“About that whole no guns thing… Turns out I’m not as committed to it as you are.”
Originaltitel: The Dark Knight Rises
Herstellungsland: Großbritannien/USA 2012
Regie & Buch: Christopher Nolan
Darsteller: Christian Bale, Tom Hardy, Joseph Gordon-Levitt, Anne Hathaway, Gary Oldman, Aidan Gillen, Marion Cotillard, Morgan Freeman, Michael Caine





Nach Jahren im Ruhestand bringt das Auftauchen des Schurken Bane und seiner Bande Bruce Wayne dazu einmal mehr zum Fledermaus-Mann zu werden…
Niemand kann Nolan vorwerfen, er habe zuwenig Ambitionen oder versuche flache Stories zu erzählen. Wenn TDKR etwas zeigt, dann dass er mit wahnsinnigem Bemühen gemacht wurde. Alles muss dabei sein, jeder soll bedient werden. Die Bilder verströmen Anstrengung und Mühsal. Was das Ansehen des Films durchaus zu einer anstrengenden und mühseligen Erfahrung macht. Ein bißchen wirkt er dabei wie ein sehr aufwendiges Fünf-Gänge-Menue, das leider nicht so superlecker ist, bei dem Mutti aber jede Kritik wegbügelt mit “Weißt du wie lange ich dafür in der Küche gestanden habe?” Es ist eine Aufgabe sich TDKR anzusehen, kein echter Spaß.
Rettete Nolan im letzten Film nicht nur Heath Ledgers Performance, sondern generell die geniale Figur des Joker (bei der man sich schon sehr anstrengen müsste sie tatsächlich langweilig zu inszenieren), führt ihn diesmal sein eigener Anspruch, seine Humorlosigkeit und sein fehlendes Verständnis für Comic, auf einen sehr holperigen Weg der öfter ins Abseits als ans Ziel führt.
Doch fangen wir vielleicht mit den positiven Dingen des Films an: Catwoman – auch wenn sie nie so genannt wird – ist eine verdammt coole Figur die im Grunde für alle coolen, witzigen und charmanten Szenen des Films sorgt. Anne Hathaway ist auch so ziemlich die einzige, die den Eindruck macht, als habe sie Spaß beim Spiel gehabt. Ihre Selina ist moralisch ambivalent, kann in einer Sekunde von Sexy und naiv, zu knallhart berechnend zu ironisch überheblich wechseln und ist zudem für die wenigen comictypischen One-Liner direkt oder indirekt verantwortlich. Sie ist eine würdige Nachfolgerin von Michelle Pfeifer und hat leider, wie alles was im Film Spaß macht viel zu wenig Raum.
Für sich genommen ist auch Joseph Gordon Levitts Cop eine durchaus gelungene Ergänzung, was vor allem daran liegt, dass Levitt ihn mit zurückhaltender Präsenz spielt und dabei menschlich geerdeter wirkt, als die meisten anderen Figuren. Was er leider nicht aufwiegen kann, ist das Nolan letztlich nicht wirklich viel mit ihm anzufangen weiß und seine ganze Figur ein wenig wie auf die Schlusspointe hin zugeschneidert wirkt. Wie vieles im Film, ist er für die Handlung nur bedingt wichtig und vielleicht eher noch ein Grund warum der großartige Gary Oldman für viel zu lange Zeit in einem Krankenhaus herumliegen muß, anstatt selbst aktiv zu werden. Im Grunde ebenso überflüssig ist auch Mirinda, auch wenn Nolan versucht die Figur mit Taschenspielertricks wichtig erscheinen zu lassen.
Und dann ist da natürlich Bane, the Big Bad, der vermutlich nur die Leute beeindrucken kann, die seine Comic-Vorgeschichte kennen. Im Film alleine ist er ein eher unterwältigender Bösewicht, was nicht daran liegt, dass der großartige Tom Hardy sich nicht bemüht – aber gegen einen lächerlichen Tonmix der die Stimme völlig von der Figur dissoziert und das Problem, dass man sein Gesicht nicht sieht und die Augen nur starr dreinblicken (was alles zum Nolan-Konzept gehört), kann er leider auch nicht an. Auch wenn die Stimme, die ein wenig klingt wie HAL bei der proktologischen Untersuchung, versucht ironisch-nuanciert zu sein – die Hälfte der Zeit werden diese Nuancen vom Effektfilter ruiniert, die andere Hälfte versteht man sie gar nicht. Das Nolan auf die Kritik an der Stimme im ersten TDKR-Bane-Trailer mit diesem weirden Mix reagiert, wirkt schon beinah wie ein trotziges Kind, dass sagt: “Das habt ihr jetzt davon, dass euch die Stimme zu leise war, jetzt mische ich sie eben absolut nach vorne”. Von Bales Batman Stimme, die noch absurder und unbegründet verstellter ist als in TDK fange ich besser gar nicht an.
