Reviews: The Artist, Drive (Review)

45 Comments

Und hier zwei Reviews zu den beiden wichtigsten Starts der Woche:


The Artist – Frankreich 2011

★★★½☆

Der Stummfilmstar Georg Valentin sieht sich durch den anbrechenden Wechsel zum Tonfilm in der Defensive. Trotzig behauptet er Ton wäre nur eine Phase und nur der Stummfilm habe Zukufunt, doch schon bald sieht er sich vor dem Karriereknick. Hollywood braucht neue Stars für die Tonfilm-Ära und während Georgs Stern sinkt, wird die ehemalige Nebendarstellerin Peppy Miller zur umjubelten Ikone.

Heutzutage mit großen Aufwand einen Stummfilm zu drehen, kann nur zum grandiosen Erfolg oder totalen Flop werden möchte man meinen. Der letzte der dieses Experiment im großen Stil wagte war Mel Brooks mit seinem “Silent Movie” und auch das ist mittlerweile wieder fast 40 Jahre her. Die Zeit war also reif für eine weitere Hommage an die Zeit in der große Gestik und Mimik das gesprochene Wort ersetzten. Und Regisseur Michel Hazanavicius gibt sich alle Mühe den Look und Gefühl der alten Zeit wieder zu beleben. Wo Brooks einfach den Ton wegließ aber ansonsten einen relativ modernen Streifen drehte, setzt The Artist auf die totale Imitation – zumindest an der Oberfläche. Denn so Meta wie die Story, so doppelbödig ist auch das stumme und geräuschlose Spiel, dass immer mit dem Wissen spielt, dass der Verzicht ein bewusster und kein erzwungener ist. Wir könnten Ton haben, aber wir nutzen ihn bewusst nicht – was die wenigen Stellen an denen Geräusche und Sprache vorkommen umso effektvoller macht.

Der Score, der eine Mischung aus Neukompositionen und Zitaten ist (u.a. auch Hitchcocks-Soundtracks) passt dabei ziemlich perfekt und treibt die Handlung auch dann vorran, wenn sich das Grundgimmick der Handlung ein wenig abgenutzt hat. Denn auch wenn er viel Spaß macht ist The Artist nicht ohne Längen und die Vorhersehbarkeit der Story sorgt im Mittelteil dann schon für eine oder andere gedehnte Minute. Dennoch macht der Film insgesamt Spaß, was sicher auch an der wunderbaren Besetzung bis in die Nebenrollen (John Goodman, Malcolm McDowall) liegt, die sich mit angemessenem Enthusiasmus in das liebenswerte Oberacting werfen und – wie im Falle des Hautdarstellers Jean Dujardin – wirklich meisterlich den naiven Charme früher Stummfilmheroen kanalisieren.

Das Experiment ist gelungen und ist als Hommage und gleichzeitig Abschied vom Stummfilm zu verstehen, denn so wie sich Georg Valentin dem Fortschritt anpassen muss und am Ende im Tonfilm ankommt, so weiß auch The Artist dass diese Art von Film nur alle paar Jahre als selbstrefentielle Metafilm funktioniert, den die Zuschauer eher wegen seiner ungewöhnlichen Machart lieben, als das sie tatsächlich emotional mit den Figuren mitfiebern. The Artist 2 wird sicherlich nicht funktionieren, aber The Artist sollte sich kein Filmfan entgehen lassen.

Drive – USA 2011
★★★½☆

Der namenlose Stuntfahrer, der von allen nur Driver genannt wird, verdient sich ab und zu etwas als angemieteter Fluchtwagenfahrer hinzu. Seine Jobs erledigt er kalt und präzise, zwischenmenschliche Beziehungen sind fast nicht vorhanden. Das ändert sich, als er sich in die junge Mutter Irene verliebt und sich mit ihr anfreundet. Doch Irene ist verheiratet und als ihr Mann Standard aus dem Knast entlassen wird, ringt sich Driver durch ihm bei einem Überfall zu helfen, damit er das Schutzgeld, dass er ein paar Gangstern schuldet zurückzahlen kann und Irene und ihr Sohn sicher sind…

Drive sieht wahnsinnig gut aus. Jedes Bild ist scheinbar konzipiert um als Poster ausgekoppelt zu werden. Jede Szene ist Style, Eleganz und perfektes Spiel von Licht und Schatten. Ryan Gosling der den ganzen Film mit einem Zahnstocher im Mund herumrennt, bzw. fährt wird als fleischgewordene Coolness inszeniert, die im Neonlook der 80er durch diesen modernen Noir-Film juckelt. Wer allerdings mehr als Style und Coolness erwartet, dürfte streckenweise seine Probleme mit dem Film haben, denn diese “The Driver”-Paraphrase fährt trotz des Titels über weite Strecken mit angezogener Handbremse. Nicolas Winding Refn schwelgt in minutenlangen Szenen die Gosling beim stoischen Starren, stoischen Herumfahren zeigen und bedient sich bisweilen derart exzessiver Zeitlupen, dass das Bild schon mal kurz vor der völligen Starre zu stehen scheint. Der ominös brummende Soundtrack suggeriert zwar, das wäre alles sehr wichtig und artsy, verhindert aber nicht völlig, dass es stellenweise auch schon mal extrem langweilig wird.

Was schade ist, denn Drive verspricht gerade zu Beginn einiges, der initiale Heist ist gekonnt und spannend inszeniert und auch einige der Nebenfiguren wie Albert Brooks jovial-sadistischer Gangster Bernie oder Ron Perlmans Nino bergen mehr Potential, als letztlich genutzt wird. Denn ähnlich wie ein Macho-Poser der vor lauter Männlichkeit kaum gerade gehen kann und der fürchtet er könne als Weichei gelten, wenn er redet oder lacht – so macht auch Drive oft den Eindruck vor lauter Coolness nicht aus dem Quark zu kommen. Während Tom Ford in “A Single Man” die steife Stilisierung der Bilder zu Kunstwerken nutzte um (wenn auch nicht immer subtil) etwas über seine Figuren auszusagen und einen Blick in ihr Innenleben zuzulassen, scheint Refn sich mit der Pose zufrieden zu geben. Was spätestens dann etwas ärgerlich wird, wenn unnötig brutale, ja durchaus sadistische Gewaltszenen als Schockeffekt ausgespielt werden, ohne sie je zu reflektieren oder sie in den Kontext der Person Drivers zu setzen. So wirken sie als pubertäre Provokation, als unnötige Ergänzung der “Look, Momma! It’s art!”-Stylespielereien des behäbigen Rests.

