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“I think I’m gonna be sick.”

Originaltitel: Twilight Saga: Breaking Dawn – Part 1, The
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Melissa Rosenberg
Darsteller: Kristen Stewart, Robert Pattinson, Taylor Lautner, Dakota Fanning

★★☆☆☆

Bella und Edward heiraten. Jacob ist mit der Gesamtsituation unzufrieden. Bella wird schwanger mit einem Monsterbaby. Werwölfe knurren. Über allen Wipfeln liegt Ruh. Warte nur, bald knurrest auch du.

Dem Klischee folgend, dass die Twilight-Serie sowieso nur für Mädchen gedacht ist, bleibt auch dieser Vorletzte Halbteil in erster Linie eine Variante von “Lass uns drüber reden” – lasst euch nicht täuschen von der Behauptung hier gäbe es mehr Action oder es würde mehr passieren, das ist eine gestörte Wahrnehmung die nur auf Grund der extrem gesenkten Erwartungshaltung durch die Vorgänger plausibel erscheint. Wenn man Stalaktiten beobachtet scheint jeder fallende Kieselstein irgendwann auch als nervenzerfetzender Actionmoment.

Trotz des Millionenerfolges bleibt das Budget der Twilight-Filme eher übersichtlich, was sich sowohl an der Anzahl der Locations, der Actionszenen sowie der Qualität der Spezialeffekte bemerkbar macht, die lediglich graduell besser ist als Teil 3.

Der Großteil des Films ist wie gehabt langwieriges Rumpalavern in und um das Haus der Cullens in dem sich Bella auf ihre Explosion vorbereitet. Bewährtes Soap-Feeling stellte sich ja schon bei Ansicht des Posters ein und ein Hauch von California Clan umweht auch stets die blassen Vampirdarsteller bei der Interpretation von Drei-Tage-Regenwetter beim Pauschalurlaub. Kristen Stewart sieht effektiv aus wie Christiane F. nach dem All-You-Can-Eat-Buffet, Edward schaut mit Darmgrippegesicht bedeutungsschwanger drein, Jacob behält sein Shirt zu oft an, ist aber bis zu seiner Prägung auch mal wieder der einzige zurechnungsfähige Charakter der Truppe, auch wenn Lautner nicht eben wesentlich mehr Gesichtsausdrücke hat als Pattinson.

Es passiert im Grunde genommen kaum etwas und über weite Strecken wird Zeit geschunden, weil Bellas Vampirisierung und die Geburt ja krampfhaft bis zum Ende aufgeschoben werden muss. Wirkte es beim Harry Potter-Zweiteiler noch halbwegs nachvollziehbar die umfangreiche Story aufzuteilen, dreht Twilights Erzählmotor so oft im Leerlauf, das deutlich wird wie sehr die Macher mit dem Marketingwunsch der Teilung gehadert haben. Die unnötig aufgepumpten Zänkereien mit dem Wolfsrudel, kaschieren nur schwer den inhaltlichen Stillstand.

Bill Condon, in der Vergangenheit ein Hit-and-Miss-Regisseur, bemüht sich etwas Spannung zu erzeugen, aber das GZSZ-Feeling, die fehlende Größe der Story die niemals Epos-Format erreicht (weil einfach nie wirklich etwas Wichtiges an den Entscheidungen der Figuren hängt) und die deswegen auch nicht im Ansatz an pottersches Pathos heranreicht, liegt bleischwer über dem Werk, dass krampfhaft versucht erwachsen zu werden, wo die Wendy-Dramaturgie einfach nichts hergibt. Das die Dialoge klingen als wären sie ursprünglich für Christiane Neubauer geschrieben und schwurbelige Blicke wie Schwalben kurz vorm Heiterbiswolkig durch die Gegend sausen, versteht sich von selbst. Bella ist immer noch der unnützeste Zellhaufen des Postfeminismus, Edward glänzt gleichfalls wieder durch bekannte Eigenschaftslosigkeit (denn weiterhin verbindet die beiden nichts außer die Behauptung des Verliebtseins) und generell gilt: Wer Charakter entwickelt nimmt eine Aspirin, legt sich eine halbe Stunde hin und wartet bis es besser ist. Das die Sexszene ein bißchen nach Schlussverkauf bei Obi aussieht, mag der züchtigen Jugendfreigabe geschuldet sein, aber nachdem Buffy und Spike in einer Folge beim Sex mal ein ganzes Haus abrissreif gefickt haben, erscheint auch das sehnlichst erwartete Katsching überraschend hier fade und mutlos im Vergleich.

