Kurzreview: Sherlock Holmes – Spiel im Schatten, Jonas, Darkest Hour (Review)

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Sherlock Holmes – Spiel im Schatten (Sherlock Holmes – A Games of Shadows) – USA 2011
★★★½☆

Holmes und Watson sind wieder im Einsatz, diesmal gegen den Erzfeind Moriarty, der ein Politkomplott inszeniert, dass den Detektiv auf eine Jagd quer durch Europa treibt.

Als Holmes-Film immer noch nicht wirklich der Burner, ist der Film nichtsdestotrotz eine gewaltige Steigerung gegenüber dem Vorgänger. Statt peinlichen Green-Screen-Turnereien vor Renderkulisse sind Downey Jr. und Law diesmal meist in realer oder bestenfalls digital gepimpter Kulisse zu sehen. Der Scope ist dank Europa-Reise wesentlich größer und dank den gut aufgelegten Darstellern, die das Ermittler-Duo diesmal noch mehr an der Grenze zur Homo-Travestie spielen, macht das Ganze meist auch Spaß.

Weniger gut weg kommen die Nebendarsteller, denn außer Stephen Fry und Jared Harris als Moriarty ist keine Figur mehr als Raumdeko. Insbesondere die Zigeunerin Simsa in Form von Noomi Rapace ist sträflich verschwendet. Dazu kommt der arg holperige Plot, bei dem auch aufmerksame Zuschauer Probleme haben werden zu verstehen was jetzt genau warum passiert – zumindest bis Holmes seine Basil-Exposition-Szenen hat.

Die Anflüge moralischer Philosophie über das Wesen des Menschen, die Moriarty am Ende anbringt sind leider auch nur wenig ausgearbeitet und hingeworgen, ja beschädigen das Mastermind in seiner Brillanz sogar etwas, da sie alle seine Bemühungen ad absurdum führen.

Holmes selber bleibt als Konstrukt schwierig, seine Intelligenz wird angedeutet, doch beschränkt sie sich weniger auf kühle Deduktion, als auf MacGyverhafte Improvisation, die weniger Ermittlungsarbeit ist, als Mission Impossible im Schnelldurchlauf. Das der Film wichtige Informationen zurückhält und verschleiert damit Holmes am Ende ein Auflösung aus dem Allerwertesten ziehen darf ist dann bisweilen schon etwas anstrengend, genau wie die im Grunde stylishen Zeitlupe/Speedup-Szenen – die bisweilen so ausgewalzt sind, dass sie zum Selbstzweck verkommen und eher Ablenken als die Story vorranbringen.

Das Holmes-Finale an den Reichenbach-Fällen dann so dramatisch inszeniert wird, als gäbe es tatsächlich etwas zu verlieren und der Epilog dann auch nochmal ewig weitergeht, ist dann, bei allen gelungenen Gags am Ende doch auch etwas überflüssig, denn wie Conan Doyle diktiert auch den Filmemachern der Kommerz – und der kann besteht darauf das es weitergeht…

Sehenswert, nichtsdestotrotz und viel besser als Teil 1 bewegt sich Guy Ritchie in die richtige Richtung, auch wenn sein Holmes-goes-Bourne-Konzept mich wohl nie wirklich überzeugen wird.

Jonas – Deutschland 2012
★★★½☆

Christian Ulmen geht in der Figur des 18jr Sitzenbleibers Jonas zurück an die Schule.

Der Versuch eine Dokumentation mit einer Kunstfigur zu machen ist erstaunlicherweise in weiten Teilen gelungen, denn auch wenn viele der Schüler wussten das Jonas eben kein echter Schüler ist, entstehen aus der Situation heraus viele wahrhaftige Momente. Ulmen nimmt sich mehr zurück als in “Mein neuer Freund” – sein Jonas ist zwar immer noch streckenweise anstrengend und vorlaut, aber lange nicht so penetrant wie seine bisherigen Kunstfiguren, mit denen er es hauptsächlich auf Provokation angelegt hatte.