Gosling schaut den gesamten Film entweder milde-amüsiert oder stoisch unnahbar und bleibt Ikone, bleibt Abziehbild des harten, wortkargen Loners der tief drinnen wohl irgendwo ein Herz haben muss. Abseits der Pose ist er wenig interessant und verblasst, denn selbst Oscar Isaac (der kaum 20min im Film mitspielt) hinterlässt als Irenes Mann einen nachhaltigeren, vielschichtigeren und menschlicheren Eindruck. Carey Muligan als Irene ist gewohnt gut, bleibt aber wie Gosling in den Fesseln der unterschriebenen Rolle hängen – die die Beziehung der beiden stets mehr als Plotdevice, denn nachvollziehbare Entwicklung behandelt.

Am Ende bleibt Drive doch ein erstaunlich leerer Film, der zwar Tropen des Genres gekonnt beherrscht sich aber letztlich doch mit dem Zitat zufrieden gibt ohne den Anspruch der Eigenständigkeit, aber auch ohne den Mash-Up-Ansatz den Tarantino und seine Epigonen verfolgen. Die Humorlosigkeit von Drive mag zwar in einer Welt der Permaironie ganz erfrischend gedacht sein, täuscht aber auf die volle Spieldauer nicht darüber hinweg, dass doch entsetzlich wenig passiert und diese Rächergeschichte abgewetzter ist als die Besetzungscouch von Michael Bay. Der Driver ist cool, er kann cool rumstehen, cool Köpfe zu Brei treten und cool in blutbesudelter Jacke herum rennen – was er nicht schafft ist, dass ich mich für ihn je so interessiere wie ich es für Steve McQueen oder Clint Eastwood je getan habe.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • http://www.silentrocco.com Silent Rocco

    Yay, erster! Weil, das hier wird ein langer Reigen! :) Reviews: reine Provokation.

  • Frybird

    Kann dem Drive Review nicht so wirklich zustimmen.

    Mag sein das herzlich wenig passiert augenscheinlich, aber für mich passt das weil mir der Film sehr “Anti-Actionfilm”-artig vorkam.
    So stilisiert alles andere ist, sind die “Action”szenen, extrem kurz, brutal, und mehr auf Schock als auf Unterhaltungswert. Da passte es, das der Film sich mehr als die Ruhe vor denn als auf den Sturm konzentriert und tatsächliche Gewalt so extrem heraussticht.

    That said, ist meine Ansichtsweise da auch leider scheinbar daneben weil sich ja der Film trotzdem in 80ies Actionkonventionen zwängt.

    Und auch wenn ich den Film gut gemacht und unterhaltsam fand, so weiß ich am Ende leider nicht, was er mir genau sagen wollte, da sich am Ende die ganze Existenzialistische Schiene mit dem eigentlichen Plot beißt. Aber wie gesagt, bereuen tue ich ihn auf garkeinenfall.

  • Binding

    War der Autor besoffen? So viele Tippfehler und fehlende Kommas habe ich ja noch nie auf einmal gesehen! Der “Stimmfilm” hat mir besonders gut gefallen (ist das die deutsche Übersetzung von “Talkies”???). Und Dujardin muss ja wohl als “Hautdarsteller” jetzt unbedingt einen Oscar bekommen! ;-)

  • http://blog.teo-net.de Teo

    Die Rezension von Drive ist treffend. Das Arthouse-Getuhe (ohne wirklich Arthouse zu sein) hat mich tierisch genervt. Das Ganze wird dann von einem ziemlich dämlichen Schluss abgerundet. Man nimmt am Ende einfach gar nichts aus dem Kino mit, ausser ein paar hübschen Bildern, die sich wegen der langen Standzeiten auf der Netzhaut eingebrannt haben.

  • Binding

    Kaum ist ein Film mal ein bisschen anders als der Rest oder unterläuft gewisse Genre-Erwartungen, wird immer gleich rumgemäkelt. Mich hat “Drive” ziemlich geflasht und mit einigen überraschend unkonventionellen Details absolut überzeugt. Da ich in den Achtzigern aufgewachsen bin, habe ich aber eventuell auch eine besondere Affinität zu solch stylishen Dingen und mich dann sehr über diese Retro-Coolness gefreut. Die zarte, völlig unaufgeregte Liebesgeschichte ist jedenfalls auch phänomenal, und ansonsten handelt es sich einfach um einen ernsten Oldschool-Krimi mit einer Hauptfigur in der Tradition von “Der eiskalte Engel”, etc.

  • http://www.silentrocco.com Silent Rocco

    Für mich sind beide Filme zwei kleine Kinowunder, die für eine Startwoche gesorgt haben, die dieses Jahr wohl nur noch schwer zu übertreffen sein wird. Drive zeigt, was eine fantastische Regie aus – auf dem Papier – absolut herkömmlichen Zutaten machen kann, nämlich ein Meisterwerk. Und zu The Artist: Man sitzt 2012 in einem Multiplex und die versammelte Zuschauerschaft verliebt sich in einen Stummfilm. Das ist magisch! Auch toll diese Riege großartiger Schauspielgesichter in Aktion zu sehen, durch extrem wandelbare und verdammt charismatische Leute wie Mikkelsen, Hardy und eben Gosling (definitert hier moderne Coolness) und Dujardin (beste Grinse der Welt) hat das Geheule nach den Al Pacinos und Robert De Niros einfach keine Daseinsberechtigung mehr. 2 Gründe, 2 durch und durch strahlende Gründe, warum ich Kino – und das so groß wie möglich – so sehr liebe.

  • ALex

    The Artist & Drive jeweils 3 1/2 Sterne. Für mich war Ersterer sehr enttäuschend, btw gab es nicht 2007 nicht schon mal einen Stummfilm aus 2007 (La Antenna)?
    Jedenfalls war mir Drive zwei Kinobesuche wert. Ich war mir nicht sicher ob der Film beim 2. mal Gucken noch ballert, wenn man die Überraschungen wegnimmt und weiss das der Film sehr lang ist. Aber ich muss sagen, das ich ihn sogar noch besser fand. Ich kann nicht erklären warum, aber der Film hat was Hypnotisches an sich. Kann auch sein, dass ich mich mit den stylischen Sequenzen und Kameraeinstellungen eher zufrieden gebe als andere.

    Jedenfalls fand ich die wenigen Autoverfolgungsjagden sehr gut inszeniert, weil Refn in Gegensatz zu sagen wir mal….Michael Bay, es verstanden hat wie wichtig das Setup (Suspense) ist, bevor es zum “Action-Samenerguss” kommt (sorry aber ein anderes Wort fällt mir im Moment nicht ein, wenn Bay im selben Satz steckt). Die Action, genau wie die Gewaltszenen explodieren förmlich, weil sie entweder langsam aufgebaut wurden, oder weil man sie in einer harmonischen Sequenz eingebettet hat. Jedenfalls find’ ich, dass kurze Actionszenen erinnerungswürdiger sind und obendrein mehr Biss haben, als sagen wir mal 30Min Dauer-Action wie zB “Black Hawk Down” oder “Bad Boys2″.

