Kurzreviews: Der gestiefelte Kater, Shark Night 3D, Die Schlümpfe, Bad Teacher

9 Comments

Und hier wieder zwei aktuelle und zwei DVD-Starts im Kurzreview: Der gestiefelte Kater, Shark Night 3D, Die Schlümpfe, Bad Teacher

Der gestiefelte Kater – USA 2011
★★★½☆

Puss ist ein gesuchter Verbrecher, seit er von seinem eierförmigen Stiefbruder Humpty Dumpty einst reingelegt wurde. Jetzt müssen sich beide wieder zusammenraufen um dem Gannovenpaar Jack & Jill ihren größten Schatz abzujagen: Die Zauberbohnen die den Aufstieg ins Schloss mit der goldenen Gans ermöglichen…

Überraschend kurzweilig und optisch wesentlich inspirierter als die letzten beiden Shrek-Filme lebt der Film hauptsächlich vom Charme des Antonio Banderas, auf dessen Zorro und Desperado-Erbe hier genüsslich abgehoben wird. Seine Figur, ob als kleines Kätzchen oder abgeklärter Draufgänger, funktioniert auch alleine genauso gut, ja vielleicht sogar noch besser, als in der Funktion des komischen Sidekicks. Banderas bringt Gravitas mit, die es erst möglich macht ihn im einen Moment als Ikone der Coolness zu sehen, nur um im nächsten zu lachen, wenn er sich selbst genüsslich zum Trottel macht.

Mit Salma Hayek und Zack Galifiankis hat er stimmlich ebenbürtige, vielschichtige Figuren zur Seite die den Film zwar nicht nachhaltig beeindruckend machen, aber solide Abenteuerkost liefern. Zusammen mit der wirklich sehenswerten Szenerie, die näher am Italo-Western und Rango als an der knuddeligen Märchenwelt ist, entfaltet Puss in Boots auch optisch Qualitäten die gerade dem lustlos zusammengerenderten vierten Shrek-Teil deutlich abgingen. Hier spürt man: Die Macher hatten wieder Spaß am Thema und Lust diese Geschichte zu erzählen.

Und endlich wird auch im Shrek-Universum wieder mehr Wert auf, zwar abgedrehte aber treibende Storyelemente gelegt, anstatt sich träge von einer Popkulturreferenz zur anderen zu hangeln. Klar ganz ohne die und ohne Popsong-Tanznummern gehts bei Dreamworks natürlich nicht, aber der von Guillermo del Toro mitproduzierte Film wirkt ambitionierter und origineller, als man es diesem Spin-Off zugetraut hätte. Natürlich verschenkt er einiges Potential der “Jack and the Beanstalk”-Story – nicht zuletzt den Riesen und dessen Welt, die soviel Potential hätte, hier aber nur für einen Kurztrip gestreift wird. Das ist schade, tut dem ansonsten knuffigen Feelgood-Film aber keinen Abbruch. Und verdammt, Katzen sind einfach niedlich…

Shark Night 3D – USA 2011
★☆☆☆☆

Teenager.Salzsee. Rednecks. Haie. Kreisch.

Hai-Alarm auf Mallorca ist nicht mehr der schlechteste Hai-Film aller Zeiten. Dieses Prädikat macht ihm der ebenso einfallslose sowie Blut- und Spannungslose Shark Night 3D vehement streitig. Jeder Asylum-Heuler hat mehr Unterhaltungswert als David R. Ellis absolut ambitionslos heruntergekurbelte und in jedem Moment billig aussehende Dumpf-Twens gegen Hillbillys mit 3 Haiszenen-Produktion, bei der die größte Frage nicht ist wie man es 11 Jahre nach Deep Blue Sea hinbekommt Hai zu rendern die lausiger und alberner aussehen als die aus Harlins-Heuler, sondern wie es dieser Mist tatsächlich ins Kino geschafft hat, anstatt in einer Grabbelkiste von fünftklassigen Direct-to-DVD-Releases verdient zu vergammeln.

