Features Review

Minireviews: Blue Valentine, Film Socialisme, Midnight in Paris, Herzensbrecher & FFF2011 Nachschlag: The Woman & Cold Fish

Standard, 8. 9. 2011, Jet Strajker, 34 Kommentare

Blue Valentine (USA 2010)
[rating:2]

Bemerkenswert gespieltes Liebesmelodram, im Wesentlichen dem Duktus des US-amerikanischen Independent-Kinos verpflichtet (Shaky Cam, grober Schnitt, symbolbehaftete Alltagsbilder), zuweilen eindrucksvoll in der Verzahnung seiner Zeitebenen. Inhaltlich fällt Regisseur Derek Cianfrance hingegen nicht viel mehr ein, als lediglich heterosexuelle Beziehungsstandards anzuhäufen und diese dem kommoden Verlauf einer unglückseligen Liebe entsprechend aufzureihen: Zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt turteln, vögeln und entzweien sich Ryan Gosling und Michelle Williams bis zum bitteren Ende in einer auf Ultrarealismus kupierten Geschichte „wie aus dem Leben“. Das ist wenig profund und weitgehend belanglos, genauso wie sicherlich vollkommen unproblematisch und legitim – wirft dann aber gleichwohl die Frage auf, warum es eben nun ausgerechnet auch noch dieses einhunderttausendste Beziehungsdrama überforderter Endzwanziger gebraucht hat. In der Art, wie sich „Blue Valentine“ gegenüber seinen Figuren positioniert (genervte Zicke vs. liebebedürftiger Verlierer), erscheint der Film überdies mitunter unangenehm befangen.

Film Socialisme (F 2010)
[rating:3]

Fragmentarisch, essayistisch, assoziativ, dialektisch und leicht senil, irgendwas davon wird schon stimmen. Eindrucksvoll montiert ist er ja, Jean-Luc Godards erhabener Gedankenstrom in 16:9, HD und überaus faszinierend gemischtem 5.1-Ton. Und in gewisser Hinsicht hat das geballte Thesendreschen den Anstrich einer harmonischen Paarung all der emotionalen und intellektuellen Manierismen Godards als Abschlusscollage, aus der man vieles schon kennt, die Haltung zu den Juden in Hollywood genauso wie den Hang zum Kulturpessimismus („Quo vadis Europa“). Nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt, dass „Film Socialisme“ womöglich die letzte Arbeit des Regisseurs bleiben wird, hinterlassen deren radikale Mosaike einen bestimmten Eindruck: Dies ist vielleicht der konsequenteste Godard-Film, den Godard noch hätte drehen können. Danach kann, danach muss Schluss sein. „NO COMMENT“.

Midnight in Paris (USA/S 2011)
[rating:1.5]

Nach großzügigem Cannes-Buzz, begeisterten Feuilletonarien und sogar klingelnden Kinokassen versprach „Midnight in Paris“ einen Woody Allen in alter Form, bestenfalls sogar in Tradition seiner filmreflexiven Vergnüglichkeiten à la „Purple Rose of Cairo“. Erwartung vergebens. Auch im alten Europa, das Allen zuletzt noch einmal zu später Frische anregte (so frisch ein Film von ihm eben sein kann), haben nun erneut Altherrenulk und formale Lethargie den Regisseur fest in ihrer Hand. Mit der Idee, Owen Wilson als Woodys Alter Ego auf berühmte historische Persönlichkeiten aus Kunst, Musik und Literatur treffen zu lassen, weiß der Film nichts anzufangen. Statt einen künstlerisch diskursiven Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu eröffnen, betreibt Allen ausschließlich Namedropping. Übrig bleibt ein einziger Leerlauf zwischen Paris-Postkartenstrecke und „gewitzten“ Beziehungsproblemchen – eine müde pointierte, betagte Komödie für Bildungsbürger jedweder Couleur, in der es wieder einmal um rein gar nichts geht.