    Ich find’s auch immer wieder interessant wie unterschiedlich die Meinungen sind, was den Driver angeht. Ich fand ihn cool, die Distanziertheit war Teil seines Charakters. Ich konnte zum Beispiel nie was anfangen mit der Clint Eastwood Figur in den Sergio Leone Western (oder Dirty Harry), das fand ich immer künstlich, weil die Figur selten ein nachvollziehbare Motivation hatte. Charles Bronson dagegen fand ich klasse in “Once Upon a time..”, obwohl es ja eigentlich dasselbe stoische Spiel ist. Letztenendes ist es Geschmackssache.

    Der FIlm hatte natürlich seine Schwächen, Brian Cranston fand ich zum Beispiel erstaunlich blass im Film. Auch Christina Hendricks Figur wurde sehr banal in die Handlung eingeführt.
    SPOILER-Alert: Albert Brooks der “Messerexperte” hat nur einen Versuch den Driver zu überraschen und abzustechen, warum er es also auf den Bauch abgesehen hat, bleibt mir immer ein Rätsel. Ich weiß zwar, dass es in 80er FIlmen üblich war (wie in Freitag13.) dass man durch eine Messerattacke in den Bauch abkratzen konnte . Ich denke, dass Drive aber eher als eine Hommage an die 70er als die 80er angesiedelt ist.

    Im Großen und Ganzen fand ich’s erfrischend mal einen modernen Action-thriller zu sehen, der mit alten Mitteln erzählt wird: simpel, ohne viel CGI-Gedöns und dämliche Dialoge.

  • Markus

    The Artist ****1/2
    Drive *****

  • Dave

    Silent Rocco hat in #6 bereits alles gesagt :-)

  • Kazushi

    Zitat: “Was spätestens dann etwas ärgerlich wird, wenn unnötig brutale, ja durchaus sadistische Gewaltszenen als Schockeffekt ausgespielt werden, ohne sie je zu reflektieren oder sie in den Kontext der Person Drivers zu setzen. ”

    Das unterschreibe ich für die Motel-Szene voll, für die Fahrstuhl-Szene trifft es aber ganz und gar nicht zu. Die wird in Kontext zur Hauptfigur gesetzt und ist genau in dieser Brutaliät und mit dem finalen Kamerashot ungemein wichtig. Schließlich wird erst hier final klar, dass es zwischen dem Driver und Irene niemals eine Beziehung geben wird. Sie sieht hier seine wahre Natur, die er ihr nicht zeigen will (wunderbar, wie er sie zuerst ins Dunkle schiebt) Und ihren Gesichtsausdruck, ihre Distanz, die sie nun aufgebaut hat, versteht man nur, wenn man auch selbst das Ergebnis sieht.

  • http://www.klaus-kinski.de spanky

    @Drive: schön, dass dieser hier zusammen mit “The Artist” besprochen wird, denn sie haben eines gemeinsam: auch bei “Drive” geht viel über Mimik, Gestik, Bewegung, Kameraeinstellung, Licht usw. Und der Gosling ist darin mitnichten einfach nur Cool, sondern vermag mit seinem Gesicht auszudrücken, was in ihm vorgeht. Und da brodelt es eben still vor sich hin, wie ein Si(c)komatic, der eben in den “harten” Szenen explodiert. Noch nie wurde das besser dargestellt und auf den Punkt gebracht. Deswegen ist hier bei Batzman (und den anderen, die ihn nicht mögen) wohl eher eine Erwartung enttäuscht worden, dass es sich um einen Actionfilm handelt. Das ist aber KEIN Actionfilm, auch wenn der Titel sowas wie “Transporter 6″ suggeriert. Die Kritik “inhaltsleer” finde ich total deplatziert in diesem Zusammenhang. Dieser Film hat ja sogar mehrere Handlungsstränge, die relativ geschickt ineinander laufen. Aber ich gebe Batz recht: die Potenziale z.B. von Perlman wurden nicht genügend ausgeschöpft, denn an dem Mann kann man sich hier gar nicht sattsehen. Gerne hätte das Ganze also auch noch die 3 Stunden-Marke überschreiten können. Aber so endet es abrupt: offen und interpretationsreich. Perfekt für mich! Meine Wertung: 5 von 5.

  • mein Senf

    Obwohl ich mir “Drive” ohne großartige Erwartungen abgesehen habe, hatte ich im Nachhinnein auch so meine Problemchen mit dem Film.

    Ich würde das ganze mal auf den Begriff “Inkosistenz” reduzieren wollen. “Drive” will viele Widersprüche auflösen. Er will ein ruhiger Actionthriller sein, er will ein zärtlicher Gewaltexzess sein, er lässt ikonenhafte Klischeefiguren auf glaubhafte, dreidimensionale Charaktere prallen und er will nicht zuletzt auch durchgestylt aber gleichzeitig roh daherkommen.

    Dieses Unterfangen gelingt Reyfn stellenweise vorzüglich, scheitert aber eben auch in einem ganz zentralen Punkt. In der Figur des Drivers.

    So sehr mir nach Sichtung des Films spontan danach war, meine Hände in ein Seidenblosson mit Skorpionaufnäher auf den Rücken zu vergraben, mir einen Zahnstocher zwischen die Beißer zu stecken und mit stoischem Blick zu Hamburg zu laufen – die Figur des Drivers ist unterm Strich ziemlich schwachbrüstig und im Zusammenspiel mit den anderen Charakteren mitunter geradezu grotesk.

    Der Driver schwebte förmlich zwischen den Figuren, die angeblichen freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Figuren wirkten auf mich eher wie ein Behauptung bzw. wie eine Selbstsuggestion des Drivers. Als Plotdevice sollten ihn seine Gewaltexzesse ja charakterlich von seinem Love Interest entfernen, tatsächlich war er für mich niemals bei ihr. Die gemeinsamen Szenen mit dem Kind und der Frau wirkten auf mich, als hätte sich John McClane in den Film “Blue Valentine” verirrt. Das süffisante Grinsen sollte wohl Wohlbefinden ausdrücken, Ryan Gosling wirkte in diesen Szenen aber eher leicht belustig, ob des profanen Familiengedöns.

    Auch die Story und damit Motivation für seinen Feldzug war für den Driver wohl eher ein willkommener Anlass, sich mal ordentlich austoben zu können. Emotional mitgenommen oder nachvollziehen konnte ich die ganze Chose jedenfalls nicht.

