Berlinale-Review: Lost In Paradise

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Originaltitel: Hot boy noi loan
Herstellungsland: Vietnam 2011
Regie: Vu Ngoc Dang
Darsteller: Luong Manh Hai, Ho Vinh Khoa, Linh Son, Phuong Thanh, Hieu Hien

★★☆☆☆

Die englische Übersetzung des ausgeschriebenen Originaltitels von “Lost In Paradise” fasst im Wesentlichen zusammen, worum es in diesem Film geht: “Rebellious Hot Boy and the Story of Cười, the Prostitute and the Duck” erzählt von heißen Typen, einer Prostituierten und dem geistig behinderten Cười, der ein Entenei mit sich herum trägt. Eines Tages übrigens schlüpft das Küken und dann spielen die heißen Typen und die Prostituierte erst einmal keine so große Rolle mehr, weil der Film alle Gelegenheiten nutzt, die Mensch-Tier-Freundschaft in herzzerreißende Bilder zu übersetzen. Eigentlich aber geht es schon um die heißen Typen, die Stricher auf den Straßen Saigons, die an Lebens- und Liebesfragen verzweifeln. Aber dann doch auch wieder um die Prostituierte, in die sich der obdachlose Entenmann verliebt.

Man ahnt es schon, die zwei parallelen Handlungsstränge wissen beide nicht recht, wohin mit sich. Ungelenk changiert Regisseur Vu Ngoc Dang zwischen schwuler und heterosexueller Annäherungsgeschichte, die in beiden Fällen den Weg über die emotionale Isolation und soziale Verkümmerung des anonymen Großstadtmolochs hin zum fürsorglichen Miteinander und den ganz großen wahren Gefühlen geht. Die zwei Paarentwürfe sind queer gedacht, interessanterweise folgt die Liebesgeschichte zwischen Stricher und Neuankömmling dabei dem deutlich konventionelleren Verlauf.

Sonderlich aufregend hingegen nehmen sich beide nicht aus. Das junge schwule Glück bekommt hier und da ganz ein paar ganz niedliche Momente, muss jedoch auch ständig und überall Tränen vergießen. Und der zweite Handlungsabschnitt ist leider erst gar nicht ernst zu nehmen, so die süße Ente und ihr obdachloses Herrchen einzig aufs Crowdpleasing abgerichtet werden – das Kükenäquivalent zum kleinen Hündchen aus “Beginners” und “The Artist” belegt: bestimmten Gesetzen folgt das Mainstream-Kino wohl tatsächlich überall in der Welt auf ganz ähnliche Weise. Die ultraschmalzige Musik plus softiger Popsongs tut da ihr übriges.

Apropos Mainstream: “Lost In Paradise” ist der erste größere Film aus Vietnam, der schwule Protagonisten in den Mittelpunkt rückt und dabei nicht verhöhnt, was Vu Ngoc Dangs Großstadtsonett nicht nur hier auf der Berlinale internationale Festivalaufmerksamkeit eingebracht hat. Möglicherweise also erfüllen die Feel-Good-Einlagen und mitunter allzu exzessive Schönbilderästhetik demnach auch eine strategische Funktion. Erträglicher wird diese bestimmt rundherum gut gemeinte, aber unrettbar mechanisch konstruierte Tragikomödie dadurch allerdings auch nicht.

“Lost In Paradise” läuft im Panorama der 62. Berlinale. Weitere Vorführungen:

11.02. – 20:15 Uhr Cubix 7 & 8 Interlock
16.02. – 19:00 Uhr CinemaxX 7
17.02. – 17:45 Uhr CineStar 3
18.02. – 20:15 Uhr Cubix 7 & 8 Interlock

In : Review

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Rajko Burchardt mein es gut mit den Menschen. Die Spielwiese des Bayerischen Rundfunks nannte ihn vielleicht auch deshalb "einen der bekanntesten Entertainment-Blogger Deutschlands".

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2 Comments

  1. burns

    Ein Trailer, den ich leider wegen seines grauenhaft-kitschigen Klaviergesummsels nicht mal zur Hälfte anschauen konnte.

  2. André

    Wenn du das Mainstream nennst, dann brauchst du einen Nachhilfekurs. Mainstream ist was ganz anderes.
    Denn ganzer Artikel klingt nicht wirklich nach einem Rückblick sondern eher wie bloßes Meckern aus Prinzip.

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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


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    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14