Reviews: American Pie: Das Klassentreffen, The Ward (Review)

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American Pie – Das Klassentreffen (American Pie: Reunion) – USA 2012
★★☆☆☆

Die Ex-Teenies aus American Pie kommen für ein Klassentreffen zurück in die alte Heimat und müssen sich mit Eheproblemen und dem Erwachsenwerden herumschlagen.

Öfftz. Nachdem die Regisseure ja doch sehr sympathische Zeitgenossen waren und ich den letzten Harold & Kumar-Film durchaus witzig fand, tut es mir fast leid American Pie eine so schlechte Bewertung zu geben. Doch es hilft nichts: Der Film ist langweilig, die Gags sind abgestanden, der Humor ist unglaublich verklemmt und eine Entwicklung scheint seit Teil 1 nicht stattgefunden zu haben. Es hat fast etwas mitleidiges, wie sehr der Film nostalgische Gefühle beschwört und dabei nicht nur originelle neue Ideen vermissen lässt, sondern überschätzt wie gut die alten Filme waren. Die US-Antwort auf die isrealisch-deutsche “Eis am Stiel”-Serie war immer pubertäres Kicherkino mit zu alten Darstellern, doch damals konnten die R-Rated-Momente zumindest noch für ein “ohoho wie gewagt”-Hüsteln sorgen.

Nachdem die Epigonen wie “Hangover” die (haha) Latte mittlerweile immer tiefer und tiefer gelegt haben, wirken die Scherze in Reunion schon sehr betulich und angestaubt. Zumal die Figuren jetzt auch nicht wirkliche Sympathiebolzen sind, an deren Schicksal einem irgendwas liegen würde. Stiffler ist immer noch ein asoziales Arschloch und es erschreckt etwas, wie sehr er am Ende zum missverstandenen Best Buddy verklärt wird, wie selbstverständlich es als Sieg gefeiert wird, wenn er dem unamerikanischen ekligen Ausländer der sein Boss ist (und der natürlich ein Schwächling mit kleinem Schwanz ist, der nur die Heißen Weißen Weiber flachlegen will) Schläge androht und ihn so auf seinen Platz verweist. Das es keine 10min bis zum ersten Schwulenwitz dauert und der Humor auch ansonsten eher auf dem Niveau von “Ich scheisse in eine Kühlbox” bleibt, macht die Sache nicht erträglicher. Schade auch um Jims Dad und Stifflers Mom – wahrscheinlich noch die unterhaltsamsten Charaktere des Films, die insgesamt vergeudet werden und im Abspann eine Fremdscham-Szene hinlegen, die man Menschen ihres Alters gerne erspart hätte.

Wer damals glaubte es sei ulkig, wenn ein 22jr seinen Lümmel in einen Kuchen schiebt, der wird wahrscheinlich auch hier wieder gut bedient. Wer seinen zotigen Humor etwas abgefahrener und origineller mag, schaut sich vielleicht doch nochmal Harold & Kumars 3D Christmas an.

The Ward (John Carpenter’s The Ward) – USA 2011
★★½☆☆

Junge Frau wird in psychatrische Klinik eingeliefert nachdem sie ein Haus angezündet hat. In der Klinik trifft sie auf andere Insassen und einen mörderischen Geist…

Oh John. Wie gerne würde ich seinen ersten Kinofilm seit über zehn Jahren mögen, aber leider ist The Ward tatsächlich ein erschreckend abgenudelter und spannungsfreier Abklatsch von besseren Werken. Was nichtmal an den Schauspielern oder der Kameraarbeit liegt, die solide Arbeit verrichten. Es ist die unoriginelle Inszenierung, der Rückzug auf schlappe Buh-Effekte und verschämte Gore-Momente, die verhindern das bei The Ward je sowas wie Spannung aufkommt. Der Plot-Twist den man auch schon dutzendfach besser gesehen hat, verpufft ungenutzt genau wie das Interesse des Zuschauers an den Figuren. Shame und schade, wenn ein so wunderbarer Regisseur wie Carpenter so ödes Zeug abliefert. Vielleicht sollte er doch lieber wieder TV-Arbeiten Masters of Horror drehen, denn die Werke waren deutlich interessanter als das was er hier hinlegt.

In : Review

About the author

Batzman (Oliver Lysiak)
Oliver “Batz” Lysiak geboren in den 70ern, studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Heute betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, Deutschlands erfolgreichstes Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • Mein Senf

    Grossout-Komödien im Allgemeinen und “American Pie” im Besonderen werden ja seit jeher gerne unter den Generalverdacht gestellt in Wahrheit voll prüde zu sein. In dem Streben solch clever-catchy-Widersprüchlichkeiten aufzudecken, landet man jedoch nicht selten in der gleichen Schubladendenke, die man aufzubrechen versuchen.
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    Puhh, das war jetzt aber auch clever-catchy.