Zum Schluss die vielgerühmte Geburtsszene, gut die mag für Zuschauer die noch auf das erste Schamhaar warten vielleicht etwas verstörend wirken, dürfte hartgesottene Splatterfreaks (also Zuschauer die schonmal Emergency Room geguckt haben oder ohne Mutti an der Wursttheke einkaufen durften) in ihrem TV-Sanftheit doch eher unbeeindruckt lassen, genauso wie Jesu pardon Bellas Himmelfahrt und Auferstehung die Geduld rein längenmässig doch arg strapaziert.

Lichtblick: Die Hochzeitsszene in der Conlon dicht dran ist in die Selbstparodie abzugleiten. Doch danach gibts viel getretnen Quark. Und der wird wie wir ja wissen nur breit. Nicht stark.

1 Trackback

  1. 02.12.2011 - Robert Pattinson News

23 Kommentare

  1. Und trotzdem noch 2 Sterne… Chapeau! :D

    Kommentar #1 von Thadeuz am 02.12.2011 um 04:21 Uhr

  2. alter. ihr habt in letzter zeit nicht so oft reviews…war eine für twilight wirklich wichtiger als…sagenwirmal, melancholia?

    Kommentar #2 von braveheartninjaturtle am 02.12.2011 um 04:29 Uhr

  3. Solche Reviews schreibt man denke ich nur, um sich als Kritiker mal kreativ auszutoben. Hat Spaß gemacht das zu lesen.
    Lieblingsteilsatz: “Bella ist immer noch der unnützeste Zellhaufen des Postfeminismus”

    Kommentar #3 von Philipp am 02.12.2011 um 04:59 Uhr

  4. Kann es sein, dass in diesem Artikel nicht ein einziges “das” und “dass” korrekt gesetzt ist?

    Kommentar #4 von pete am 02.12.2011 um 06:04 Uhr

  5. Ach Batz! Leider muss ich es jetzt verlinken, anstatt es reinstellen zu können, aber:
    smilies.4-user.de/include/Verl... und
    smilies.4-user.de/include/Lieb...

    Ich danke Dir dafür. Niemand kann Scheißfilme besser und eloquenter zerreißen…
    *Fanboy*

    Kommentar #5 von burns am 02.12.2011 um 08:30 Uhr

  6. Ich fand’s gut! Also die Review. ;-)

    Kommentar #6 von macone am 02.12.2011 um 09:37 Uhr

  7. oh ja, MEHR reviews wieder – sind immer unterhaltsam, sehr.

    Kommentar #7 von Sophie am 02.12.2011 um 09:43 Uhr

  8. Was für ein herrlicher Verriss! XD
    Bitte wieder mehr davon, ich hab langsam Entzugserscheinungen.

    Kommentar #8 von Doughnut am 02.12.2011 um 09:44 Uhr

  9. Wegen der Verrisse sind wir doch hier :)

    Kommentar #9 von slowcar am 02.12.2011 um 10:24 Uhr

  10. Also die zwei Sterne für diese Gülle hätte ich jetzt aber trotzdem ganz gerne mal erklärt bekommen!

    Kommentar #10 von Andrea am 02.12.2011 um 10:38 Uhr

  11. Das Beste im ganzen Film ist Bellas Alptraum vor (und von) der Hochzeit! Alles andere kann man getrost in die Tonne treten. Richtig schlimm ist die “zwischen den Zeilen” hervortretende konservative Mormonen-Sülze der Autorin mit den religiös gefärbten Imperativen “Kein Sex vor der Ehe”, “Die Ehefrau hat sich dem Mann unterzuordnen” (auch in sexueller Hinsicht) und “Keine Abtreibungen”. Noch unaushaltbarer fand ich allerdings Jacobs vor Kitsch triefende Prägeszene – die zudem den Konflikt mit den Werwölfen von einer Sekunde zur anderen actionfrei aufgelöst hat.

