Berlinale-Review: Die Eiserne Lady

36 Comments

Originaltitel: The Iron Lady
Herstellungsland: GB 2011
Regie: Phyllida Lloyd
Darsteller: Meryl Streep, Jim Broadbent, Anthony Head, Richard E. Grant, Roger Allam, Olivia Colman, Julian Wadham

½☆☆☆☆

Weil wohl keine Besprechung des Thatcher-Films ohne Worte schäumenden Sprudels über Meryl Streeps ja so, so eindrückliche Verwandlung zur britischen Regierungschefin auskommen darf, sei gleich vorneweg gesagt: Fieberhafteres Acting wird man dieses Jahr sicherlich nicht mehr im Kino zu sehen bekommen. Wahrlich eisern, jaja, tut sie es Habitus und Körpersprache der Iron Lady gleich, am Rande zur Selbstparodie und in der Anmutung zeitweilig wie eine aufgetakelte Drag Queen auf Amphetamin. Folglich zelebriert dieser Film weniger den Thatcherismus der 80er Jahre, als vielmehr den Streepismus des Schauspielgewerbes: Ein Verkaufsargument namens Mimikry.

Und der Film? Das weiß er selbst am allerwenigsten. Mal versucht “The Iron Lady” die Titelfigur auf vollkommen absurde Art zur feministischen Lichtgestalt im von grinsenden Männerfratzen dominierten Madhouse-Parlament zu erklären (bis hin zur Bildebene: während eines Stromausfalls in einer Kabinettssitzung zückt Thatcher die Taschenlampe!), um sich dann wieder auf deren Darstellung als verwirrte alte Witwe konzentrieren zu wollen, die sich ihren verstorbenen Ehemann noch immer Kreuzworträtsel lösend an die Seite denkt. Thatchers Weg von der Vorsitzenden der Conservative Party zur ersten Premierministerin des Vereinigten Königreichs wickelt der Film mittels einer rund fünfminütigen Zeitmontage gleich noch im ersten Drittel ungalant ab, um nachgerade auch die weiteren politischen Stationen ihres Lebens beiläufig streifen und hinter Unwesentlicherem anstellen zu können.

Phyllida Lloyd, Regisseurin des heiteren “Mamma Mia!”, interessiert sich eben mehr für die Frühstückseier kochende Iron Housewife, als für den Falklandkrieg, die Kopfsteuer oder den IRA-Terrorismus. Einen solch positionslosen, die Verhältnisse geradezu negierenden Film über eine der entscheidenden Führungsfiguren gesellschaftlicher Scherung, unrechtmäßiger Reichtumsverteilung und der wirtschaftlichen Ökonomie des Neoliberalismus in Zeiten von Bürgerprotesten und Occupy-Initiative an den Start zu bringen, kommt schon einer künstlerischen Chuzpe gleich. Allzu grauenvoll nimmt sich die – nicht einmal schematische, sondern schlicht planlose – Inszenierung aus, wenn sie nahezu jede Szene mit einer ansprechend ins rechte Licht gerückten und irgendwelche fancy Catchphrases abspulenden Streep zu beenden meinen muss.

Seine Verzichtserklärung gegenüber Haltung und Stellungsnahme umgeht “The Iron Lady” indes mit einer mehr oder weniger konsequenten subjektiven Erzählperspektive, aus der heraus Thatcher in nächtlichen Anfällen von Demenz und Wahnsinn selektive Ereignisse ihres Lebens in Erinnerung ruft. Eine ganz ähnliche Vorgehensweise zeichnete kürzlich Clint Eastwoods trügerisches Biopic “J. Edgar” aus, das das persönliche und berufliche Schaffen des FBI-Gründers in ein quasi-autobiographisches Framing band. Dieser Kunstgriff jedoch gab dem Film, in dessen Zentrum ja ebenso eine der herausragenden Persönlichkeiten des Konservatismus des 20. Jahrhunderts steht, Anlass zu bitterem Revisionismus, der den Hoover-Mythos gleich noch im Angesichte seines Helden zerlegte.