Herzensbrecher (OT: Les amours imaginaires, CDN 2010)
[rating:2]

Herzensbrecher, oder: Wie drehe ich einen Nahaufnahmenfilm über das Verlangen nach Liebe. Ästhetizistisch schwul bis Anschlag, Dauerkniefälle vor der Nouvelle Vague, Song-Montagen noch und nöcher. Und im Leben im geht’s oft her wie in einem Film von Rohmer, zumindest wenn man den verlaberten Nichtproblemen aller Figuren Glauben schenken darf. In der Konstruktion einer Ménage à trois aus Eifersüchteleien, Sehnsüchten und Identitätsdurcheinander ähnlich Bernardo Bertoluccis „The Dreamers“ oder Christophe Honorés „Les Chansons d’amour“, deren Hauptdarsteller Louis Garrel hier einen Cameo als Spiegelbild des obskuren Objekts der Begierde absolviert. Da Xavier Dolan, der den Film geschrieben, inszeniert, produziert, geschnitten und teilausgestattet hat (die Hauptrolle übernahm er freilich auch noch), mit seinen gerade mal 21 Jahren so eine verdammt geile Sau ist, haben die Boys und Girls hier immer was zu gucken. Erträglich wird dieses unverhältnismäßig exponierte Slow-Mo-Klagelied übersättigter Hipster-Twentysomethings deshalb zwar noch nicht, mit Dolans zusammengeklaubter narzisstischer Bildsprache weht derzeit aber bezeichnenderweise wohl trotzdem der frischste Wind durchs Queer Cinema.

The Woman (USA 2011)
[rating:4]

Ein rohes Stück Film, das von Regisseur Lucky McKee und Horrorautor Jack Ketchum zunächst als Quasi-Sequel zu Andrew van den Houtens „Offspring“ konzipiert wurde, schlussendlich aber lediglich dessen Sujet vom unzivilisierten Menschen erneut aufgreift, um es zu einem bitterbösen und tiefschwarzen Schocker neu zu verarbeiten. Im Kern erweist sich „The Woman“ trotz vordergründiger Zugeständnisse an die von Suspense gelenkte Dramaturgie des Thrillers als gleichsam pervertiertes Melodram über die Stellung des Patriarchen in heutigen Mittelstandsfamilien. McKee, der hier nach seinem unterschätzten Horrordrama „May“ (sowie „The Woods“ und „Sick Girl“) erneut mit Angela Bettis zusammenarbeitet, inszeniert diesen Alptraum von einem Film mit einer fast beiläufigen Gelassenheit, die schnell die alles andere als unauffälligen oder schmucklosen Kabinettstückchen – und auch die komischen Elemente – seiner Regie übersehen lässt. Dass „The Woman“ einige ungemein spannende theoretische Fragen über Gesellschaftsordnung im Allgemeinen und Geschlechterrollen im Besonderen verhandelt, darf schon nach einmaliger Sichtung zurecht vermutet werden – blickgetrübt letztlich durch einen grotesk-genialen Schlussakt, der jeden Ansatz vom Kopf weg in Mark und Bein verlagert.

Cold Fish (OT: Tsumetai nettaigyo, J 2010)
[rating:0.5]

Gebündelter Schwachsinn von Japans angeblichem Regiewunderkind Sion Sono, das bisher mit stilistisch aufregenden, gern aber auch übersättigten und zuweilen zynisch-dümmlichen Filmen weltweit die Herzen der Cinephilen eroberte. „Cold Fish“, geboren aus der krankhaften Idee, Menschen so lange erniedrigen zu müssen, bis diese einmal über sich selbst hinauszuwachsen imstande sind („Life is pain.“… so, so), ist psychologisch hanebüchener Mumpitz im üblichem Provokationsgestus, hinter dessen vordergründiger Kunstbeflissenheit sich einzig Stumpfsinn und Idiotie verschanzt haben. Die allein auf perverse menschliche Konflikte ausgerichtete Geschichte und ihre entsprechend spastische Inszenierung sind nichts außer widerwärtig und argumentieren stets über obszöne Gewalttätigkeiten, die in keinem Verhältnis zu einem erkennbaren, annähernd geistvollen Konzept oder Interesse an irgendeiner Form von Menschlichkeit stehen. Eine filmische Abart für Minder- bemittelte, 150 Minuten Gleichgültigkeit. Dieser Sono kann mich mal kreuzweise.

You Might Also Want To Read

Hot Fuzz

12. 6. 2007

Tenacious D: The Pick of Destiny (Kings of Rock)

19. 2. 2007

NVA

27. 7. 2006

34 Kommentare

  • Reply Silent Rocco 8. 9. 2011 at 21:25

    Nach Deiner Kritik freu‘ ich mich richtig auf Cold Fish :) Der scheint super zu sein. Scheinst ja allgemein eher schlechte Laune bei dieser Runde gehabt zu haben. Midnight in Paris – 1 1/2 Sterne? Richtig schlechte Laune.

