Kurzreviews: Contagion, Margin Call, Don’t be afraid of the dark (Review)

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Contagion – USA 2011
★★★☆☆

Eine Reisende kehrt aus Asien zurück und bringt eine Killergrippe mit die sich schnell ausbreitet und binnen weniger Tage Tausende Opfer fordert. Regierung, Wissenschaftler und Ordnungskräfte versuchen verzweifelt den Ausbruch unter Kontrolle zu bekommen.

Bei allen Stars und allem Aufwand fühlt sich Contagion doch insgesamt überraschend banal an. Irgendwo zwischen Outbreak und dem Galileo-Special zur Killergrippe, zieht sich der überlange Film ohne tatsächlich mitzureissen oder zu berühren. Keine der Figuren wirkt tatsächlich lebendig, alle sind überdeutlich durch ihre Funktion definiert.
Doch Funktionen lassen uns nicht mitfühlen. Wo im ähnlich gelagerten “And the band played on…” die Entdeckung des HIV-Virus und seine globalen Auswirkungen menschlich nachfühlbar vermittelt wurden, bleibt Contagion Herz- und Spannungsfreies Kino, das zwar halbwegs plausibel aber dennoch ohne eigentliche Story dahinplätschert und dramaturgisch mehr als einmal gehörig durchhängt.
Am Schlimmsten bleibt die durchgängige Unoriginalität, die den ganzen gängigen Todesviren-Szenarien überhaupt nichts hinzuzufügen hat und – das enttäuscht bei Soderbergh tatsächlich – beständig das Gefühl vermittelt, es auch nichtmal zu versuchen. Zwei drei sülzige Momente mit Matt Damon und Tochter, die wir im Grunde auch nicht kennenlernen und die erkennbar nur als “Human Interest” eingebaut sind, reichen nicht aus um die Dimension des Geschehens tatsächlich spürbar zu machen.

Contagion mag ausreichen um misstrauisch zu gucken, wenn das nächste Mal in der Ubahn jemand hustet – das wirkliche Grauen eines solchen Virenausbruchs, bleibt er trotz Millionen Toten letztlich schuldig.

Der große Crash – Margin Call – USA 2010
★★½☆☆

Die letzten 24 vor dem großen Börsencrash von 2008 in einer Lehmann-ähnlichen Großbank, deren Manager langsam realisieren, was die Stunde geschlagen hat.

Blendend besetzt mit einem hochspannenden Thema überrascht Margin Call hauptsächlich dadurch, wie klein er seine Story inszeniert, wie wenig mitreißend und spannend das Ganze letztlich doch wirkt. Spacey darf mal wieder etwas sympathischer spielen als in seinen letzten Werken, Quinto (der auch produziert hat) gibt den Rocket-Scientiest gone Banker mit überraschender Sanftheit und Jeremy Irons spielt mit sichtlicher Freude den überlebensgroßen Bankboss. Für sich genommen sind die schauspielerischen Leistungen alle sehr ansehnlich, auch Paul Bettany, Stanley Tucci und Demi Moore machen keine schlechte Figur – aber trotzdem bleibt der Eindruck von kleinlichem Geplänkel, das menschlich und inhaltlich eher kalt lässt.

Wer die Dokumentationen “Inside Job” oder “The Smartes Guys in the Room” gesehen hat, weiß wie spannend, packend und intellektuell wie emotional aufwühlend solche Stories erzählt werden können. Wenn in Margin Call nach anderhalb Stunden in denen missmutige Anzugträger in abgedunkelten Räumen zu melancholischer Musik gesprochen haben, versucht wird etwas bodenständige Emotion zu erzeugen, indem wir Spacey sehen, der seinen Hund beerdigt, dann verrät das viel über die Ratlosigkeit der Drehbuchschreiber, die sich anscheinend selbst nicht sicher waren, was sie jetzt genau sagen wollten.

Don’t be afraid of the dark – USA/Aus/Mex 2011
★★½☆☆

Im Keller eines Hauses lauert das Unheil auf eine Patchwork-Family, die mit ihrer Tochter gerade frisch eingezogen ist.

Das Hauptproblem dieses braven Remakes eines TV-Gruslers aus den frühen 70er, der sich redlich müht Gothic-Horror zu erzeugen, ist das er an keiner Stelle unheimlich, wirklich spannend oder überraschend ist. Ihn umweht museale Behäbigkeit die auch durch die solide Kameraarbeit, die hübsch getricksten Monsterchen und die wabernde Musik nicht wettgemacht wird.

