Der Diktator (Review)

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“It’s to hot for crazy…”

Originaltitel: Dictator, The
Herstellungsland: USA 2012
Regie: Larry Charles
Buch: Sascha Baron Cohen, David Mandel, Alex Berg
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Megan Fox, Anna Faris, Ben Kingsley, John C. Reilly

★★★☆☆

Diktator Aladeen, Herrscher des Wüstenkaffs Wadiya, steht bei einem Besuch in den USA plötzlich bart- und mittellos auf der Strasse. Seine politischen Gegner wollten ihn ausschalten. Nur mit Hilfe einer überkorrekten vegan-lebenden Feministin kann er sich seine Position zurückholen…

Trotz einiger sehr schöner Gags und Ideen, bleibt Der Diktator weit unter seinen Möglichkeiten. Wie schon bei Brüno wird oft reiner Shock-Value (der in der dritten Wiederholung dann auch eher zum genervten Augenrollen denn zum Lachen animiert) vor die Satire gestellt.

Das ist schade, denn in ein paar Szenen – besonders am Anfang und am Ende – lässt Cohen erkennen, wie gut der Film hätte werden können, wenn er sich statt auf Pipikakamumu-Witze auf satirische Breitseiten beschränken würde. Doch leider traut er sich das nicht, will vielleicht auch die Teenie-Zuschauerschaft nicht überfordern und serviert deswegen banale Scherze – die oftmals nicht sehr gut getimed sind.

Das hier im Gegensatz zu Borat und Brüno auch noch alles inszeniert ist rettet nichtmal mehr der WTF-Faktor die derberen Einlagen des Films. In seinen improvisierten Momenten überzeugte gerade Borat oft durch die Konfrontation realer Personen mit Cohens-Kunstfigur. In der Inszenierung geht dieser Reiz verloren und bleibt im Zweifel dann nur laue Zote. Für jeden gelungenen Gag wie den Helikopterflug oder Aladeens süffisante Schlussrede vor der UNO, gibt es dutzende Kalauer und Promi-Cameos die mal mehr mal weniger gelungen sind, aber selten wirklich laut lachen machen.

Natürlich ist es schwer massentaugliche Unterhaltung zu bieten und gleichzeitig politisch-relevante Satire zu produzieren. In Borat ist dies, trotz aller nachträglicher Kritik, durchaus gelungen. In Brüno verfehlten Cohen und sein Stammregisseur Larry Charles das Ziel schon wesentlich häufiger und enthüllten weniger heimliche Homophobie als die verständliche Reaktion normaler Menschen auf eine extrem nervige Schwuppe. Die gelungenen Passagen von Brüno waren denn auch eher in der Modewelt angesiedelt, wo übereifrige Eltern oder strunzdumme Models in ihrer Ignoranz vorgeführt wurden.

Der Diktator enthüllt leider nichts, denn er hat keine realen Ziele und zu wenig Ambitionen. Absehbare Gags wie die Umbenennung vieler Worte in “Aladeen” werden auf Minuten ausgebreitet, wo sie als kleiner Sidegag viel besser funktioniert hätten. Und Cohen ist sichtlich drauf bedacht seine unbestreitbaren Talente nicht durch andere überschatten zu lassen. Egal ob Ben Kingsley, John C. Reily oder Anna Faris – keiner darf mehr sein als Stichwortgeber für den nicht endenwollenden Schwall an politisch unkorrekten Gags die Cohen ausspuckt.

Doch wo Borat ein in gewisser Weise naiver Simpel war, dessen überwältigende Freundlichkeit ein erfrischendes Gegengewicht zu seinen rassistischen, sexistischen Aussprüchen bot und ihn letztlich doch irgendwie liebenswert erscheinen ließ, da bleibt Aladeen ein Kotzbrocken der es auch im Zusammenspiel mit der sympathischen Anna Faris nicht schafft, dass der Zuschaer sich im Nahe fühlt. Im Gegenteil, seine Art beschädigt die anderen Figuren, denn es bleibt unverständlich warum sich ein Frau wie Faris Zoey für ihn interessiert oder gar in ihn verliebt. Was den ganzen “Prinz aus Zamunda-goes-Asshole”-Plot noch überflüssiger macht als er es ohnehin schon ist.

