“It’s to hot for crazy…”
Originaltitel: Dictator, The
Herstellungsland: USA 2012
Regie: Larry Charles
Buch: Sascha Baron Cohen, David Mandel, Alex Berg
Darsteller: Sacha Baron Cohen, Megan Fox, Anna Faris, Ben Kingsley, John C. Reilly






Diktator Aladeen, Herrscher des Wüstenkaffs Wadiya, steht bei einem Besuch in den USA plötzlich bart- und mittellos auf der Strasse. Seine politischen Gegner wollten ihn ausschalten. Nur mit Hilfe einer überkorrekten vegan-lebenden Feministin kann er sich seine Position zurückholen…
Trotz einiger sehr schöner Gags und Ideen, bleibt Der Diktator weit unter seinen Möglichkeiten. Wie schon bei Brüno wird oft reiner Shock-Value (der in der dritten Wiederholung dann auch eher zum genervten Augenrollen denn zum Lachen animiert) vor die Satire gestellt.
Das ist schade, denn in ein paar Szenen – besonders am Anfang und am Ende – lässt Cohen erkennen, wie gut der Film hätte werden können, wenn er sich statt auf Pipikakamumu-Witze auf satirische Breitseiten beschränken würde. Doch leider traut er sich das nicht, will vielleicht auch die Teenie-Zuschauerschaft nicht überfordern und serviert deswegen banale Scherze – die oftmals nicht sehr gut getimed sind.
Das hier im Gegensatz zu Borat und Brüno auch noch alles inszeniert ist rettet nichtmal mehr der WTF-Faktor die derberen Einlagen des Films. In seinen improvisierten Momenten überzeugte gerade Borat oft durch die Konfrontation realer Personen mit Cohens-Kunstfigur. In der Inszenierung geht dieser Reiz verloren und bleibt im Zweifel dann nur laue Zote. Für jeden gelungenen Gag wie den Helikopterflug oder Aladeens süffisante Schlussrede vor der UNO, gibt es dutzende Kalauer und Promi-Cameos die mal mehr mal weniger gelungen sind, aber selten wirklich laut lachen machen.
Natürlich ist es schwer massentaugliche Unterhaltung zu bieten und gleichzeitig politisch-relevante Satire zu produzieren. In Borat ist dies, trotz aller nachträglicher Kritik, durchaus gelungen. In Brüno verfehlten Cohen und sein Stammregisseur Larry Charles das Ziel schon wesentlich häufiger und enthüllten weniger heimliche Homophobie als die verständliche Reaktion normaler Menschen auf eine extrem nervige Schwuppe. Die gelungenen Passagen von Brüno waren denn auch eher in der Modewelt angesiedelt, wo übereifrige Eltern oder strunzdumme Models in ihrer Ignoranz vorgeführt wurden.
Der Diktator enthüllt leider nichts, denn er hat keine realen Ziele und zu wenig Ambitionen. Absehbare Gags wie die Umbenennung vieler Worte in “Aladeen” werden auf Minuten ausgebreitet, wo sie als kleiner Sidegag viel besser funktioniert hätten. Und Cohen ist sichtlich drauf bedacht seine unbestreitbaren Talente nicht durch andere überschatten zu lassen. Egal ob Ben Kingsley, John C. Reily oder Anna Faris – keiner darf mehr sein als Stichwortgeber für den nicht endenwollenden Schwall an politisch unkorrekten Gags die Cohen ausspuckt.
Doch wo Borat ein in gewisser Weise naiver Simpel war, dessen überwältigende Freundlichkeit ein erfrischendes Gegengewicht zu seinen rassistischen, sexistischen Aussprüchen bot und ihn letztlich doch irgendwie liebenswert erscheinen ließ, da bleibt Aladeen ein Kotzbrocken der es auch im Zusammenspiel mit der sympathischen Anna Faris nicht schafft, dass der Zuschaer sich im Nahe fühlt. Im Gegenteil, seine Art beschädigt die anderen Figuren, denn es bleibt unverständlich warum sich ein Frau wie Faris Zoey für ihn interessiert oder gar in ihn verliebt. Was den ganzen “Prinz aus Zamunda-goes-Asshole”-Plot noch überflüssiger macht als er es ohnehin schon ist.
Trotz seiner schlanken Spielzeit von unter 90min wirkt Der Diktator leider oft gestreckt, weil nicht wirklich viel passiert. Ob Dissidenten, Stars oder Polizisten – Themen werden gestreift ohne dass wirklich irgendeine Aussage gemacht wird. Klar die Referenzen auf echte Diktatoren sind hübsch, aber wieviel mehr gäbe es zu sagen zum Umgang der Industrieländer mit Diktaturen, wieviel Zündstoff bietet die jüngere und ältere US-Geschichte die selbst genug Diktatoren zur Macht verholfen und sie instrumentalisiert hat. Doch das alles interessiert Cohen und Charles nicht wirklich, sie begnügen sich damit eine schillernde Figur wie Aladeen zu erschaffen – und vertrauen darauf, dass reiner Klamauk und schockierende Sprüche irgendwie genug sein werden. Doch wenn die PR-Kampagne des Films besser ist und mehr Substanz hat als der Film (und die Werbung für den Diktator war wirklich extrem gelungen – angefangen bei gefakten Webauftritten Wadiyas, über den Stunt auf der ITB bis hin zu diversen Bestechungsversuchen der Journalisten (Wadiyanische Dollarbündel, gefakte Golduhren, Barscheck aus Wadiya) dann läuft irgendwas falsch. Böswillig könnte man sagen: Team America hat mit Kim Jong Marionetten-Il bessere Satire abgeliefert, von Chaplins Klassiker ganz zu schweigen.
Cohen ist verdammt talentiert, ohne Zweifel, aber er sollte aufhören sein Publikum zu unterschätzen und sich in Zukunft wieder etwas mehr anstrengen, wenn er nicht irgendwann auf dem Niveau von Hangover 2 landen will.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Mai 17th, 2012 •
- 4 Kommentare
- Schlagwörter: Borat, Bruno, sascha baron cohen, The Dictator
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Seba
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Rudi Ratlos
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Doughnut








































