Snow White and the Huntsman – USA 2012





Böse Königin ist eifersüchtig auf des verschneiten Wittchens Schönheit (vielleicht ist auch nur der Spiegel im Eimer) und zwingt den Jägersmann das Wittchen zu töten…
Wer hätte gedacht, dass Mirror Mirror tatsächlich der bessere der beiden Wittchen-Filme dieses Jahr sein würde. Denn im Grunde klang es ja ganz cool eine erwachsene Fassung des klassischen Märchens zu drehen. Doch selbst ohne den direkten Vergleich zum trashig-beschwingten Wittchen von Tarsem scheint Kristen Stewarts Mär mit dem Jägersmann ein veritabler Griff ins Klo. Was nicht ausschließlich dran liegt, das die in anderen Filmen bessere und im Grunde ja auch erzsympathische Stewart hier über die gesamte Laufzeit dreinblickt wie die ein mürrisches Kaninchen.
Viel schlimmer als der zugegeben etwas beschränkte mimische Ausdruck Schneewittchens ist die Inszenierung durch einen ehemaligen Werberegisseur, der vielleicht ganz passable Bilder hinbekommt, aber keinerlei Gespür für Dramaturgie, Tempo und vor allem interessante Charaktere hat. Und bei Gott: Was muss sich dieser Film, der über weite Strecken den Eindruck vermittelt er wäre eigentlich lieber Herr der Ringe, so wahnsinnig ernst nehmen? Dafür dass die Story doch sehr brav an der Vorlage klebt und weder spannende Wendungen noch originelle Neuinterpretationen zu bestaunen sind, gefällt sie sich viel zu sehr im tragischen Gestus der sonst eher Holocaustbewältigungsfilmen vorbehalten ist.
Wer lacht fliegt raus, kein Hauch Ironie oder Humor hilft über die hölzernen Performances hinweg – und so hölzern wie Chris Hemsworth spielt, wäre er wohl besser als Förster, denn als Jägersmann besetzt worden. Die wirklich furchtbareste Leistung des Films liefert allerdings jemand ab, von dem man es nicht erwartet hätte: Charlize Theron. Nichts gegen Overacting oder cartoonige Interpretationen eines Bösewichtes – die Rolle fordert das ja durchaus heraus – aber die innige Ernsthaftigkeit mit der Charlize sich hier einen Wolf kreischt erinnert böse an Laientheater oder die ersten Folgen einer Daily-Soap, wenn die Schauspieler noch nicht wissen, dass niemand vorhat sie jemals ernstzunehmen. Mit einem Kostüm geschlagen dass aussieht als stamme es aus einem dieser Berliner Schrott-Kunst-Hinterhöfe in denen aus alten Schrauben hässliche Mänchen zusammengeschweisst werden, krakelt und grimmassiert sich Charlize mit derselben Subtilität durch ihre Szenen, wie eine Tourette-Patienten der im vollbesetzten Bus die Fruchtblase platzt. Was eine durchaus interessante Auseinandersetzung mit Jugendwahn und einer geschundenen Psyche sein könnte, ist in diesem Film nur grell, laut und zum Kichern einladend, wenn das Quecksilbermännchen mal wieder aus Ankleidespiegel plätschert.
Dabei scheint es ja sogar sowas wie einzelne gute Ideen gegeben zu haben: Die an den Disney-Klassiker erinnernde horrible Flucht Schneewittchens durch den Wald (der diesmal eher banal als halluzinogenes Kifferparadies daherkommt), das mit phantasievollen Kreaturen besetzte Fehenland, die kauzigen Zwerge (schauspielerisch eindeutig das Highlight – auch wenn die prominenten, digital-geschrumpften Mimen nicht den Charme der echten Short Actors haben die in Mirror, Mirror oder Time Bandits spielten) – doch was nützen gute einzelne Ideen wenn sie zu nichts führen.
Episodische Szene reiht an die nächste und lediglich die zunehmende Leichtigkeit mit der die angeblichen Gefahren überwunden werden, hat einen gewissen perversen Unterhaltungswert. Wenn Stewart einen Brückentroll anmault und dieser dann abhaut ist das an unfreiwilliger Komik schwer zu toppen.
Doch der Film will ja ernst und dramatisch sein und verkompliziert die schlichte Story unnötig, ohne dass dies der Spannung wirklich zuträglich wäre. Das schale Prinzen-Bubi ist im wesentlichen überflüssig und der Bruder der bösen Königin ist so blass und vergessenswert, dass man sich in jeder Szene erinnern muss, dass er ja eine der großen Bedrohungen des Films darstellt.
Im Schlusskampf darf Kristen dann mal etwas aufdrehen, aber wirklich retten kann sie das ganze freudlose Spektakel auch nicht mehr. Es bleiben nur ein paar nette Designs, einige okay Tricks (die spröde Phantomarmee z.B.) und ansonsten jede Menge Langeweile.