Warum der hier präsentierte Gedankenstrom hingegen, der letztlich natürlich doch nur einer des Drehbuchs ist, das den Point of View der Titelfigur lediglich behauptet, immer wieder um teils profanste Privatangelegenheiten kreist, mutet dann schon ein wenig merkwürdig an in der vermeintlich greisen Rückschau einer Frau, die ihr ganzes Leben der Politik verpflichtete. Derlei krude narrative Absichten mögen ja vielleicht noch den Mangel an kritischer Auseinandersetzung mit Margaret Thatcher verkleiden, ihrer Person aber werden sie mit Sicherheit nicht gerecht. “The Iron Lady” ist so über alle Maßen banal und austauschbar, wie gerade das politische Wirken der Margaret Thatcher es eben nicht war.

“The Iron Lady” läuft im Wettbewerb der 62. Berlinale als Sondervorführung. Offizieller Kinostart ist am 1. März.

In : Review

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Rajko Burchardt mein es gut mit den Menschen. Die Spielwiese des Bayerischen Rundfunks nannte ihn vielleicht auch deshalb "einen der bekanntesten Entertainment-Blogger Deutschlands".

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  • dok

    selten wusste ich so schnell und so sicher , dass ich einen potenziellen oscar-film scheisse finden würde . dieses vernichtende review hätte es dazu noch nicht mal gebraucht , es bestätigt aber meine sämtlichen vorurteile , verstärkt diese noch und fügt sogar neue hinzu .

    was ist bloss aus der engagierten silkwood-darstellerin geworden ? oder war das vielleicht auch nur einer von vielen oscar-anläufen und sonst gar nichts ?

  • xVx

    Gutes Review.

  • Frybird

    Auch wenns eine Stuntwertung ist (ohne ihn gesehen zu haben schätze ich doch zumindest das der Film handwerklich ok ist und das wenigstens Anthony Head und Jim Broadbent für unterhaltung sorgen und damit der Film objektiv vermutlich etwas mehr als diese Minimalwertung verdient hätte), finde ich es doch schön das das offensichtliche angesprochen wird.

    Das kontroverse Lebenswerk einer Person quasi komplett zu ignorieren für eine 08/15 Hollywood-geschönte Message ist alles in allem ziemlich pervers.
    Passiert leider ja immer mal wieder

  • adi

    Mal wieder eine richtig gut geschriebene Rezession. Vielen Dank für die Warnung.

  • Casaloki

    Frau Streep behauptet ja, dass sie sich eine Woche lang eingeschlossen hat, um die Person quasi zu verinnerlichen. Das ist dabei dann wohl nicht schwer gefallen, wenn die kontroversen Seiten der Figur gleich mal unter den Tisch fallen. Das führt dann letztendlich zu einem typischen Hollywoodprodukt ohne Ecken und Kanten. So sehr ich diese Dame verabscheue, ich hätte mir einen kritischen Film eben über diese Themen, die hier ausgelassen werden, gewünscht. Aber wahrscheinlich will man der noch lebenden Ikone des Neoliberalismus nicht zu nahe treten. Wird denn wenigstens die Haltung von Fr.Thatcher zur Wiedervereinigung thematisiert? Wenn ich nur nach der Review hier gehe und die Berichterstattung im Fernsehen sehe dann wird das Bild eines typischen Oskar- und Wettbewerbfilmes gezeigt, der nur dadurch “interessant” wird, weil Frau Streep mitspielt.
    Danke, diese Review hat meine Befürchtungen bestätigt, werde ich mir weder im Kino noch auf DVD angucken.

  • marco

    Bin grad aus der 10h vorstellung und kann mich nicht erinnern wann ich mich im Kino zuletzt so geärgert habe über einen Film (und über das kritiklos klatschende Publikum). Deiner Rezension kann ich nur zustimmen.

  • genervt

    Danke, danke, danke!

  • QueerJoe

    Was soll der Scheiß mit der Drag Queen am Anfang. Typisch homophobe Nerdschreibe..

  • Habib

    Chuzpe oder doch eher Kalkül?

  • kumi

    @ QueerJoe:

    Also … eine unaufgetakelte Drag Queen hab ich noch nie gesehen. :-)

    Okay, passt nicht ganz, wenn eine Frau eine Frau spielt, aber so recht homophob möchte ich das jetzt nicht finden.

