Disney über Blockbuster: Wer braucht schon gute Stories?

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Andy Hendrickson, Walt Disney Animation Studios Chief Technical Officer, hat (wie Variety berichtete) auf der Siggraph-Konferenz über Tentpole-Movies gesprochen, also jene paar Riesen-Filme auf denen Studios jedes Jahr ihre Kalkulation aufbauen. Spektakel-Filme bei denen das Werbebudget dem Produktionsbudget nahe kommt, deren vorrangiges Ziel es ist, die Leute so heiß auf den Film zu machen, dass sie am ersten Wochenende reinrennen.

Seine Worte, die sicher nicht nur für Disney-Philosophie stehen und wohl von anderen Studios ähnlich gesehen werden, klingen dennoch ernüchternd und deprimierend. Gerade weil sie aus Richtung eines Studios kommen, das sich immer wieder die Wichtigkeit der Story auf die Fahnen geschrieben hatte.

Billy Wilder sagte einst: ““There are three things you need to make a good movie; a good script, a good script and a good script.”

Hendrickson widerspricht Wilder deutlich:

“People say ‘It’s all about the story,’ When you’re making tentpole films, bullshit.” Hendrickson showed a chart of the top 12 all-time domestic grossers, and noted every one is a spectacle film. Of his own studio’s “Alice in Wonderland,” which is on the list, he said: “The story isn’t very good, but visual spectacle brought people in droves. And Johnny Depp didn’t hurt.”

Visual spectacle, he said, drives attendance in a film’s first few weekends. And unlike years past when a movie like “The Lion King” might stay in theaters as long as a year, almost all movies are out of theaters quickly now. “Once you’re out of theaters your maximum profit potential is over,” he said.

Und irgendwie musste ich gerade an mein Interview mit Jon Favreau zu Cowboys & Aliens denken, bei dem ich ihn fragte, ob es auch an der politischen Lage läge, dass Filme mit bösartigen Alien-Invasoren gerade wieder Konjunktur haben. Seine Antwort war sinngemäss: “Heutzutage werden Filme weltweit vermarktet und man muss aufpassen niemandem auf die Füsse zu treten, deswegen sind Aliens tolle Schurken, weil die jeder hassen kann ohne dass sich irgendjemand beleidigt fühlt.”

Marketing 10 Punkte. Drehbuch: 0

In : Features, Thema

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

15 Comments

  1. Jet Strajker

    Filme, die der Narrationswut verfallen sind und nur an irgendeiner Geschichte kleben, finde ich in der Regel eher langweilig, umso mehr in Zeiten, in denen Storytelling-Handwerk ohnehin verlernt scheint.

  2. bekay

    Das ist ja un-er-hört! :P

    Ich find’s super: Wenn sie das Konzept noch etwas weiterverfolgen, sind Blockbuster endlich die neuen Experimentalfilme…

  3. Jet Strajker

    Da stimme ich bekay ausnahmsweise mal zu. :D

  4. Tomsen

    *Klugscheißeralarm*

    Nicht Hitchcock sagte “There are three things you need to make a good movie; a good script, a good script and a good script”, sondern Billy Wilder!

  5. Grundewick

    Hm, deshalb hab ich sowieso immer weniger Bock mir Blockbuster. Mir bleiben nur noch die Serien amerikanischer PayTV-Sendern.

  6. Batzman (Oliver Lysiak)

    @Tomsen

    Ist korrigiert. Danke.

    @Jet

    Sieht man ja wo der Verzicht auf Story hinführt. Da kommt dann sowas bei raus wie Transformers 1-3, Tree of Life oder Enter the Void. Wäre dringend dafür, dass solche Werke zukünftig als Videoinstallation oder direkt als Bildschirmschoner veröffentlicht werden, aber nicht mehr als Film.

