Reviews: Total Recall, Paranorman, We need to talk about Kevin (Review)

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Total Recall (Total Recall) – USA 2012
★★☆☆☆

Fabrikarbeiter Douglas Qaid hat Alpträume – um sich abzulenken lässt er sich von der Firma Rekall künstliche Erinnerungen implementieren, doch etwas geht schief und bald weiß er nicht mehr was Realität und was Fiktion ist.

Ambitions- und seelenloser Reissbrett-Schrott, der es schafft das Original zwar fast Punkt für Punkt nachzustellen, aber dabei alle originellen Ideen, optischen Einfälle, sowie Witz, Spannung und Tempo zu verlieren. Der Film schafft es extrem hibbelig zu sein und trotzdem sehr lahmarschig zu wirken, wie ein Sprinter der auf der Stelle läuft.

Das Design ist ein halbgares, sehr unhomogenes Mischmasch aus Blade-Runner, Minority Report, Fifth Element mit einem Schuss I-Robot. Doch wo diese Filme es schafften eine halbwegs schlüssige Welt zu erschaffen, wirkt hier alles wie Stückwerk, als wäre der Setdesigner ein gieriges Kind das durch die Videothek ging und bei jedem coolen Film “WILL ICH AUCH” geschrien hat. Das erstaunliche dabei ist, wie selten der Film wirklich mal Scope entwickelt und wie oft das Ganze trotz des immensen Aufwands eher klein und wie Theaterbühne wirkt.

Der Einfall (wohl aus Hollywoods Mars-Phobie heraus) die Story komplett auf die Erde zu verlegen, ist mit saudämlich nur unzureichend beschrieben, denn genau dadurch nimmt sich der Film jene überbordende Phantasie und Faszination zu entwickeln, wie sie Verhoevens Original hatte. Hier siehts grau, trist und langweilig aus, es gibt keine Mutanten sondern nur ungepflegte Penner und auch die Gadgets machen mal so gar keine Freude – wobei gerade hier durch die moderne Tricktechnik so einiges drin gewesen wäre. Stattdessen gibts abgestandene Ideen die man dutzendfach besser gesehen hat. Keinerlei Inspiration, keine aufklappenden Köpfe, keine Sonden im Kopf, keine Drillbohrfahrzeuge, Mutantenbäuche oder marsianische Artefakte. Wir sind ja im neuen Jahrtausend und da muss alles gritty und dark sein.

Der Spaß bleibt dabei natürlich völlig auf der Strecke und abgesehen von einer passablen Verfolgungsjagd in einem verschachtelten Liftsystem hat der Film leider nichts zu bieten. Collin Farrell stolpert umher und schaut in jeder Sekunde überrascht, dass er in dieser Gurke mitspielt. Kate Beckinsale spielt im Endeffekt nur ihre Underworld-Bitch weiter und die andere Frau ist so blass und langweilig, dass ich gerade nichtmal Lust hab ihren Namen nachzuschlagen.

Vorbei die Zeiten cheesiger Onliner, statt dessen wird mit Grabesstimme gemurmelt und gejammert. Alles ist furchtbar, furchtbar ernst und der Film tut so, als wäre die debile Story um die Kolonie und den Erdtunnel tatsächlich von Belang und nicht ausgemachter Bullshit. Leute wie Bill Nighy werden verschwendet in einem Minuten-Cameo und der Showdown ist langatmig, öde und repitativ.

Was den Machern fehlt sind Eier. Paul Verhoeven war damals ein Berserker, der zusammen mit Leuten wie Schwarzenegger und Rob Bottin etwas wirklich abgefahrenes abliefern wollte. Total Recall spielt in jeder Sekunde auf Nummer sicher. Kein Gore, keine drastische Gewalt, keine Extreme, kein Fluchen, kein Sex, keine Satire, kein Anspruch, keine Ideen, keine Ambivalenz, kein Mitdenken, keine Ironie, kein Humor. Das ist Malen-nach-Zahlen-Kino, mutloser Mist den wirklich niemand braucht. Aber vielleicht ist es auch das, was die heutige Generation von Kinogängern verdient hat, die Paranorman links liegen lassen, dafür in Total Recall strömen und sich beim Trailer für Dead Poets Society für Idioten (der neue Kevin James-Film) vor Lachen wegschmeissen.