  • Doughnut

    Offensichtlich mag Jet die Streep nicht.
    Und offensichtlich ist der Film ne ziemliche Zeitvergeudung.
    Mehr kann ich aus diesem viel zu umständlich (einige ziemlich überflüssige Verschachtelungen) und gleichzeitig polemisch geschriebenen Verriss (ohne dabei wenigstens unterhaltsam zu sein) da oben nicht herauslesen.

  • FrancineFishpaw

    Rajko und homophob? Der ist doch auf dem selben Dampfer unterwegs.

  • Basti

    QueerJoe ist ja mal megaputzig!

  • Dr. Habib

    “Offensichtlich mag Jet die Streep nicht.
    Und offensichtlich ist der Film ne ziemliche Zeitvergeudung.
    Mehr kann ich aus diesem viel zu umständlich (einige ziemlich überflüssige Verschachtelungen) und gleichzeitig polemisch geschriebenen Verriss (ohne dabei wenigstens unterhaltsam zu sein) da oben nicht herauslesen.”

    Dann haste nicht richtig gelesen. Muss ich den Jet ausnahmsweise mal in Schutz nehmen. Springender Punkt der Kritik ist doch, dass die neoliberale Ideologie, die Thatcher nun mal wie keine andere verkörpert, auch wenn Angie ihr gerade den Posten streitig macht, weder hinterfragt noch großartig thematisiert wird. In Zeiten der marktkonformen Demokratie (TM) also eine verschenkte Möglichkeit, oder, wie ich das sehe, bewusst lancierte Propaganda.

  • Doughnut

    So kann man das natürlich auch sehen. Ich würd es eher so bewerten, dass die Macher einfach feige waren, Stellung zu beziehen. Am Ende des Films hat jeder dasselbe Bild von ihr wie vorher, scheint ja laut Review möglich zu sein.

    Und ja, der Artikel ist mir etwas zu umständlich. Gut formuliert, keine Frage, aber unnötige Anglizismen (Framing? ernsthaft?) und beim Übergang vom vorletzten zum letzten Absatz zwei für mich nur schwer verständliche Sätze. “bitterem Revisionismus”? Hoovers Legende/Nimbus ist schon seit Jahrzehnten zerstört. Heutzutage sieht man ihn vor allem auch in den USA extrem negativ. Revisionismus heißt für mich in dem Fall aber, dass der Film ihn positiv darstellt … was dann natürlich nicht zum Rest des Satzes und schon gar nicht zu Clint Eastwood passt. ^^
    Und der Satz danach ist noch schlimmer, weil aus redundanten Satzteilen zusammengesetzt…
    Ach egal. Jedenfalls ist mir das einfach zu umständlich, sry.

  • Doughnut

    Und wieso nur ein halber Stern? Gibt es da nicht noch technische Qualitäten, Musik, Schauspiel (die Streep magst du nicht, gegessen, aber was ist mit den anderen?), Dramaturgie (selbst wenn es eine für ein Thatcher-Portrait völlig verfehlte ist, klappt sie in sich?), wasweißichdenkdudirwasausdubist derverdammtekritiker.
    Und was soll der Dünnpfiff mit dem “Streepismus des Schauspielgewerbes”?
    Man kann doch nicht einfach so eine der bedeutendsten Schauspielerinnen der Gegenwart mit derartiger Polemik abfrühstücken, ohne sich wenigstens die Mühe zu geben, das ansatzweise zu begründen! Schreib wenigstens, dass du sie nie mochtest oder für waaaaahnsinnig überschätzt hältst, dann weiß man, woran man ist.
    “Fieberhaftes Acting”? Soll das heißen, dass sie kein Overacting betreibt? Was ist dann an fieberhaftem Arbeiten auszusetzen?
    Dieser ganze Review spult außerdem in sage und schreibe 4 Absätzen immer dasselbe Argument ab. Wenn er nur wenigstens unterhaltsam wäre.

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de/jet-strajker/ Jet Strajker

    Du nervst.

