Gefährten (War Horse) – USA 2011






Junge freundet sich mit Pferd an. Als das im ersten Weltkrieg als Kriegspferd verkauft wird, setzt er alles daran es wiederzufinden….
Selbst ein besserer Regisseur als Steven Spielberg hätte wohl seine Schwierigkeiten aus diesem Kinderbuch, diesem My-little-Pony–with-Weapons-Abenteuer etwas ansehbares zu machen. Und über Spielberg wird die Luft ja, trotz Ausfällen, immer noch ziemlich dünn. Was ihn bewogen haben mag diese Story zu verfilmen weiß ich trotz diverser Making-Of-Interviews nicht, noch was der Appeal der Geschichte sein soll. Vielleicht funktioniert es stilisiert auf der Bühne ja besser und vielleicht sieht Spielbergs Film deswegen auch aus wie eine Mischung aus Bauerntheater, Titanic – quasi Von der Wunde verweht. Aber der Film ist wirklich ganz gruselig fade. Der Hauptdarsteller Albert (Jeremy Irving), ein Kritikerkollege nannte ihn verdient den ältesten Teenager der Welt, ist derart charismalos und austauschbarer Hunk, dass es schwer fällt ihn auch nur auf der Leinwand zu bemerken – und das in einem Spielbergfilm, der bislang immer ein Händchen dafür hatte gute Kinderdarsteller zu casten. Das Pferd… ist nunja ein Pferd und auch wenn man ihm zum Glück eigene Dialoge erspart hat, wie sie im Roman vorkommen, ist seine digital verbesserte Mimik immer noch für ein paar sehr creepige Momente gut. Als Charakter bleibt es hingegen aber ähnlich blaß wie Albert, dessen unsägliche Ansprachen es in der ersten Hälfte des Films erdulden muss. Komm Junge, du schaffst es, ich glaube an dich, wir verlieren die Farm wenn du den Pflug nicht ziehst, usw. usf.
Fast wünschte ich mir Artax und Atreju zurück die in der 2min Sumpfaubsauf-Szene mehr Emotionen rüberbrachten als Spielbergs Megakitsch mit seinen malerischen Sonnenuntergängen, malerischen Kriegsszenen, malerischen Pferden in Stacheldraht und malerischen Erschiessungsszenen in denen Windmühlenflügel oder andere taktvolle Dinge das Grauen des Krieges hübsch verdecken, wenn es ernst wird. John Williams ist ja ein begnadeter Pathosproduzent, aber selbst sein Score fügt sich nur ein in das schwurbelig-anstrengende Ganze. The Black Stallion, ja selbst Mr. Ed waren spannender und interessanter anzusehen, denn sie wirken gegen War Horse wie brutale Dokudramen. Hier jedoch ist alles irgendwie kutzi-kutzi und statt Gefühlen gibt es Schwulst, statt Emotionen gibt es Kitsch. Nichts ist echt, nicht die Schützengräben, nicht die Figuren und anderen Pferde denen Joey (ja der Gaul heißt wirklich so) begegnet. Sie werden meist durch eine Charaktereigenschaft definiert und entwickeln sich in der Zeit die sie auf der Leinwand haben kaum weiter, tragen aber auch nicht zwingend irgendwas zur übergreifenden Story bei. Wo Spielberg in Reich der Sonne treffende Bilder dafür fand, wie Kinder den Krieg wahrnehmen können – als Mischung zwischen Angst und Abenteuerspielplatz, bietet er hier nur Fototapeten-Ästhtik und Künstlichkeit ohne Substanz.
Ich glaube ich schaue im Zweifel dann doch lieber nochmal Two Guys one Horse. Sorry Steven.
Die Reise zur geheimnisvollen Insel (Journey 2: The mysterious Island) -USA 2012






The Rock und sein Stiefsohn machen sich auf die Suche nach Opa der Jules Vernes geheimnisvolle Insel entdeckt haben will…
Für einen derartig ambitionslosen Film macht diese Fortsetzung dann doch noch erstaunlich viel Spaß, was vor allem an Dwayne Johnson und Michael Caine liegt, die einfach gnadenlos sympathisch sind. Josh Hutcherson bleibt leider weiterhin der personifizierte Durchschnittsheld, der weder mit viel Charme noch Witz aufwarten kann. Ansonsten bleibt der Film überall im Rahmen des erwartbaren, platten Kinderkinos, dass wirklich nie überrascht oder spannend wird. Die Logik hat eh den Tag freigenommen und Jules Verne würde von dieser “Goonies für Ritalin-Junkies”-Odyssee vermutlich auch Magenschmerzen bekommen, aber dank des gehetzten Tempos, der knuffigen Grundstimmung und der altmodisch liebenswerten Charaktere, sowie des Verzichts auf Zynismus und Ekelhumor bleibt am Ende ein harmloser Sonntagnachmittagfilm, der ebenso schnell geschaut wie vergessen ist.
The Devil Inside – USA 2012






Ach du liebe Güte, immer wenn man glaubt das Found Footage-Genre könnte nicht tiefer sinken und mit der Paranormal Activity-Reihe wäre der Bodensatz billig produzierten Schnarchkinos erreicht, wird man eines besseren belehrt.
The Devil Inside funktioniert bestenfalls als unfreiwillige Komödie, denn ernstnehmen kann man diesen völlig humorlos daherkommenden Quark wirklich nicht. Das unfähigste Dokumentarfilm-Team der Welt, mit einem Kameramann der gerade die Zoom-Wippe als tollstes Spielzeug der Welt entdeckt hat, begleitet eine anstrengende Laienspielgruppe dabei wie sie Dialoge aufsagen, die man sonst nur im Dorftheater erlebt, wenn versehentlich der Bauernschwank durch den Exorzist ausgetauscht wurde. Spannend ist das Ganze natürlich in keiner Sekunde, plausibel oder real auch nicht und irgendwann sitzt der Zuschauer nur noch fassungslos da und bestaunt die Dummdreistigkeit mit der hier versucht wird Amateurgestümper als Kinofilm zu verkaufen. Das die Dialoge himmelschreiender Unsinn sind (“Erwähnen sie Religion nicht in Anwesenheit ihrer Mutter”, mahnt der Arzt während er durch ein Krankenhaus läuft in dem im Halbmeterabstand die Wände mit Kreuzen zugetackert sind) und die Kameraperspektiven sich gegenseitig ausschließen (Die Bilder der Überwachungskamera lassen das Kamerateam das die Nahaufnahmen macht regelmässig unsichtbar werden) – das alles wäre vielleicht zu verkraften, wenn der Streifen irgendwohin gehen würde und sich zumindet ein bißchen für seine Story interessierte. Hier aber werden nur gelangweilt die Standards des Exorzisten-Genres angegrätscht und alles endet im “ups wir müssen schlussmachen”-Finale das mal wirklich so gar keinen Sinn macht. Wer unbedingt seinen Teufelsaustreibungskick braucht ist mit dem letztjährigen “Last Exorcism” deutlich besser bedient, auch wenn der im Finale ebenfalls ziemliche Schwächen hat.
Devil Inside, bitte meiden. Und deine Mutter lutscht Schwänze in der Hölle.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- März 1st, 2012 •
- 11 Kommentare
- Schlagwörter: Gefährten, Steven Spielberg, The Devil Inside, War Horse
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