Es wird wieder mal Zeit einen Blick auf die Serienneustarts der letzten Monate zu werfen:
Terra Nova – USA 2011
Erster Eindruck: 




Irgendwann in der Zukunft, die Menschheit hat die Erde verseucht. Die einzige Hoffnung auf einen Neuanfang liegt in der Vergangenheit. Mit einer Zeitmaschine werden Siedler in die Zeit der Dinosaurier (in einen parallelen Zeitstrahl um den Butterfly Effect zu vermeiden) zurückgeschickt um dort eine neue Kolonie aufzubauen.
Natürlich ist Spielberg schon lange kein Gütesiegel für erstklassige Unterhaltung mehr, doch zumindest im Kino hat er immer wieder seine lichten Momente und selbst mittelmässige Filme haben ihre coolen Szenen, die das Ansehen lohnen. Als TV-Produzent hat er leider oft ins Klo gegriffen. Das “United States of Tara” so gut war, lag wohl auch eher an Diablo Cody, als an Steven, der wenn man ihn alleine machen lässt seit Jahren nur Bildschirm-Schrott wie SeaQuestDSV, Taken oder das überproduzierte und unter-originell Twilight-Zone-Rip-Off “Amazing Stories” hervorbrachte. Zuletzt enttäuschte Falling Skies als Alien-Invasion-Serie – die hauptsächlich deshabel überraschte, weil ihr Budget anscheinend von Folge zu Folge kleiner wurde, bis das Season-Finale die Endscheidungsschlacht dann sogar im Off stattfinden ließ. Ein Schicksal das dieser Jurassic Park meets Swiss Family Robinson-Serie, deren Pilot angeblich alleine über 10 Millionen gekostet haben soll, auch drohen könnte. Denn die Stories sind noch abgeschmackter, sülziger und altbackener als bei Falling Skies und die Trickeffekte sehen 20 Jahre nach Jurassic Park stellenweise aus, wie von Asylum geborgt. Dafür das ernsthaft hohes Drama angepeilt wird, bleiben die Figuren in den ersten drei Folgen sehr dünn gezeichnet und an keiner Stelle blitzt der Spaß auf, den man von einer Serie die eine derart hanebüchene Prämisse hat, eigentlich erwarten würde.
Während bei Primeval, das mit einem Bruchteil des Budgets seine Spektakel inszenieren muss, trotz trashigem Charme und cheesigen Momenten immer der Spaß überwiegt, sich die Ereignisse überschlagen und die Figuren zum Mitfiebern einladen, zieht sich Terra Nova bislang sämig in die Länge und erzählt sein nichts von Story in Tropfstein-Geschwindigkeit. Die Familie ist stinklangweilig und wäre nicht Stephen Lang als knarziger Chef der Siedler und Christine Adams als Anführerin der Rebellen, gäbe es kaum Momente die das anschauen lohnen – am wenigsten die mit den Sauriern.
Torchwood: Miracle Day UK/USA 2011





