“Good work, zombie arm.”

Originaltitel: The Cabin in the Woods
Herstellungsland: USA 2011
Regie: Drew Goddard
Buch: Joss Whedon, Drew Goddard
Darsteller: Kristen Connolly, Chris Hemsworth, Richard Jenkins, Fran Kranz, Bradley Whitford




Nilzenburger




Batzman




Renington Steele
Warnung: Man muss spoilern, wenn man nur irgendwas über diesen Film erzählen will. Wenn man die volle Experience haben will, dann lese man am besten gar nicht weiter, sondern gucke erst den Film. Dazu vielleicht als Satz: Es ist ein vermeintlich klassischer Horrorfilm, aber dann doch nicht. Das muss reichen. Wer es mag, sollte sich nun überraschen lassen. Alle anderen: Ich versuche nicht zu hart zu spoilern, aber irgendwas muss ich ja schreiben. :)
Eine Gruppe von Teenagern fährt zum Wochenendtrip in eine verlassene Hütte im Wald. Eine Streberin, eine Tussi, ein Kiffer, ein Sportler und ein latenter Besseriwsser (der ausserdem schwarz ist). Auf dem Weg zur Hütte halten sie an einer Tankstelle, an der ein unfreundlicher, versiffter Hillbilly mit schlechten Zähnen und blutunterlaufenen Augen ihnen andeutet, das sie verloren seien.
So weit, so schon 1000mal gesehen.
Aber Cabin in the Woods hat noch eine zweite Ebene. Was die Jugendlichen nicht wissen, ist das sie Teil eines großen Plans sind. So scheint es zumindest. Eine woauchimmer lokalisierte Zentrale beobachtet jeden Schritt der Jugendlichen, scheint direkten Einfluss auf ihre Handlungen zu nehmen und besonders zynisch mit ihnen zu sein. Desweiteren scheint es mehrere dieser “Zentralen” zu geben und es ist nicht wirklich klar, was ihr richtiger Auftrag ist. Es fällt nur sehr bald auf: Was auch immer die da machen, es bedeutet nichts Gutes für die Wochenendtrip-Gemeinschaft.
Wie gewarnt, ich musste jetzt schon spoilern und das wird auch im Rest dieses Reviews nicht ausbleiben. Wie gesagt, ich versuche es so weit wie möglich zu umgehen, so unkonkret zu bleiben wie ich kann, was die Story angeht, aber um zu kritisieren muss ich auch mal ins Detail gehen.
“The Cabin in the Woods” wurde als Revolution gefeiert. Als Neubeginn des Horrorfilms. Nun bin ich kein besonders regelmässiger Horrorfilmgucker, eher im Gegenteil. Das ist nicht so mein Genre. Aber die Genre-Meilensteine gefallen mir doch gut, wie die Evil Deads oder Screams (Jaja, nicht direkt Horror, aber doch dem Genre zuzuordnen) dieser Welt. Ich bin also ein casual Horrorgucker und solche möchte man ja eigentlich im Kino haben. Also, eine fette Produktionsfirma jedenfalls, denn nur mit Freaks macht man keinen Umsatz.