  • Reply El_Skeletto 8. 9. 2011 at 22:35

    Blue Valentine hat mir gut gefallen. Keine besonders außergewöhnliche Ausgangssituation zwar, aber schön konsequentes Ende und die grandios zu den Bildern passenden Instrumentals von Grizzly Bear.

    Und dann der eruptive Abspann, diametral entgegengesetzt zur finalen Gefühlslage des Zuschauers. Hat mich alles überzeugt. :)

  • Reply Alex 8. 9. 2011 at 22:43

    Sion Sono’s letzter Film „love exposure“ der eine laufzeit von ca. 4std hat, hätte man um gute 2std kürzen können, besonders die 2. Hälfte war nervig. In den letzten 100 Minuten unterhalten sich die Figuren nicht mehr, sondern schreien nur noch weinerlich. Dabei hat mir Suicide Circle ziemlich gut gefallen und hatte auch Hoffnungen das der Regisseur sich steigert. Aber mittlerweile kommt es mir vor ,als ober sich nur noch auf seine künstlerischen Lorbeeren ausruht, und einen bizarren Trip nach dem anderen inszeniert. Der Vergleich mit Miike ist da nicht ganz abwegig, seine Filme sind auch eher „Hit & Miss“, aber alle 3-4 Jahre kommt bei der Masse auch mal ein guter Film raus.

  • Reply MTA 8. 9. 2011 at 23:09

    Immer wieder interessant, wie weit die Meinungen auseinander gehen können. „Blue Valentine“ ist für mich eins der absoluten Highlights des Filmjahres. Fast schon schmerzhaft realistisch inszeniert und intensiv und glaubhaft gespielt wird da das Scheitern einer Ehe seziert, dramaturgisch hochinteressant parallel montiert mit der Geschichte des Kennenlernens der beiden. Für Pärchen sicherlich das Feel-Bad-Movie des Jahres!

  • Reply Igby 9. 9. 2011 at 0:43

    Schließe mich an: ‚Blue Valentine‘ war für mich auch einer der bislan besten und intensivsten Filme des Jahres – aber jedem seine Meinung. ‚Midnight in Paris‘ ist dagegen tatsächlich ein arg schnarchiger Quatschfilm – der aus seiner gar nicht mal so und interessanten Prämisse rein gar nichts macht.

  • Reply Martin Sane 9. 9. 2011 at 0:50

    Glückwunsch! Erstaunlich wie man mit soviel pseudo-intellektuellem Geschwafel so wenig sagen kann. Aber vielleicht ist es ja zuviel verlangt von Dir mal zu erfahren worum es in einem Film eigentlich geht. In der Politik wärst Du sicherlich besser aufgehoben.

  • Reply Jet Strajker 9. 9. 2011 at 1:06

    Jedes Mal das gleiche Getrolle. *schnarch*

    Inhaltsangaben gehören in die IMDB, ofdb oder auf die Rückseite von DVDs, aber nicht in Filmkritiken, geschweige denn in MINIreviews.

  • Reply Martin Sane 9. 9. 2011 at 3:28

    Hast in Recht. In Mini-Reviews gehört gequollener Quatsch wie
    „Ein rohes Stück Film, das von Regisseur Lucky McKee und Horrorautor Jack Ketchum zunächst als Quasi-Sequel zu Andrew van den Houtens “Offspring” konzipiert wurde, schlussendlich aber lediglich dessen Sujet vom unzivilisierten Menschen erneut aufgreift, um es zu einem bitterbösen und tiefschwarzen Schocker neu zu verarbeiten“
    oder
    „Im Kern erweist sich “The Woman” trotz vordergründiger Zugeständnisse an die von Suspense gelenkte Dramaturgie des Thrillers als gleichsam pervertiertes Melodram über die Stellung des Patriarchen in heutigen Mittelstandsfamilien.“
    Schon krass wieviel Platz 2 Sätze wegnehmen, was? Wenn das doch bloß kürzer ginge…
    Aber dann würden sich die zwei ZEIT- Feuilleton- Leser die sich hierher verirrt haben keinen runter ho…ich meine natürlich sich nicht orgastisch entzückt an Deiner Filmkritik laben können.
    Anscheinend bin ich ja nicht der Einzige den das nervt. Es ist eine Sache ob mir Dein Stil zu schreiben gefällt. Bei Gott, er tut es nicht. Aber ich maße mir nicht an Dir einen neuen oder anderen Stil aufzuschwätzen. Allerdings sollte man schon erwarten können dass Informationen mitgeteilt werden die auch jemand verstehen kann der nicht Filmwissenschaften studiert hat.
    Schließlich würde man annehmen dass Ihr den Blog auch ein wenig für uns gemacht habt. Wenn Du sie nur für Dich schreibst weil Du gerne sehr lange Sätze mit sehr vielen Fremdwörtern baust erkenne ich erschreckende Parallelen zu „…ist psychologisch hanebüchener Mumpitz im üblichem Provokationsgestus, hinter dessen vordergründiger Kunstbeflissenheit sich einzig Stumpfsinn und Idiotie verschanzt haben.“
    Sollte das zuviel verlangt sein dann lass doch einfach Batzmann die Mini-Reviews schreiben, da erfährt man in weniger Worten 10x mehr.
    Und ich hoffe da kommt jetzt mehr als „brauchste ja nicht zu lesen“ als Antwort. Ich will jetzt hier niemandem dumm kommen, aber mit Kritik konnten hier bisher nur die wenigsten umgehen.