  • konbob

    das, was du über die streep schreibst, ist in meinen augen absolut falsch und ungerecht. wie es scheint wolltest du dich nicht auf sie einlassen.

    meryl streep ist als margret thatcher definitiv authenthisch und überzeugend. sie spielt unglaublich intelligent und nuancenreich, ihre augen sagen meist viel mehr als der häufig pathethische text (obwohl ich viele passagen ziemlich weise finde). sie harmoniert wahnsinnig gut mit ihrem spielpartner broadbent und beweist eine bewunderswerte körperlichkeit, wenn es darum geht, die alte thatcher darzustellen. in streeps darstellung von der eisernen lady vereint sich intellekt, spielfreude, körperbewusstsein und fingerspitzengefühl. darauf kann jeder schauspieler neidisch sein.
    ihr macht das so schnell keiner nach!

    dass der film schwächen hat, die nicht zu leugnen sind, ist offensichtlich. die dramaturgie hat meines erachtens nacht absolut nicht gestimmt und ging nicht auf. anstatt den zuschauer in die eindrucksvolle geschichte der politikerin zu ziehen, wird er immer wieder auf distanz gehalten, ob der ganzen sprünge in die gegenwart der alten dame.

    aber an dem grandiosen spiel von meryl streep ist absolut nichts auszusetzen! allein wegen ihr sollte man sich den film ansehen!

  • Doughnut

    Mir klar, dass dich das nervt. Deine unmögliche Polemik gegen Meryl Streep und das wiederkäuen der immerselben Leier in wie gesagt 4 Absätzen nerven mich aber auch:
    Ein einfaches “Ich wollte kein Biopic der privaten Thatcher, ich wollte nen Film sehen, in dem dieser Rechten-Mythos zerstört wird! Ich will mein Geld zurück! Buhuhuhuhu!!” hätte es auch getan.
    Aber ok, andere scheinen das ja zu mögen.

  • Flow

    Wow, thats capitalism, get over it…Thatcher hat eben diesen nicht erfunden, nur konsequent durchexerziert..in Zeiten von Occupy und ACTA muss solch ein Film natürlich politisch korrekt kritisieren, aber genau das vermeiden die Macher und konzentrieren sich auf die Person Thatchers…im übrigen Falkland und die Kohleminen etc..das 1. war eine faschistische Militärjunta und das 2. eine extrem defizitäre Angelegenheit..ich will eigentlich nur sagen, wer eine angesagte Kapitalismuskritik sehen will, der schaut sich besser eine Doku an..

  • Casaloki

    Schon richtig erkannt. “das 1. war eine faschistische Militärjunta und das 2. eine extrem defizitäre Angelegenheit.” Aber: Das erste hat zahlreiche Menschenleben für ein paar Inseln am A… der Welt gekostet, dass zweite eiskalt massenhaft Leute in die Arbeitslosigkeit ohne Alternativen entlassen. Das geht auf ihr Konto, und wenn man solche entscheidenen Wegmarken in einem Spielfilm aus dem Leben einer Politikerin ausklammert oder banalisiert kann man sie auch gleich zu Melodien von Andrew Lloyd Webber singen lassen. Nicht die Demenz oder ihre Mädchenjahre sind interessant und machen die öffentliche und sehr kontroverse Person Thatcher aus, sondern eben diese Punkte und vor allem auch ihre Haltung zur Wiedervereinigung. Alles andere ist Hollywood-Schmarn. Klar kann man daraus eine Doku machen, aber vielleicht auch aus diesen kontroversen Punkten einen hervorragenden Film? ;-)

  • genervt

    @20
    Im nächsten Teil spielt Streep die Großtante von Muammar al-Gaddafi in einer rührenden RomCom, mit Vanessa Hessler in einer Nebenrolle. Wer eine angesagte Regimekritik sehen will, der schaut sich besser eine Doku an..

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de/jet-strajker/ Jet Strajker

    :D

  • Flow

    @genervt

    und wer keine Argumente hat, der wird polemisch..oder meditiert mit David Lynch für den Weltfrieden..:-P

  • Dr. Habib

    @Flow: Und wer noch weniger Argumente hat, weil er eigentlich garkeine Meinung zu garnichts hat, zieht die “politisch korrekt” Karte oder am besten gleich den “Gutmenschen” (TM) aus dem Ärmel. Is eben alles “alternativlos” (TM).

  • Flow

    @ Dr. Habib

    ich wußte es..die Anmerkung zu “politisch korrekt”..sorry das ich nicht in deinen paranoiden Neoliberalismus-Wahn verfallen möchte..übrigens finde ich den Film auch nicht besonders gelungen, aber das aus handwerklichen Gründen..

