Kurz vor den Oscars, hier ein paar aktuelle und ein paar nachgeholte Reviews.
Hugo – USA 2012




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Nach dem enttäuschenden Trailer der eine Kinderlovestory im Amelie-Look versprach, ist der Film letztlich eine positive Überraschung. Auch wenn Asa Butterfield hauptsächlich aus blauen Kulleraugen und schiefer Schnute besteht, funktioniert seine Figur hinreichend gut um in die Geschichte zu ziehen. Natürlich wird er von Chloe Morez in jeder Szene die die beiden zusammen haben an die Wand gespielt, aber dennoch wünscht man dem armen Waisenkind, dass es seinen Sinn im Leben finden möge.
Die Story, so konstruiert sie auch ist, schafft tatsächlich die Begeisterung für das frühe Kino des Trickfilmpioniers George Méliès in angemessene Bilder umzusetzen, die auch dem heutigen Publikum eine Ahnung von der Faszination geben, die die simplen Effekte damals gehabt haben müssen. Natürlich geschieht dies meist durch kühle berechnetes Stellvertreterstaunen, aber was einem Spielberg recht ist, sollte Scorcese nur billig sein. Ben Kingsley legt viel Gravitas und Wehmut in seine Figur, die von allen im Film am menschlichsten wirkt. Neben ihm geraten viele der anderen Nebencharaktere leider zu Holzschnitten, die bewusst auch “skurrilen Charme” gebürstet sind, deren Subplots aber leider mehrheitlich im dramaturgischen Nichts enden. Schade um großartige Schauspieler wie Richard Griffths, Frances de la Tour und Christopher Lee, die zwar immer eine Freude anzusehen sind, letztlich aber nur malerisches Hintergrundrauschen gerieren, ohne tatsächliche Relevanz für die Geschichte zu haben.
Gewöhnungsbedürftig auch der hochartifizielle Look, der manchmal funktioniert, manchmal aber auch aus Story reisst, genau wie das uneinheitliche 3D das nur in wenigen Momenten interessant wirkt, meist aber egal ist oder sogar (wie im von ILM hingeschluderten Eingangs-Shot) billig wirkt und genau die Stimmung zerstört, die der Film zu erzwingen sucht. Vieles ist zu dick aufgetragen, die Farben zu bunt, der Dreck zu malerisch, das oh-so-französische-Flair das mittels penetranter Musikuntermalung wie aus einem Pepe-Le-Pew-Cartoon wirkt. Stellenweise versucht der Film einfach zu sehr niedlich, pitoresk und adorable zu sein und hämmert einem die Poesie ähnlich wie Amelie mit dem Holzhammer ins Auge.
Zum Glück gibt es auch die kleinen intimen Momente, die anrührenden Szenen in denen Scorceses Liebe zum Film und zu Méliès sichtbar und nachspürbar wird. In denen er sich mehr auf die Schauspieler, als auf die künstliche Bahnhofswelt verlässt und die Akteure einfach nur miteinander reden lässt.
Da berührt der Film, da gelingt ihm dann tatsächlich für Sekunden die Magie zu erzeugen, die er oft nur behauptet. Wenn Méliès sich enttäuscht weinend aufs Bett fallen lässt, wenn er letztlich doch einen seiner Filme nocheinmal mitansieht, sagt das mehr aus als überkandidelte Traumsequenzen oder die stets zur Fremdscham einladenden Klamottereien des penetrant chargierenden Sacha Baron Cohen, dessen Bahnhofspolizist die anstrengenste und unangenehmste Rolle des ganzen Films ist.
Der Philosophie der Mechanik und das jedwedes Ding seine Funktion hat und repariert werden kann, ist Scorcese dann gerade im Finale doch etwas zu sehr verhaftet, wenn sich die Figuren nicht als lebendige Menschen sondern nur als Bauteile in eine perfekte Erzählmaschine einfügen, deren Ziel das Happy End ist. Denn ein kleines bißchen fehlt dem Film, wie auch dem Automaton den der junge Hugo zusammenbaut das echte, schlagende Herz, das auch dann weitertickt, wenn niemand mehr den Schlüssel umdreht.
Ghost Rider – Spirit of Vengeance – USA 2012