Auf einen Schlag stirbt niemand mehr. Weltweit. Menschen bleiben verletzt und krank, doch egal wie schlecht es ihnen geht: Sie sterben nicht mehr. Was anfänglich als Wunder angesehen wird, entwickelt sich bald zum globalen Problem und Fall für die Reste von Torchwood, denn das Wunder hängt irgendwie mit Captain Jack Harkness
zusammen, der als einziger Mensch plötzlich sterblich ist.
Es gibt tatsächlich noch Wunder. Während Moffat Doctor Who zu einer peinlichen, billig-aussehenden Travestie werden lässt, zeigt RTD wie man es richtig macht. Mit deutlich höherem Budget und in Zusammenarbeit mit dem USA-Sender Starz schafft er es eine fulminante, nachdenkliche, spannende und immer wieder überraschende Staffel von Torchwood zu produzieren. Die Angst, dass die Serie ihren britischen Touch verlieren könnte, war zum Glück unbegründet – sie fühlt sich immer noch sehr nach BBC an, auch wenn sie in weiten Teilen in den USA spielt und die Cast US-Verstärkung erhielt. RTDs Erzählweise war vielleicht immer schon eher amerikanisch inspiriert, deswegen fügt sich die neue Story mit ihren multiplen Handlungsorten auch letztlich zu einem befriedigenden großen Ganzen zusammen. Auch wenn ein-zwei Folgen etwas schwächeln und als Detour dienen um auf 10 Episoden zu kommen (z.B. Die Heist-Folge oder die Flashback-Folge mit Jacks Ex-Geliebtem), bleibt ein faszinierendes TV-Erlebnis, das viele provozierende Fragen stellt.
RTD-typisch geht es natürlich auch immer wieder um das große Ganze, die ganz großen Gefühle, Konflikte und das Ende der Welt – doch dank des starken Ensembles, schillernder Gegner und ambivalenter Figuren (ein verstörend-guter Bill Pullman als pädophiler Kindermörder Owald Danes, Lauren Ambrose als PR-Frau from Hell) funktionieren sogar die schwächeren Episoden noch verdammt gut und schaffen es über die gesamte Laufzeit bei der Stange zu halten und zum Schluss ein neues, verändertes Torchwood-Team zu präsentieren, auf dessen weitere Abenteuer ich ziemlich gespannt bin.
Ringer – USA 2011
Erster Eindruck: 




Buffy is back. Bzw. Sarah-Michelle Gellar die in dieser Serie ein Zwillingspärchen spielt. Zwei Schwestern, die sich lange voneinander entfremdet haben. Als die eine bei einem Bootsunfall stirbt, ergreift die andere die Chance ihr verkorkstes Leben gegen das der Schwester zu tauschen…
Die Prämisse ist nicht so originell, wird allerdings ziemlich rasant umgesetzt. Ringer scheint zumindest einen Plan zu haben, wie die verschiedenen Mysterien aufgeklärt werden, die in den ersten Folgen auftreten und Gellar macht ihre Sache auch ziemlich gut, ebenso wie der Rest der Cast. Das Wechselspiel zwischen Screwball-Momenten und spannendem Drama und Thriller funktioniert ebenfalls nicht schlecht, auch wenn der letzte Funke zum wirklichen Must-Watch noch fehlt. Bisher liefert Ringer aber solide Serienunterhaltung ab und ich werde mal dabei bleiben und schauen, wie sich das ganze weiter entwickelt.
An Idiot abroad – UK 2010/11





Karl Pilkington wird von SKY ausgesandt um als Idiot auf Reisen die Wunder dieser Erde zu sehen (bzw. in Staffel 2 die Dinge zu erleben, die man im Leben gemacht haben sollte, ehe man stirbt). Als Natural Born Moaner der am liebsten nur seine Ruhe möchte, ist Karl natürlich prädestiniert dafür, von der Welt angenervt zu werden…
Ricky Gervais und Stephen Merchant sind die geborenen Sadisten. Die diebische Freude die sie verspüren, wenn sie ihren Kumpel Karl Pilkington rund um die Welt hetzen um ihn aus seiner Comfort-Zone zu bringen, ist teilweise schon etwas heftig. Umso mehr Spaß macht es dann Karl bei seinen Trips zu beobachten, wenn man ihn mit Weltwundern und fremden Kulturen konfrontiert. Und auch wenn der Titel es plakativ behauptet: Karl ist kein Idiot, denn in seinen Rants ist oft erstaunlich viel Wahrheit enthalten. Er traut sich auszusprechen, was jene die mit ehrfurchtsvollem Blick durch die Welt reisen, wohl nichtmal zu denken wagen. Dabei ist er nie bösartig oder herablassend gegenüber den Menschen auf die er trifft, sein Blick ist oft der eines Kindes, das überrascht und verblüfft reagiert, wenn die Dinge ihm zu fremdartig vorkommen. Karl bringt ein Level von Realität in das verstaube Reisereportage-Genre und erzeugt letztlich mehr Verständis für andere Kulturen, als es die üblichen Bildungsbürger Unterwegs zu vermitteln in der Lage sind.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Oktober 9th, 2011 •
- 29 Kommentare
- Schlagwörter: serienfieber, Steven Spielberg, Terra Nova, Torchwood
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