Ich hab ja wirklich eine hohe Toleranz für Trash und kann selbst billigen Riesenspinnenheulern im Nachtprogramm oft noch etwas abgewinnen, aber Shark Night 3D ist einfach nur ärgerliche, zuschauerverachtende Kacke, dass er weder als Trash noch als Guilty Pleasure irgendetwas anzubieten hat.

Die Schauspieler liegen deutlich unter dem Niveau einer Amateur-Soap im Offenen Kanal, die Synchronisation klingt als würden die Darsteller sonst Erwachsenen-Unterhaltung oder Teleshop-Specials sprechen, die Dialoge sind so grauenhaft, dass sie nicht mal mehr witzig sind und die Handlung, wenn man das ganze so nennen mag lässt wirklich so manche Sci-Fi-Channel Eigenproduktion noch innovativ und originell erscheinen.

Wo die sicher auch diskussionswürdigen Piranhas wenigstens konsequent auf Tits, Ass, Gore und Silly-Over-the-Top-Momente setzen, ist hier alles lauwarm und unglaublich öde. Was an Splatter geboten wird verursacht auch 8jr wohl keine Alpträume, Suspense und Spannung fehlen gänzlich und keine einzige Figur bleibt auch nur für eine Sekunde im Gedächnis, geschweige denn dass es die Zuschauer jucken würde ob sie leben oder sterben.

Zuletzt das 3D das auch nur in wenigen Unterwasserszenen nach echtem 3D aussieht und ansonsten eher wie eine billige Konversion wirkt (auch wenn laut Abspann angeblich das famose Fusion-System im Einsatz war) – manche Szenen sind so flach, dass sie kaum 2D wirken, so banal und farblos wirkt dieser hingerotzte Scheiss der von vorne bis hinten den Eindruck macht, das aber mal wirklich so gar keiner der Beteiligten irgendeinen Bock hatte über das bare Minimum hinaus irgendwas einzubringen.

Dass der Film größtenteils am Tag spielt und so selbst den Titel als dreiste Verarsche dastehen lässt, kann noch als Fußnote zu diesem völlig freudlosen Debakel angefügt werden.

Die Schlümpfe – USA 2011
★★☆☆☆

Ächz. Okay die Erwartungshaltung spielt natürlich mal wieder eine große Rolle, die nach den unterirdischen Trailern auf Null lag. Dagegen steht natürlich die generelle Sympathie für die blauen Zwerge, die man schon zu Schulzeiten gesammelt und deren Comic-Bände ich mir immer aus der Bücherei ausgeliehen habe.
Natürlich sind sie grundsätzlich liebenswürdig, genau wie Neil Patrick Harris grundsätzlich ein sehr sympathischer Typ ist. Doch das Problem ist leider, dasselbe der anderen uninspirierten Cartoon-to-3D Adaptionen: Sie sind sind so generisch und ambitionslos, dass es schwer fällt sie nicht während des Ansehens schon zu vergessen.

Und gerade bei den Schlümpfen scheinen die Macher sehr wenig Vertrauen ins Quellmaterial gehabt zu haben, denn die krampfhafte Konfrontation mit der amerikanischen Menschenwelt fällt leider sehr zäh und öde aus. Der Humor erschöpft sich in mässigem Slapstick und Four-Letter-Words durch Smurf zu ersetzen – was spätestens nach 5min anstrengend wird und die Handlung bei der wir uns dafür interessieren sollen ob NPH seinen dämlichen Werbejob behält und die Schlümpfe als schmierig-schmalzigen Crashkurs in Vater-werden benutzt, ist mit langweilig noch vorsichtig umschrieben. Sophia Vergara spielt fast nicht mit, NPH muss wie ein Idiot Guitar-Hero-Werbung machen und wirkt dabei als wäre es ihm selbst unendlich peinlich und lediglich Hank Azaria hat als lebende Cartoonfigur Gargamel anscheinend Spaß an der Rolle – auch wenn seine computeranimierte Mieze wohl eine der wenigen Vertreter ihrer Art ist, die mal so gar nicht niedlich wirkt.