Trotz seiner schlanken Spielzeit von unter 90min wirkt Der Diktator leider oft gestreckt, weil nicht wirklich viel passiert. Ob Dissidenten, Stars oder Polizisten – Themen werden gestreift ohne dass wirklich irgendeine Aussage gemacht wird. Klar die Referenzen auf echte Diktatoren sind hübsch, aber wieviel mehr gäbe es zu sagen zum Umgang der Industrieländer mit Diktaturen, wieviel Zündstoff bietet die jüngere und ältere US-Geschichte die selbst genug Diktatoren zur Macht verholfen und sie instrumentalisiert hat. Doch das alles interessiert Cohen und Charles nicht wirklich, sie begnügen sich damit eine schillernde Figur wie Aladeen zu erschaffen – und vertrauen darauf, dass reiner Klamauk und schockierende Sprüche irgendwie genug sein werden. Doch wenn die PR-Kampagne des Films besser ist und mehr Substanz hat als der Film (und die Werbung für den Diktator war wirklich extrem gelungen – angefangen bei gefakten Webauftritten Wadiyas, über den Stunt auf der ITB bis hin zu diversen Bestechungsversuchen der Journalisten (Wadiyanische Dollarbündel, gefakte Golduhren, Barscheck aus Wadiya) dann läuft irgendwas falsch. Böswillig könnte man sagen: Team America hat mit Kim Jong Marionetten-Il bessere Satire abgeliefert, von Chaplins Klassiker ganz zu schweigen.

Cohen ist verdammt talentiert, ohne Zweifel, aber er sollte aufhören sein Publikum zu unterschätzen und sich in Zukunft wieder etwas mehr anstrengen, wenn er nicht irgendwann auf dem Niveau von Hangover 2 landen will.

In : News

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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4 Comments

  1. Seba

    Ich hab mir jetzt nur die Sterne angeschaut, und les die Review irgendwann später (weil erst den Film schauen möchte). Aber ich glaub der wird geil. Die Trailer: Just absoufuckinglutely awesome! Ich puller mir in die Augen vor lachen.

  2. Alex_der_Pirat

    Der Film war ein netter Zeitvertreib. Einige Lacher dabei, aber nichts was jetzt absolut kultig werden könnte.

  3. Rudi Ratlos

    Ihr habt den ja sicher als OV gesehen, oder? War bei euch der Dialog im Hubschrauber untertitelt? Bei uns fehlten da nämlich (OV-Vorstellung) die Untertitel, im dt. Trailer meine ich aber, die gesehen zu haben?!

  4. Doughnut

    Schönes Review, deckt sich völlig mit meinen Eindrücken.
    Der Saal war fast den ganzen Film über still, obwohl durchaus zu 1/3 voll.
    Und ich hab mich so sehr gelangweilt wie lange nicht mehr.
    Wieder mal schade ums Geld.
    “Es ist ein Mädchen. Wo ist der Mülleimer?” reicht nach zig Wiederholungen dieses Gags in ähnlicher Form in Film und Fernsehen nur noch zum Schmunzeln und die “Lovestory” zwischen Faris und Cohen funktionierte hinten und vorn nicht.
    Langweilig und harmlos, obwohl natürlich wieder mal noch vulgärer als die Hangover-Filme. Cohens Witzen wächst langsam ein Bart, der es locker mit dem von General Admiral Aladeen aufnehmen kann. Vielleicht sollte der Gute zur Abwechslung mal was ganz anderes machen, Musik oder ein Modelabel (mit Bruno als Zugpferd bekommt er auch garantiert verkauft, was auch immer er zusammenflickt). Irgendwas, nur keine Filme mehr.

    Wofür genau gab es eigentlich 3 Sterne?

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14