    Peace

  • Reply Hans 9. 9. 2011 at 8:38

    Warum verwechseln Leute wie Martin Kritik mit Beleidigung? Und verlangen sie „mit Kritik umgehen zu können“ während sie selbst bei Kritik wie von ner Wespe gestochen reagieren? Fragen über Fragen.

  • Reply dL 9. 9. 2011 at 9:15

    „Es ist eine Sache ob mir Dein Stil zu schreiben gefällt. Bei Gott, er tut es nicht.“

    Das verdient leider nicht mehr als ein „brauchste ja nicht lesen“. Auch wenn’s dir nicht passt Martin. Kein Schwein zwingt dich hier zu lesen und das Internet ist groß. Auf, auf, mein kleiner Freund!

  • Reply Tino 9. 9. 2011 at 9:52

    Mir gefällt die Anmerkung von Martin. Ehrlich und konstruktiv. Eine Kritik sollte sich klar und einfach lesen lassen. Sie sollte verschiedene Bildungsschichten ansprechen.
    Es ist eher eine Kunst Wissen und Meinungen so zu vermitteln, dass Sie der breiten Öffentlichkeit sofort und klar zugänglich ist. Und auch wenn man den Inhalt durchaus versteht, ertappe ich mich öfter dabei Sätze von Jet 2-3 mal zu lesen um die Verschachtelungen komplett zu entwirren.
    Das ist kein Angriff…sondern eine Meinung von mir.

  • Reply Fury 900 9. 9. 2011 at 11:18

    Ach, bei Jets Reviews braucht man eh nicht auf den Inhalt achten. Wichtig sind die Sterne. Je weniger Sterne er gibt, umso besser ist der Film. Wer seine Reviews liest, ist selber schuld, wenn er sich in deren narzisstisch-prätentiösen Gefilden verirrt. Also Martin, guck auf die Sterne: sind es viel, dann lieber meiden. Sind es wenig, dann rein, denn dann erwartet dich ein kleines Meisterwerk!

  • Reply Martin Sane 9. 9. 2011 at 13:38

    @ #9: ich fühle mich in keinster Weise beleidigt und hoffe ich ich habe genausowenig Jet oder sonst irgend jemanden beleidigt. Ich denke mit ein wenig Sarkasmus wird er schon umgehen können. Sind nämlich zwei verschiedene Dinge, Beleidigung und Sarkasmus, lieber Hans.

    @ #10: Aaah, der Eine der beiden Zeit-Feuilleton-Leser! Ich bin mal so geduldig und erkläre Dir warum das absoluter Quatsch ist was Du da geschrieben hast:
    1. Ich habe das Recht zu lesen was ich will. Ich mag diesen Blog. Ich will etwas über diesen Film erfahren. Ich will die Kritik lesen. Fertig. Mein Recht.
    2. Ich habe das Recht etwas nicht zu mögen wenn ich es nicht will.
    3. Ich habe das Recht meine Meinung zu äußern wenn ich es will.
    4. Dieser Blog lebt unter anderem auch davon davon dass sich Leute austauschen und über Film im weitesten Sinne diskutieren können.
    5. Kommentare wie „Dann lies es halt nicht“, „Deine Mutter vielleicht“ oder „Ich weiß wo Du wohnst“ sind nicht nur unkonstruktiv, sondern schlichtweg dumm (allerdings hast Du das Recht dazu, s.o.).
    Jet muss sich wie jeder andere der etwas veröffentlicht der Kritik seiner in dem Fall Leser stellen. Und das weiß er natürlich und ich denke mal ihm fällt mehr dazu ein als „dann lies wo anders“. Falls er hier überhaupt nochmal was dazu sagt.