  • splatterjack

    Drive war eines der besten Stück Celluloid, das ich in den letzten Jahren sehen durfte. Völlig ermüdet von ewigen CGI Schlachten und Bodycounts, die durch die schiere Masse zur völligen Banalität verkommen, war Drive für mich ein absoluter Weckruf sich endlich wieder dem klassischen Kino zuzuwenden.
    Es gab wirklich keine Minute, in der ich mich gelangweilt habe.
    Und gerade die detailierten Gewaltszenen wirkten durch den spärlichen Einsatz enorm aussagekräftig und mitreißend.
    Es hat mich selten eine Szene so mitgenommen, “Spoiler ahead” wie Bernie Shannon die Pulsadern aufschneidet. Diese Intensität hat mich noch mehre Stunden daran denken lassen.
    Meine Freundin war dabei und sie hasst normalerweise diese platten amerikanischen Actionfilme, aber selbst sie war völlig hingerissen. Sicherlich war das zum Teil natürlich auch der Optik und dem Mienenspiel von Ryan Gosling zu verdanken. Selbst aus heterosexueller Mann muss ich zugeben..”Gott sieht der höllisch gut aus”.

    Und das der Produzent in den USA von einem Zuschauer verklagt wurde, weil der Film “zu wenig wie Fast and the Furious ist”, spricht für sich.

    Wer noch nicht im Kino war, geht hin und genießt.

  • Binding

    @ mein Senf: Die “Liebesgeschichte” ist absolut nachvollziehbar, finde ich. Klar bewegt sich der Driver in seiner eigenen abgeschotteten Sphäre und erscheint daher etwas strange bzw. abwesend, aber auf mich wirkte das eher unschuldig-naiv, und von diesem speziellen Standpunkt aus macht die “Beziehung” auch sehr viel Sinn. Er hat ja auch den Anstand, die Frau nicht zum Fremdgehen zu drängen, was ebenfalls die gewisse Zurückhaltung erklärt. Für mich verhält es sich so, dass er ein Stück “Heile Welt” gefunden hat, wo er sich sehr wohlfühlt. Und weil ihm das “heilig” und absolut schützenswert ist, reagiert er später auch so krass. Warum genau er so drauf ist, weiß man halt nicht, aber er hat bestimmt schon viele schlimme Dinge erlebt, würde ich mal meinen. Ein Mainstream-Film hätte uns das wahrscheinlich alles fein säuberlich in Rückblenden erzählt, damit es psychologisch korrekt erklärbar wird. Dass genau das nicht passiert und die Vergangenheit des Drivers ausgespart bleibt, ist einer der Riesen-Pluspunkte des Films!

  • Dr.Strangelove

    Fand beide Reviews super. Zu “The Artist”. Konzeptuell ist der Film super. Aber mitfiebern tut man eben nicht. Deswegen ist der Film Filmhistorisch ganz toll… aber… ich habe wirklich Angst das “The Artist” eben zu DEM Film wird der alte Stummfilme verschwinden lässt. Statt sich die Buster Keaton Reihe anzuschauen … schaut man eben einfach “The Artist” an. Da wird eh jede Minute zitiert. Von Buster Keaton, Charlie Chaplin, Jerry Lewis (gar nicht ein mal Stummfilm.) Selbst ich kenne viel zu wenig Filme aus der Zeit. Wenn ich mich dafür interessiere wird jeder zweite Typ sagen: “Ach, schau dir einfach The Artist an”. Das ist quasi ein “Best Of Film” aller Stummfilme. Vielleicht ist das zu pessimistisch. Aber so sehe ich das.

  • Binding

    @ Dr. Strangelove: Ich weiß, was Du meinst. Aber nach dieser Logik erübrigt sich nach dem Schauen eines Tarantino-Films ein Viertel der Filmgeschichte! Man könnte es auch so sehen: Man interessiert sich dadurch sogar mehr für die Vorbilder bzw. will etwas sehen, das man eventuell noch nicht kennt.

  • mein Senf

    @Binding:
    Das der Driver keinerlei Backround spendiert bekommt, finde ich okay. Ist ein ziemlich raffinierter Drehbuchkniff, um dem Zuschauer durch die pure Reduktion ein Höchstmaß an Projektionsfläche zu geben, in die er dann selbst so etwas wie charakterliche Tiefe hineininterpretieren kann. (böswillige Menschen würden dem Drehbuch da allerdings pure Faulheit unterstellen)

    Für mich hat das Ryan Goslings Charakter aber nie wirklich eingelöst.

    Die zärtliche Annäherung zwischen den beiden hätte ja auch ganz gut werden können. Durch den Zusammenprall zwischen Ryan Goslings comichaften Charakter und Carey Muligan durchaus glaubwürdiger Figur haben diese Szenen für mich nie wirklich funktioniert. Zumal diese Facette harter-Kerl-sehnt-sich-nach-einem-normalen-Leben den Klischeegehalt von Goslings Figur ja er bestätigt als widerlegt.

    “Drive” bleibt unterm Strich leider nicht mehr als ein sehr schick, gestylter Pulp, der mit seinem arthousigen Ansatz leider etwas langamig ist und inhaltliche Substanz vortäuscht, aber nicht wirklich einlöst. Ich hab letzten “The Limey” von Steven Soderbergh gesehen. Der hat mit ganz ähnlichen Problemen zu kämpfen, sieht aber nur halb so gut aus.

  • Eddie

    Drive 10/10
    Der Autor scheint nicht wirklich Ahnung zu haben.
    Das ist ein Meisterwerk der Ästhetik. Wie man sich dabei langweilen kann ist mir unbegreiflich. Hab ihn mir zweimal hintereinander angesehen und höre den Soundtrack seit dem jeden Tag. Am Wochenende werde ich ihn mir nochmal ansehen. Ein Genuß.

  • Flow

    The Artist habe ich leider noch nicht gesehen. Finde aber die Idee gut, in Zeiten des ganzen nervigen 3D-Effekt-Overkills dem Kinopublikum einen Stummfilm “zuzumuten”. Die Stummfilme funktionierten doch aufgrund ihrer ausdrucksstarken Bilder bzw. der Mimik und Gestik der Darsteller, versucht doch mal Transformers ohne Ton zu schauen, das ist unmöglich (naja mit Ton leider auch)!
    Drive ist auch für mich eine kleine Perle, finde es übrigens sehr gut dem Driver keinen fundierten Background zu geben, warum auch zum Teufel, was sollte sich für den Zuschauer groß ändern??Read between the lines ist hier angesagt, wenn Gosling eiskalt seine Gegner killt, dann beginnt doch erst das Kopfkino, dann vermutet man doch einfach: Hey der Typ ist doch nicht nur ein kleiner getaway car Driver. Ich stehe einfach auf diese fiesen kleinen, in sich abgeschlossenen Storys wie in Drive oder History of Violence. Kurze Momente heftiger Gewalt und ruhiger Spannungsaufbau.

