Ich war gestern in einem Kino und habe zum 25-jährigen Jubiläum “Dirty Dancing” digital rausgeputzt auf einer Riesenleinwand gesehen. Und ich fand das ganz schön erstaunlich. Und weil das so ein Nachdenken über Film heutzutage provoziert hat, teile ich diese Gedanken hier jetzt einfach mal mit euch.
Ich kann mich an den Film erinnern, ich hab den in der Pubertät viele Male sehen “dürfen”, weil jedes Mädchen, in das man verguckt war, immer diesen Film gucken wollte. Gut, ich hab in den 6,7 Malen, die ich den mitgesehen hab, immer nur einen Teil mitbekommen und den Rest der Zeit Melanie auf den Hals, Stefanie auf die Haare oder Tina auf den plötzlich da seienden Ausschnitt geguckt. Somit brauchte ich vermutlich auch die mehreren Anläufe, um den ganzen Film zu erfassen. Aber es war klar: Das war ein Mädchenfilm. Ich würde übrigens wetten das weder Tina, noch Melanie, noch Stefanie sich an mich in dem Moment erinnern könnten: Die blickten alle gebannt auf den Fernseher. Mit kuscheln oder knutschen war da nix. Ich war ja auch nicht Patrick Swayze.
Jetzt, viele Jahre später, sitz ich also im Kino und guck mir das ganze Ding nochmal an. Und bin total begeistert! Das Buch ist so perfekt geschrieben: Die Geschichte bleibt nie stehen und wenn, dann nur um ein kleines Tänzchen zu wagen. Natürlich ist die übersichtlich, aber eben auch total effizient. Und die Szene am See, wenn Jennifer Grey ihrem Vater eine Ansage macht, hat mich, mittlerweile Vater einer prä-pubertären Tochter, dann doch mehr ergriffen, als ich vorher gedacht hätte.
Aber wo sind diese Filme heute? Wo sind diese Mädchenfilme, mit einer originellen Story, im Sinne von: Extra für den Film ausgedacht? Warum werden erst die Bücher getestet, bevor etwas verfilmt wird, wie bei Twilight und Konsorten. Wo sind die Filme mit den weiblichen Heldinnen, mit denen junge Mädchen sich identifizieren können? Denn, ganz ehrlich: Ich glaube die Bedürfnisse und Sehnsüchte kleiner Mädchen haben sich in den letzten 25 Jahren nicht grundlegend verändert. Warum also 27 Teile “Step up” und kein neuer Tanzfilm? Warum keine neue Geschichte? Wo ist der Film über das Mädchen, das auf YouTube als Tänzerin entdeckt wird? Wo ist der Film über das Mädchen, das in den 60ern von seinen Eltern zum Ballett geschickt wird, die aber zum Hintereingang aus der Ballettschule rausgeht und lieber bei den Strassenjungs Salsa lernt? Wo ist der Film über das Mädchen, das zu einer Talentshow geht und da einen Tänzer kennen und lieben lernt? Das mögen alles nicht die originellsten Plots sein, aber es ist Schmacht. Es sind Teenager Träume. Es ist Feuer im Herzen.
Übrigens: Wirklich beeidruckend fand ich, weil ich das auch nicht mehr so richtig in Erinnerung hatte, wie in Dirty Dancing mit Musik umgegangen wird: Der Film spielt in den späten 50ern, trotzdem wird auch einfach so 80er Musik eingespielt, auch als Musik in der Szene. Als wäre das, das normalste der Welt. Das fand ich super. Wenn man das heute machen würde, dann kämen wahrscheinlich Blogs wie wir, irgendwelche Foren, Kommentare, was auch immer und würden sich darüber beschweren, wie unauthentisch das sei, wie albern, wie fake, wie blöd. Dabei geht das! Der Rahmen des Films gibt das total her und vor.
Ich war geflasht nach dem Film, ich weiss jetzt, warum der so ein grosser Erfolg war. Weil der für das, was er ist, perfekt ist. Meinen 25 Jahre verspäteten Respekt dafür. Es sollte dem heutigen Kino eine Lehre sein.
- Nilz N Burger •
- Oktober 9th, 2012 •
- 12 Kommentare









































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