Reviews: The Expendables II, V/H/S (Fantasy Filmfest), Detention (Fantasy Filmfest) (Review)

10

The Expendables II – USA 2012
★★★½☆

Die Entbehrlichen sind zurück und diesmal muss sich die Truppe alter Actionrecken mit JCVD rumschlagen.

Teil 2 löst im wesentlichen ein, was der erste nur versprochen hat: Testosteronaction mit ordentlichen Schauwerten und Heldendarstellern, die sich selbst nicht wirklich ernst nehmen.

Stallone tat gut daran Buch und Regie in der Fortsetzung jemand anderem zu überlassen, denn auch wenn die Gags hier teilweise arg brachial und gezwungen wirken (jeder der alten Actionrochen bekommt die Gelegenheit 1-2 Scherze auf Kosten seines Image, seiner Filmographie hinzulegen – was nicht immer so gut gelingt wie Chuck Norris der einen Chuck Norris-Fact zitiert) , macht die recht sinnfreie Story doch um Längen mehr Spaß als das verbissene Geraffel in Teil 1, das auch actionmässig daherkam wie das Ende einer A-Team-Folge.

Diesmal wurde aufgedreht und die hauptsächlich praktischen Stunts machen schon ordentlich was her (wobei sich der bittere Beigeschmack, dass für den Film ein Stuntmen sein Leben lassen musste und ein Stück Natur vernichtet wurde, nicht ganz verdrängen lässt). Ein Flugzeug das in eine Höhle kracht erinnert an Indy und auch ansonsten ist dies ein konsequenter Deja-Vu-Film. Es sind Versatzstücke und die beständige Reminiszenz an vergangene Zeiten, aus denen sich Expendables II zusammensetzt. Vielleicht ist es klug, dass nie wirklich versucht wird mehr zu sein, als Fanboy-Wichsvorlage – denn genau genommen haben die meisten der alten Recken ihre Beste Zeit lange hinter sich und Statham ist im Grunde der einzige, der einen Actionfilm noch wirklich alleine tragen könnte. Und so begnügen sich die betagten Heroen mit dem ironischen Kokettieren: Schau wir waren mal verdammt cool. Eigene Größe und neue Legenden entstehen so natürlich nicht – die Expendables sind weiterhin sowas wie eine All-Star-Band ehemaliger Rockstars, die im verblassenden Glanz noch einmal richtig abrocken – wenn es auch nur mit Coverversionen alter Hits ist.

Das klingt negativer als es gemeint ist, denn für das was er ist macht der Film viel Spaß und der kalauernde Ansatz gepaart mit ein bißchen Pathos und R-Rated -Action funktioniert viel besser als die gewollte Düsternis von Teil 1. Die Jungs rocken… und wenn sich Stallone am Ende mit dem als Bösewicht erstaunlich großartigen JCVD auf die Fresse gibt, ist das schon ordentlich inszeniert. Oder um es mit Bruce Worten zu sagen: Nice. A bit excessive but nice.

Detention – USA 2011
★★★½☆

Eine Highschool wird von einem Serienkiller namens CinderHella terrorisiert, doch an dieser Schule ist das noch das geringste aller Probleme.

Ein wunderbarer WTF-Film. Klar aber auch: Das ist Geschmackssache. Wer auf einen ziemlich unfokussierten, Ideen übersprudelnden Genremix keine Lust hat und gerne vorher wissen möchte ob er jetzt Horror, SciFi, Slasher oder Komödie sieht, der ist bei Detention eindeutig falsch.

Wer sich darauf einlassen mag, bekommt eine extrem durchgeknallte Story serviert, die selten vorhersehbar und immer unterhaltsam ist, auch wenn die ADHS-Inszenierung stellenweise etwas anstrengt. Doch wie beschreibt man das ganze am Besten? Einen Slasherfilm mit John Hughes-Feeling? Eine Sci-Fi-Komödie mit Parker Lewis, Clueless und Back to the Future-Inszenierung? Scott Pilgrim für die Generation Scream? Detention ist das alles und auch wieder nicht, denn er wechselt ständig seine Stimmung, mal Teenie-Soap, mal brutaler Splatter, mal nostalgisch und immer ironisch.

Das selbst ein eher blässlicher Typ wie Josh Hutcherson nicht stört ist, wie die gesamte liebevolle Machart des Films Zeugnis der Ambition von Regisseur Kahn. Ein breites Publikum wird er damit vermutlich nicht erreichen, denn bei aller optischen Ambition, den zt brillanten Kameraspielereien und dem MetaMetaMeta-Ansatz des Films sind es genau diese Qualitäten die ihn für den Mainstream wohl leider eher unattraktiv machen.

Was schade ist, denn kleine Genreperlen wie diese sind es doch, die auch das Fantasyfilmfest letzt am Leben erhalten. Die großen, wichtigen Anspruchsstreifen schaffen es auch auf anderen Festivals.

V/H/S – USA 2012
★★½☆☆

Sechs Horrorstories denen allen gemein ist, dass sie auf Video aufgenommen wurden

Da kommt einiges zusammen: Found-Footage-Film UND Omnibus-Streifen – zwei Genres die selten echte Perlen hervorgebracht haben kombiniert. Und leider ist auch V/H/S ein sehr gemischtes Vergnügen, das am Ende doch eher nervt als begeistert.