    @ #11 + #12: Ich glaube zu Dritt gilt das schon als Demo ;-)

    @ Jet: Wie im vorherigen Comment erwähnt sollte eine Kritik meiner Meinung nach eine goldene Mitte anstreben was Verständlichkeit und die Art und Weise in der Inhalte (so wie die Inhalte selbst) kommuniziert werden angeht. Dein Stil ist so speziell dass nur die wenigsten Normalsterblichen irgendetwas daraus ziehen können. Mag aber durchaus sein dass bei 5 Filmfreunden einer auch diese Sparte abdecken muss. So oder so, man kann es nicht allen Recht machen. Daher mein Vorschlag: Mach keine Review zu Filmen zu denen nicht noch mindestens ein weiter Filmfreund etwas schreibt. So könnte eventuell dann doch allen gedient sein.

  • Reply Jet Strajker 9. 9. 2011 at 14:24

    Lieber Herr (In)Sane,

    Ignoriere bitte meine Beiträge künftig, damit ist uns beiden gedient.

    Ich werde meinen „speziellen Stil“ ganz bestimmt nicht für Leser wie Dich ändern, die offenbar zu faul, nicht gewillt oder unfähig sind, Sätze oberhalb des McDonald’s-Kinomagazin-Niveaus zu verstehen, geschweige denn überhaupt inhaltliche Diskussionen führen wollen, um sich lieber am bösen, bösen intellektuellen (ich empfehle ausdrücklich die Lektüre eines tatsächlichen filmwissenschaftlichen Textes, um zu merken, wie unsinnig obiges Statement war) „Geschwurbel“ (beliebtes Wort bei Leuten, die etwas nicht verstehen oder verstehen wollen) laben zu können.

    Der (leicht anmaßende) Vorschlag im vorherigen Posting ist natürlich vollkommen sinnlos, da eben jeder Filmfreund verschiedene Bereiche abdeckt (von mir aus kannst Du mich gern unter pseudointellektuell abheften, dann weißt Du zumindest, welche Schublade hier für Dich geschlossen bleiben kann). Es ist sehr unwahrscheinlich, dass einer meiner hochgeschätzten Filmfreundekollegen hier einen Film wie z.B. den letzten Godard schauen würde, deshalb bespreche ich ihn lieber kurz, als dass er er gar keine Erwähnung findet.

    Die Art der Übertreibung, mit der Du meine Texte hier als unlesbare, vollkommen kryptische und geradezu gefährlich skandalöse (was fällt mir nur ein! ungeheuerlich!) Werke auszuweisen versuchst, hat mir aber dennoch ein Schmunzeln entlockt, das sei noch hinzugefügt.

    Letztlich ist es dann eben doch so profan wie oben schon geschrieben: Wenn’s Dir nicht passt, dann lies es nicht. Jeder Filmfreund kann hier posten was er möchte und wie er es möchte, daraus entsteht im Prinzip ein meinungsvielfältiger Filmblog, der bestenfalls verschiedene Lesergruppen anspricht, von der jede für sich entscheiden kann, was sie mitnimmt oder was nicht, was sie interessiert oder was sie nicht interessiert, was sie liest oder was sie nicht liest. Deshalb sind es 5 Filmfreunde. 5 verschiedene Geschmäcker, 5 verschiedene Stile, 5 verschiedene Möglichkeiten, sich als Leser zu orientieren.

    Dir rate ich wie schon erwähnt: Bitte weiterklicken bei meinen Postings. Spart Zeit und Nerven, und schafft außerdem Platz für wesentlich interessantere Diskussionen. Und da ich hier auch keinerlei Rechenschaft schuldig bin, wird das nun auch das endgültig letzte Mal gewesen sein, dass ich dazu etwas schreibe (hatten wir nämlich alles schon dutzendfach).

    Hochachtungsvoll,
    Dein Jet

  • Reply Ferris Bueller 9. 9. 2011 at 14:38

    Mensch Martin, weißte nicht, dass die Filmfreunde nicht besonders empfänglich sind für Kritik von Leser-Seite, ganz besonders Jet nicht?

  • Reply Jet Strajker 9. 9. 2011 at 14:40

    Einmal Diva, immer Diva!