Hier wird oft nur beobachtet und genau die Momente in denen die Kamera einfach nur hinschaut und die Klassendynamik erfasst, die Reaktion der Schüler auf die Lehrer oder auf Jonas, sind die Momente die einen in die eigene Schulzeit zurückversetzen und deutlich machen, wie wenig sich tatsächlich ändert. An der Tafel zu stehen und vom Lehrer blossgestellt zu werden, sich auf dem Pausenhof Geld borgen für etwas zu essen. Diskussionen um Sinn und Unsinn von Unterrichtsstoff oder die Benotung – hier erfasst der Film in kleinen Vignetten das Gefühl des Schülerseins wunderbar und auch Ulmen wirkt hier glaubwürdig, wenn er sich versucht einzufügen, abzugucken oder aus unangenehmen Situationen herauszureden.

Die Momente die manchmal etwas angestrengt sind, auch wenn sie nicht völlig daneben gehen, sind die inszenierten Dinge, vor allem Jonas Verliebtsein in seine Musiklehrerin – ein offensichtlich geplanter Handlungsstrang, der nie so ganz glaubhaft wirkt und lediglich durch die Reaktionen der Lehrerin und des Rektors ein wenig Leben bekommt.

Es bleibt trotzdem ein sehenswertes halbdokumentarisches Experiment, dass überraschenderweise auch auf Filmlänge unterhält und durch die gelungene Musikauswahl überzeugen kann.

Darkest Hour -USA/Russland 2011
★★★☆☆

Eigentlich wollen die zwei US-Startup-Nerds in Moskau nur ein paar Investoren klar machen, als plötzlich die Apokalypse losgeht. Elektroaliens greifen die Erde an und der Kampf ums überleben beginnt…

Okay die Story ist etwas doof und man sieht dem Film an, dass er nicht eben superteuer war. Aber als harmloser SciFi-Trash macht der Streifen durchaus Spaß und bietet mit Moskau eine Spektakeltechnisch noch recht unverbrauchte Kulisse.
Das die Figuren allesamt aus der Holzschnittkiste kommen und auch ein Emile Hirsch jetzt schauspielerisch eher auf Sparflamme spielt (aber immerhin mal einen proaktiven Charakter geben darf, was ihn von seinen sonstigen Rollen doch unterscheidet), sei geschenkt, denn im Rahmen seiner Parameter ist das Elektroalien-Inferno doch irgendwie putzig anzusehen. “Welcome to Russia” dürfte wohl die am meisten strapazierte Catchphrase sein und wenn die Cybernerds gegen die Kollegen vom ID-Monster antreten fliegen ordentlich die Funken. Wer Skyline gehasst hat, wird wahrscheinlich auch mit der diesjährigen lowbudget Alien-Invasion nicht warm werden, aber allen Freunden naiven Trashs sei der Film durchaus empfohlen.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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15 Comments

  1. Silent Rocco

    Bitte noch mal ‘ne kleine Rechtschreibkorrektur. Wäre schön.

    Ritchie’s Holmes ist und bleibt dumme Zeitlupenscheiße zum Sofortvergessen. Jonas klingt spannend und Darkest Hour fand ich schon im Trailer zu egal. Und allein die Erwähnung von Skyline hat dann auch das letzte Stückchen Lust begraben.

  2. KodyMonstah

    Volle Zustimmung bei “Jonas”. Ich habe im Kino Tränen gelacht auf Grund großartiger Situationskomik und herrlicher Mimik. Vieles hat mich ebenfalls an die eigene Schulzeit erinnert.

    Ob Lehrer und Schüler wussten, was los war, wurde bei mir während des Films fast komplett in den Hintergrund gedrängt. Lediglich bei einigen wenigen Schülern kam es mir manchmal so vor, als spielten sie einfach nur mit der Figur Jonas mit. Gerade die Lehrer reagierten mMn (täuschend?) realistisch und überzeugend auf Jonas’ Verhaltensweisen.

    Die Kurzreview zu “Sherlock Holmes 2″ klingt insgesamt so überkritisch, dass mir 4,5 Sterne zu viel vorkommen. Der erste Teil war für mich auch kein Holmes, dennoch gefiel mir die Art der Inszenierung und das Holmes-Watson-Gespann.

  3. KodyMonstah

    Sorry, 3,5 Sterne natürlich.

  4. Micha

    Ich muss sagen, die Reviews der 5FF lese ich immer sehr gerne, da sie in 9/10 Fällen auch meinem eigenen Urteil sehr nahe kommen. Aber ich muss mich Silent Rocco anschließen: bitte in Zukunft noch ein zweites mal drüber lesen und so Sachen wie “das” bzw. “dass” aus dem Weg räumen.