Das jetzt die kleine Tochter statt der Frau des Hausbesitzers die verhängnisvolle Kaminklappe öffnet ist im Grunde schon der einzige Unterschied zum Vorgänger, der zumindest Retrocharme für sich verbuchen kann. Del Toro, der sich als Produzent mit dem Remake ein Kindheitstraum erfüllt, mag jetzt besser schlafen können – aber nur weil der vom Comiczeichner Troy Nixey dirigierte Streifen höchstens Neunjährigen zu wohliger Gänsehaut verhilft.

Dabei hat der überkandidelte Prolog noch den creepigsten Moment zu bieten, enthüllt aber gleichzeitig zuviel über die kleinen Monster, die verdammt an die Tooth Fairies aus Hellboy 2 erinnern. Sie sind aber leider eher possierlich als unheimlich und liefern im Grunde immer dieselben paar Krabbelroutinen ab. Was fehlt ist das mysteriöse, die Ungewissheit, denn im Grunde sind die Fronten klar sobald das muffige Mädel zu ihrem Vater ins Haus zieht. Die Dunkelheit macht hier keine Angst und auch die Figuren laden nicht zum Mitfiebern ein, zu blass bleibt der von Guy Pierce unentschlossen gespielte Vater, zu one-noted Katie Holmes als “Daddys neue Freundin, die es doch nur gut meint”. Und letztlich krankt der Film auch daran, dass ähnlich wie in Pans Labyrinth das kleine Mädchen nicht gerade eine mimische Offenbarung, sondern bestenfalls Durchschnitt ist und auch als Charakter eher unterentwickelt bleibt – Einige Szenen sind so hölzern und schwerfällig inszeniert, dass man der kleinen auch gleich ein Schild mit “Ich bin von der Scheidung meiner Eltern traumatisiert” hätte um den Hals hängen können.

Bot The Orphanage creepigen und stimmungsvollen Geistergrusel bis zur Auflösung, schläft Don’t be afraid of the dark leider auf vertrauten Pfaden ein und lässt uns nie vergessen, dass wir das alles schon oft viel spannender gesehen haben.

Ein paar Ehrenrettungspunkte gibts für die Ausstattung des Hauses, das wirkt wie Guillermo del Toros Crib-Besichtigung und ein Querschnitt durch den Hellboy und Pan-Fundus.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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10 Comments

  1. Binding

    Batzman, Du hast das Blogger-Bashing in “Contagion” gar nicht angesprochen. Der einzige Bösewicht in Soderberghs Film – abgesehen vom Virus – ist ja Jude Law, der mit seinem Blog Unheil stiftet! Keine Ahnung, wieso Soderbergh ihn so dämonisiert (inklusive aufgeklebtem Schiefzahn).

    Ich sehe es ansonsten ähnlich wie Du. Aber ich finde, dass der Film gerade durch seine dokumentarisch-nüchterne Art und das sehr realistische Durchspielen des biologischen Prozesses einen ziemlich kalt-beängstigenden Horror erzeugt. Jedenfalls könnte man ihn locker als Lehrfilm im Bio-Unterricht zeigen.

    SPOILER: Und dass die Hauptdarstellerinnen wegsterben wie die Fliegen, ist meiner Meinung nach auch eine erwähnenswerte Sache.

  2. Batzman (Oliver Lysiak)

    Das Blogger/Internet-Bashing war mir zu platt und doof um es noch zu erwähnen, ich hab mich allerdings auch gefragt ob Soderbergh mal von Harry Knowles die Freundin ausgespannt wurde ;)

    Das mit dem Lehrfilm in Biologie unterschreib ich, denn genau an sowas erinnerte mich der Streifen – da stand auch immer das didaktische Moment über dem Unterhaltungswert.

    Ob die Hauptdarstellerinnen wegsterben ist hingegen ziemlich egal, weil die eh allesamt keine Persönlichkeit hatten, als dass man da große emotional mitgehen würde. Allerdings ging ein Lachen durchs Kino als sie Gwyneth den Kopf aufgesägt haben.

  3. Binding

    SPOILER: Leider hat man aber nicht gesehen, wie ihr Hirn aussah – obwohl der Pathologe beim Anblick erschrocken ist.
    Als man das tote Kind sah, war die Grenze zur Komödie übrigens auch nur haarfein!