  • k-d

    “Ist ein ziemlich raffinierter Drehbuchkniff, um dem Zuschauer durch die pure Reduktion ein Höchstmaß an Projektionsfläche zu geben, in die er dann selbst so etwas wie charakterliche Tiefe hineininterpretieren kann. (böswillige Menschen würden dem Drehbuch da allerdings pure Faulheit unterstellen)”

    nein faulheit weniger, dafür spielt drive viel zu viel mit metaebenen und referenzen. es ist kein zufall, das er einen scorpion auf der jacke trägt und die fabel vom “frosch und dem scorpion” in den raum wirft. der scorpion kann seiner natur nicht entfliehen und der driver nicht seiner gewalt. in gewisserweise erkennt sich der driver selbst als archetypen, ist jedoch dazu verdammt eben diesem zu enstprechen. das schafft jetzt nicht unglabliche tiefe, zeigt aber das da mehr dahinter ist, als ein genre-refernenz-retro-film mit gelackter optik.

  • http://blog.jensprausnitz.com jp

    Werde mir THE ARTIST wohl ansehen, obwohl ich nicht so recht damit warm werden möchte, will an dieser Stelle nur einwerfen, dass Aki Kaurismäki 1999 einen ganz wundervollen Stummfilm gedreht hat: JUHA. Den kann ich jedenfalls neben den Originalen heute noch wärmstens empfehlen.

  • http://amigr.tumblr.com amigr01

    @ Dr. Strangelove: “Selbst ich”
    lol!

    drive war für mich .. n drive. supergut. unglaublich ästethisch. super score. “youre a real heroooo…”.
    hat mich gefesselt, der film.
    haben aktuelle filme in letzter zeit selten so geschafft. bei mir :)
    hanna kam da noch dran.

    bisher 2 mal gesehn. freue mich shcon riesig ihn mir beim 3. mal im kino zu sehn. in der OF :)

  • nico

    gestern “drive” erleben dürfen…gott, ist der gut. ich habe kein problem damit wenn ein film primär durch atmosphäre & ästhetik funktioniert, im gegenteil. berauschende hypnotik welche mir zu keiner sekunde das gefühl gab: “hey, look at me, THIS is art!”

    groß!

  • http://blockbusterandmore.blog.de blockbusterandmore

    Nichts gegen Batzman (Oliver) persönlich und jedem seine Meinung… Auch seine soll gewahrt bleiben, und im Prinzip ist und bleibt er ja trotz diskutabler Reviews ein sympathisches Kerlchen… :) Das The Artist Review von ihm war meiner Meinung nach schön zu lesen, obwohl die Punktzahl etwas zu niedrig ausfiel…Bei Drive beschleicht mich aber das ungute Gefühl, das der Film ein gutes Stück an ihm vorbeigesaust ist, warum auch immer… Stress, Hektik? Die falsche Perspektive?… Höchstwahrscheinlich… Vor allem in Bezug auf den Einsatz der Gewalt in “Drive” kann ich ihm leider überhaupt nicht zustimmen…
    Denn “sicherlich” ist diese kunstvoll wie schon lange nicht mehr gefilmt worden… Da könnte man schon mal ins Grübeln kommen, welchen Sinn und Zweck das ganze überhaupt macht. Allerdings hat diese ja ihren Ursprung / ihre Konsequenz als tun und handeln der verschiedenen Protagonisten, sie resultiert aus deren Motivationen, alle (Nino, Standard, Bernie, Blanche, die den Driver mit ihrem Partner besch… möchte, der Driver) verfolgen unterschiedliche Interessen, und da gerät man halt in (blutigen) Konflikt miteinander etc. pp… Und so offenbart sich die Gewalt nicht als reiner Selbstzweck, sondern ergibt sich situationsbedingt und auf Grund der verschiedenen menschlichen Naturelle, die aufeinander prallen und eine Co-Existenz der Involvierten im etablierten Kosmos unmöglich machen…ganz die klassische Gangart halt… meine Meinung:

    http://blockbusterandmore.blog.de/2012/02/02/drive-2012-kritik-12621114/

    Beste Grüsse

  • http://blockbusterandmore.blog.de blockbusterandmore

    Und im übrigen kann man verstehen, das Batz die fehlende Entwicklung von Nino und Irene “erst einmal” kritisiert… Bei genauerem hinsehen wird aber deutlich, das zumindest Irene und der Driver am Anfang eine Entwicklung in der Geschichte von “Drive” durchmachen… Sie verlieben sich ineinander… Wobei dann Irene genau wie Nino (Ron Perlman) später die Funktion eines klassischen McGuffins erfüllt, um die Handlung voranzutreiben… Es bleibt aber nach wie vor diskutabel, ob man überhaupt ein klassisches, oft benutztes “Krimi” und “Thriller” Element wie einen McGuffin, welcher die Handlung vorantreibt, überhaupt kritisieren und als trivial erachten kann, Nicolas Winding Refn inszeniert ja durch diesen Kunstgriff eine klassische Täter/Opfer, Jäger-Gejagte Konstellation, einen waghalsigen Ausstieg aus dem Milieu, bei denen der Zuschauer sich mit allen Beteiligten, vor allem mit dem Driver, dank des Erzählelements des McGuffins, locker identifizieren kann…. Denn vor allem beide genannte Protagonisten (Nino und Irene) sind als McGuffin dazu dazu, um überhaupt das Naturell des Drivers (im guten, aber auch sehr stark im schlechten) kenntlich zu machen. Und wird dessen Naturell offen gelegt, wird auch vor allem Ende deutlich, warum er am Ende von Drive als tragische, gescheiterte, aber trotzdem zutiefst menschliche Figur gilt, welche das Herz entgegen einiger Meinung nicht unberührt lässt und schon einige Betrachter seit mehreren Tagen beschäftigt…. Zur emotionalen Wirkung trägt dann natürlich auch der Soundtrack von Electric Youth bei… Im Kontext der Geschichte ergibt die Figur des Drivers, auch unter Zuhilfenahme “dieses” Elements… dann eine wesentlich tiefere und wesentlichere Bedeutung… Im übrigen nutzten ja bereits viele große Regisseure (darunter Alfred Hitchcock und Orson Welles) einen klassischen McGuffin, und trotzdem funktionierten ihre Filme blendend.

  • ism

    Ich kann die Review gut nachvollziehen, jedoch frage ich mich: warum 3.5 Punkte? Aber Schnickschnack, hier mein Senf:
    “Drive” ist der wohl am höchsten überbewertete Film der letzten Zeit.
    Tomatenreduktion schmeckt nach Tomate. Dieser Film gleicht dem Versuch,
    nur mit Wasser eine schmackhafte Reduktion zu kochen – geht nicht!

