Der Lorax (The Lorax) – USA 2012






Ökofabel nach Dr. Seuss in der die Menschen für dumme Mode-Accessoires alle Bäume abholzen, bis ihre Umwelt unbewohnbar geworden ist. Der Naturgeist Lorax verschwindet mit den Bäumen und hinterlässt nur eine mahnende Botschaft.
Extrem knuffige Animationen und eine hübsche Voicecast helfen dieser Dr. Seuss-Adaption über die etwas ungelenke Erzählweise hinweg. So subtil wie ein After School-Special hämmert “Der Lorax” seine Pro-Natur-Botschaft in die Köpfe der Zuschauer, dass es tatsächlich etwas Goodwill braucht um sich davon nicht den Spaß verderben zu lassen.
Die Songs sind jetzt auch eher Geschmackssache, aber die Figuren und Animationen sind einfach sehr schön anzusehen. Fliegende Marshmellows, seltsame Bäume und der typische abgefahrene Dr. Seuss Look der hier stilecht in 3D umgesetzt wurde. Die eigentliche Story und die Rahmenhandlung wurden massiv erweitert, was moderne Gags ermöglicht und einen konkreten Bösewicht einführt, mit dem sich ein kinogerechter Showdown inszenieren lässt.
Wie auch “Horton hört ein Hu” sind die Ergänzungen zwar verständlich um aus einem Kinderbuch einen Spielfilm zu machen, aber wirklich gut tun sie der Story nicht – denn wo Seuss sich in Ambivalenz übte und zum Nachdenken anregen wollte, wird hier eine platte Lösung serviert.
Wie bei Horton, sorgt die Animation aber auch hier dafür, dass der Film mit all seinen Schwächen trotzdem Spaß macht. Auch wenn DeVito als Lorax nur eine wichtige Nebenrolle hat und wir die meiste Zeit mit Zac Efron verbringen…
The Raid (Serbuan maut) – Indonesien/UK 2011






SWAT-Team versucht sich an der Erstürmung eines abgewrackten Hochhauses in dem sich die gesamte indonesische Unterwelt versammelt hat. Keine gute Idee.
Routiniert und teilweise rasant ist The Raid zweifelsfrei. Die Silat-Fights sind oft beeindruckend choreographiert und in ihrer Brutalität gemessen an westlichen Filmen durchaus über dem Durchschnitt. Trotzdem ertappte ich mich mehrfach dabei, gerade in der zweiten Hälfte, dass ich mir wünschte das endlose Patt-Patt-Patsch der Kämpfe ginge schneller vorbei, denn die Story lahmt trotz Daueraction ganz gewaltig und so sehr ich die sportliche Leistung der Akteure auch achte, so wenig vermag es diese Art von Gekämpfe mich ohne interessante Charaktere auf Dauer zu fesseln.
Und genau dort hapert es, denn dem walisischen Regisseur Gareth Evans ist zwar die Faszination für indonesisches Martial Arts anzumerken, aber für Figuren und Handlung interessiert er sich herzlich wenig. Wo man einem Bruce Willis oder Statham gerne dabei zusieht, wie sie die Gegner phantasievoll im doppeldutzend abservieren, bleiben die Hauptfiguren hier blass und kaum unterscheidbar. Lediglich die unterschiedliche Barttracht lässt erkennen wie gut oder böse eine Figur ist.
Und genau genommen sind die Kampfszene zwar gut gemacht, aber jetzt auch kein optischer Orgasmus. Wer nicht zum ersten Mal einen Martial Arts-Film sieht, entdeckt hier wenig neues, denn weder optisch noch konzeptionell gibt es hier echte Highlights zu vermelden. Optische Rafinesse und grandiose Einzelstunts weichen der schieren Masse und Zeit – aber ein Kampf wird nicht zwingend spannender, nur weil er fünf Minuten geht – wenn einen keine der teilnehmenden Parteien wirklich interessiert.
Was bleibt ist ein hibbelig gefilmter und bisweilen etwas zu kleinteilig geschnittener, weitgehend überraschungsfreier, im Grunde aber ganz gelungener Dauerklopper. Dessen Pathos und Humorlosigkeit strengt angesichts der doofen Story mitunter etwas an, Genrefans dürften aber mit viel handgemachtem Schlagobers versöhnt werden.
Für das Sequel darf dann aber gerne ein Drehbuch geschrieben werden, dass länger ist als 3 Seiten. Und vielleicht ein paar Schauspieler engagieren, die nicht nur gut hinlangen können, sondern irgendeine Form von Charisma mitbringen.
Project X – USA 2011