Eigentlich klingt es wie eine unschlagbare Mischung. Mr. Psycho Cage plus die Regie-Berserker Neveldine/Taylor. Und tatsächlich macht der zweite (angeblich für sich selbst stehende, letztlich aber doch wie ein Sequel wirkende) Ghost Rider mehr Spaß als sein träger Vorgänger. Die Kameraarbeit ist gewohnt abgefahren, der Schnitt ebenfalls und Cage grimassiert und chargiert sich schön over-the-top durch das Spektakel. Kann man gucken. Doch natürlich gibt es ein ABER, denn was dem Film fehlt ist leider spektakuläre Größe und die nötige Gravitas, die die Story über das Niveau einer TV-Folge Supernatural heben. Die günstigen Locations (der Film wurde in Rumänien und der Türkei) fallen leider doch auf, denn es mangelt an spektakulären Landschaften, epischen Bildern und generell dem ganz großen Spektakel, dass man von einem zünftigen Ende-der-Welt-Dämonen-Fight erwartet. Da sich Neveldine/Taylor hier erstmals an einen PG13-Streifen gewagt haben, bleibt das Ganze auch relativ harmlos und brav was die Fightszenen angeht – es ist wie Crank mit angezogener Handbremse. Die Story um den Sohn des Teufels, der sein Schicksal zu erfüllen hat bleibt weit unter ihren Möglichkeiten, weder der Gewissenskonflikt noch die Verführung werden spürbar dramatisiert und das obwohl Ciarán Hinds als Teufel durchaus eine ansprechende Besetzung ist.
Schafften es die beiden Regisseure sowohl die Crank-Filme als auch Gamer auf inspirierte Weise viel teurer und rasanter wirken zu lassen, als es die Budgets vermuten ließen, wird hier deutlich, dass knapp 60 Millionen für einen Studiofilm anscheinend doch zuwenig sind, um mehr abzuliefern als gedämpftes Spektakel ohne große Spannung oder Schauwerte. Was letztlich bleibt ist Cages Performance und einige starke Kamerasperenzchen und das sehr offensive 3D – das ist okay, aber leider nicht wirklich die Explosion die ich von Neveldine/Taylor und Cage erwartet hätte.
Underworld Awakening – USA 2012






Ächz. Die wohl unsympathischte Actionheldin geht in die dritte Runde, nach ihrer Auszeit im vorigen Teil. Selena metzelt sich gnadenlos durch die Gegend, massakriert Schuldige wie Unschuldige auf bestialische Weise – und das alles für eine nicht existente Handlung und Actionszenen die aus dem Wiederkäuen der ewig gleichen Posermomente besteht. Selbst wenn die Zeit drängt findet Selena immer noch Zeit in Slowmo den Catwalk zu machen. Das ganze ist natürlich weniger spannend oder mitreissend als mit der Zunge an einem 9-Volt-Block zu lecken, aber vermutlich reicht es den Fans immer nur more of the same zu servieren. Selbst die schlechten Resident Evil-Teile wirken gegen diese öde und zynische Metzelarie noch wie innovatives Autorenkino und gegen Beckinsales Selena bietet Mila Jovovich mit Alice eine tiefgründige Charakterstudie.
Das die Rendereffekte der Wölfe auf dem Niveau einer Xena-Folge sind und das Charakterdesign eher aussieht als hätte ein Troll einen Gorilla gevögelt, sei nur noch am Rande erwähnt.
Unerfreulich, unnötig und sterbenslangweiliges Formelkino dessen angedrohte Fortsetzung uns hoffentlich erspart bleibt.
Verblendung – USA 2011






Nicht wirklich schlecht, nur unglaublich überflüssig. Fincher hat außer seinen sterilen Hochglanz-Bildern der Story nichts wirklich neues hinzuzufügen. Der geleckte Look nimmt dem ganzen aber auch viel von der Unmittelbarkeit und Rauhheit der schwedischen Verfilmung, schafft Distanz und lässt spürbar kälter. Rooney Mara wirkt leider auch eher wie ein Mädchen aus gutem Hause, dass zu Halloween als Cracknutte geht, als tatsächlich wie die authentische Naturgewalt, als die Nomie Rapace Lisbeth Salander spielte. Daniel Craig fehlt die knarzige Unscheinbarkeit von Michael Nyqvist – er wirkt zu cool, zu heldenhaft. Technisch ist das Ganze okay, aber genau wie das Remake von So finster die Nacht bleibt der Beigeschmack, dass hier unnötig etwas nachgedreht und geglättet wurde, ohne dabei tatsächlich etwas originär neues zu schaffen.
Die Drei Musketiere – (The 3 Musketeers) US/Deutschland 2011






Ich wage es kaum zu sagen, aber ich hab mich durchaus gut unterhalten gefühlt. Als moderne Antwort auf die überkandidelten, albernen Lester-Verfilmungen aus den 70ern ist der Film durchaus ein annehmbares Guilty Pleasure. Er nimmt sich nie ernst, noch behauptet er eine sehr werkgetreue Verfilmung zu sein. Die Schauspieler sind sich durchaus der cartoonhaftigkeit ihrer Figuren bewusst und spielen entsprechend und in dem Kontext ist das ganze ein harmloser, unterhaltsamer Spaß.
Logan Lehrman, der in Percy Jackson an Gesichtslähmung zu leiden schien, ist als D’Artagnon ein ganze passable Besetzung, der zwar nicht an Michael York heranreicht, aber eine weit bessere Figur macht als Chris O’Donnel seinerzeit. Gleiches gilt für die restlichen Musketiere. Mila Jovovich als Mylady macht ebenfalls Spaß, genau wie Christoph Waltz als verschlagener Kardinal (auch wenn er nicht an Tim Currys überdrehten Wahnsin heranreicht).
Selbst die finale Luftschlacht mit den “Air-Ships” war im Grunde ganz putzig anzusehen. Die Musketiere sind pures Popcornkino mit hohem Slapstick-Trash-Faktor und als solche das Ansehen wert – und sind wir mal ehrlich, auch die Vorlage war eher packender Abenteuer-Schmöcker als feinsinnige Literatur.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Februar 26th, 2012 •
- 21 Kommentare
- Schlagwörter: David Fincher, Ghost Rider 2, Hugo, The Girl with the Dragon Tattoo, underworld4
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