  • Reply tobi 9. 9. 2011 at 14:41

    @ Martin Sane (#8)

    “Ein rohes Stück Film, das von Regisseur Lucky McKee und Horrorautor Jack Ketchum zunächst als Quasi-Sequel zu Andrew van den Houtens “Offspring” konzipiert wurde, schlussendlich aber lediglich dessen Sujet vom unzivilisierten Menschen erneut aufgreift, um es zu einem bitterbösen und tiefschwarzen Schocker neu zu verarbeiten”
    oder
    “Im Kern erweist sich “The Woman” trotz vordergründiger Zugeständnisse an die von Suspense gelenkte Dramaturgie des Thrillers als gleichsam pervertiertes Melodram über die Stellung des Patriarchen in heutigen Mittelstandsfamilien.”

    Was gibt es an den Sätzen nicht zu verstehen? Wer das hier nicht versteht, sollte dann auch keine Wörter wie „pseudo-intellektuell“ benutzen, weil bei so jemanden die Gefahr besteht, dass er gar nicht weiß, was das Wort eigentlich wirklich bedeutet. Übrigends ziemlich billig, verallgemeinernd & unsachlich jemanden vorzuwerfen er schreibe nur für „ZEIT-Leser“.

  • Reply And the Lord spoke 9. 9. 2011 at 15:25

    “Im Kern (…) gleichsam pervertiertes Melodram über die Stellung des Patriarchen in heutigen Mittelstandsfamilien.“

    Lässt im Übrigen auch problemlos unter COLD FISH setzen, der ja aber – aus Gründen die wohl nur der Rezensent kennt, aber nicht artikulieren konnte – durchgefallen ist. Aber bei Jet kommen Film-Beurteilen ja aus dem Bauch und nicht aus dem Kopf heraus.

  • Reply Jet Strajker 9. 9. 2011 at 15:36

    Klingt, als sei das etwas Verwerfliches. Würde ja aber auf jeden Fall den Vorwurf des Verkopftseins hinfällig machen, es sei denn, die Hirnzellen liegen neuerdings im Bauch.

  • Reply Martinmartin 9. 9. 2011 at 17:52

    Ich finde es nur erstrebenswert, dass Filme wieder mehr „aus dem Bauch heraus“, wie du so schön sagst, beurteilt werden. Bedeutet ja nicht, dass man sein Gehirn während des Schauens auf Standby schalten muss; aber viel zu viele Kritikergehirne sind während des Filmes schon längst einen Schritt weiter bei ihrer Kritik, zumindest kommt mir das so vor, und bereits diese Ausgangssituation kann meiner Meinung nach die Wirkung eines Filmes schon enorm verfälschen.

  • Reply H.P. Lolcraft 9. 9. 2011 at 21:32

    Hab´ das „Woman“ Review mal übersetzt:

    „Ein brutaler Film, der von Regisseur Lucky McKee und Schriftsteller Jack Ketchum zunächst als Spin Off zu Andrew van den Houtens “Offspring” angelegt wurde, mit diesem aber kaum noch etwas zu tun hat. Gedreht wie ein herkömmlicher Thriller, ist der Film tatsächlich ein schockierendes Melodram über einen Mittelstandspapi. Wer auf Genderdiskussionen steht kann in den Film viel hineininterpretieren, alle anderen fahren einfach nur auf das abgedrehte Ende ab.“

  • Reply Jet Strajker 10. 9. 2011 at 0:46

    Das ist leider nicht richtig, ein Sequel ist z.B. kein Spin-Off.

  • Reply Doughnut 10. 9. 2011 at 11:54

    Mensch, Kinders, so kompliziert isses doch nun auch wieder nicht.

    The Woman:
    „Ein rohes Stück Film, das von Regisseur Lucky McKee und Horrorautor Jack Ketchum zunächst als Quasi-Sequel zu Andrew van den Houtens “Offspring” konzipiert wurde, schlussendlich aber lediglich dessen Sujet vom unzivilisierten Menschen erneut aufgreift, um es zu einem bitterbösen und tiefschwarzen Schocker neu zu verarbeiten. Im Kern erweist sich “The Woman” trotz vordergründiger Zugeständnisse an die von Suspense gelenkte Dramaturgie des Thrillers als gleichsam pervertiertes Melodram über die Stellung des Patriarchen in heutigen Mittelstandsfamilien.“

    noch ein „Übersetzungsversuch“ von mir, diesmal ohne irgendwelche Hintergedanken:
    „Ein in sich nicht ganz stimmiger Film mit Ecken und Kanten. Beim Anschauen meint man erst starke Ähnlichkeiten mit „Offspring“ (welche das sind, wird nicht erklärt) zu erkennen, doch im Endeffekt wird nur dessen Thema neu verwurstet und als Aufhänger für einen fiesen, zynischen Horrorschocker genutzt. Dieser Schocker hat die Dramaturgie eines Thrillers (was ja wohl genrebedingt selbstverständlich ist), will aber offenbar im Kern melodramatisch aufgeblasen irgendwas über patriarchische Familienverhältnisse in der heutigen Zeit erzählen.“

    Kommt das in etwa hin, Jet?