    Grossout spielt mit gesellschaftliche Normen und Tabus und unterscheidet sich damit gar nichtmal so großartig von der Funktionsweise jeder anderen Pointe. Ich sehe das ganze eher entspannt und stelle mich nicht gleich unter Spießerverdacht, wenn ich darüber lache, dass jemand sein Genital mit einem durchsichtigen Topfdeckel verhüllen will.

    Natürlich darf das aber jeder gerne tun

    Mal konkreter: Im Gegensatz zu den zahlreichen Nachahmern, war der Grossout in “American Pie” sowieso nie mehr als ein vordergründiges Verkaufsargument, um dem Publikum ein wahrhaftiges Portrait über das Erwachsenwerden unterzujubeln. Genau in dieser Tradition bleibt glücklicherweise auch “das Klassentreffen”.
    Bläst man den nostalgischen Rauch weg, der den vierten Teil des Kuchens in jeder Sekunden umwabert und das Urteilsvermögen des zielgruppenaffinen Kritikers durchaus beeinträchtigen kann, so bleibt es nicht nur das beste Seuqel der Reihe, sondern steht für mich auf einer Stufe mit dem Original. Jeder Charakter der sichtlich gealterte Truppe wird logisch und schlüssig weitergedacht, alle wird eine deutliche Entwicklung zugestanden. Als Kontrast dazu fungiert Stifler, der als ewig gestriges Muttersöhnchen am Existenzminimum schon fast tragisch daherkommt.

    Konzeptionell orientiert sich das Regieduo Schlossberg/Hurwitz glücklicherweise am ersten Teil, der im Gegensatz zu seinen beiden Nachfolgern als klassischer Ensemblefilm angelegt war. Beim Klassentreffen werden endlich auch wieder den vermeindlich blasseren Charaktere der Reihe (Kevin, Oz, Paul) ensprechende Episoden auf den Leib geschneidert. Oberflächliche Beziehung, eingeschlafenes Sexleben, gescheiterte Lebensträume, ein Leben als Hausmann und ein mieser Job. Das Regieduo spinnt aus diesen Grundkonstallationen lebensnahe und unterhaltsame Einzlgeschichte. Die Fülle an Charakteren und Einzelschicksalen haben Schlossberg/Hurwitz erstaunlich souverän im Griff und wenn der handlung zur Mitte des zweiten Aktes tatsächlich mal ein wenig die Puste ausgeht, dann kackt Stifler eben einfach in eine Kühltruhe und freut sich einen Keks.

  • ToniMaroni

    naja, wenn Harold and Kumar 3 endlich mal in den deutschen Verleih kommen würde… Wo hast Du den denn gesehen, Batz?

  • Doughnut

    Danke für den informativen Review, Mein Senf :)

  • http://www.fuenf-filmfreunde.de Batzman (Oliver Lysiak)

    @Toni

    der ist doch schon ne Weile auf BD/DVD raus in USA…

  • http://www.webseiten-und-mehr.de/impressum.html Patrick Zorn

    ich habe den neuen American Pie noch nicht gesehen und freue mich drauf. Die ersten drei Teile fand ich gut (wobei einfach Nichts über den 1. geht) und nach den ganzen Müll-Nachfolge-Movies endlich mal wieder die richtigen Leute dabei zu haben…das hat was.

  • 1

    Hallöchen
    Inwiefern eigentlich verklemmt?

    Ohne den Film jetzt großartig in den Himmel loben zu wollen (es ist halt eine saualberne und primitive Komödie), kann ich das Review oben nicht sonderlich nachvollziehen und bin da bei Kommentar #1 von Mein Senf.

    Man geht doch nicht mit großen Erwartungen an gehobenes Entertainment in diesen Film. Ich finde, dafür, dass es seit jeher alberne Kicherkomödien waren, haben sie die Geschichte ganz nett weitergesponnen. Und was da verklemmt gewesen sein soll, verschließt sich mir, wie gesagt, in Gänze. Sie haben in jeder Hinsicht noch einen draufgelegt, was für einige nee-das-hab-ich-jetzt-nicht-gesehen-Momente sorgt…

    Es gab halt ein paar Momente, die den Film etwas in die Länge zogen und dann aber auch einige richtige Brüller. Kein Film, den man großartig überanalysieren sollte.