  • fichte

    “Dieser Kunstgriff jedoch gab dem Film, in dessen Zentrum ja ebenso eine der herausragenden Persönlichkeiten des Konservatismus des 20. Jahrhunderts steht, Anlass zu bitterem Revisionismus, der den Hoover-Mythos gleich noch im Angesichte seines Helden zerlegte.”

    Ich hab den Satz jetzt 5x gelesen und immer noch nicht kapiert. Da warte ich doch lieber auf eine Rezension auf Bild.de

  • Dr. Pro. Habib

    Flow: Wahrhaft wahnhaft, von einem Thatcher Biopic irgendeine Form von Auseinandersetzung mit dem Thatcherismus zu verlangen. Wäre ja fast so abstrus, wie ein Film über Stalin, in dem es um Stalinismus geht.(<-Steilvorlage für dich, bitte verwandeln)

  • Doughnut

    @ Casaloki:
    “Nicht die Demenz oder ihre Mädchenjahre sind interessant und machen die öffentliche und sehr kontroverse Person Thatcher aus, sondern eben diese Punkte und vor allem auch ihre Haltung zur Wiedervereinigung.”
    Wieso ist das nicht interessant? Das ist doch nur für die Leute nicht interessant, die eh nicht an der Person interessiert sind und daran, wie sie zur “eisernen Lady” wurde. Also für Leute mit Vorurteilen, die ihnen heilig sind (“Gott bewahre, dass diese Menschenfresserin etwas Menschliches an sich gehabt haben könnte!”) und gering ausgeprägter Neugier.
    Ich weiß selbst, dass der Falklandkrieg unnötig war und dass das eher ein populistisches Muskelspiel und damit ein unverantwortliches Spielen mit Menschenleben war (der Krieg selbst war ja wie immer nur eine Folge ins Leere laufender Drohgebärden, nach denen man keinen Rückzieher mehr machen konnte), quasi zum Schmeicheln der angeknacksten Moral des “Empire”. Keine Ruhmestat, wär gut, wenn mir mal ein Film erklärt, wer an dieser aberwitzigen Aktion welchen Anteil Verantwortung trägt. Schade, dass es dieser offenbar nicht macht.
    Was ihre Wirtschafts- und Außenpolitik angeht: Da sind die Meinungen verschieden, ganz einfach. Ich seh das eher wie die Mehrheit hier, habe aber auch wenig Ahnung und plappere in der Frage also größtenteils anderen nach. Trotzdem wird grad diese Frau imo etwas verdächtig stark dämonisiert.
    Ihr Misstrauen der Wiedervereinigung gegenüber war angesichts der Geschichte übrigens völlig berechtigt, Frankreich war ja ähnlich zögerlich damals. Ist aber am Ende auch egal, denn weder Thatcher noch Mitterrand waren töricht genug, sich gegen den Lauf der Geschichte stellen zu wollen.

  • Casaloki

    Sorry, ich hab den Film nicht gesehen. Aber soweit ich das aus der Rezension oben heraus verstehe gehts gar nicht darum zu zeigen, wie aus einer Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen eine Kämpferin für den Neoliberalismus wurde. Ich zitiere: “Thatchers Weg von der Vorsitzenden der Conservative Party zur ersten Premierministerin des Vereinigten Königreichs wickelt der Film mittels einer rund fünfminütigen Zeitmontage gleich noch im ersten Drittel ungalant ab, um nachgerade auch die weiteren politischen Stationen ihres Lebens beiläufig streifen und hinter Unwesentlicherem anstellen zu können.” Um was gehte es denn dann? Was machte denn diese Person so interessant? Woran erinnert man sich denn, wenn es um sie geht? Wie lautet der Titel der Filmes? Und wie passt dann der Titel zum Gezeigten? Verstehe ich das richtig: Die unterschwellige Botschaft des Filmes ist, dass sie eine Kämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen in England ist und ihr ist quasi en passant die Verbesserung der Stellung der Frau zu verdanken? Absurd, den Orden heftet sie sich doch wahrscheinlich nicht mal selber an. Das hat doch dann nix mit Interesse oder Desinteresse an der Person zu tun sondern mit einer Sissifizierung (abgeleitet von Sissi von Österreich, nicht Sissy im englischen Sinne) und Legendenbildung a la Hollywood. Klar, auch sie war natürlich Mensch und hatte postive und negative Seiten, Familie, Privatleben, usw. Alles prima. Und Hitler mochte Schäferhunde, und Stalin Kinder und Mao ging gerne schwimmen im Yangtze. Wird aber außer Guido Knopp oder Kim Yong Il keiner Filme drüber drehen. Denn: Das ist nicht das Entscheidende. Eine Geschichte über Magareth Thatchers Leben ohne die Zeit als Premierministerin ist doch dann unvollständig, wenn man den Anspruch hat zwar die Entstehung zu zeigen, aber sich dann nicht am Ergebnis reibt, nämlich der Eisernen Lady der 80er Jahre und nur ihre positiven Seiten zeigt. Dann gebe ich Dir recht: Das interessiert mich nicht.