Denn von den sechs Stories, die alle im Wackelcam-Look gedreht sind und alle als Found Footage daherkommen (wenn auch nicht alle auf VHS gedreht sind), können nur zwei halbwegs überzeugen. Die Story einer debilen Freundesbande die einem Succubus zum Opfer fällt hat ein paar nette Momente zu bieten und auch die Haunted-House-Story am Ende bringt ein paar überraschende Bilder, wenn sie klassische Geistertricks mit der Handheld-Kamera kombiniert. Inhaltlich sind diese beiden Stories zwar ebenso unorginell wie der Rest, aber sie machen zumindest Spaß. Was mit Abstrichen auch für die Überlange (und mit absehbarer Pointe arbeitende) Webcam-Chat-Horrorstory gilt, die ganz okay ist aber viel zu lange braucht um zum Punkt zu kommen.

Die anderen Stories haben ähnliche Schwächen, ohne jedoch die positiven Elemente. Ty West langweilt mit einer auf edgy-getrimmten Stalker-Story mit Twist, irgendeine Bildstörung meuchelt Idioten im Wald und die Rahmenstory ist verwackelt und sieht so scheisse aus, das ich schon lange eh überhaupt mal was passiert ist jedes Interesse an den Arschloch-Protagonisten verloren hatte.

Insgesamt bleibt V/H/S eine Sammlung halbgarer Fingerübungen, die die Found Footage-Ästhetik nie wirklich ernst nimmt oder interessant nutzt. An die verstörende Wirkung die etwa Harmony Korinths Trashhumpers hat, der ebenfalls im VHS-Look daherkommt, kommt dieser Streifen zu keiner Sekunde ran und entlässt letztlich doch mit dem Gefühl die Lidl-Version der Twilight Zone besucht zu haben.

In : Review

About the author

Batzman (Oliver Lysiak)
Oliver “Batz” Lysiak geboren in den 70ern, studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Heute betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, Deutschlands erfolgreichstes Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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  • Matty

    Expendables 2 kann man so stehen lassen ausser das ich finde das Scott Adkins auch einen Film tragen kann. Der braucht nur mal ordentliche Drehbücher. Detention sagt mir bisher gar nix. Bezüglich VHS ist dies die bisher erste schlechte Review. Muss ich mir mal selbst ein Bild von machen. Leider noch nicht gesehen.

  • Fluffy Bunny

    Hurra, endlich ist er da! Expendables II und meine Hoffnungen das der Film nicht schlecht wird wurden erfüllt! Ich kann zwar Schlagworte wie ” Fanboy-Wichsvorlage” absolut nicht leiden und glaube nicht das ein Film wie dieser irgendeinen Fanboy zu körperlichen Handlungen verleitet – dafür gibt es doch Unsinn wie “Jennifers Body” und “Star Wars” – finde den Review sonst aber durchweg gelungen und sich mit meinen Eindrücken deckend.
    Dankeschön! So, jetzt gibt’s dann noch 3Doppel-D Piranhas als Guilty Pleasure obendrauf und dann kann der Herbst kommen…

  • Mein Senf

    Spar dir den Piranha-Nachtisch. Du wirst es bereuen.

  • Binding

    Schau Dir “Universal Soldier – Day of Reckoning” an! Da hast Du den Adkins-Film, den Du suchst. Das war übrigens DIE Überraschung des Fantasy-Filmfests! Oldschoolmäßig saubrutal ohne CGI-Gedöns, und die Fights waren absolute Oberklasse. Und das Ganze – kaum zu glauben – war obendrein fast schon arthousemäßig von Peter Hyams (!) inszeniert.

  • Thies

    Da hat jemand nicht aufgepasst, denn der Regisseur war nicht Peter sondern sein Sohnemann John. Wie auch schon beim Vorgänger.

  • Binding

    Oh, ja. Sorry. Ändert aber nichts an der Aussage über den Film.

  • Binding

    “Detention” ist eine gaaaanz große Nullnummer, die größtenteils nur nervt und langweilt, weil sie reizüberflutungsmäßig bis oben hin mit Zitaten, Endlos-Gequassel und Einblendungen vollgepackt ist, ohne selbst originell zu sein oder dabei was Interessantes zu erzählen. Und nur für die inszenatorische Tour-de-Force gibt’s keine Bonuspunkte. Man muss sich schon wundern, dass jemand so eine unausgegorene Riesen-Luftblase, die nur oberflächlich viel Wind macht, überhaupt finanziert bekommt.

  • http://www.facebook.com/profile.php?id=1324053619 Jürgen Kühner

    Ti, nicht Ty

  • Ley

    “….Schau wir waren mal verdammt cool…..” Da stimme ich dir nicht zu.

    Ich finde die sind immer noch alle verdammt cool. Und viel cooler als wir alle zusammen sind oder je sein werden. Arnie, Sly und Co werden mit 80 Jahren noch cool sein.

    Es sind die ersten und letzten richtigen Actionhelden. Eine ganz spezielle und bald nur mehr in unserer Erinnerung existierende Ära.

    Das kann man mit den heutigen Bubis die einen auf Actionheld machen, oder besser gesagt denen man nicht im entferntesten Abkauft das sie Actionhelden darstellen wollen, nicht vergleichen.

  • Tschunga

    Ist es auch (Ausdruck hier im Blog neulich gelernt) “arty-farty”? Würde mich mal interessieren…

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