    Btw, ich mag Jets Kurzreviews, gerade weil die Sätze so verdammt viel Infos mit so wenigen Worten transportieren. Nur so nebenbei.
    Stimmt schon, man muss viele Sätze 2x lesen, dafür isses aber auch schön knackig kurz. ^^

  • Reply H.P. Lolcraft 10. 9. 2011 at 13:09

    Jet: Das ist aber eben kein Sequel, sondern ein Spin-Off. Gleiches Film bzw. Buch Universum, der Charakter der Frau, anonsten aber keine Fortführung der eigentlichen Geschichte.

  • Reply Jet Strajker 10. 9. 2011 at 13:29

    @H.P.:

    Ich habe auch nicht gesagt, dass er ein solches ist, sondern zunächst als solches konzipiert wurde, und das stimmt auch, denn angekündigt wurde er lange Zeit als Fortsetzung. Dass dem letztlich nicht so ist, schreibe ich ebenso.

  • Reply Martin Sane 10. 9. 2011 at 15:55

    @ Tobi:

    Danke Tobi dass Du Dir soviele Sorgen darüber machst was ich verstehe und was nicht. Leider verstehst Du nicht dass es mir in erster Linie darum geht, dass Jet nicht die Information mitteilt die wirklich interessieren bzw. so vage bliebt dass man sich mal so gar nichts darunter vorstellen kann. Kurzreview hin oder her. Und DAZU noch in diesem aufgeblasenem Stil der in kilometerlangen Satzkonstruktionen nicht zum Kern der Sache kommt.
    Und wenn Du den Satz mit den ZEIT-Lesern 1:1 für bare Münze nimmst kann ich da auch nichts für Dich tun.

    @ Jet

    Erschreckend arrogant und peinlich. Wenn ich bedenke dass Du hier lediglich ein paar kleine Kritiken in einem kleinen Blog schreibst kann ich nicht anders als mich für Dein überhebliches Gehabe zu schämen.

  • Reply Massltov 11. 9. 2011 at 0:11

    Bleibt mal entspannt und werdet nich zu persönlich :) ein Review oder eine Kritik kann immer nur subjektiv sein, wer sich mit dem Kritiker identifizieren kann, kann sich normal auch mehr auf seine Kritik verlassen. Niemand wird dadurch von einer eigenen Meinungsbildung abgehalten und niemand sollte die Meinung des anderen missbilligen (ich hab nich auf meinen Satzbau geachtet, also zerpflückt mich nich auch noch)
    Macht euch noch nen schönen Abend und genießt die letzten Sommertage

  • Reply tobi 11. 9. 2011 at 22:54

    @ Martin Sane
    Klar mach ich mir Sorgen um dich, so wie du dich hier auch um den Blog hier sorgst. Aber irgendwie habe ich bei dir Polemiker nicht das Gefühl, dass du wirklich sachlich diskuttieren willst.

  • Reply Silent Rocco 12. 9. 2011 at 1:02

    The Woman ist einfach mal zum Kotzen schlecht geschnitten (gerade beim Opening und leider auch zum Finale). Wenn es absichtlich so gemacht wurde, nur noch schlimmer. Ansonsten ein nettes rohes Ding, das bisweilen Spaß macht.

  • Reply Weltenbummler*in 15. 9. 2011 at 9:35

    Den „Midnight in Paris“ fand ich auch ganz grässlich. Das Motiv des intellektuellen Europas gegen die angeblich kulturlosen Amerikaner ist schon gänzlich ausgekaut, wird in diesem Fall nicht mal gewitzt umgesetzt, sondern banal von Allen präsentiert.
    Und kitschiger hätte man Paris wohl kaum inszenieren können, da gibt’s auch wesentlich schönere Stadtportraits, weil etwas zurückhaltender und somit natürlicher; wie zum Beispiel „Before Sunset“.

  • Reply Gummibärchen 19. 9. 2011 at 12:52

    Na, das verheißt ja nichts gutes für heute Abend. Werde mir „Midnight in Paris“ trotzdem mal anschauen…

  • Reply proton 22. 9. 2011 at 13:38

    Endlich wieder eine Diskussion um den Reviewer und dessen Wortwahl anstatt das reviewte Objekt (Film) selbst. Hatten wir ja lange nicht. ( Achtung! Ironie!)