Wer wirklich eine düstere und grimmigere (sic!) Variante des Stoffes sehen will ist wohl immer noch mit dem Sigourney-Weaver-TV-Film aus dem Jahr 1997 besser bedient und wer einfach zwei Stunden in eine fluffige Märchenwelt abtauchen möchte, soll sich ruhig mal an Mirror, Mirror wagen.. oder ganz einfach den Disney-Film gucken.
Men in Black 3 – USA 2012





Ein Alien-Schurke reist in der Zeit zurück und tötet dort Agent K. Agent J reist hinterher um dies zu vereiteln.
Es ist nicht so, dass MIB3 wirklich schlecht wäre. Er ist nur einfach nicht besonders gut, dafür dass er nach so langer Zeit ein Franchise zurückholt, dass wir ehrlich gesagt nicht sonderlich vermisst haben. Im wesentlichen verlässt er sich darauf die alten Gags (Wurmwesen, Promis als Aliens, Blitzdingsbumse) zu recyceln, lediglich eine gewisse zynische Härte, der gestiegene Brutalitätsgrad und der Hang zu Sentimentalitäten deuten an, dass wir uns nicht mehr in den frühen Noughties befinden.
Herausragend ist natürlich die Performance von Josh Brolin, der Tommy Lee Jones “K” brilliant channelt und ihm dennoch ein paar neue Facetten abgewinnt. Will Smith ist… nunja Will Smith, der sich wieder auf seine Motormouth-Performance früherer Jahre besinnt, damit aber auch mit dazu beiträgt, dass der Film reichlich angestaubt daherkommt. Versuchten die letzten Einträge in den Scream- und Die Hard-Franchise zumindest irgendwie anzuerkennen, dass seit der letzten Folge verdammt viel Zeit vergangen ist und das in irgendeiner Form zu thematisieren und mit dem Alter der Figuren zu spielen, wirkt es bei MIB3 als habe Sonnenfeld lediglich ein Script wiedergefunden, dass seit 2004 irgendwo in der Schublade lag.
Originellstes Element und wahrscheinlich der stärkste Bösewicht der bisherigen Serie ist Boris the Animal, der vom Design und seiner Präsenz durchaus überzeugen kann. Leider ist der ganze Zeitreisestory in dem er steckt so holperig und unelegant, dass ich mich abwechselnd über die verschenkten Möglichkeiten und die selbst im Serien-Kontext überdimensionalen Plotlöcher ärgerte.
Austin Powers und Back to the Future haben gezeigt wie gut Zeitreisen in einer Komödie funktionieren und welche Möglichkeiten sie bieten, doch abgesehen von den Retro-Aliens die in der MIB-Zentrale herumrennen (ein Gag der in Joe Dantes Looney Tunes: Back in Action auch schon vorkam) und einer halbherzigen Rassismus-Szene ist die Zeitreise im wesentlichen verschenkt. Brolin ist toll aber man amüsiert sich eher über seine TLJ-Imitation, als darüber was tatsächlich passiert. Denn sobald man anfängt auch nur oberflächlich über die eigentliche Handlung nachzudenken, fällt auf wie nachlässig sie konstruiert ist und wie doof das ganze im Grunde ist.
Dass Sonnenfeld krampfhast versucht diesen 90er Jahre Figuren der MIB, die alleine auf Coolness und Gags gebürstet sind plötzlich emotionale Tiefe und sogar noch einen Schlusstwist zu verpassen, stösst ebenfalls leicht sauer auf, denn es wirkt gewollt und knirscht ganz gewaltig. Statt dass sich die Story am Ende schliesst und man das Gefühl bekommt, hier wurde tatsächlich ein Bogen geschlagen der die drei Filme verbindet, bleibt das Gefühl es soll Gefühl und Geschlossenheit erzeugt werden, dass so nicht existiert. Die MIB-Filme waren immer Style-over-substance, die Figuren immer Comic-Gestalten ohne echte Entwicklung und Tiefe, es ging immer um Gags und Action. Aus diesen Holzschnitten plötzlich warmherzige Lebewesen zu machen, während gleichzeitig sowenig Entwicklung zu sehen ist und immer noch dieselben paar Standard-Gags wiedergekäut werden, lässt mit einem bizarren Gefühl zurück.
Enttäuschend ebenfalls, dass die Tricks bestenfalls durchschnittlich sind und oft eher wirken wie eine ambitionierte TV-Serie, als wie ein Sommer-Blockbuster der 225$ Millionen gekostet hat.
Genügsame Fans die Smith lieben, bekommen eine solide One-Men-Show und Dienst nach Vorschrift, aber wer sich ein bißchen mehr erhofft wird wohl, wie ich, mit der Frage zurückbleiben, warum genau es notwendig war die MIB aus dem Ruhestand zu holen.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juni 3rd, 2012 •
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- Schlagwörter: Men in Black 3D, mib3, Snow White and the Huntsman
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