Mission Impossible: Phantom Protokol (Review)

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-“Just remember: Blue is glue!”
-“And red?”
-“Dead.”

Originaltitel: Mission: Impossible – Ghost Protocol
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Brad Bird
Buch: Josh Appelbaum / André Nemec
Darsteller: Tom Cruise, Jeremy Renner, Simon Pegg, Paula Patton, Ving Rhames

★★★★☆

Ethan Hunt wird mit einem zufälligen Team zusammengewürfelt, nachdem ein Terrorist den Kremel sprengt und ihm die Schuld dafür zuschiebt. Der Plan: Einen weltweiten Atomkrieg auszulösen. Auf eigene Faust müssen Hunt und seine Leute den Terroristen stoppen, ehe er den letzten Teil seines Plans in die Tat umsetzen kann…

Fourth Time is the charme… zumindest in diesem Fall. Ich war nie ein Fan der MI-Reihe, nicht unbedingt Tom Cruise wegen, obwohl er sicherlich seinen Anteil daran hatte. Als jemand der mit “Kobra, übernehmen sie?” bzw. “Unmöglicher Auftrag” aufwuchs, störte mich schlicht und einfach immer die Fokussierung auf einen übermächtigen Helden der die Chose im wesentlichen im Alleingang meistert. Mission Impossible im Film war immer mehr Ego-Show, als Team-Heist. Dass der erste Teil Jim Phelps zu einem Schurken machte, war ebenso respektlos wie unnötig. Teil 2 bot schicke Bilder, war aber dank Studioeinmischung nur ein konfuser Rumpf-Film und JJ Abrams Teil 3 sah leider aus wie ein Fernsehfilm, mit faden Bildern und einem käsigen Showdown der aus einer Rangelei in einem Lagerhaus bestand, bei der der Schurke am Ende vors Auto stolperte. Nee, auch wenn ich weiß das die Filme ihre Fans haben, mich haben sie nie wirklich umgehauen.

Insofern war die Begeisterung für den anstehenden vierten Teil eher verhalten, bestenfalls Regisseur Brad Bird und die neuerliche Mitwirkung von Simon Pegg sorgten für mildes Interesse. Umso angenehmer die Überraschung, dass dieser Film sich stimmungsmässig, als auch vom Spektakelwert deutlich von den Vorgängern abhebt. Optisch war bestenfalls John Woos zweiter Teil in einer Liga mit “Ghost Protocol” – denn hier gibt es auch abseits des fulminanten Dubai-Tower Heists, der im Imax-Format gedreht wurde und tatsächlich ziemlich großartig aussieht und getimed ist, sehr sehenswerte Action-Momente. Vom Hudson-Hawk paraphrasierenden Gefängnisausbruch der treffend-böse mit “Ain’t that a kick in the head” unterlegt wird, zum Kremel-Einbruch (bei dem besonders Simon Peggs Benji samt seinen Gadgets glänzen kann), eine Verfolgungsjagd im Sandsturm bis zum großem Finale in einer hochmodernen Parkgarage – immer bietet der Film Scope, sehenswerte Stunts und nimmt sich dabei nie so ganz ernst.

Klar gibts eine dunkel Vergangenheit für Ethan Hunt, weil die beiden jungen Drehbuchautoren ja irgendwie seine Frau aus dem Weg räumen mussten, die sonst nur unnütz rumgestanden hätte. Aber selbst die emotionalen Momente werden eher als popcorndrama zur spannungsförderung, denn als tränendrüsiger Gefühlskitsch inszeniert. Und endlich, endlich geht es im Film mal um das MI-Team. Ethans Mitstreiter Pegg, Paula Patton und Jeremy Renner sind wirklich gleichberechtigte Figuren und nicht nur Stichwortgeber für Mr. Obercool. Die Chemie zwischen ihnen, die einfallsreichen Gadgets (die nie so funktionieren wie sie es eigentlich sollten), die ironischen Verweise auf die Mainstayes der Serie (wie etwa die nicht funktionierende Selbstzerstörung der Auftragsbitschaft) – das alles sorgt für sehenswerte, fluffige und stellenweise extrem spannende Kinounterhaltung.

Brad Bird der schon mit The Incredibles und Iron Giant gezeigt hat, dass er wirklich rasante Action inszenieren kann, verlässt sich auch in MI4 auf seine Instinkte und bringt eine gewisse Pixar-Leichtigkeit in die Serie, die eher den überkandidelten Bond-Filmen der 70er und 90er nacheifert, als den zu Tode gerittenen “grittigen” und “realistischen” Bourne-Epigonen die seit Jahren mit Wackelkamera und Action-Szenen die nur aus Nahaufnahmen bestehen, die Multiplexe traktieren. Der Bösewicht in Ghost Protocol ist ein gutes altes größenwahnsinniges Genie, der bewusst jenseits aktueller politischer Bezüge verortet wird (auch wenn das sicherlich mit dem Wunsch nach weltweiter Vermarktbarkeit zusammenhängt). Wichtig ist nicht seine Agenda, sondern seine Aktionen und die Reaktionen des MI-Teams, die ebenso humorvoll wie suspensevoll ablaufen.