    Und wie jedes Mal reagiert der Reviewer gleich:
    Den Kritiker anpöbeln. Sehr schön.

    Jedes Medium ( so auch dieser Blog) hat nur eine bestimmte Halbwertzeit in der aus „ich schreib gerne für meine Leser … Hoffentlich liests überhaupt einer“ zu „ich schreib wozu ich Bock habe… Nervt mich nicht“ wird. Leider sind die 5FF schon lange beim Letzteren angelangt.

    Ohne Leser kein Blog. Jet, Du pöbelst direkt Deine Leser an, die im obigen Falle sehr freundlich ein wenig Kritik üben. Du bist nicht so gut, dass Du Dir diese Allüren leisten darfst. Komm mal wieder runter, Du Diva. Früher fand ich Dich besser und lustiger. Da hast Du nicht alles persönlich genommen und noch Spaß am Schreiben.

  • Reply Doughnut 22. 9. 2011 at 20:48

    @ proton:
    So sieht also in der heutigen Zeit „Kritik“ aus, ja?:
    „Glückwunsch! Erstaunlich wie man mit soviel pseudo-intellektuellem Geschwafel so wenig sagen kann. Aber vielleicht ist es ja zuviel verlangt von Dir mal zu erfahren worum es in einem Film eigentlich geht. In der Politik wärst Du sicherlich besser aufgehoben.“

    3 Sätze:
    Der erste eine einzige Beleidigung, pseudo-intellektuell legt nahe, dass es intelligenter zu sein vorgibt als es ist oder sogar, dass der Autor also eigentlich zu doof ist für eine solch abstrakte Sprachwahl, Geschwafel ist auch nicht wirklich nett.
    Satz 2 ist einfach Blödsinn, denn ein !!!Kurzreview!!! bietet keinen Platz für Inhaltsangaben, die über das hinausgehen, was jeder hier ohne jeden Aufwand innerhalb von 5 Sekunden in Eigenrecherche ergoogeln kann (und bitte behauptet nicht, das wäre euch zu umständlich, ihr faulen Säcke :P ). Übrigens hat Jet diesen Umstand schon extrem oft, ja fast leierkastenartig wiederholt, wundert mich nicht, wenn er nach Satz 1 und ganz allgemein angesichts des offenbar mangelhaften Langzeitgedächtnisses einiger seiner Leser nict gewillt ist, das hier erneut zu wiederholen.
    Satz 3 ist dann nicht minder polemisch als Satz 1. Man könnte höchstens kritisieren, dass solches Gewäsch eigentlich überhaupt keine Antwort verdienen würde, aber wenn Jet danach zurückschießt, ist das nach der Provokation sein gutes Recht. ;)

    Übrigens, Martin Sane, sprich mit solchen dumpfen Schwachsinnsbotschaften wie „Allerdings sollte man schon erwarten können dass Informationen mitgeteilt werden die auch jemand verstehen kann der nicht Filmwissenschaften studiert hat.“ bitte nur für dich, denn ich hab keine Probleme, die ganzen „bösen“ Fremdwörter in Jets Text zu entziffern, und nein, ich lese nicht die Zeit und auch grundsätzlich keine Feuilletons.

    Das Einzige, was ich an Jets Reviews schwierig finde, ist die Menge an filmischem (nicht filmwissenschaftlichem!) Hintergrundwissen, die da aus jeder 2. Zeile raustrieft, in Form von Querverweisen auf andere Werke und Regisseure etc.. Das Wissen fehlt mir schlichtweg und deswegen versteh ich auch nicht alles, was er schreibt. Seine Zielleserschaft sind aber ganz sicher keine sich beim Lesen einen runterholenden pseudointellektuellen Zeit-Feuilleton-Leser, sondern einfach Leute, die Filme mögen und ein paar mehr davon gesehen haben als eine einfache Mainstreamnutte wie ich. ^^

  • Reply Bartel 24. 9. 2011 at 11:42

    FÜNF FILMFREUNDE – WO DIE WILDEN WEIBER WOHNEN…
    Ganz großes Kino das ihr hier in euren Kommentaren auffährt…habe mich mal wieder prächtig amüsiert während ich eine zerknüllt-missbrauchte ZEIT Ausgabe in der einen Faust halte während die andere Hand verschüchtert in Richtung Schritt wandert. Geil das alles!

  • Kommentar hinterlassen