Totale Erinnerung… ich wette ich hab diesen öden Stinker schon morgen wieder vergessen.

Paranorman – USA/GB/Can 2012
★★★★☆

Der 12jr Norman kann Geister sehen. Niemand glaubt ihm, bis in seinem Dorf plötzlich eine Zombie-Truppe anrückt, die durch den Fluch einer Hexe zum Leben erweckt wurden.

Ein Fest für Freunde des Horrorfilms und Animationsfans. Die brillante Mischung aus klassischem Stop-Motion mit leichter Zeichentrick und Computerunterstützung ist rundum gelungen.

Stimmungsmässig deutlich anders als Coraline und die Burton-Filme, findet Paranorman eine goldene Mitte zwischen sehr erwachsenen Gags, dutzenden Filmanspielungen, Referenzen und trockenem Wortzwitz und wunderschönen Bildern.

Man merkt, dass die Macher Fans sind, die vom klassischen Romero-Zombie, über die Universal-Horror-Filme der 30er bis zu modernem Spukhaus-Horror alles im Kopf haben was das Genre zu bieten hat. Dabei geht es durchaus auch mal eklig, creepy zu wenn Norman einen Ringkampf mit einer verwesenden Leiche aufführt oder unversehens ein Untoter ins Bild springt.

Das es nie zu generisch oder langweilig wird, liegt aber auch an den mit erstaunlich vielfältiger und differenzierter Mimik agierenden Charakteren, die einem schnell ans Herz wachsen, sowie den originellen Kameraeinstellungen und dem Timing der Gags. Der Detailreichtum dürfte dabei den bisherigen Vorzeigefilm Corlaine übertrumpfen, denn die transluzenten Figuren mit ihren extrem detaillierten Gesichtern sind ein Meisterwerk der Animationskunst.

Die Stimmung des Films liegt dabei irgendwo zwischen 80er Jahre Kino mit Goonies-Flair und einer gehörigen Portion Roald Dahl-Bösartigkeit. Ungewohnt ist dabei, das trotz allem moderne Setting – die Figuren agieren mit Handies und Computern, tragen Jeans und Sneakers. Wo Coraline und die Burton-Filme immer in einer leicht verschobenen Kunstwelt spielen, wirkt Paranorman ganz und gar weltlich – was die Figuren um einiges lebhafter erscheinen lässt als z.B. die Charaktere in Corpse Bride.

Schade nur, dass die Kinos und auch der verleih so wenig Vertrauen in den Film setzen und ihn kaum bewerben und nur in der Nachmittagsvorstellung spielen. Paranorman hat das Zeug Erwachsene, Geeks, Nerds und Filmfreaks zu begeistern. Wenn man ihm dazu die Chance gibt.

We need to talk about Kevin
★★★★☆

Kevin war schon als kleines Kind anders. Verschlossen, manipulativ, unberechenbar. Mittlerweile fast erwachsen spielt er geschickt die Eltern gegeneinander aus und ist im Begriff eine furchtbare Tat zu begehen.

Ein brillant gespieler Film mit einer herausragenden Besetzung, der ratlos zurücklässt. Die verschiedenen Kevin-Darsteller machen ihre Sache hervorragend, schaffen es aber ebenfalls, diesen Jungen ohne einen Funken Sympathie zu skizzieren. Kevin hat ganz sicher große emotionale Probleme, aber es fällt schwer Mitleid mit ihm zu haben oder sich tatsächlich in ihn einzufühlen. Mit diabolischer Zielstrebigkeit intrigiert er gegen seine überforderte Mutter, zieht seinen Vater auf seine Seite und beobachtet seine Umwelt mit dem distanzierten Interesse eines Insektenforschers, der einen Ameisenhügel anschaut. Ezra Miller als ältere Kevin-Version lässt erschauern, wenn er absolut gefühlskalt Tilda Swinton auflaufen lässt, die sich beständig bemüht zu verstehen warum ihr Sohn so ist, wie er ist.

John C. Reilly, der sich zunehmend auch in ernsten Rollen profiliert, ist der Vater der im Grunde seine Ruhe will. Der Glaubt seine Frau würde überdramatisieren und der so seinen Teil zum Drama beiträgt. Denn der Film erzählt ebenso die Geschichte der Kommunikationsunfähigkeit der Eltern, wie die des gestörten Kindes.

