeben (Wenn auch in Form einer Elektroschock-Keule…)! John Lithgow darf endlich mal einen Kranken spielen und versucht sich dementsprechend in dem bisschen Screen Time, die er hat, auszutoben. Und Freida Pinto sieht unheimlich gut aus – was ziemlich offensichtlich auch das Einzige ist, was von ihrer Figur im Drehbuch verlangt wurde. Das sind aber ja nur die Menschen.
Es geht hier schliesslich um die Affen! Allen voran natürlich Cesar, der Hauptaffe. Die Animationen der Affen fand ich persönlich durchweg gelungen, auch wenn es sicher Leute gibt, die das für zu animiert halten. Aber ich mag das artifizielle und ich hab den Film dann halt eher als Animationsfilm für Erwachsene verstanden. Alle anderen Affen sollen ja “normal” sein, nur Cesar ist der einzige, der schon von Geburt an schlauer ist, weil er das Mittel ja schon als Baby im Bauch seiner Mutter mitbekommen hat. Und deswegen changiert seine Figur immer zwischen Mensch und Affe, wie diese alten Handyhüllen die Farbe gewechselt haben. Natürlich mit größerem Gewicht auf Schimpansenseite, aber trotzdem: Sein Gesicht hat extrem menschliche Züge. Die braucht es ja vermutlich auch, um sich mit ihm zu identifizieren. Und das ist eine der großen Stärken des Films: Auch als die Affen durchdrehen und die Stadt verwüsten, ist man eigentlich nicht gegen sie. Der Film schafft es alle Ausbrüche zu begründen, mich immer auf der Seite der wilden Affen zu lassen. Das ist schon ein ziemliches Kunststück. Abgesehen davon das den Hauptaffen solche starken Charaktiristika zugeordnet werden, das ich die immer sofort erkennen kann und nie den Überblick verliere. Fand ich auch überraschend gut gelöst.
Ich mag an Prevolution, das er sich ernst nimmt. Wäre da so eine klassische, leichte Ironie zu spüren, würde man das alles wohl albern und lächerlich finden. Da der Film aber nicht in diese Selbstdistanzierungsfalle tappt, funktioniert der auch und lässt mich auch kleine Logik-Löcher in der Story verkraften (die Zeitsprünge beispielsweise sind dann doch etwas wilkürlich und nicht wirklich “spürbar” weil sich in der vergangenen Zeit ausser dem Aussehen Cesars nie wirklich viel zu ändern gescheint hat…). Und vor allem, selten genug: Der Film lässt sich Zeit, seine Geschichte zu erzählen. Ein ziemlicher Luxus heutzutage.
Das ist ein cooler, solider Sommer-Action-Film, den man bedenkenlos weiterempfehlen kann. Der macht Spass, der ist spannend und das zentrale BOAH-Moment hat bei mir total funktioniert (bei meinen Begleitern übrigens nicht, die haben damit gerechnet…). Zum Masterpiece fehlt ein bisschen die Inspiration und der Wille, die menschlichen Figuren nicht nur als Story-Katalysator auftreten zu lassen (Francos Freundin hat wirklich überhaupt nichts in dem Film zu tun und die Figur seines Chefs ändert sich von Szene zu Szene so, wie es gerade am praktischsten für das Drehbuch ist – eigener Wille der Figur? No way!). Aber sehen wir grosszügig darüber hinweg, dann haben wir einen guten Blockbuster mit fresher Geschichte. Drei von fünf Bananen.
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Vielleicht liegts an den Nachwirkungen von Burtons-Reboot-Debakel, aber verglichen damit kann sich der neuerliche Neustart durchaus sehen lassen. Die Story ist nicht übermässig originell (Basicly: Versuchsaffen werden durch Tests mit Alzheimer-Medikament superschlau und mit der Gesamtsituation unzufrieden) und tausendfach erzählt, aber dank sympathischer Charaktere und der Erzählperspektive die Cäsar in den Mittelpunkt stellt funktioniert das ganze, trotz Stupid-Science und Figuren aus der kleinen Klischeekiste, überraschend gut.
Wobei es schon für einige Lacher gut ist, wenn der Film etwa auf der Hälfte zu einem Prison-Movie mutiert, wenn Cäsar in einem Affenhaus untergebracht wird und mit stoischer Ruhe wirklich JEDES Gefängnisfilm-Klischee (außer der obligatorischen Vergewaltigung unter der Dusche) abgespult wird. Wenn Cäsar wie Steve McQueen aus der Wäsche schaut, Draco Malfoy als böser Wärter seine Macht ausspielt und die üblichen Rangkämpfe stattfinden, ja selbst das Klischee des superstarken aber sanften Riesen bemüht wird, fällt es schwer, das Ganze wirklich ernst zu nehmen.