Zum 18. Geburtstag seines Kumpels organisiert Costas die “beste Party aller Zeiten”…
Man nehme Superbad und ersetze alle Charaktere durch MCAs (meanspirited charmless assholes – also die Art von Leuten die normalerweise in Hangover mitspielen) und filme das Ganze mit POV-Wackelcam und voila Project X ist fertig.
Der Versuch einer YouTube-Antwort auf Animal House mag die Zielmeute zufriedenstellen, ändert aber nichts dran, dass dieselben schalen Gags und “boah Titten und Drogen”-Gags schon vor 30 Jahren nicht mehr so ulkig waren. Außer vielleicht man ist 13 und schmeißt sich alleine bei Erwähnung des Wortes “Loch” schon schräg in die Ecke.
Das Timing hängt durch, Costas ist wohl eine der unerträglichsten Leinwandkreaturen der letzten zehn Jahre, den man seinem ärgsten Feind nicht zum Freund wünscht und selbst der halbwegs erträgliche Hauptdarsteller macht wenig, dass ihn sympathisch erscheinen lässt. Wer nicht dieser Ode an Zerstörung, Drogen, Gruppenzwang und Konformität huldigt ist ein Loser und wenigstens glaubt Papi nichtmehr man wäre eine dumme Schwuchtel, weil man ja total bruahaha männlich ein paar Schnitten flachgelegt und die halbe Nachbarschaft zerstört hat. Was wirklich zählt ist der Respekt der Leute die dich in der Schule ansonsten nicht mit dem Arsch angucken, ins Fernsehen kommen und mit BlingBling behängt rumprahlen, das man nen großen Schwanz hat.
Wenn diese Spießerjungs mal erwachsen sind, fahren sie bestimmt auch nach Las Vegas um mal ordentlich die Sau rauszulassen, weil die brave Mami zuhause ihnen so selten mal Sturmfreie Bude erlaubt.
Kino so altbacken und reaktionär wie eine Ballermannparty. Da hilft auch keine Wackelcam.
Nilz N. Burger meint:





Lange hat Batz nicht mehr so geirrt wie in diesem Fall: Project X ist nach den 80er Jahren Filmen von John Hughes das erste Mal wieder Kino, das die Lebensrealität von Teenagern ernst nimmt und ihnen nicht vorsülzen möchte, das man vor allem auf seine Eltern zu hören habe und nur cool ist, wenn man seinen Träumen folgt, mit denen eigentlich die Träume der Eltern gemeint waren. Project X ist die absolute Negierung aller High School Musicals dieser Welt. Der Film ist dreckig, wild, pubertär, aufregend und laut. Ordinär bis zum umfallen und dabei so ein riesiger Spaß. Hedonistisch, naja, klar. Das steckt irgendwie im Sujet. Was soll ein Film auch sein, der nur eine einzige Party zum Thema hat? Doch während alle anderen Filme für junge Menschen immer als Botschaft: “Du musst nicht zu irgendwem gehören wollen – du musst vor allem du selbst sein, dann werden dich alle lieben!” haben, geht es in Project X – der eigentlich der übertriebenste Film seit Jahren ist – in Puncto Message deutlich realistischer zu. Natürlich ist die Pubertät geprägt von der Sehnsucht “dazu zugehören”, was auch immer das bedeutet. Man will eben nicht alleine in der Cafeteria sitzen, man will zu den Mädchen, die schon in der Schule aussehen wie Models. Das will man alles. Und ja, man will natürlich auch in deren Höschen. Mein Gott – kurz vor dem ersten Mal gibt es kaum etwas wichtigeres für Jungs.
Das alles steckt in diesem Film. Das ganze noch gepaart mit einer ultrawilden Party und einer herrlich sinnlosen Zerstörungsorgie macht Project X zu einem meiner Favoriten des Jahres. Die Darsteller sind im besten Sinne “unverbraucht”, weil die mir noch nie irgendwo groß aufgefallen sind, machen aber einen super Job. Ich fiebere mit der Hauptfigur und natürlich ist sein Kumpel ein Arschloch. Man kann den auch nie so richtig mögen. Aber man begreift sein Faszinosum. Der kommt halt aus New York, aus der großen Stadt. Damit kann man schonmal zum Suburb-Asi werden. Alles durchaus motiviert aus den Figuren. Die Liebesgeschichte im Film ist niedlich und das Ende so wunderbar exhausted. Als wenn man dabei gewesen wäre. Das “Blair Party Project”. Super Film. Freu mich den nochmal zu sehen.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 19th, 2012 •
- 16 Kommentare
- Schlagwörter: danny devito, Dr. Seuss' The Lorax
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