  • http://fuenf-filmfreunde.de Batzman

    @1

    Der Film hat – wie Hangover u.ä. Filme auch – eine sehr verklemmte Grundhaltung, bei der Sex an sich immer noch etwas anstössiges, verbotenes, kicherwürdiges ist. Es kommt gar nicht darauf an was gemacht wird, sondern Nacktheit und Sex sind an sich schon Gründe für pubertäres Gekichere. Das unterscheidet den Humor von anderen zotigen Komödien, die ebenso derb sind, denen aber dieses “hoho da gehts um Sex” fehlt. Die Harold & Kumar-Filme machen genau wie die ersten beiden Scary Movie Filme auch Gags mit Schwänzen – aber dort ist es lustig was die Pimmel machen, nicht das sie überhaupt zu sehen sind. Und diese Haltung lässt sich auf alle anderen Scherze in American Pie übertragen. schwule Gags gibts auch in Scary Movie zuhauf – aber in American Pie ist der Gag immer noch “ihhh da küssen sich zwei Männer”.

    Es geht nicht um Anspruch oder “gehobenes Entertainment” sondern um die Piefigkeit und Spiessigkeit mit der Gross-Out-Gags in Reunion veranstaltet werden und wie sehr sich der Film bei seiner weißen, männlichen Mittelstands-Zielgruppe anbiedert, in dem er ihre Weltsicht zum Ideal verklärt und alles was nicht in dieses Bild passt zum Feindbild macht (siehe Stifflers Chef als “der böse notgeile Ausländer” und der Arzt der aufs Maul bekommt als “der böse Gebildete”).

  • http://www.webmovieblog.de webmovieblog

    Ich fand den Film auch nicht grad den Bringer. Mir persönlich hat sowieso nur der erste American Pie
    gut gefallen. Aber die Story und der Cast langweilen mich langsam. Jetzt sollte langsam Schluss sein ;)

  • moivie

    Achja American Pie. Immerhin muss man ihm zu Gute halten, dass er den perfekten Abschluss DER Spießerkomödie schlechthin bietet.
    Abgesehen von den Pimmelwitzchen und den ihh-mann-küsst-mann Witzen, wird konsequent ein konservatives Weltbild vertreten. Während im ersten Teil die Sturm und Drang Phase der Protagonisten zu bewundern war, setzte sich das Ganze dann am College fort, führte zur Hochzeit und nun, oh Wunder oh Wunder, haben alle ihre Karriere.
    Wie auch bie Hangover ist die Grundaussage des Films, Kerle können mal über die Strenge schlagen, sich ausleben, aber bitte nur wenns danach wieder hübsch nach Hause zum Frauchen geht .
    Wer aus der Reihe tanzt, der ist der Versager, wer zuviele Scherze mitmacht und dabei seine potentielle Arbeitskraft aufs Spiel setzt, der ist halt raus.
    Dagegen sind die Actionfilme der späten 80er Jahre gerade zu ideologiefrei.
    Aber Hauptsache Pimmel und Möpse.

  • http://filme-blog.com Patrick

    Die ganzen 3.x Teile mit Book of Love oder so waren ja nicht so der Bringer, hoffe, dass das Klassentreffen endlich wieder mal typische American Pie Stimmung bringt

  • http://www.yourpsvita.com Alex_der_Pirat

    Der Film ist die ideale Fortsetzung von Teil 2 (der dritte war gar nicht so mein Fall) und kann auf ganzer Linie begeistern. Es gibt zahlreiche lustige Momente und Sprüche, die allesamt zeitgemäß wirken. Außerdem sieht man viele Leute wieder, erfährt was über sie und freut sich mit ihnen auf das Klassentreffen der besonderen Art. Zwar gibt es auch tiefen, aber die werden dank der Höhepunkt schnell vergessen sein. Ich kann ihn nur empfehlen.

  • http://www.fertiggarageninfo.de/ Ola

    Der Film ist vielleicht kein Muss, trotzdem kann man ihn als eine gute Unterhaltung empfehlen.
    Ich denke, dass Stifter der Beste aus dem ganzen Film ist. Ohne ihn wäre der Film langweilig.

  • Horst

    Stimme dem Review und Kommentar #9 über American Pie zu.
    Ich hab noch nie ein derart prüden Film gesehen.
    Extrem langweilig und oberflächig.
    Nach 20 min hab ich einen Edward mit den Scherenhänden, einen Truman oder einen Morpheus ersehnt, der Disneyland abfackelt oder zumindest auf die dargestellte, biedere Ideologie hinweist und dann enttäuscht ausgeschaltet.
    :(

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