Das Peyos Zwerge am Ende in Schlumpfhausen New Yorker Wolkenkratzer nachbauen lässt einen dann doch wünschen, sie wären lieber bei Gargamel in der Suppe gelandet und hätten NPH erspart mit ihnen tränenreiche Hug-Feste zu feiern.

Für Kinder wahrscheinlich irgendwie lustig, aber für jeden über 12 eine in seiner absolut ambitionslosen Mittelmässigkeit und dank unangenehm plattem Product-Placement eher unerfreuliches Animationswerk, dessen Pixelgnome leider auch an keiner Stelle den naiv-liebenswerten Charme der Vorlage wachrufen können.

Und das Lied nervt wirklich.

Bad Teacher – USA 2011
★★★½☆

Eigentlich will sie sich nur einen reichen Typen angeln und auf dessen Kosten ein tolles Leben führen. Doch als ihr aussichtsreichster Kandidat abspringt muss Caeron Diaz Lehrerin wohl oder übel zurück an die Schule um sich so lange durchzuschlagen, bis der nächste Traummann in Reichweite ist…

Überraschungsfrei aber dank vieler gut platzierter R-Rated-Derbheiten und der rundherum passenden Besetzung ein überaus amüsanter Wegguck-Film, ohne Originalitätsanspruch. Eine Prise School of Rock, ein bißchen Bad Santa und das komödiantische Talent von Diaz reichen aus um der anfangs unausstehlichen Lehrerschlampe gerne bei der Menschwerdung zuzusehen.

Justin Timberlake brilliert als blödeste Blinse der Lehrgeschichte, Jason Segel sieht wieder aus wie ein Muppet und ist einfach nur sympathisch und die Kinderdarsteller liefern die passenden Sidegags und den mild schockierenden Kontrast für die sexuelleren Gags der Komödie.

Mit etwas mehr Ideen hätte der Film vielleicht zum kleinen Unikat werden können, aber auch so reicht es für nen spaßigen Filmabend.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • Martinmartin

    Hatte gehofft, dass Shark Night ein wenig auf der Welle von Ajas Piranhas schwimmt, und das ganze Genre ein wenig aufs Korn nimmt. Noch dazu üben gefräßige Wassermonster schon bei der Ankündigung noch dieselbe Faszination aus wie damals, als der erste Deep Blue Sea-Trailer lief (ich würde auch lieber Jaws nennen, mein Alter lässt das leider nicht zu ;))
    “Schlechter als Hai-Allarm auf Mallorca”. Wenn das mal kein Grund ist, mir das Geld zu sparen..

    Auch den Rest hab ich noch nicht gesehen. Der Trailer vom gestiefelten Kater gefiel mir sehr gut und in die Schlümpfe würd ich höchstens wegen Neil Patrick Harris im Free-TV mal reinschnuppern.
    Bad Teacher klingt interessanter als erwartet, vielleicht wird der mal besorgt!

  • Seba

    @bad teacher: sehe ich ähnlich. ging klar, und der eine oder andere derbe schmunzler drin. ich würd das so wie du es getippselt hast unterschreiben. Nur ohne Segel oder Diaz wäre der streifen lediglich oeder trash ..

  • Marcel

    Hab ich schonmal erwähnt, dass ich diese “8jr”-Schreibweise für eine alberne Affektiertheit halte, die da oben mal wieder in ihrer unleserlichsten Form zum Vorschein kommt?