    “Drive” versucht seine Stärken mit großer, oft verkrampft wirkender
    Ruhe auszuspielen, offenbart dabei jedoch vor allem Schwächen. Die
    kühle, äußerst minutiöse Ästhetik, die leeren Gesichter – all das hätte
    wirklich cool sein können, jedoch werden wir den Eindruck nicht los,
    dass “Drive” viel mehr will, als es kann, und somit all seine Trümpfe
    verspielt. Eine schwache Story, mäßige Dialoge, emotional nur äußerst
    grob gezeichnete Charaktere und solides, aber nicht herausragendes
    Schauspiel können leider nicht ausgeglichen werden durch den oft sehr
    guten, teils jedoch arg plumpen, kitschig-verbalen Soundtrack und
    plötzliche, ungehemmte Gewalt und auch nicht durch einige durchaus nett
    anzusehende Einstellungen.

    Unterm Strich bleibt “Drive” bestenfalls Durchschnitt und wirkt
    durchgehend etwas unentschieden. Für einen wahren Kunstfilm zu stumpf.
    Für einen wahren Driver-Film zu wenige Verfolgungsjagden – und erst ein
    Rennauto zu zeigen und dann kein einziges Rennen, das verstößt nicht
    ohne Grund gegen alle Regeln eines guten Drehbuchs. Wenn es sich ein
    Film herausnehmen darf, solche Regeln zu brechen, dann muss er schon
    mehr zu bieten haben. Für einen wahren Gangsterfilm zu wenige (nämlich
    keine) coolen Sprüche. Für reinen ästhetischen Genuss zuviel
    bedeutungsvoll-bedeutungslose Stille und zuwenig ästhetische
    Eigenständigkeit und Innovation. Für einen Heldenfilm zu wenig
    sympathischer Held oder ätzender Antiheld, obwohl im Soundtrack
    explizit vom “Helden” die Rede ist. Die langsame Kamera, die
    reduzierten Posen – all das macht den Anschein, subtil sein zu wollen,
    jedoch hat hier offenbar jemand vergessen, dass für wahre Subtilität
    auch immer Unterschwelliges transportiert werden muss. Für einen
    Kurzfilm hätten die in “Drive” enthaltenen Ideen durchaus gereicht, so
    jedoch bleibt es bei einem schönen Bildschirmschoner. Und – Hand auf’s
    Herz – die Figuren wirken doch wirklich viel öfter “awkward” als
    “cool”. Alles in allem sind selbst die meisten Jason Statham- und
    Arnold Schwarzenegger-Filme nicht nur unterhaltsamer sondern in ihrer
    ästhetischen Stringenz sogar kunstvoller als dieses Werk.

    Im Mainstream fällt dieser Film durch Andersartigkeit auf, und
    hierdurch lässt sich wohl auch die positive Resonanz aus allen Ecken
    erklären. Diese mir unerklärliche Lobhudelei ist aber für mich auch das
    Interessanteste an diesem Film und der einzige Grund für mich, diese
    (meine erste) Rezension zu verfassen um das Bild etwas zurecht zu
    rücken. Drive darf sich keinesfalls mit thematisch oder atmosphärisch
    vergleichbaren Filmen wie “Ghost Dog”, “Bullit” oder sogar “Lost
    Highway” in eine Reihe stellen und setzt auch nicht entschieden genug
    Zeichen als eigenständiges Werk. Für mich ist er weder als Kunstwerk
    noch als Unterhaltungsfilm relevant.

    5 von 10 Punkten.

  • Binding

    @ ism: “Alles in allem sind selbst die meisten Jason Statham- und
    Arnold Schwarzenegger-Filme nicht nur unterhaltsamer sondern in ihrer
    ästhetischen Stringenz sogar kunstvoller als dieses Werk.”
    Deine negative Meinung zu “Drive” sei Dir ja gestattet. Aber diese Aussage – jedenfalls der ästhetische Teil – geht ja wohl gar nicht. Hallo? WTF? Nichts gegen Statham und Arnie, aber da habe ich wohl die letzten 30 Jahre irgendwie ganz andere Filme gesehen als Du.

  • ism

    Ok, zugegeben: Dieser Teil meiner Kritik war besonders scharf formuliert, jedoch hatte ich gerade “Total Recall” gesehen so wie vor einiger Zeit “Crank” und fand die Bildsprache beider Filme überzeugender. Wichtig ist hierbei mein Wörtchen “Stringenz”: wie ich oben eingehender beschrieben habe, fehlt mir diese in Drive und, auch wenn er schön anzusehen ist, auch was das Optische angeht. Ich hoffe, das wird in meiner Kritik verständlich. Klar, viele Bilder sind wirklich sehr bedacht durchkomponiert, aber insgesamt hinterlässt die Ästhetik von “Drive” bei mir keinen bleibenden Eindruck, ganz im Gegensatz zu o.g. Filmen, die sich natürlich viel offener als Mainstream geben. Ich habe aber oben auch andere, kunstvollere Filme aufgelistet, und wenn ich an optische Leckerbissen denke, fallen mir auf die Schnelle noch “I’m a Cyborg, but that’s OK”, “Baraka”, “No Country For Old Men” und einige andere Filme ein, die mich wirklich vom Hocker hauen konnten.

  • Binding

    @ ism: Nun gut, die beiden genannten Beispiele mit Arnie und Statham sind in der Tat welche, die auf ästhetischer Ebene interessanter sind als andere. Aber trotzdem kann man die mit “Drive” nicht wirklich vergleichen (höchstens noch inhaltlich vielleicht, weil die Protagonisten jeweils verfolgt werden, aber auch das passt hier nicht so gut). Deine anderen Beispiele sind auch alles Topfilme mit besonderer Ästhetik, ja. Aber auch davon kann man höchstens das Coen-Beispiel mit “Drive” vergleichen, wenngleich die “Tonart” der Filme ja auch wieder komplett anders ist.
    Aber es geht ja auch gar nicht darum, Filme gegeneinander auszuspielen, sondern man muss schauen, wie ein einzelner Film aus künstlerischer Sicht überzeugt oder nicht. Und da hat “Drive” eindeutig was drauf und setzt starke Ausrufezeichen. Manche werfen ihm ja gerade deswegen sogar vor, er sei substanzlos und vernachlässige seine Story und Figuren. Aber auch hier wieder: Seine “Tonart” ist halt eine ganz individuelle, die – je nachdem, was man für Erwartungen bei so einem Film hat – auch für Enttäuschungen sorgen kann.
    Als Cineast kann ich aber hier wirklich nicht anders als zu sagen, dass der Regiepreis von Cannes absolut berechtigt gewesen ist, weil “Drive” was Besonderes ist und große Filmkunst darstellt.

