“Virginia!”

Originaltitel: John Carter
Land: USA 2012
Regie: Andrew Stanton
Buch: Andrew Stanton & Marl Andrews
Besetzung: Taylor Kitsch, Lynn Collins, Willem Dafoe, Mark Strong, Dominic West, Ciaran Hinds





Durch einen Zufall verschlägt es den Bürgerkriegs-Soldaten John Carter aus Arizona auf den Mars, den seine Einwohner Barsoom nennen. Zu seiner Überraschung hat er dort Superkräfte und wird schnell zum Spielball im Krieg zwischen den drei Völkern des Mars, die sich auf dem ressourcenarmen Planeten bis aufs Blut bekämpfen.
Was für ein angenehm-altmodischer Film. Obwohl ich die Trailer eher uninteressant fand und auch kein Freund von Sandalenfilmen bin, hat es John Carter geschafft mich gut zu unterhalten.
Als Sci-Fi sollte man das ganze allerdings nicht betrachten, denn auch wenn es um Aliens und den Mars geht ist John Carter näher an Indiana Jones und dem Prince Persia, als an Star Wars oder Avatar. Die Story ist auf den ersten Blick recht simpel, hat aber einige nette Wendungen und Facetten, die dem Zuschauer konstante Aufmerksamkeit abnötigen. Wer nicht aufpasst kann gerade am Anfang schnell verpassen, in welcher Konstellation die Figuren zueinander stehen und wer da jetzt warum mit wem Zoff hat.
Ob es geschickt ist den Zuschauer erst mit einer Mars-Schlacht zu ködern und ihn dann durch die Exposition auf der Erde und im Wilden Westen zu führen, anstatt gleich dort anzusetzen und den Sprung auf den Mars tatsächlich als Überraschung wirken zu lassen, sei mal dahingestellt. Die Vorgeschichte ist notwendig und charmant umgesetzt, wirkt aber natürlich unspektakulärer… wirklich Fahrt nimmt der Film erst auf, als es nach Barsoom geht. Dort schüttelt der Film auch seine anfänglich noch recht ernsthafte Stimmung ab und wird zu einem abenteuerlichen Wilde-Ride, der sich seiner Pulp-Herkunft an jeder Stelle bewusst ist.
Andrew Stanton nimmt seine Figuren mit dem notwendigen Humor, was hilft die im Grunde hanebüchen-altmodische Mars-Prämisse zu schlucken. Lässt man sich jedoch darauf erstmal ein, erwartet einen eine sehr lebendige Welt, die viel andeutet und erahnen lässt ohne alles plump auszubuchstabieren.
Viel Spannender als der Grundkonflikt um den machthungerigen Sab Than, der sich von den mächtigen Therns manipulieren lässt und der Prinzessin Deja Thoris zur Heirat zwingen will, sind die Thargs – die vierarmigen Marsbewohner mit ihrer faszinierenden Krieger-Kultur. Großartig animiert sind sie in jeder Szene präsent und fühlen sich nie nach Special-Effects an. Stanton vermittelt mit wenigen Skizzen wie die Tharg-Kultur funktioniert, welche Ehrbegriffe, Rituale und Lebensabläufe sie haben. Sie alleine sind das Ansehen des Films wert, denn dieses Volk fühlt sich so lebendig und spannend an, dass ich fast wünschte, der Film würde sich nur ihnen widmen.
Was nicht heißt das die Auseinandersetzung zwischen den Roten und Blauenm zwischen Zodanga und Helium (okay über die Namen muss man auch erstmal wegkommen) nicht spannend wäre, aber sie wirkt naturgemäß gewöhnlicher und weniger exotisch.
Es braucht auch etwas sich auf das Retrodesign, die Kleidung und die Sets einzulassen – denn wer nicht gerade auf Xena und Co. steht wird sich mit den tätowierten Mars-Menschen wahrscheinlich etwas schwer tun. Akzeptiert man den Look, offenbaren sich aber viele sehr schicke Designs und das steampunkige Luftschiff-Design ist eine wohltuende Abgrenzung zum üblichen glatten Look jüngerer SciFi-Filme.
Schauspielerisch gibts auch wenig Grund sich zu beschweren. Taylor Kitsch als raubauziger Held, ist ein symphatischer Normalo, während Lynn Collins als emanzipierte Prinzessin mit wissenschaftlichen Background durchaus mit Prinzessin Leia mithalten kann, was ihren Witz und ihre Wehrhaftigkeit angeht. Willem Dafoe verleiht Tas Tarkas mittels Performance Capturing eine eindrucksvolle Präsenz und auch Thomas Haden Church holt aus seiner kleinen Rolle raus, was sie hergibt. Dominic West ist sicherlich nicht der eindrucksvollste Bösewicht, was im Kontext des Films allerdings passt, denn er ist kein geniales Mastermind sondern ein eher simpler Haudrauf der letztlich nur Handlanger der manipulativen Therns ist.
Die Nebenrollen sind ebenfalls passend besetzen und überraschen mit hochkarätigen Akteuren wie Ciarán Hinds, Mark String, James Purefoy oder Ex-Spy-Kid Darryl Sabara.
Etwas durchwachsener sind die restlichen Effekte, die von sehr cool bis zu offenkundiger Greenscreen-Kulisse reichen. Die in der realen Wüste in Utah gedrehten Szenen überzeugen durchweg, während die Palastkulissen immer einen gewissen Pappdeckelcharme versprühen, der gerade in Verbindung mit dem nachträglich (und gegen den Willen des Regisseurs) beschlossenen 3D bisweilen ungelenk wirkt. Die Actionszenen sind routiniert und (bis auf eine überflüssige und zum Glück sehr kurze Podrace-Paraphrase) unterhaltsam ohne allerdings neue Akzente zu setzen.
Der Monsterhund Woola wird die Zuschauer sicher ebenfalls spalten, denn er ist eindeutig Comedy-Relief, als solches aber mir zumindest deutlich sympathischer als die entsprechenden Figuren aus den neuen Star Wars-Filmen und nicht halb so penetrant.
Leicht wird es John Carter nicht haben. Denn auch wenn die Romane von Edgar Rice Burroughs letztlich als Inspiration für alle modernen SF/Fantasy-Epen von Flash Gordon, über Conan bis zu Star Wars und Avatar diente – der Film wird zweifelos mit diesen Werken verglichen werden, die den Vorteil haben, dass sie einen zeitgemässeren Look haben. Das Retrofeeling und die unverblümte B-Movie-Erzählweise wird nicht jedermanns Sache sein und wenn schon in den USA John Carter-Comics und Bücher nicht jeder kennt, dürften sich die Fans hier wohl noch schwerer finden lassen.
Wer sich darauf einlässt, der hat allerdings die Chance einen sympathischen Film zu erleben, der wirklich in eine lebendige, komplexe Fantasy-Welt entführt und sich dabei nie übermässig ernst nimmt. This should be a fun ride.. und yes it is. Not for everybody, though.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- März 9th, 2012 •
- 39 Kommentare
- Schlagwörter: Disney, John Carter, John Carter of Mars, Pixar, Taylor Kitsch, Wilem Dafoe









































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