  • Doughnut

    Vielleicht war ja die der Weg von der Parteivorsitzenden zur Premierministerin biographisch eher uninteressant, wer weiß?
    Außerdem geht es bei einer Biographie, auch einer filmischen, normalerweise eh nicht vorranging um die öffentliche Rolle, sondern selbstverständlich um den Menschen dahinter, ohne alle Etiketten, Verklärungen und Verunglimpfungen.
    Und was genau ich mir unter “kritischer Auseinandersetzung” vorstellen soll, ist mir auch nicht ganz klar. Mir scheint, keinen, der so etwas von Vornherein fordert, interessiert wirklich die Person Margaret Thatcher, man möchte stattdessen wohl einfach nur die leicht empörte, rein rhetorisch gemeinte Frage beantwortet bekommen, was für ein Mensch so wie sie handeln würde (ein Unmensch selbstverständlich).

  • Frybird

    @Doughnut:

    “Und was genau ich mir unter “kritischer Auseinandersetzung” vorstellen soll, ist mir auch nicht ganz klar. Mir scheint, keinen, der so etwas von Vornherein fordert, interessiert wirklich die Person Margaret Thatcher, man möchte stattdessen wohl einfach nur die leicht empörte, rein rhetorisch gemeinte Frage beantwortet bekommen, was für ein Mensch so wie sie handeln würde ”

    Das halte ich für eine sehr kritische Fehleinschätzung.

    Ich finde wenn man das Schaffen einer Person ausser Acht lässt, egal obs nun um “die Person” oder “den Menschen” geht, verpasst man das was Biopics gerade so interessant macht.
    Filme wie “The Social Network” sind für mich eben GERADE deswegen interessant weil man Einblicke gewinnt wie eine Person tickt das sie das macht was sie ausmacht, und wie sie persönlich zu ihren Entscheidungen steht (Selbst wenn/falls Social Network einen bestenfalls vagen Realitätsbezug hat). Fehlt das, dann ist für mich die Person nur ein sprechender Pappaufsteller und das Thema verfehlt, oder schlimmstenfalls verdreht.

    Wenns nur darum geht (so wie es mir in Iron Lady vorkommt), die Geschichte einer realen Person so zurecht zu stückeln, das sie in ein Drama mit konkreter Message passt, frage ich mich allen Ernstes ob man das nicht mit einer fiktiven Story besser hinbekommt…

  • Doughnut

    Stimmt schon.
    Bei Thatcher haben allerdings fast alle lediglich 2-3 Dinge im Hinterkopf, die sie irgendwann in ihrer politischen Laufbahn mal entschieden hat, und darauf möchte man nun alles fokussiert haben. Das wär aber ebenso verkürzt wie meine zugegeben etwas zu schubladenartig öffentliche und private Person trennende Argumentation oben.
    Politiker sind allerdings zum Großteil eh nicht sonderlich interessant, finde ich, auch Spitzenpolitiker nicht. Dazu handeln die meisten von ihnen zu sehr nach Parteizugehörigkeit, Wählerlaunen oder lassen vieles Wesentliche von externen Beratern vorbereiten, um dann nur noch unten drunter ihr Kreuzchen zu machen. Für mich gibt es keinen Grund anzunehmen, dass grad Margaret Thatcher da eine Ausnahme macht. Und falls sie in Bezug auf ihr “politisches Lebenswerk” ebenso langweilig und fremdgesteuert sein sollte wie all die andern Politiker vor und nach ihr, wär es doch nur verständlich, wenn so ein Biopic sich eher auf die private Thatcher konzentriert.