  7. Picknicker

    woah, woah, woah….transformers 1-3 mit tree of life und enter the void vergleichen? seriously? und letztere sind keine filme?!?
    ich finde es sehr sehr schade, dass leute sich mittlerweile offenbar null auf filme einlassen können oder wollen, die mal zur abwechslung keine 100% stringente narration haben und nach dem gleichen 3-akt prinzip wie 99% aller anderen filme aufgebaut sind. tree of life und enter the void haben ja in diesem bereich für viele diskussionen gesorgt. frage mich ob kubricks 2001 dann heute auch gleich ins museum verbannt worden wäre?!? finde zwischen solchen sachen und ner videoinstallation besteht doch noch ein extrem großer unterschied. schade, dass das heutige kinopublikum da offensichtlich so verschlossen gegenüber neuem ist….

    ansonsten: was in dem artikel gesagt wird, bestätigt ja nur die aktuelle entwicklung. die studios buttern ordentlich kohle in ihre großen blockbusterproduktionen, so dass das spektakel möglichst groß ist. so finden die filme weltweit ein riesen publikum und werfen wieder ordentlich scheine ab. ne story gibt es zwar, aber da kann ruhig ein bisschen budget eingespart werden. raus kommen dann eben die ziemlich sinnfreien sommerblobckbuster, wie wir sie dieses jahr gesehen haben (z.b. sucker punch oder transformers). ab und zu gibt es vielleicht mal eine positive ausnahme, aber ansonsten wird man sich dran gewöhnen müssen, dass große blockbusterfilme, was story oder künstlerischen anspruch (abgesehen vielleicht vom visuellen) angeht, immer weniger zu bieten haben werden.

  8. mein Senf

    @Batzman:
    Welche politische Lage meintest du denn in deiner Frage? Globalisierung?

  9. Batzman (Oliver Lysiak)

    @Senf
    Es gab mal eine Zeit da waren Alien-Invasionen alegorisch zu lesen, wenn man sich die Invasionsfilme der Kalten Kriegs-Ära anschaut, verglichen mit den “Wir müssen die Aliens nur verstehen”-Filmen der 80er Jahre. Insofern wäre es interessant gewesen, wenn es keine Marketing-Entscheidung wäre – zumal der Film ja Rassismus und Vorurteilen innerhalb der amerikanischen Bevölkerung zumindest beiläufig thematisiert.

  10. tobi

    Enter the Void & Tree of Life werden mit Transformers I bis III in einen Topf geworfen. Schwach, schwach Mr. Batzman. Und das auf einer Internetseite, die sich mit Filmen beschäftigt.

  11. kinokumpel

    Hendricksons Aussagen sind aus der Marketing-Perspektive verständlich, aus Filmliebhaber-Perspektive bedenklich. Ich mache mir in diesem Kontext auch Sorgen um Pixar. Sichere Einnahmen durch endlose Fortsetzungen (Toy Story 4? Bitte nicht!), Ausdünnung der Storys im Tausch gegen möglichst viele platte, lustige Figuren, die man dann über Happy Meals bei McDoof verticken kann… Ich hoffe, Pixar bleibt ein Rest Kreativität und Sinn für gute Geschichten erhalten. Mal sehen, was uns mit “Brave” erwartet.

  12. mein Senf

    @Batzman:
    Ah, okay. Möglicherweise hat dir Jon Favreau unfreiwillig doch eine Art Antwort auf deine Frage gegeben:

    In der weitgehend entideologisierten Welt des globalisierten Kapitalismus taugen Aliens einfach nicht mehr als Metaphern für böse Russen oder linke Apeasementpolitik. Die politische Komponente eines künstlerischen Sendungsbewusstseins wird durch eine martkwirtschaftliche ersetzt.

  13. Silent Rocco

    Wundert’s echt, dass ein schmieriger Großkonzern, der schon lange nix Tolles mehr zu Stande gebracht hat, so eine Scheiße von sich lässt? Nein. Business-Laberei aus einer Business-Fabrik. Völlig verständlich.

  14. jim

    In den letzten 20 Jahren(seit aufkommen des Internets) ist inzwischen jeder einzelne Consumer stark gefordert ,sich selbst zu zensieren – bezüglich was an Film,Fernseh und Webangebot auf ihn lauert*.Qualität in der(Film)kunst ist immer bewußtseinserweiternd – kann aber in der heutigen Zeit auch zur Lobotomie führen – und wie gesagt – inzwischen ist jeder für sich selbst verantwortlich mit was er seine Sinne füttert,und man kann nicht mehr wirklich einen Schuldigen dafür ausmachen.Das ist die gute Nachricht…

    *PC Games sind hier nochmal Unterthema.

  15. jim

    kurzer Nachsatz…”kann aber in der heutigen Zeit auch zur Lobotomie führen”
    bei unwirschem Medienkonsumverhalten – versteht sich….

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14