Cabin in the Woods macht vieles richtig. Das Abbilden von Klischees wird gerade genug nicht überzogen, damit es trotzdem noch funktioniert. Die Figuren sind natürlich bewusst vom Teenie Slasher Reissbrett, aber die meisten Schauspieler können sie noch mit genug Leben füllen, um sie glaubwürdig zu machen (ausser die “Tussi” und der “Besserwisser”, die haben wirklich schlimm geactet). Die alte “Der Kiffer muss sterben, weil Drogen schlecht sind!”-Regel wird auf eine gute Art gebrochen und kurz vor dem Showdown gibt es ein Finale furioso, das ich so noch niemals irgendwo gesehen habe. Das ist tatsächlich die Eintrittskarte wert.
Aber so sieht die Revolution aus? Das ist der beste Film des Jahres? Das glaube ich nicht, Tim. Der Film macht nämlich genauso viel falsch wie richtig. Das Buch ist auf den ersten zwanzig bis dreissig Seiten wirklich unglaublich Hüftsteif. Nichts kommt aus dem Quark und die ungewöhnliche Exposition wird bis zum erbrechen durchgekaut, damit sie auch der letzte Depp im Kino begriffen hat, der vielleicht die ganze Zeit abgelenkt war, weil er die Hand im Höschen seiner Freundin hatte. Das muss man durchstehen, obwohl man nach zehn Minuten schon rufen möchte: “Ist okay, ich habs kapiert!”.
Dann tappt er in die gleiche Falle, wie alle Genre-Sezierer vor ihm: Er hält sich so damit auf, alles neu zu erfinden, dass das Herz ein wenig auf der Strecke bleibt. Jede Figur hat ihren Zweck und wird brav zu Ende erzählt. Keine Ecken und Kanten, die hat man alle dem Setup gegeben. Kann man machen, ja, finde ich aber sehr theoretisiert. Das begeistert dann Filmkritiker und Horrornerds, aber da geht es nur um Formalismen. Mich als Horrorn00b ärgert es ein wenig, nicht in die Geschichte involviert zu werden. Alles schreit immer nach einer ganz lauten Ironie. Andauernde Meta-Ebene. Vielleicht ist deswegen der “Funny Movie”-Titelgag-Ripoff bei Cabin auch nicht ganz zufällig gewählt. Vielleicht verstehen die Macher ihren Film eher als Kommentar aufs Genre, denn als eigenständigen Film. Das würde in vielerlei Hinsicht Sinn machen: Alles sind nur Versatzstücke, die abgefrühstückt werden müssen, damit man alle Horrorfilmklischees kommentiert. Dadurch wird das aber zum Flickwerk. Wie aus einem Guss wirkt das Buch deswegen fast nie. Aber wie gesagt: Ein begeisterter Horrorfilmgucker wird ganz andere Schlüsse aus diesem Film ziehen als ich, da bin ich mir sicher.
Ich war nach dem lahmen Start dann ganz gut unterhalten, deswegen will ich mich nicht beschweren. Ich kann dieser Truman-Show des Horrors nun keinen Originalitätspreis vergeben, denn eigentlich ist das nur ein Mash Up, mit ganz vielen, zum Teil abgeschmackten, Zutaten. Aber als solches ist es solide gemacht. Keine Revolution, aber gut zum Freundin beschützen. Und die Drehbuchlücken lassen genug Zeit zum ausgiebigen knutschen. Das ist doch auch schon was.
P.S.: Eigentlich hätte ich dem Film eine 2,5 gegeben, aber da mein Lieblingstier einen großartigen Auftritt hat, konnte ich nicht anders als den halben Stern noch draufzugeben.
————————————-
Batzman meint:





Cabin in the woods ist vielleicht nicht “The Slasher to end all slashers”, noch ist er das Defintive-Irgendwas zum Horrorgenre. Aber er macht als ironisch-intelligentes Vexierspiel mit Tropen und Themen eine Menge Spaß. Die Besetzung ballanciert gekonnt zwischen ihrem Klischee und realer Person, die Anspielungen und Zitate auf Klassiker sind Legion und dazu kommt das angenehme Gefühl, das die Macher ihre Zuschauer ernst nehmen.
Abseits vom ennervierenden Torture-Porn der die Nuller-Jahre so unangenehm dominiert hat, ist Cabin in the Woods Meta-Horror für die Post-Meta-Generation. Anders als Scream geht der Film einen Schritt weiter, denn nicht nur die Figuren des Films kennen die Klischees, sondern sie werden von anderen Figuren bewusst als solche instrumentalisiert.
Was den Film angenehm und so unterhaltsam macht ist, dass er aber eben nicht nur als Fanboy-Referat funktioniert sondern einfach gut unterhält und als Horror-Comedy mitfiebern lässt. Das es nach dem recht gemächlichen Anfang und den überschaubaren Settings zum Schluss dann nochmal richtig rund geht und die absolute Monstershow zu bestaunen ist, zeigt wie sehr Whedon und Goddard eben doch auch Fans sind, die ein diebisches Vergnügen dabei haben alle ihre Idole zum ganz großen Blutbad zusammenzutrommeln.
Whedon und sein Regie-Kumpel Goddard sind Fans des Genres, ärgern sich aber gleichzeitig über seine Formelhaftigkeit. Also servieren sie einen überaus spassigen Cocktail aus Klischee-Szenen, die wie mit Fussnoten sofort seziert und erklärt werden, wenn wir in die unterirdischen Steuerlabore umschalten und dort die genervten Wissenschaftsmalocher bei der Arbeit erleben.
Dabei wird schön die Schizophrenie des Publikums herausgearbeitet, denn natürlich kennen auch wir die ganzen Dämlichkeiten und Vorhersagbarkeiten und spotten ab und zu darüber – und trotzdem mögen wir sie und können sie wieder und wieder sehen. Die Götter denen die Teenies geopfert werden sind letztlich wir die Zuschauer. Zumindest die, die den Horrorfilm lieben.
———————————–
Renington meint:





Ich halte Cabin für den wichtigsten Genrebeitrag seit 20 Jahren, seit Scream nämlich. Ähnlich wie Wes Cravens Dekonstruktion des Slasher-Genres ist Cabin ein Meta-Film für das komplette Horror-Genre, wollte man Cabin beschreiben, käme man wohl am besten mit Westworld meets Evil Dead meets Lovecraft hin, angereicht mit ungefähr drei Millionen Zitaten aus ungefähr allen existierenden Horrorfilmen. Und was sich (zurecht) anhört, wie ein extremes Filmmashup und eine Zitatorgie ergibt innerhalb des Plots einen erschreckend schlüssigen Sinn.
Fünf junge Menschen fahren in ‘ne Hütte im Wald, finden im Keller seltsame Artefakte und das Tagebuch einer Frau, lesen daraus vor und werden daraufhin von einer Familie Redneck-Zombies umgebracht. Dieses klassische Slasher-Setting wird gesteuert von einer geheimnisvollen Firma im Untergrund, deren Rolle im Verlauf des Films nach und nach offenbart wird.
Das Drehbuch ist fast schon zu clever, jede Szene und jede Handlung jeder Figur ergibt Sinn und bringt den Plot voran, der Unterhaltungswert des Films ist extrem hoch, der Gorefaktor mehr als ausreichend und der Film macht gigantischen Spaß. Die absichtlich zunächst flachen Figuren gewinnen im Verlauf der Handlung an Profil im gleichen Maße, in dem der Film an Komplexität gewinnt. Überhaupt: Der Rhythmus und das Timing von Cabin ist fantastisch: Schockeffekte zünden und kommen in einer Form, die man so nicht erwartet.
Als Kenner des Genres knallt Cabin nochmal doppelt, da man die tausenden Anspielungen und Insider-Jokes erst dann versteht und dankenswerterweise erklärt der Film hier nichts (Minor Spoiler: etwa, wenn im Finale des Films einer der Mitarbeiter von einem Monster gekillt wird, das eindeutig als Remix des Monsters aus “Troll 2″ erkennbar ist und der Mann daraufhin ein “Awww, come on!” brüllt… da “Troll 2″ einer der schlechtesten Filme aller Zeiten ist). Sowas sind Perlen und Jokes von Fans für Fans und der Film ist voll von solchen Anspielungen.
Cabin ist brillant, clever und superunterhaltsam, hat Subtext und tausend Ebenen und angesichts dieser 90minütigen Awesomeness muss man von einem Arsch voll Glück sprechen, der (2009 fertiggestellte) Film wäre beinahe nie erschienen, da Metro-Goldwyn-Mayer 2010 Konkurs anmeldete, woraufhin Cabin in der Production Hell landete. Schließlich wurde er nach endlosen Verzögerungen von Lionsgate gekauft und hatte im März auf dem SXSW Premiere. Ich hoffe, dass Cabin durch Whedons Regiearbeit an der ziemlich erfolgreichen Avengers-Verfilmung nochmal ein wenig Aufmerksamkeit auf Cabin in the Woods lenkt, denn eins kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen: Der Film dürfte in meiner Topliste 2012 auf der Eins landen und er hat einen Platz in meiner Top 10 der Lieblingshorrorfilme aller Zeiten. Cabin ist für Genre-Fans ein absolutes und indiskutables Must Watch, jetzt bereits ein moderner Genre-Klassiker – und der Rest hat auch seinen Spaß.
Und nach dem Klick ein paar richtige Spoiler, weil ich die Awesomeness, die dieser Film ist, selbst nochmal in Worten wiedergeben muss, um zu fassen, was ich da gesehen habe.
——————–MASSIVE SPOILERS——————–
——————–MASSIVE SPOILERS——————–
——————–MASSIVE SPOILERS——————–
Die Firma beschäftigt Wissenschaftler, von denen einige tausend Jahren alt sind. Die opfern seit dem Anbeginn der Zeit Jugendliche an die “alten Götter” und zwar immer eine Hure, ein Sportler, ein Narr, ein Gelerter und nur die Jungfrau wird verschont und nur das Schicksal entscheidet, ob sie überlebt. Das Nebenprodukt sind Horrorfilme. Die Firma ist in einem unterirdischen Gebäudekomplex untergebracht, in dem ein ganzes Waldgebiet inklusive Berg gesteuert wird. Die Götter wohnen in der Erde und werden einmal im Jahr mit dem Blut der frisch gemordeten Slasher-Opfer besänftigt. Dieses Szenario ist eine riesige Verbeugung vor Lovecraft.
Die Szenen in diesem unterirdischen Firmenkomplex sind wahnsinnig komisch und strange, paaren eine seltsam-wissenschaftliche Götterverehrung mit trocken-zynischem Humor und zeigen das in einer retrofuturistischen Optik, die unter anderem an Westworld erinnert.
Das Vorlesen aus dem Tagebuch (die Beschwörungsformel) löst einen Mechanismus aus, der ein Szenario aus einem ganzen Katalog von Monstern auswählt (in diesem Fall die Redneck Zombie-Familie), die Firma hat einen ganzen “Monster-Zoo”: ein Konstrukt wie aus The Cube, das sich “Wall of Nightmares” nennt und in dem man von den Zenobiten aus Hellraiser bis zum Werwolf alle möglichen Horror-Ikonen wiedertrifft. Als die letzten beiden Überlebenden (natürlich) im unterirdischen Komplex ankommen und dort ausgeschaltet werden sollen, befreien sie die Biester und es folgt das wahrscheinlich unterhaltsamste und kurzweiligste Gemetzel aller Zeiten, das höchstens noch von Braindead getoppt wird inklusive einem passenden, kurzen und großartigen Ende.
Cabin ist eine grandiose, große Verbeugung vor seinem Genre, von Fans für Fans. Außerdem hat er die wahrscheinlich erotischste Bestiality-Szene aller Zeiten.
- Nilz N Burger •
- September 6th, 2012 •
- 31 Kommentare
- Schlagwörter: Cabin In The Woods, Joss Whedon









































Pingback: Cabin in the Woods (Review) › Nerdcore
Pingback: 46 Horror-Klischees in 187 Sekunden - Die Fünf Filmfreunde
Pingback: Autor Roger Willemsen ist enttäuscht von Unterhaltung in ARD und ZDF