Rock of Ages – USA 2012





Zwei unschuldige Twens mit Sangesambitionen versuchen sich im L.A. der späten 80er Jahre zum Erfolg durchzuschlagen. Derweil kämpft Rockstar Stacee Jaxx gegen den Abstieg und der Rock-Club Bourbon Room gegen den finanziellen Bankrott.
Seien wir ehrlich: Vom Härtegrad ist Adam Shankmans Musicalverfilmung wohl eher Pop of Ages oder Kuschelrock – Der Film. Und er ist wahnsinnig unfokussiert, mehr Nummernrevue als durchgängige Story und hat in Tom Cruise einen Star, der Lockerheit und Rockstardome sehr deutlich nachspielt, als tatsächlich verkörpert.
Was nichts daran ändert, dass der Film verdammt viel Spaß macht. Und selbst wenn Cruise neben einem geborenen Rockstar-Darsteller wie Russel Brand immer etwas steif wirkt, ist sein Stacee Jaxx trotzdem eine spannende und coole Figur. Von Hardrock sind die süffigen Musiknummern natürlich weit entfernt und manchmal ist die gespielte Abgrenzung zum bösen Pop und Boyband-Schnulz schon etwas albern – aber im Grunde geht es ja auch um das Spiel, das Posen, die Rockhaltung. Glam-Rock war Inszenierung und Kokettieren mit dem bösen Image und dieser Film ist ein bißchen die geglättete Erinnerung Opas an seine wilden Zeiten.
Das geht aber absolut in Ordnung, da der Film konsequent als Show daherkommt und sich nie wirklich ernst nimmt. Was zählt ist der Spaß, die große Geste, die große Emotion, die Show. Als Gegenstück zu unser aller jüngerem Ich das vor dem Spiegel stand und zu MTV-Sound in die Haarbürste gesungen hat, wollen alle Beteiligten einfach nur stupid silly fun. Natürlich gibts Seitenhiebe gegen schmierige Manager, Sell-Out, religiöse Rechte und die Herrschaft des seichten Pop, aber es sind gutmütige ja nostalgische Spitzen. Erinnert ihr euch noch, dass die Eltern früher Heavy Metal für Teufelsmusik hielten? Ach wie schön… Der Film ist Fluff und genügt sich darin.
Das der letzte Funke zum mitreissend genialen wie bei Hairspray nicht überspringen mag, ist vielleicht auch der fehlenden Ambition ein bißchen mehr zu sein geschuldet. Vielleicht auch weil es eben Jukebox-Songs sind und keine eigenkomponierten Songs, die meist doch nochmal mehr emotionale Tiefe vermitteln als die Hits die wir seit Jahren kennen.
Aber für einen Film der “nothing but a good time” als Tagline hat, macht er seinen Job schon sehr gut. Alec Baldwin und Russel Brand sind ein sehr komischer Double-Act, Paul Giamatti ist so sleazy wie selten, Cruise spielt sich die Seele aus dem Leib und auch Catherine Zeta-Jones überzeugt als Evil Bitch und kann wie die restliche Cast überraschend gut singen.
Kein Klassiker… aber Grund genug nochmal einen Groschen in die Jukebox zu stecken.
Moonrise Kingdom – USA 2012





60er Jahre. Auf einer abgelegenen Insel sorgen zwei Kinder für Aufruhr, die als unsternbedräutes Liebespaar die Flucht in die Wildnis wagen.
Nach zwei eher mittelprächtigen Filmen (Darjeeling Limited & Mr. Fox) findet Anderson hier zu Rushmore-Form zurück. Klar, auch hier droht der Look bisweilen den Inhalt zu überwältigen, aber eben nur fast. Plus: Die kunstvolle 2D-Komposition der Bilder, der Guckkastenlook der konsequent durchgehalten wird, macht in realem Setting wesentlich mehr Spaß als in der schrabbeligen Puppenanimation.
Dazu kommt eine großartige Besetzung. Bill Murray mag etwas verschwendet sein und könnte zwar von jedem alten Kauz gespielt werden, aber Edward Norton und Bruce Willis alleine lohnen das Anschauen. Was besonders im Fall von Norton freut, denn in den vergangenen Jahren war er zu oft in gespreiztem “schaut her ich schauspiele”-Habitus versunken – hier ist er albern, skurril und trotzdem liebenswert.
Die Story ist eine Variation bekannter Anderson-Themen und die Kinder sind natürlich wieder Erwachsene in klein, die reden wie 40jr New Yorker. Doch das macht überhaupt nichts, denn die Mischung aus schräger Warmherzigkeit und Distanziertheit funktioniert diesmal wieder wunderbar. Klar, so richtig ans Herz geht das ganze nicht, die Emotionen bleiben immer auf ironischem Abstand – aber trotz allem steckt hinter den Bildern eine Zuneigung zu den Menschen, die mit der artifiziellen Inszenierung versöhnt.
Musik, Bildkomposition, Timing – hier fügt sich alles zusammen und formt ein oftmals sehr komisches Ganzes. Ein Märchen aus einem Land das so fast existieren könnte, zwischen Dickens, Disney, Woody Allen und Burton.
Und nach Moonrise Kingdom bin ich eindeutig wieder gespannt auf den nächsten Anderson.
Die Trauzeugen (A few best men) – AUS/UK 2011
UK-Bubi will in betuchte australische Familie einheiraten, doch das große Familienfest wird durch seine debilen Kumpel zur Katastrophe.
Die gute Nachricht ist, dass die Figuren in A few best men nicht so gnadenlos unsympathisch sind, wie die in Hangover. Sie sind eigentlich alle aus dem “doof aber okay”-Segment. Was den Film aber trotzdem nicht rettet, denn so richtig aus der Hüfte kommt das Hochzeits-Spektakel nicht. Alles wirkt irgendwie halbgar, selbst der Fäkalhumor fährt mit angezogener Handbremse, genau wie das was wohl Over-the-Top-Shocking sein soll, aber doch beständig auf dem Niveau einer durchschnittlichen TV-Folge hängenbleibt.
Wobei ich damit wohl einigen TV-Serien unrecht tue, denn gegen das was z.B. in Skins an gecrashten Parties so abging sind die Trauzeugen leider nur Hilfsschüler. Das Problem ist nicht, dass die Darsteller wahnsinnig schlecht wären – sind sind für diese Art von Film sogar leicht überm Durchschnitt – es passiert nur einfach nichts in irgendeiner Weise Lustiges, Unerwartetes oder Interessantes. Jeder Gag ist aus besseren Vorlagen geklaut und war dort meist krasser und besser getimed. Die Vorhersagbarkeit der gesamten Handlung nimmt bisweilen wirklich dermaßen erschreckende Ausmaße an, dass man sich wirklich fragt ob man den Film zum ersten Mal sieht.
Am Ende pendelt sich alles beim schmalzigen “echte Fründe stönn zosamma” ein – und zurück bleibt ein furchtbar unmutiger, uninspirierter und braver Film, geronnene Langeweile, dessen größtes Rätsel es bleibt warum er es ins Kino geschafft hat, statt verdient am Samstagvormittag auf Sat.1 versendet zu werden.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juni 14th, 2012 •
- 14 Kommentare
- Schlagwörter: Bill Murray, Edward Norton, hairspray, rock of ages, Tom Cruise, wes anders









































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