  • burns

    @konbob: “allein wegen ihr sollte man sich den film ansehen!”
    Autsch. Willkommen bei den Leuten, die sich absoluten Nonsens angucken, nur weil wahlweise Jack Black / Leonardo diCaprio / etcetc. mitspielen.
    Es gibt genügend Schauspieler, die ich selber auch schlichtweg fantastisch finde.
    Aber den Studios Geld in den Rachen schmeißen, nur um dann Besagte/n beim präsentierten Acting zuzuschauen, das geht nicht.

  • konbob

    @burns:
    aber absolut geht das. ich bin kein fan von online streaming und wenn ich ein programmkino damit zusätzlich zum puren genuss des merylischen schauspiels unterstützen kann, gehe ich allemale in kinos, nur um mir die gute anzuschauen.

  • Yellow Rabbit

    Ich hab den Film gesehen und ja, ich muss zugeben, er ist nicht so gut, wie ich mir erhofft hatte, denn die Rückblicke und ständigen Schwankungen zwischen ihrer politischen Geschichte und ihrem alten Selbst sind extrem verwirrend und verschlucken tatsächlich viel von ihrer Karriere, aber das war auch gewünscht. Der Film hatte nie den Anspruch ihre Karriere Stück für Stück zu dokumentieren, oder jedes Detail einzubringen – auch wenn ich zugebe, dass viel auf der Strecke bleibt! Aber Lloyd hatte eigentlich die Idee auch mal auf die menschlichen Seiten Thatchers aufmerksam zu machen, wie sie auch in Interviews erwähnt hat. Dass die Dramaturgie da nicht ganz geklappt hat ist eine Sache. Dass es euch vielleicht nicht gefallen mag eine andere.
    Wenn ihr eine Beleuchtung Thatchers als Mensch nicht sehen wollt, dann lasst es bleiben, dass ist in Ordnung. Aber wegen persönlicher Abneigungen Filme als grundsätzlich schlecht zu markieren zeugt weder von guten Manieren, noch von viel Ahnung.

    Was Streeps Schauspielkunst angeht kann ich ebenfalls nur sagen, dass sie genial ist und sie sich den Oscar verdient hat. Wenn ihr persönlich Streep nicht mögt ist das auch eurer Bier, aber zu sagen ihre Darbietung wäre schlecht gewesen ist dann einfach nur erbärmlich. Denn ehrlich gesagt ist genau das der Grund, warum es sich lohnt den Film zu sehen, auch wenn man findet, dass eine genauere Darstellung Thatchers politischer Karriere besser gewesen wäre. Denn Streep gibt alleine durch Schauspiel einen Blick auf die Persönlichkeit der Eisernen Lady – ob sie nun so ist, oder nicht!
    Und was heißt da “Streepismus” und erneuter “Oscaranlauf”? Zu ersterem kann ich nur sagen, dass nicht umsonst ein Drama um sie gemacht wird, denn immerhin ist sie eine der – wenn nicht die, aber das ist Geschmackssache – besten Schauspielerinnen der Welt und das hat sie auch schon mehrfach bewiesen. Wenn man also um ihren Namen Drama macht, dann weil jeder weiß, dass sie großes Kino bietet. Ob du sie nun magst, oder nicht!
    Zu zweiten muss ich sagen, dass es einfach nur lächerlich ist so etwas zu sagen. Was soll uns das denn bitte sagen? Dass Streep nur versucht Oscars zu bekommen? Ja… das sind SICHER ihre Motive gewesen. Deswegen hat sie bestimmt auch sämtliches verdientes Geld gespendet. Weil sie einen Oscar wollte und nicht, weil die Frau sie interessiert hat. Sicherlich. Mal davon abgesehen, dass es arm ist sie so negativ darstellen zu wollen, denn auch wenn sie nicht alle siebzehn Nominierungen gewonnen hat heißt das nicht, dass alles, was sie nicht gewonnen hat schlecht war. Es war immerhin gut genug für eine Nominierung. Also bitte.

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