    Kommentar #11 von Binding am 02.12.2011 um 11:19 Uhr

  12. Klasse Review. Aber wir sind die falsche Zielgruppe, wenn du was verändern und uns nicht nur unterhalten willst. Naja, unterhalten wurde ich, hehe. Schön Dein Querverweis zu GZSZ, da haste Deine Zielgruppe für diesen Vampir-Schmarn.
    Jetzt stellen wir uns mal die Welt in 10 bis 20 Jahren vor, wenn die Zuschauer so in unserm Alter sind. Wir können darauf zurück schauen, Star Wars usw. gesehen zu haben. Die haben nur Twilight gesehen und Konsorten. Arme Leutchen sind das.^^

    Kommentar #12 von Casaloki am 02.12.2011 um 12:04 Uhr

  13. Heb ich mir für die Prokrastinationszeit vor den Prüfungen auf. Meine Schwester kauft sich den sowieso! Schöner Verriss jedenfalls!

    Kommentar #13 von Martinmartin am 02.12.2011 um 13:06 Uhr

  14. Wärst du ein Mädchen hät das Ding 5 Sterne bekommen und Edward würd weiter fröhlich vor sich hinglitzern.

    Ich hab den Mist nicht gesehn oder gelesen, also… glitzert der wirklich?

    Kommentar #14 von DerSchuki am 02.12.2011 um 13:20 Uhr

  15. Zu deiner Frage, DerSchuki:
    27.media.tumblr.com/tumblr_lva...

    Kommentar #15 von Martinmartin am 02.12.2011 um 13:52 Uhr

  16. Ja, der glitzert in der Sonne. Aber das kam nur im ersten Teil vor, glaube ich – und vielleicht höchstens nochmal in der Blumenwiesen-Sequenz und in Italien, als er sich zu erkennen geben wollte (Teil 2 und/oder 3). Burn, Edward, burn!!!

    Kommentar #16 von Binding am 02.12.2011 um 14:52 Uhr

  17. ganz üble kritik, ich verspür nämlich grad das verlangen mir den film anzuschauen…

    Kommentar #17 von detoo am 02.12.2011 um 15:10 Uhr

  18. Danke, danke, danke für diese wunderbare review, sehr unterhaltsam.

    Kommentar #18 von Steffi am 02.12.2011 um 16:53 Uhr

  19. Man wartet gespannt auf Rajkos Replik!

    Kommentar #19 von ekto am 02.12.2011 um 20:39 Uhr

  20. <>

    Also äh nur mal so, in welcher Staffel / Episode war denn das?

    Kommentar #20 von Andi am 02.12.2011 um 22:50 Uhr

  21. Mhm, der hat das Zitat nicht übernommen.

    Also noch mal:

    Zitat:

    aber nachdem Buffy und Spike in einer Folge beim Sex mal ein ganzes Haus abrissreif gefickt haben

    Zitat Ende.

    In welcher Staffel / Episode war denn das?

    Kommentar #21 von Andi am 03.12.2011 um 10:42 Uhr

  22. @ Andi:
    Season 6, Episode 9, “Smashed”

    Kommentar #22 von Doughnut am 04.12.2011 um 00:10 Uhr

  23. Mir hat der Verriss von “bereitsgesehen.de” besser gefallen. Da bekommt man fast Lust sich den Film anzusehen, allein wegen des WTF-Faktors.

    Kommentar #23 von Rocksteady am 04.12.2011 um 00:14 Uhr

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