  5. Max

    So kann sich die Wahrnehmung unterscheiden. Holmes 2 empfand ich als weit weniger gut als den ersten Teil. Viel Action zum Selbstzweck, ein umständlicher Plot, Improvisation statt Kombination, und auch die Dialoge waren flacher als im ersten Teil.

  6. slowcar

    Volle Übereinstimmung beim Holmes-Film.
    Wir fühlten uns sehr gut unterhalten – aber eben trotz der etwas hanebüchenen Story. Vor allem das Ende fand ich da sehr schwach.
    Wobei man halt von der BBC-Serie da auch etwas verwöhnt ist.

  7. yaoifan

    Der erste Holmes-Film war definitiv besser. Im zweiten Teil wurde meist einfach wiederholt, was im ersten Teil gut funktioniert hat.

  8. tobi

    Danke, dass mal wieder Kritiken hier kommen. Habe das Gefühl, dass in den letzen paar Monaten das schreiben davon vernachlässigt wurde.

  9. CinemAn

    Ich glaube es nicht: Reviews!

  10. Hans

    Ich fand das Finale von SH 2 eigentlich ziemlich gut. Und diese Moriaty-Version fand ich genauso gut wie die der BBC-Serie (obwohl/trotz die Interpretationen total unterschiedlich sind). Aber den Film bis zum Finale empfand ich als durchschnittliche Standardware die teilweise sogar recht langweilig war.

  11. Ufomuschi

    Drei Sterne sind die neue Null.

    Aber was macht ihr, wenn mal keiner aufpasst und ihr versehen mal wieder ein guten Film zu sehen bekommt?

  12. Rudi Ratlos

    “Sherlock Holmes 2″ war leider eher so meh (die Waldszene war toll), “Darkest Hour” dagegen zum Davonlaufen… Logikfehler ohne Ende, dabei hatte das Setting Potential :(

  13. Binding

    “Holmes”: Man mag zu Ritchie stehen wie man will – geil und stylish inszenieren kann der Mann auf jeden Fall. Und genau deswegen war der erste Holmes-Film auch wenigstens eine erfrischend moderne Herangehensweise an den alten Muff, die positiv überraschte. Wie man jetzt die Fortsetzung besser finden kann, verstehe ich allerdings gar nicht, denn der Aha-Effekt ist ja schon seit Teil 1 verflogen, und alles Gute bzw. Interessante sind nur Variationen des ersten Teils, in dem die Geschwindigkeits-Mätzchen sogar noch innovativ wirkten, weil sie Holmes analytische Denkweise verdeutlichten – also sogar dramaturgisch Sinn ergaben. In Teil 2 hatte ich eher das Gefühl, dass es größtenteils nur noch selbstzweckhaft um die Effekte ging. Teil 1 hat mich damals fürstlich unterhalten, bei der Fortsetzung langweilte ich mich.

    “Jonas”: Dieser Film ist eine cineastische Revolution, denn es ist die Erfindung der Dokumödie, also Dokumentarfilm-Komödie. Und zwar nicht im Sinne von Michael Moore & Co. und auch anders als bei der TV-Serie “Mein neuer Freund”. Das Geilste daran ist, dass sich dabei Realität und Fiktion so genial vermischen, dass das Ganze sowohl dokumentarisch als auch im fiktionalen Sinne funktioniert – ohne jeweils eindeutig eher das eine oder das andere zu sein. Und dann vor allem: Es macht tierisch Spaß und vermittelt auch noch kluge Erkenntnisse über den heutigen Schulalltag bzw. Schule im allgemeinen. Wow!

    “Darkest Hour”: Einfach nur ein grottenschlechter Billig-Film, der gleichzeitig verärgert und anödet. Irgendwo hab’ ich was sehr Treffendes dazu gelesen: Wenn man die Aliens dann endlich mal sieht, weiß man, warum sie vorher so lange nicht zu sehen waren. Außerdem war’s auch mal wieder eine Riesen-3D-Verarsche!

  14. chris

    kaum übereinstimmung mit dem holmes review. der story war total konfus und ab der hälfte der film trotz action so langweilig, dass ich nebenbei auf dem mobiltelefon gechattet habe.

  15. chris

    *die story

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