Physisch ist Schurke Bane okay, wobei einen nie ganz das Gefühl verlässt, es könnte auch ein x-beliebiger (und vielleicht auch etwas größerer) Bodybuilder im Kostüm stecken und würde vielleicht sogar imposanter wirken. Was die Komplexität der Figur angeht und ihre allgemeine Faszination muss sie natürlich hinter Ledgers Joker zurückstehen – was aber auch die Frage stellt, warum sich von allen schillernden Bösewichten aus dem Batman-Kosmos ausgerechnet für Bane entschieden wurde. Abgesehen von der einen Sache für die er berühmt ist, ist er hier einfach nicht sehr spannend.
SPOILERS AHEAD – Be aware
Zur eigentlichen Handlung: Sie ist vollgestopft mit Zeug… und wirklich wenig davon ist tatsächlich wichtig. Was Nolan gleich zum holprigen Beginn auf die Füsse fällt (nachdem Bane in einer ebenso unsinnig-umständlichen, wie eindrucksvollen Szene (die wirkt als wäre sie wie so oft bei Nolan in einem Bond-Film besser aufgehoben)) ist das dämliche Ende vom Vorgänger. So holterdipolter Harvey Dents Downfall inszeniert wurde, so dumm war der Grund für Batmans Exil. Noch alberner wird es allerdings, wenn uns hier verkauft wird, dass Batman nicht nur abgetaucht ist, sondern aus Bruce Wayne ein körperlich verfallener Jammerlappen wurde, der sich mächtig Mühe gibt Howard Hughes den Rang als beklopptester Eremit ever abzulaufen. Mit Zauselbart und mysteriösem Humpeln (wo das genau herkommt wird nicht erklärt, denn so schwer verletzt war er am Ende von TDK nicht) betrauert Wayne seine verlorene Eleanor, respektive Rachel seit mittlerweile acht Jahren. In dieser Zeit hat er zwar irgendwie in ein brandgefährliches Fusions-Energie-Projekt investiert, aber nicht-mal Zeit gefunden zu gucken wie sich der Rest vom Wayne-Imperium entwickelt.
Das alles fühlt sich falsch und ruckelig an. Der Dent-Act, der wohl hauptsächlich darauf basiert Gangstern keine Bewährung mehr zu gewähren, ist eine politische Nullnummer, wie auch die restlichen politischen Brocken die Nolan immer wieder hinwirft letztlich im Nichts enden. Klar es wird thematisch plakativ mit Börsencrash, Occupy-Rhetorik, Sicherheits-Paranoia und Vigilantentum gespielt, ohne dass aber wirklich substanziell etwas dahinter ist. Wenn Selina Wayne lasziv ins Ohr flüstert, dass sie zu den 99% gehört, ist das genauso wie Banes Replik auf einen Börsianer das es nichts zu stehlen gebe (“Warum seid IHR dann hier?”) letztlich nur ein cooler Spruch, der sich selbst genügt. Bane ist weder eine Parabel auf Occupy, noch auf Romney – noch ist die Abschottung Gothams ein gelungenes Gleichnis zum Thema “Sicherheitsstaat”. Es sind Fragmente die genutzt werden um Tiefe anzutäuschen, wo wenig Substanz sitzt.