  • Pfuenf

    „The Artist“ war für mich ein ganz besonderes Erlebnis. Es war einfach beeindruckend wie Mimik und Gestik die Sprache ersetzen. Wie sehr man auf optische Details achtet wenn die Augen das einzige Medium sind, das den Film wahrnimmt. Wobei das nicht ganz stimmt, den Musik gibt es ja. Und die spiegelt hervorragend das Stimmungsbild der jeweiligen Szene wieder. Das ganze Filmerlebnis empfand ich als intensiver als bei Tonfilmen, was über die banale Story durchaus hinwegtröstet. Außerdem nutzen die Macher die Zeit die ihnen diese einfache Story gibt, um dem Zuschauer die Bedeutung der Technik zu zeigen auf die sie hier bewusst verzichten. Ebenso werden die Vorteile der Texteinblendungen genutzt um dramaturgisch den Zuschauer zu täuschen.
    Zu Beginn ist die Sprachlosigkeit natürlich ungewohnt, ich brauchte ein paar Minuten bis ich mich daran gewöhnt hatte. Viele Leute können sich vermutlich gar nicht damit anfreunden, daher ist es wohl wirklich ein „Hate oder Love“ – Film

  • ism

    Danke, Binding, für deine Antwort. Ich denke, wir könnten uns jetzt darin ergehen, genau auseinander zu klamüsern, warum wir so unterschiedlicher Meinung sind. Letztendlich erweckt Drive bei mir den Eindruck sehr großer Bemühung um kunstvolle Ästhetik, die Ästhetik haut mich aber einfach nicht um. Ich glaube, das sind ganz persönliche Ansichten und Eindrücke dieses Filmes, und ich glaube bei manchen, wie dir, wirkt er halt, bei anderen, wie mir, eben nicht… Ist auch nicht weiter tragisch, denke ich. Nur, dass wir wohl nie so recht verstehen werden, was der andere im Film (nicht) sieht.

  • toocoolforschool

    ja, was war das jetzt, was ich da eben gesehen habe. Eigentlich nur ein weiterer Entwurf eines zeitgenössischen Superburschi. Wie Mechaniker-Mike selbst sagte: wie kann man nur so dumm sein? Kann man nicht. Der Film hält seine Zuschauer offenbar für sehr naiv. Wäre ich das, und eine Frau oder schwul, wäre ich jetzt wahrscheinlich verliebt. Diese Selbstlosigkeit, toll, das ist wahre Liebe. Missfallen, daß seine Perle ein Blag hat, zögern, sich vielleicht mit ner Million Piepen aus dem Staub zu machen, nee, solche Gedanken kommen ihm gar nicht erst. Und diese Souveränität, mit der er den bösen Burschen die Fresse, poliert, toll!! All for love und seine Ideale! Harte Schale, weicher Kern, das ewig wiederkehrende Prinzenbild. Da möchte man sich doch direkt an seine Brust kuscheln und sein prächtiges Glied streicheln.
    Welche Qualitäten muss man laut Film eigentlich als Frau heutzutage mitbringen? Hübsch aussehen und tolle Kerle toll finden. Ah ja.
    Da gefielen mir die anderen Charaktäre des Films doch deutlich besser, die machten nämlich nicht den Anschein, daß sie einem Märchenbuch entsprungen sind. Sowas soll man für voll nehmen?! Ästethisch macht Drive natürlich ordentlich was her, aber sich nur auf die Verpackung jetzt einen runterjubeln, hmm nee. Das bekommt man bei Tarantino auch, bloß daß seine Figuren mit einer nötigen Portion Ironie serviert werden.

  • ALex

    @toocoolforschool:
    Ich liebe es wenn Leute diesen Spruch bringen: “Mann, warum hat der das Geld liegen lassen, dieser Trottel!”
    Du hast aber anscheinend nicht viele Filme gesehen, oder? Weißt du nicht was in Filmen passiert, wenn man eine Tasche voller Geld findet/besitzt die einem nicht gehört. In dem Fall gehörte das Geld wie immer der Mafia, ich weiß ja nicht wie wertvoll du dein Leben erachtest, aber wenn es einen Ausweg gibt (und den gibt es nicht oft), aus so einer Situation heil rauszukommen (denn die Mafia wußte zu dem Zeitpunkt nicht wer das Geld gestohlen hat). Dann würde ich nicht zweimal überlegen, aber die Gier des Menschen ist nun mal unermesslich;)
    Ich tippe mal dass du Pulp Fiction gesehen hast, aber ansonsten kann ich dir auch “No country for old men” empfehlen.

    Und warum alle DRIVE ständig mit dem stumpf-gewordenen Stil Tarrantinos vergleichen, wird wohl immer ein Rätsel bleiben. Aber immer wieder herrlich zu lesen, wenn Leute sich über Drive aufregen. Klasse Film:)

  • Tony

    “drive” hat auch mit steve mcqueen soviel zu tun wie “valhalla rising” mit “pathfinder”. thema verfehlt, setzen, sechs.

  • r3v

    @Tony
    Es steht auch nirgendwo das “Drive” etwas mit Steve McQueen zu tun hat. Weiß nicht wo du das gelesen hast. Er vergleicht Gosling mit Steve McQueen und Eastwood und zieht ein Fazit aus dem Vergleich. Sonst nichts. Ob das mit den Rollen von McQueen in “Bullit” und Eastwood in allen seinen Filmen ausser die “Brücken am Fluß” zu tun hat ist reine Spekulation.

    @Drive
    Ich finds amüsant wie die Leute sich über das Review aufregen. Man könnte meinen es geht hier garnicht um einen Film zu dem man eine subjektive Meinung haben könnte sondern um eine Mathematikaufgabe die Batzmann falsch beantwortet hat.

  • http://dasmanifest.com Thorsten Hanisch

    Die Leute, die “Drive” hier miesmachen, sind genau die Leute, die mir mit ihrem Gequatsche, Telefongebimmel, SMS-Getippe und Reingerufe, ständig JEDEN auch nur ansatzweise etwas ruhigeren Film vermiesen.

    Aber ich hab gute Neuigkeiten: Bald kommt GI JOE 2: Da macht’s dann wieder BOOM, PIFF, PAFF und PUFF und jeder auch minimale Handlungsbrocken wird gaaaanz ausführlich erklärt…damit’s nicht ganz so weh tut, da oben, zwischen den Ohren!

    Und wenn ich sowas lese: “Der ominös brummende Soundtrack” wird mir schlecht. Abseits von Klingeltönen wird wohl wirklich nichts mehr als Musik wahrgenommen, oder?

  • Binding

    Das mit Steve McQueen kommt daher, weil er oft ähnliche Rollen gespielt hat und weil “Drive” eine Hommage an Siebziger-Krimis ist, also an Filme aus McQueens Ära. Außerdem gab es 1978 einen Film namens “Driver” mit ganz ähnlichem Inhalt.

  • http://filmkritilik.blogspot.com/ Blubp.

    Beide Kritiken passend getroffen, obwohl ich mit Driver nicht ganz einverstanden bin. Ich habe mich riesig gefreut, Ryan Gosling in ein einer nicht-Lover-Rolle zu sehen. Er ist der Bursche, der (nur) Fahren kann. Er ist einfach nur cool. Das ist so einfach, so genial! Habe gehört, dass das Driver-Projekt anfangs blockbuster-mäßig geplant wurde, aber dann doch mit weniger Geld (und mehr Coolness) auskommen musste. Gut so, gut so.