Cruise, dem man sein Alter in den Nahaufnahmen mittlerweile doch ansieht, nimmt sich bis auf den etwas unnötigen Epilog, sehr zurück, kokettiert mit der eigenen Verwundbarkeit und Angst, was ihn doch sympathischer macht als gewöhnlich. Pegg nutzt seine ausgebaute Rolle und liefert einige der besten Punchlines die er mit gewohntem Understatement platziert, Jeremy Renner ist ebenfalls ungewohnt linkisch und zeigt dass er auch mit komödiantischen Momenten umgehen kann und Paula Patton wirkt zwar wie ein Platzhalter für Angelina Jolie, macht ihre Sache dabei aber durchaus ordentlich, auch wenn ihr emotionaler Arc am holprigsten erzählt ist und auf halber Strecke im Nichts endet.

Als unbeschwertes Actionkino mit wenig Tiefe aber hohem Spaßfaktor funktioniert der Film in jeden Fall – und dürfte der erste Eintrag in die Reihe sein, bei der ich mich tatsächlich über eine weitere Fortsetzung freuen würde.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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12 Comments

  1. Sascha

    Ich war gestern in der Vorabvorführung und muss sagen ich war von Anfang bis Ende echt gut unterhalten. Klar, sehr unanspruchsvoll und wenig Tiefgang, dafür aber stellenweise echt humorvoll und natürlich vorallem Action & Gadgets ;) was will man mehr?

  2. Mission: abgeschlossen!

    [...] verhindern. Ob ihm das gelingt verrate ich nun an dieser Stelle nicht, aber wer will kann bei den Fünf Filmfreunden ein kompletteres Review [...]

  3. olo

    -.-

  4. Tomsen

    Brad Bird FTW!!!

  5. ALex

    Hab den Film vorgestern gesehen, und bin auch positiv überrascht. Am Besten gefallen haben mir nicht die Stunts, sondern das endlich wieder der Team-Aspekt in den Vordergrund gerückt wurde. Und wichtig dabei war, dass jedes der Team Mitglieder unterschiedliche Motivationen hatte, was das Zusammenspiel spannender machte.
    Ein wichtige Charaketeristik bei Birds Filmen ist, dass der Held immer Schwächen,Zweifel oder Ängste hat. Was man besonders humorvoll in der Dubai Sequenz sehen konnte, Kleiner SPOILER: wo niemand den Mumm hat den Tower mit Peggs “zuverlässigen” Gadgets hoch zu klettern, nicht mal der Held selber:)

    Und ein guter Punkt war wie schon oben erwähnt, dass die Gadgets nicht immer fehlerfrei funktionieren oder nicht auf alle Hindernisse vorbereitet waren (wie das so ist wenn man nur 8Std hat um Pläne zu schmieden). Zeit war hier generell ein wichtiger dramaturgischer Faktor, die Handlung war simpel, aber dadurch wußte man als Zuschauer auch immer was auf dem Spiel stand.
    Kurz gesagt, kein Meisterwerk, aber die solide Umsetzung, einfache Story und Leichtigkeit der Inszenierung hat mich viel eher an das 80er Jahre Kino erinnert als der letzte Expendables, der leider nur mehr Schein als Sein war.

  6. Alex

    Super unterhaltsamer Film!
    Da hat sich das Warten gelohnt. Mir gefällt besonders das Ironische und die Anspielungen, zum Beispiel Peggs Wunsch, umbedingt auch eine Vollmaske tragen zu wollen.

    Sonst ist es an manchen Stellen vielleicht etwas zu over-the-top, aber ingesamt wie gesagt ein super unterhaltsamer FIlm, den ich nur jedem empfehlen kann, der auf Action steht.

  7. DocBobo

    Unterhaltsamer Film von Bird aber ganz klar sein Schwächster! Tolle Bilder, schöne BWM-Werbung, dass wars. Mehr als 2,5 Sterne gibt es nicht für durchschnittliche Schauspieler die ein 0815-Drehbuch gekonnt herunterspielen, einmal gucken und vergessen. Die Kulturteile der Zeitungen und auch viele I-Netseiten (wie die 5FF) sind begesitert, ein Mega-Hype für einen teuren durchschnittlichen Film, sonst nichts!

  8. Binding

    Trotz guter Besetzung (Tom Cruise ist halt leider auch noch dabei) und dem Regisseur habe ich mich gelangweilt! Der Film hat Längen, ist ziemlich lahm, die meiste Action ist unoriginell, und die meisten Spezialeffekte sind billig bzw. wirken unrealistisch. Ich war ziemlich enttäuscht. Teil 3 war definitiv besser (allein schon wegen Philip Seymour Hoffman)! Die größte Enttäuschung ist aber Regisseur Bird, denn von einem Pixar-Kreativling, der mit “Die Unglaublichen” den besten Actionfilm von 2004 gedreht hat, hätte ich wesentlich mehr erwartet. “MI: 4″ hätte jeder halbwegs begabte Mainstream-Regisseur so drehen können. Ich schließe mich DocBobo an.

  9. Michael

    Ich kann nur sagen, dass dies der beste Teil nach dem Ersten ist und das Teil 3 schöner scheiß dagegen war. Allein das unsägliche Ende, da kann auch ein Hoffman nichts retten.

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