Leider ist der Börsen-Coup von Bane auch für die Story relativ belanglos und nur eine aufgeblasene Ausrede, eines von vielen Setpieces die zwanghaft das Epos-Gefühl erzeugen und den Film auf seine schwer zu rechtfertigende Länge aufblähen helfen. Was okay wäre, wenn es zumindest mitreißend inszeniert wäre. Aber Nolan ist und das war mir schon bei TDK ein Dorn im Auge, ein furchtbarer Action-Regisseur. So inkohärent seine “Verfolgungsjagd bei TDK” war, so schlimm sind die Szenen in The Dark Knight Rises. Das die Nahkampf-Fights grobmotorisch, undynamisch und lahm wirken, geschenkt. Aber schlimmer sind die großen Actionmomente. Wieder weiß man fast nie was eigentlich gerade konkret passiert. Wieder flüchtet er sich in Nahaufnahmen und lässt kein klares Konzept erkennen. Wer befindet sich wo? Wer fährt hinter wem? Welche Polizeitruppe ist gerade an welcher Stelle? Wo ist Batman, wo ist Banes-Truppe? Was plant Gordons Rebellenallianz? Egal. Irgendwie bewegt sich etwas und irgendwie gibt es dann ab und zu Action. Dabei steht die Kamera auch gerne mal an der falschen Stelle. Wenn Nolan bewusst versuchen sollte Action “uncool” zu machen (was durchaus zu seinem “Darüber macht man keine Witze”-Ansatz passen würde, mit dem er diese Welt inszeniert), dann ist TDKR ein Triumph, denn langweiliger und weniger mitreissend waren gewaltige und zweifellos teure Actionszenen selten inszeniert. Die Stadion-Szene und Banes-Bomben werden in wesentlichen in Luftaufnahmen abgehandelt die optisch irgendwo zwischen Fußballübertragung und SimCity liegen… und während der ungemein nervige Soundtrack von Zimmer sonst jede Sekunde des Films zutackert und oft verzweifelt versucht dort Rasanz und Spannung zu erzeugen, wo die Bilder gemächlich dahinplätschern, fällt ihm den größten Actionmomenten wenig ein. Oder vielleicht wollte Nolan sie bewusst frei stehen lassen, weil.. darüber macht man eben keine Witze. Wobei er verkennt, dass der Einsturz der TwinTowers mehr Schau- und Thrillwert besaß als seine gefakten Katastrophen-Imitate, die aber anscheinend auch betroffen machen sollen.
Was nicht funktioniert, genauso wenig wie Banes “Volksaufstands”-Rhetorik. Denn Gotham ist eine absolut aseptisch-tote Stadt. Wir sehen nie wirklich Bewohner, Leben, Urbanität. Nolan gönnt uns nicht die kleinsten Fitzel in denen wir tatsächlich mal mit den normalen Gotham-Einwohnern konfrontiert werden und mitbekommen wie sie denken, fühlen und reagieren. Als dramaturgischer Vorschlaghammer muss eine Haufen Kinder aus einem Waisenhaus stellvertretend für die Ganze Stadt einstehen. Doesn’t work. Donners Superman, Singers X-Men und Whedons Avengers haben es alle ohne große Mühen geschafft ihre Welten bevölkert wirken zu lassen, mit wenigen Hintergrundmomenten gelang es zu suggerieren, dass die Actionen der Helden und Schurken nicht in einem Vakuum stattfinden, doch Nolans Gotham ist tot. Gefühlt sind alle die dort rumlaufen befreite Gefangene aus dem Knast oder kriminelle Obdachlose die sich Bane angeschlossen haben. Was tragisch ist, weil dadurch gefühlt nichts auf dem Spiel steht, wenn Bane die Stadt zur Sperrzone erklärt.
Was ein generelles Problem des Films ist: Er überrascht nicht (bis auf die zwei Twists am Schluss, die aber eher selbstgefällig wirken, als tatsächlich substanziell etwas zur Handlung beizutragen). So dumm Waynes Howard Hughes Nummer ist, so unglaubwürdig ist es, dass er so gut wie keinen großen Ansporn braucht um wieder zu Batman zu werden. Und so gerne ich Michael Caine mag, aber Alfred war doch immer ein ziemlicher Badass, wieso ist er diesmal ein weinerlicher alter Mann, der eher wirkt wie Waynes Patentante, als wie sein väterlicher Freund. Immerhin Morgan Freeman scheint zu wissen, dass er in einem Comic-Film ist und spielt seine Q-Rolle erneut mit angenehmem Augenzwinkern. Vielleicht sollte Nolan tatsächlich einfach Bond-Filme drehen, denn er kriegt seinen Kopf einfach nicht wirklich um das Konzept-Comic gewickelt. Was Whedon mühelos gelang und auch Donner verstanden hatte, war dass Verisimilitude (der Anschein von Glaubwürdigkeit) nichts mit Realismus zu tun haben muss, sondern nur mit einer in sich stimmigen Welt. Nolans Welt sperrt sich gegen das phantastische – in TDK setzte er alles dran, absoluten Realismus zu präsentieren – diesmal mischt er eindeutige Comic-Elemente in die Geschichte, doch sie sitzen wie Fremdkörper auf Nolans Kosmos. Catwoman ist eine Comicfigur in ihrem Wesen, ihrer Physik und Attitüde, genauso wie die zwei spitzmausgesichtigen Geschäftsleute die Bane engagieren und zu spät merken, dass er nicht ihr Lakei ist. Spannende, spaßige Figuren die überlebensgroß aufspielen, aber wirken, als wären sie aus Burtons-Batman oder einem ganz anderen Film reingestolpert, genau wie die einsamen One-Liner an denen Nolan sich diesmal versucht. Für sich genommen funktionieren sie, aber im Gesamtkontext des Films wirken sie deplatziert und fremd, auch wenn ich mir wünschte der Film würde sich endlich trauen genau diesen Weg einzuschlagen. Sich zur Unterhaltung zum Comic bekennen anstatt mit wichtigem Gesicht Dauerdepression verbreiten zu wollen.