  • jelen

    Kann diese Meinung bezüglich Drive ebenfalls nicht nachvollziehen. Der Film bietet viel viel mehr als “nur” Action und Ästhetik. Wie jemand über mir bereits sagte, spielt er mit Metaebenen und schafft es gleichzeitig, seine eigene Kreation zu sein. Mich hat er unglaublich in seinen Bann gezogen. Die angesprochene “leere Coolness” des Drivers hat mMn Sinn und ist ein ganz bewusst gewähltes Bildnis. Die typischen Heldencharaktere in Superhelden- und Spaghettiwestern-Genres werden durch Driver gefiltert und ihre zerstörerische Natur aufgedeckt. Der Film dekonstruiert quasi das Superhelden-Schema; Driver, unser “Held”, wandelt sich im Laufe der Handlung zu einer erschreckenden Gestalt, erscheint fast schon wie ein Villain in einem Horrorfilm (die Szene am Strand mit der Maske) und offenbart das Wesen von Charaktern dieser Art als ähnlich destruktiv und entmenschlicht.

    Aus einem Review, das, wie ich finde, dem Film gerechter wird: “To be able to fly a fighter jet with extreme will and confidence like Tom Cruise in Top Gun, you would have to be borderline psychotic in your devotion to flying and everything you do. To take down a ring of Special Forces drug dealers with precision and extreme prejudice like Mel Gibson in Lethal Weapon, you’d have to not just almost go crazy, but actually do so. The point is, there’s no room for a tender, caring protagonist who can also brutally take down the antagonist – there is only the single drive to accomplish a goal. That might be winning the heart of the leading lady, or it might be taking out every single one of the criminals arrayed against you without a second thought. But the morality and consequences of those goals is secondary to their importance to the character. Basically, just as Watchmen looked at superheros and said “These are the personality types who would actually fight crime in masks,” Drive tells you “This is the person you were rooting for as he got the girl and rode off into the sunset 20 years ago.” It’s the same person who doesn’t even blink as he kicks in a man’s skull.” http://goo.gl/67jXB

  • Tony

    @ Binding – exakt.

  • Doughnut

    Drive fand ich auch ziemlich seltsam.
    Gut, dass jemand oben Ghost Dog genannt hat als Vergleich, denn an Ghost Dog hat mich dieser scheinbar in sich ruhende Driver, den Gosling spielt, auch anfangs erinnert. Der war nicht “cool”, der war einfach nur ein stiller, gelassener und recht einfach gestrickter Typ, wie Ghost Dog eben. Auch die Lovestory fand ich deshalb zu Beginn noch glaubwürdig, denn die extrem zurückhaltende, im entscheidenden Moment aber kein bisschen schüchterne Art des Drivers gegenüber der von Carey Mulligan gespielten Nachbarin, das passte wunderbar.
    Später wurde dann aber auf einmal so getan, als ob er in Wahrheit eine tickende Zeitbombe wäre und die Ruhe nach außen nur mühsame Beherrschung seines eigentlich jähzornigen Charakters (Fahrstuhl).
    Und an der Stelle hab ich das Interesse verloren … zumal ja auch außer der nur angedeuteten Lovestory nichts Erwähnenswertes passiert in dem Film (die Hauptstory ist bestenfalls ausgelutscht).
    Ob die misslungene Charakterisierung des Drivers nun Goslings Schuld oder die des Regisseurs oder Drehbuchschreibers ist, kann ich nicht beurteilen.
    Ich kann dem Review jedenfalls nur uneingeschränkt zustimmen. Noch so ein Hype-Film, über den in ein paar Jahren keine Sau mehr reden wird.

    Mit The Artist ging es mir wie mit Hugo Cabret, ich sah die Schwächen, mochte den Film aber trotzdem.

  • Torsten

    “nur der Stummfilm habe Zukufunt”
    Was ist Zukufunt, könnte nicht vielleicht doch Zukunft gemeint sein? ;)

  • http://www.meinlieblingsfilm.de jensdausd

    Erstmal vielen Dank an die Betreiber für die Mühe, die Ihr Euch mit diesem Blog macht! Und an alle anderen für diese muntere, kontroverse Diskussion.
    Nun zu Drive: Für mich ist das ein klassisches Western-Thema, und selten wurde der “Lonesome Rider” so elegant in die metrosexuelle Ära übersetzt. Von mir 5 Sterne!

  • ism

    Mein Eindruck bestätigt sich: die meisten, die Drive als “ruhig” und “anders” loben, gehen davon aus, dass die, die es nicht tun, bloße Popcorn-Kinogänger sind, die den Holzhammer im Film brauchen.
    Das Gegenteil ist der Fall: ich schaue gern mal Mainstream-Kino, aber kunstvolle Filme überwiegen bei mir. Und ich sage es noch mal deutlich: Drive stinkt einfach gewaltig ab gegenüber den meisten wirklich guten Filmen mit künstlerischem und ästhetischem Anspruch, die ich gesehen habe. Wer nur das guckt, was in der Regel in Deutschland im Kino läuft, mag Drive toll finden, wer jedoch schon zahllose “ruhige” und “andersartige” Filme gesehen hat, so wie ich, der mag geneigt sein, Drive doch im mittleren Mittelfeld einzureihen.

  • Heinz

    Etwas spät, aber vielleicht liest es ja noch einer.

    “Die Leute, die “Drive” hier miesmachen, sind genau die Leute, die mir mit ihrem Gequatsche, Telefongebimmel, SMS-Getippe und Reingerufe, ständig JEDEN auch nur ansatzweise etwas ruhigeren Film vermiesen.”

    Ich denke nicht dass das der umbedingt der Fall ist, siehe ism, aber die genannten Punkte sind der Grund wieso ich mir die Filme dann doch meist weit nach dem Kinostart zuhause auf der großen Leinwand anschaue. Da labert dann auch keiner rein und ich muss niemandem aufs Maul hauen.

    Der Film allerdings lässt mich seit zwei Tagen nicht mehr los und der Soundtrack läuft auf Dauerschleife. Ich denke auch dass sich das nicht völlig begründen lässt. Bei mir und scheinbar auch bei vielen anderen hat er einfach einen Nerv getroffen. Das beginnt schon am Anfang (nach dem Job) als die Skyline von LA erscheint und die tolle Musik läuft. Oder später, als er nach dem Ausflug an den Wasserlauf den kleinen in Slowmow auf dem Arm trägt und die Mutter danach in der Nahaufnahme gezeigt wird. Das mag alles völlig kitschig sein, aber es trifft auch teils den 80s Nerv meiner Kindheit. Also Kunst oder nicht Kunst, der Film hat mich auf jeden Fall umgehauen.

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