Regisseurin Lynne Ramsey erzählt ihre Story mit gnadenloser Konsequenz, in präzisen, oft distanziert-beobachtenden Bildern die sich selten mit ihren Figuren gemein machen. Sie bietet keine Antworten, keine einfachen Lösungen und macht den Film dadurch nicht eben einfach anzusehen. We need to talk about Kevin fasziniert, fesselt und lässt trotzdem mit dem Gefühl zurück, dass man ihn so schnell nicht noch einmal sehen möchte.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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16 Comments

  1. Fluffy Bunny

    Ich stimme Deinem Review zu Total Recall zu 100% zu. Filme wie dieser leben von ihren Ideen, sogar von den schlechten. Denkt man an Total Recall (Original Schwarzenegger) so denkt man an Mutanten, Benny Cabs, Nasen OPs, Aufklappköpfe, dreibrüstige Nutten und den Mars. Geht es da jemandem anders??? Das Remake nimmt tatsächlich Alles was kultig war und entfernt es! Was soll übrig bleiben? Was kann der Film werden, wenn er an deren Stelle nichts beisteuert oder einfügt? In 3 Jahren erinnert sich niemand mehr an diesen Film…

  2. redbrick

    Vielen Dank, dass du mich davor bewahrt hast, mir diesen Film im Kino anzusehen! Ich hatte so sehr gehofft, dass es wenigstens ein wenig über “Meh.” liegt. Das Original was großartig und nicht zu schlagen. Das dürfte jedem bewusst gewesen sein. Aber den Film SO heftig zu verhunzen… Kann auch nicht jeder.

  3. Binding

    Zu “Total Recall”: Das Remake ist ab 12 Jahren freigegeben und das Original immer noch ab 18 – das sagt eigentlich doch schon alles!

  4. roastbeef

    Die Kritik, der Film sei Stückwerk aus dem Best-Of der SciFi-Filme der letzen Jahre (ich verwende diesen Begriff jetzt wie du mal sehr gedehnt), stimmt absolut. Alles kommt irgendwie bekannt vor, nichts wirklich neu. Für einen SciFi Film eigentlich fast schon ein Todesurteil (als einzige Ausnahme fällt mir da jetzt nur das “Auge” ein, die Überwachungskamera, die in den Raum geschossen wird. …oder gab’s das auch schon mal irgendwo?).
    Auf der anderen Seite: Die eigentliche “Was wäre wenn…”-Prämisse, die SciFi-Filme üblicherweise auszeichnet (Was wäre wenn man in Träume “einbrechen” könnte? Was wäre wenn genetische Optimierung absolut normal wäre und unseren Alltag bestimmen würde?) ist glücklicherweise nicht nur Mittel zum Zweck, sondern wird im Film noch ein paar Mal aufgegriffen. So gesehen kann man also sagen: es könnte noch schlimmer sein.

  5. tor7ten

    Allein diese Liste bringt’s auf den Punkt:”
    Kein Gore, keine drastische Gewalt, keine Extreme, kein Fluchen, kein Sex, keine Satire, kein Anspruch, keine Ideen, keine Ambivalenz, kein Mitdenken, keine Ironie, kein Humor.” Grandioser Verriss! Word.

  6. Rudi Ratlos

    @disqus_u3NQaPI7Yi:disqus der alte Total Recall ist inwzischen ab 16 freigegeben ;)

    Ansonsten hätt ich tierisch Bock auf Para-Norman und der läuft leider tatsächlich nur so schlecht (sprich Siffkinio oder nur Nachmittags). Grummel…

  7. mek

    Meine Gedanken als ich den Trailer im Kino sah:

    Braucht kein Mensch. der erste erzählt alles was es zu erzählen gibt. Optisches Aufpeppen allein rechtfertigt keinen Film. Ausserdem sind die Actionszenen lächerlich, udn typische, indeenlose, übertriebene 0815-Hollywood-Szenen. Das rechtfertigt erstrecht nicht einen Kultfilm zu schänden.

    Dann kam die Nuttenszene udn man konnte die drei Brüste nicht sehen. Dann war klar dass dieser Film noch größerer Mist ist als alles was mit sofort negativ in den Kopf schoß.