Kommen wir zu Batman, der in seinem eigenen Film im Grunde kaum auftaucht. Das was Nolan als Arc präsentiert funktioniert für mich überhaupt nicht. Wenn schon der Grund warum Batman “gebrochen” ist, nicht nachvollziehbar und doof wirkt, leidet auch seine Wiederkehr, der neuerliche physische Bruch durch Bane (eine unglaublich unspannende Szene) und sein zweiter Aufstieg. Was auch immer Nolan mit der Figur vorhatte: Es funktioniert nicht. Der ganze emotionale Bogen macht den Eindruck als befänden sich ganze Entwicklungsstränge auf dem Boden des Schneideraums. Weder die Beziehung zu Selina, noch zu Miranda ist auch nur Ansatzweise ausgearbeitet. In einer Sekunde lernt er sie kennen, in der nächsten landet er mit Miranda im Bett – ohne das die Figuren irgendeine Chemie verbinden würde, die Waynes extrem emotionale Reaktion rechtfertigt, wenn ihn Miranda im albernen Schlusstwist schließlich verrät. Nichts was hier passiert ergibt folgerichtig aus der Handlung der Personen, weder Waynes Rückzug, noch seine Rückkehr, seine emotionale Bindung an Miranda noch das er am Ende mit Selina ins Exil geht und zum Paar wird. Das Wayne eine Querschnittlähmung mit Kniebeugen, Liegestützen und zwei Aushilfs-Yodas mit Glückskekssprüchen (Der Geist muss bereit sein, nicht der Körper – diesen Ratschlag haben wir wohl in jedem Martial-Arts-Film irgendwann gehört) innerhalb weniger Wochen auskuriert ist gerade in Nolans Realismus-Universum schon ziemlich doof. Vielleicht sollte jemand mal Professor X sagen, dass er ein paar Liegestütze machen muss. Das die große Aufgabe Batmans darin besteht aus einem Brunnen zu kriechen, was ein kleines Mädchen im ersten Versuch geschafft hat (wie Doug Jones treffend bemerkt hat) und das Wayne es danach schafft aus einem fremden Land innert kurzer Zeit wieder im abgeriegelten Gotham zu sein, ist der Suspension of Disbelief auch nicht wirklich zuträglich. Das alles quietscht und knarzt erzählerisch und immer bleibt der Eindruck, dass Nolan nur inszeniert um sich smarter als das Publikum zu fühlen. Taschenspielertricks, die aber keineswegs so smart vorgeführt werden wie die der Magier in The Prestige.
Am Ende steht ein sehr, sehr langes Epos, dass ratlos zurücklässt. Der offenkundige immense Aufwand und die Ernsthaftigkeit mir der die Macher daran gearbeitet hat, steht der angestrengten Ernsthaftigkeit gegenüber mit der hier Nonsense als relevante Zeitgeistparabel verkauft wird. Und so inkonsequent der Mix aus Comic und Realismus ist, so inkonsequent ist auch das Ende, dass einerseits finaler Abschluss sein will und gleichzeitig die Tür zu einer neuen Story nicht nur offen lässt, sondern soweit aufstösst, dass man im Grunde lieber die sehen würde, als die für die man fast drei Stunden im Kino zugebracht hat. Levitt könnte ein interessanter Robin sein und ein Catwoman-Film würd ich mir mit dieser Selina auch nochmal anschauen. Aber vielleicht dann doch mit einem anderen Regisseur. Und lasst Nolan endlich Bond machen, ich glaub das kann er.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Juli 27th, 2012 •
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- Schlagwörter: Batman, Christopher Nolan, tdkr, The Dark Knight, The Dark Knight Rises









































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