  • TopF

    naja wenigstens gibts bald piranha drei doppel D mit hassel the hoff.
    da wird bestimt wieder lustig :D

  • burns

    “…wie man es 11 Jahre nach Deep Blue Sea hinbekommt Hai zu rendern die lausiger und alberner aussehen als die aus Harlins-Heuler…”

    Absolut disagree.
    Die Optik bei Harlin mag mau sein, aber sein drehbüchernes Spiel mit der Erwartungshaltung der Zuschauer und allen Klischess des Genres ist cool, intelligent und absolut unterhaltsam.
    JAWS auf Metaebene.

    Weiter im Text.

  • Mein Senf

    @Burns:
    Sehe ich genauso. Oder, um im Jargon der Fünf Filmfreunde zu bleiben: “Deep Blue Sea” ist ziemlich unterschätzt ;-)

  • Binding

    Zum Kater: Er ist ja nett gemacht, recht witzig und hat auch viele gute Ideen. Aber andererseits ist er auf völlig beliebige Weise viel zu vollgepackt mit allem möglichen Märchenkram, der eigentlich nicht zusammengehört, und die Humpty-Dumpty-Kinderkacke ging mir tierisch auf die Eier – um mal im Bild zu bleiben. Will sagen: An die Qualität von “Shrek” (nur Teil 1 ist gemeint!) kommt dieser Film nicht heran. Er ist eher ein Schritt (zurück) in die Disney-Richtung, was ja damals von “Shrek” gerade parodiert und gebasht wurde – und einen Großteil seiner Qualität ausmachte.

    “Deep Blue Sea” ist doch ein superspannender Film. Was will man mehr???

    Zu “Bad Teacher”: Der Regisseur inszeniert seine Hauptdarstellerin so unoriginell auf Nummer sicher, wie sie die meisten Komödien-Fans aus „Verrückt nach Mary“ kennen und offensichtlich auch immer wieder sehen wollen. Überraschungen gibt es daher nicht. Das größere Problem mit Cameron Diaz ist allerdings, dass sie es als Schauspielerin nie schafft, Selbstironie zu vermitteln – oder noch schlimmer: nicht an Selbstironie interessiert ist. Und daher spielt sie auch immer wieder solche Rollen, denn offensichtlich liegen ihr dramatische Charaktere nicht. Und was sollte die extrem geschmacklose “Sex-Szene”, in der beide ihre Straßenkleidung anbehalten und die mit einem Fleck auf Timbrlakes Jeans endet??? Da sie nicht witzig ist, muss es sich wohl um ein oberdämliches Zugeständnis an eine Altersfreigabe für Teenager handeln. Sportlehrer Russell (Jason Segel) legt übrigens meiner Meinung nach eine wesentlich sympathischere und intelligentere Form von Humor an den Tag als der Film selbst!

  • blob

    Wow! Bad Teacher 3 1/2 Sterne.
    Ich war der Meinung schon lange keine so schlechte Komödie mehr gesehen zu haben. Hätte dem Film wegen Russell 1 Stern gegeben, denn der Rest war einfach nur super Langweilig. Hab jeden Cent bereut. Die paar halbwegs guten Szenen kannte man leider schon aus dem Trailer.

  • http://www.webseiten-und-mehr.de/impressum.html Patrick Zorn

    Der Kater: Ich fand den eigentlich gut. Natürlich lange nicht so gut, wie Shrek (hätte wohl auch niemand erwartet)…aber der Kauf der DVD würde sich lohnen, sage ich mal.

    Schlümpfe: Pffttt…so ein Sch…und

    Bad Teacher: Es gibt nur eine gute Stelle im Film, die Car-Wash Szene :-) Ansonsten hat es sich nicht gelohnt, den anzuschauen, das Geld hätte ich mir sparen können. Bis jetzt der schlechteste Film von Cameron Diaz, wie ich finde.

    Shark: Noch nicht gesehen, aber ich glaube, ich will es auch gar nicht. Jedes Jahr das selbe…Killerhai oder noch besser, Killerhai gekreuzt mit Riesenkrake.

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