Iron Sky (Iron Sky) – Finnland, Deutschland, Niederlande – 2012





Die Nazis kommen zurück. 1945 flüchteten sie sich auf die dunkle Seite des Mondes. Dort bereiteten sie in ihrer Festung die Invasion der Erde vor…
Trash wie er sein soll. Iron Sky schafft es tatsächlich die Erwartungen zu erfüllen, die die Teaser vor 3 Jahren geweckt haben. Böse Nazis, dumme Amis, holde Heldinnen und ein Bad Motherfucker, der sich als fotogenes Model entpuppt, der nur zufällig auf dem Mond gelandet ist. Götz Otto hat sichtlich Spaß an seiner Schurkenrolle, Julia Dietze ist ideal als die unschuldige Blondine mit dem guten Herzen, Kym Jackson eine herrliche Bitch und Chris Kirby ein sehr sympathischer Schwarzer Weißer.
Udo Kier macht aus seinen wenigen Szene das Beste, genau wie Tilo Prückner. Die Tricks sind irgendwo zwischen Sky Captain und Star Trek und genau richtig für diese Art Film, die Musik von Laibach passt wie Faust aufs Auge und die Handlung ist simpel genug um auf einen Bierdeckel zu passen. Was fasziniert sind die vielen kleinen optischen Gags, die mal subtilen, mal brachialen Seitenhiebe auf die Realität und der durchweg trashkonforme Tonfall, den man in der Konsequenz zuletzt bei Planet Terror, Machete und Hobo with a Shotgun erleben durfte.
Iron Sky macht Spaß und unterhält in seinem Deutsch/Englisch-Mix bestens, überrascht wieviel Spektakel ein Film für um die 8 Millionen Euro bieten kann und macht eindeutig Lust auf mehr Filme von den durchgeknallten Finnen.
Die Frau in Schwarz (Woman in Black) – UK 2012





Ein junger Witwer reist geschäftlich in ein abgelegenes britisches Dorf, dort soll er den Verkauf eines Hauses vorbereiten. Doch das Dorf hat ein Geheimnis, dass den Mann bald in seinen Bann zieht…
Hammer ist wieder da. Unter dem alten Namen der britischen Horror-Schmiede entstehen seit einer Weile neue Filme und langsam läuft das Studio wieder zu früherer Form auf. In extrem stimmungsvollen, wunderschönen Bildern wird wird hier eine klassische Geisterstory erzählt, die zwar keine neuen Akzente setzt, aber die bekannten Muster sehr effektvoll neu erzählt.
Daniel Radcliffe macht seine Sache ganz gut, haut zwar nicht um und steht etwas im Schatten von Ciarán Hinds, der die Aufmerksamkeit bindet, sobald er auftritt, trotzdem mag ich Radcliffe den jungen Familienvater abnehmen. Viel Dialog gibt es nicht, der Film beginnt langsam und braucht gut 20 Minuten ehe er auf Touren kommt, doch irgendwann hat er die Zuschauer unmerklich gepackt. Die Romanverfilmung nimmt sich Zeit Stimmung aufzubauen, sich mit der kühlen Atmosphäre, der Landschaft und den Dorfbewohnern anzufreunden. Lange stille Einstellungen geben genug Raum, um die wenigen, gut platzierten Schockeffekte voll zur Wirkung zu bringen.
Klar wir kennen es im Grunde alles: Die eigenbrödlerischen Dorfbewohner, die dunklen Geheimnisse, die raue Küstenlandschaft, die creepige Atmosphäre eines verlassenen Hauses und die Geisterschemen die immer knapp Jenseits des Augenwinkels auftauchen. Regisseur James Watkins besinnt sich sehr bewusst auf die Tugenden des klassischen Geisterfilms, ignoriert den Trend zum Folterporno, nimmt moderne Inspiration beim Asiakino und formt daraus ein homogenes Ganzes. Ob das etwas angekitscht-depressive Ende, in Veränderung der Buchvorlage, die beste Idee war, darf diskutiert werden, aber ab davon funktioniert der Film wunderbar und sorgt für altmodisch-effektvollen Grusel auf hohem handwerklichen Niveau.
Juan of the Dead (Juan de los Muertos) – Kuba 2011






Was wie die Idee für einen Fun-Trailer anmutet, entpuppt sich als sehr witziger, origineller und spassiger Low-Budget Film, der dem dahinsiechenden Zombie-Genre wieder ein paar neue Ideen verpasst. Neben originellen Splatterszenen (Stichwort: Drahtseil und Harpune) und einprägsamen Charakteren (die nicht alle bedingungslos sympathisch sein wollen), überrascht der Film mit den kleinen Einblicken in die kubanische Realität und Mentalität. Die Pacing-Schwächen und die episodische Natur des Films, der den ganz großen dramaturgischen Bogen vermissen lässt, werden durch den schieren Enthusiasmus und Ideenreichtum aufgewogen. Und offenkundig sind Komparsen in Kuba leichter zu finden, denn selten waren in einem Low-Budget-Film soviele Zombie-Massenszenen zu sehen, die dem ganzen an vielen Stellen ein angemessen apokalyptisches Gefühl vermitteln.
Die technische Umsetzung ist dabei durchwachsen, passt aber immer ins sympathische Gesamtbild. Der Soundtrack unterstützt die chillige Gesamtatmosphäre die auch die Splatter-Szenen eher humorvoll als grauenhaft wirken lässt. Die Besetzung konzentriert sich wohltuend auf eine Handvoll Charaktere, die natürlich Karikaturen sind, sich aber genau das Quentchen Menschlichkeit bewahren, die es braucht um mit ihnen mitzufiebern, wenn sie mal wieder von Untoten umringt, hilflos herumstolpern.Irgendwo zwischen Dead Island, Ghostbusters und (dem eindeutig als Vorbild fungierenden) Shaun of the Dead erschafft Regisseur Alejandro Brugués einen eigenständigen Film, in dem das Land Kuba genauso Hauptdarsteller ist wie der Antiheld Juan.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- April 9th, 2012 •
- 11 Kommentare
- Schlagwörter: Iron Sky, juan of the de, The Woman in Black
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