Problematisch, wenn auch nicht anders lösbar in diesem Film, ist der Look der Affen, die einen leider in keiner Sekunde ihre Rechnerherkunft wirklich vergessen lassen, was vor allem auch an der Physik liegt, die einfach nicht stimmt. Mag man bei Aliens noch drüber hinwegsehen, wenn sie sich seltsam bewegen, weiß einfach jeder der mal im Zoo war wie Schimpansen und andere Affen laufen, springen, herumschwingen und sich bewegen. Cäsar und seine Freunde ignorieren jedoch jede Physik und Masse und selbst wenn man unterstellen würde, dass Cäsar ja eine Chimäre ist und deswegen anders schwingt, zählt das bei den normalen Affen im Film leider gar nicht. So eindrucksvoll sie im Standbild aussehen, wenn sie sich bewegen, wenn man Augen und Mund sieht, leuchten die Wireframes hinter den Gesichtern und erinnern immer wieder: Ach ja, die Affen gibts ja gar nicht. Und es erstaunt schon etwas, dass sie teilweise schlechter und unrealistischer aussehen als es Kong (der ebenfalls von Andy Serkis gemocap-acted wurde) im Jacksons King Kong-Remake vor 6 Jahren tat.
Zudem verabschiedet sich im dritten Akt die Logik (die wundersame Affenvermehrung, die aus dem paar Dutzend Primaten im Gehege direkt nach dem Ausbruch – noch vor dem Einbruch in den Zoo – über hundert macht ist nur eine Ärgerlichkeit. Das sind Affen und keine Gremlins die sich multiplizieren wenn sie nass werden.) und der Showdown wird regelrecht herbeigezwungen, obwohl der Film selbst die Lösung anbietet, wie die Affen fliehen könnten ohne sich mit der Polizei zu rangeln. Doch um der Action willen kloppen sie sich halt auf der Brücke, was nicht ganz darüber hinwegtäuscht, dass diese Revolution wesentlich kleiner ausfällt, als es der Trailer andeutete. Und Cäsars Intelligenz wird auch ein paar mal zu oft den Drehbuchwünschen angepasst, mal verhält er sich extrem smart und berechnend, dann wieder wie ein erschrecktes Tier, dass nicht begreift was eigentlich passiert.
Achja die menschlichen Akteure: Sie stören nicht, müssen sich schauspielerisch aber auch nicht verausgaben. Immerhin schaut Franco mal nicht dauerbekifft umher und Tom Felton zeigt dass er auch Jenseits von Harry Potter unsympathische Arschgeigen spielen kann. Die Performance des ansonsten immer sehr geschätzten John Lithgow als alzheimergeplagter Vater ist leider etwas sehr plakativ und enttäuscht, besonders wenn ich sie mit der meisterlich-anrührenden und vielschichtigen Performance von Jim Broadbent vergleiche, der in der Mini-Serie “Exile” gerade ebenfalls einen Alzheimerkranken gespielt hat. Im Affenfilm wird Alzheimer genau genommen nur als billiges Vehikel genommen um die Forschung irgendwie zu erklären, wobei die komplette Forschungs-Seite des Films wirklich mit dem Wachsmaler geschrieben wurde, so sehr fühlt es sich nach Movie-Science an – einige Dialoge die Franco mit seinem Boss führt sind so trashig, dass Ed Wood seine Freude daran gehabt hätte.
Trotzdem: Als modernisierter Start einer neuer PotA-Reihe macht sich der Streifen ganz gut, unterhält solange man das Gehirn auslässt sehr manierlich und zeigt einmal mehr, wie sehr Brian Cox alleine durch seien bloße Anwesenheit andere Schauspieler an die Wand spielt.
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„Rise of the Planet of the Apes“ ist ein toll getrickster, in keiner Minute langweiliger Blockbuster voller tatsächlich liebevoll gezeichneter Figuren, die trotz ihrer in jeder Sekunde sichtbaren CGI-Ästhetik sehr wohl vergessen machen, dass sie nicht existieren. Der Film simplifiziert seine Aussage über das Verhältnis von Mensch und Tier freilich und marginalisiert die menschlichen Akteure zu Stichwortgebern, das ist für „Rise“ aber schlicht nicht wichtig. Für einen Sommerblockbuster ist „Rise“ ein Lichtblick, neben „Super 8“ tatsächlich ein Film mit Herz und auch ein bisschen Verstand und ich freue mich schon sehr auf das Sequel.
Eigentlich 3,5 von 5 Sternen, aber da meine Vorredner in Mathe nicht aufgepasst haben, muss ich jetzt den Schnitt heben, deshalb: 4/5.
- Nilz N Burger •
- August 11th, 2011 •
- 62 Kommentare
- Schlagwörter: andy serkis, James Franco, Rise of the Planet of the Apes
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