  4. Kahlcke

    Also ich fand den eigentlich gerade wegen des Dokucharakters sehr sehr fesselnd und schockierend, weil man sich halt die ganze Zeit denkt das es genau so passieren könnte. Ich bin froh das der Film bis auf den Matt Damon Part wenig Hollywood-Kitsch zu bieten hatte. Man muss mit den dargestellten Figuren gar nicht mitfühlen um sich in die Lage hineinversetzen zu können.

  5. tobi

    WAS, keine Melancholiareview?

  6. Igby

    …ich fand ‘margin call’ ziemlich gelungen: spannend, clever und berührend – und gebe hier mal kühn den tipp ab, dass zumindest das drehbuch oscar-nominiert wird. (soll heißen: nicht durch diese review vom ansehen abbringen lassen! cantagion war dagegen genauso, wie’s hier steht: banane.)

  7. Trantor

    @igby: Jedem seine Meinung, aber ich hab Margin Call gestern gesehen und bin eingeschlafen. Es tut. sich. einfach. nichts! Bevor ich den Film schaute, wusste ich nur, dass der Film die Finanzkrise als Hintergrund hat, mehr wußte ich nicht. Dass es keine Doku wie Inside Job (der großartig ist!) ist, dachte ich mir, als ich die Liste der Schauspieler sah. Also dachte ich, dass es entweder ein Wirtschaftsdrama a la “Wall Street” wird oder ein Thriller/Krimi, der den Hintergrund Finanzkrise hat. Er ist es beides nicht. So einfach.

    Warum ich das mit meinen Erwartungen schildere? Weil man nach 30 Minuten Rumgeplänkel denkt “ah, jetzt geht es los, es wird doch ein Thriller”. Und zwar wenn die Analysten, die von dem anbahnenden Kollaps wissen, zusammen in einen Raum geleitet werden. Da dachte ich “ahh, jetzt geht es los, die ersten 30 Minuten waren eine Einleitung und jetzt wird ein Wissender nach dem anderen vom skrupellosen Chef um die Ecke gebracht”. Aber: nix!

    Was schlimmer ist: man leidet null mit den Charakteren! “Company Men” war ziemlich genauso langatmig, aber da hat man mit den Personen mitgelitten, weil sie erstens dem Zuschauer nahe gebracht wurden und zweitens weil man manchen von ihnen die Existenzangst abnahm. Bei Margin Call hat aber KEINE einzige Person in KEINER einzigen Sekunden Existenzängste! Alle, ausnahmeslos ALLE werden im Film so hingestellt, dass ein Feuern bzw. der Untergang der Bank ärgerlich wäre, aber sie entweder bisher eh schon ausgesorgt haben oder aber durch ein Millionen Abfindungspaket nicht wirklich auf der Straße landen müssen.

    *Gähn*

  8. FF

    “Margin call” – das beste war noch der Einstieg. Der Leiter der Risiko-Abteilung wird gefeuert. Schöne Szene.
    Aber danach: der rapide Drive-Verlust. Ich dachte immerfort: Film steht, Film steht, Film steht. Für die dramatis personae geht’s letztlich um: nichts. Alle haben ihr Schäfchen ins Trockene gebracht. Hilfloses Ornament: die angepappte Story vom leberkranken Hund.
    Fazit: Tolle Schauspieler werden in einem müden, uninspirierten Drehbuch verheizt.

  9. FJF

    Margin Call war für mich einer der besten Wirtschaftsfilme seit Barbarians at the Gate. Sehr starke Schauspieler, gutes Drehbuch und kein zu großes Finanzblabla für Menschen die sich damit nicht auskennen. Was mir auch sehr gut gefiel war, dass es keine Verklärung gab: Keine zwielichtigen Bösewicht und auch keinen Moralapostel -wenn jetzt jemand auf Kevin Spacey deutet, sein Charakter war kein Moralapostel sondern hat nur auf die langfristigen Risiken für den Markt und die Firma hingewiesen. Klar, Margin Call ist ein ruhigerer Film als zB Wall Street 2 aber das macht ihn für mich auch so stark.

    Obwohl er sicherlich einiges Potential gehabt hätte, wird Margin Call wohl angesichts der geringen Aufmerksamkeit und wirklich miesen Zahlen in den USA, weniger Chancen auf Oscar-Nominierungen haben.

  10. Enttäuschend: Contagion | onsline

    […] diesem Lazarett”), Sarah und Gero waren ebenso wenig begeistert. Also halten wir es mit den Fünf Filmfreuden, die Contagion gerade einmal ein Kurzreview gönnen und damit auch schon alles auf den Punkt […]

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