  8. Mostrich

    Zu WNTTAK: Finde den Film vor allem in der Rolle von Swinton und Miller hervorragend gespielt und vor allem auch super geschnitten, der Rest ist jedoch ziemlich dünn. Die ganze Mutter-Kind-Situation ist dermaßen zugespitzt konstruiert, daß sich die Balken biegen. John C. Reilly ist bloße Staffage ohne wirkliche Tiefe. Insgesamt ein schönes Filmerlebnis, daß einen aber inhaltlich ärgert…

  9. dok

    ja , das ist wirklich schön gesagt . wahrscheinlich könnte man die liste noch fortsetzen . kein kinobesuch wert . kein dvd-kauf wert . keine ausleihgebüren wert . keine 2 stunden vor der glotze wert .
    und ganze drei rewiews , die NICHT drei sterne hatten . weiter so :)

  10. Lukas Heinzel

    Mir hat Total Recall echt spaß gemacht, ich kannte das Orginal nicht und wurde echt gut unterhalten. Tolle Schauspieler, tolle Story und geniale Momente. 4 Sterne.

  11. Lukas Heinzel

    Im Kino sind die drei Brüste zu sehen, du Nase.

  12. Binding

    Na ja, kommt darauf an, auf welcher Ebene. Das Original war damals einfach frech-provokativ, was die Gewaltszenen betraf, und das Remake dürfen jetzt sogar schon Sechsjährige sehen. Das macht einen Film nicht unbedingt automatisch schlechter, aber es spricht halt schon Bände.

  13. burns

    Paranormal: Wow.

    Einer der besten Animationsfilme der letzten Jahre. Und man merkt mit jeder Faser, dass er nicht von Dreamworks/Pixar/Disney ist. Der Oscar musste (natürlich) an den langweiligen, überkonventionellen “Brave” gehen. Die Story (gerade die für einen Animationsfilm erstaunlich heftige Backstory) ging mir wirklich zu Herzen, der White Trash der Figuren ist absolut un-animations-üblich, es gibt keine “Botschaft” im Hollywood-Sinne, nur das Thema Angst und der verschiedentliche Umgang mit ihr wird ausgeleuchtet, endlich mal kein reines Sonnenschein-Happy-End…

    Komm’ ma’, Batz, da wären auch 5 Sterne dringewesen, wenn es um “Anschau-Empfehlung” geht!

    Vor allem, wenn man sieht, dass so ein uninspirierter Kinderrotz wie Merida & Co. finanziell abgeht wie Sau und Paranorman grade mal 10 Mio. über seinen 180 Mio wieder rauskommt.

    Und übrigens ein ganz wunderbarer Soundtrack, der sein Maintheme über 80 min. ganz sachte immer wieder anteasert, um es dann in genau der richtigen Szene emotional reindengeln zu lassen (Jon Brion).
    Sehr sehr perfekt, bin ehrlich überwältigt.

  14. burns

    Paranormal: Wow.

    Einer der besten Animationsfilme der letzten Jahre. Und man merkt mit jeder Faser, dass er nicht von Dreamworks/Pixar/Disney ist. Der Oscar musste (natürlich) an den langweiligen, überkonventionellen “Brave” gehen. Die Story (gerade die für einen Animationsfilm erstaunlich heftige Backstory) ging mir wirklich zu Herzen, der White Trash der Figuren ist absolut un-animations-üblich, es gibt keine “Botschaft” im Hollywood-Sinne, nur das Thema Angst und der verschiedentliche Umgang mit ihr wird ausgeleuchtet, endlich mal kein reines Sonnenschein-Happy-End…

    Komm’ ma’, Batz, da wären auch 5 Sterne dringewesen, wenn es um “Anschau-Empfehlung” geht!

    Vor allem, wenn man sieht, dass so ein uninspirierter Kinderrotz wie Merida & Co. finanziell abgeht wie Sau und Paranorman grade mal 10 Mio. über seinen 180 Mio wieder rauskommt.

    Und übrigens ein ganz wunderbarer Soundtrack, der sein Maintheme über 80 min. ganz sachte immer wieder anteasert, um es dann in genau der richtigen Szene emotional reindengeln zu lassen (Jon Brion).
    Sehr sehr perfekt, bin ehrlich überwältigt.

  15. Fender Bora

    Wort! Das ist der Wahrheit! Ein geiler Film!

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