“I can do more damage on my laptop in my pyjamas than you can do in a year in the field.”
Originaltitel: Skyfall
Herstellungsland: Großbritannien / USA 2012
Regie: Sam Mendes
Buch: Neal Purvis,Robert Wade, John Logan
Darsteller: Daniel Craig, Ralph Fiennes, Javier Bardem, Ben Whishaw, Judi Dench, Naomie Harris, Bérénice Marlohe






Die Geheimdokumente die alle Undercoveragenten des MI6 identifizieren werden gestohlen. Bond kann sie als einziger zurückholen, denn der Täter verfolgt einen ausgeklügelten Plan um sich an Bonds Boss M zu rächen.
Das Gute zuerst: Skyfall ist deutlich besser als Quantum of Solace. Als Agententhriller ist er ordentlich gedreht, gespielt und bietet ganz okaye Unterhaltung mit einer Handvoll amüsanter Momente. Als Bondfilm und als Actionfilm vermochte mich Skyfall allerdings nicht wirklich zu überzeuge und das ist unabhängig von Daniel Craig, der für mich immer noch keinerlei Bond-Flair besitzt und mittlerweile älter aussieht als Roger Moore Anfang der 80er – obwohl er erst 44 ist.
Einer der Gründe warum der Film für mich als Actionfilm nicht funktioniert ist ganz sicher Roger Deakins, der als Kameramann von Mendes und den Coen-Brüder absolut seine Meriten hat, es aber nicht schafft hier irgendeine Kinostimmung zu erzeugen, geschweige denn weiß er wo er die Kamera in Actionszenen hinstellen muss. Die Pre-Title-Sequenz die actionmässig sicher noch das Beste am Film ist, wirkt oft in langweilige Halbnah-Aufnahmen aufgelöst die eher an aufwendigeren TV-Film als an große Kinobilder erinnern. Die Kamera ist fast immer zu nah dran, das Bild wirkt zu glatt zu clean, hat zuwenig Struktur und findet keine eigene Stimmung. Auch dank des penetranten Product-Placements von Sony erinnern die übersättigten Bilder oft an Werbespots und wenn sich Bond mit einem egalen Schurken vor einem Bildschirmschoner-Hintergrund rangelt soll das vielleicht an japanisches Schattentheater gemahnen, erinnert aber eher an Apple-Commercials. Es ist ja schön wenn mal nicht hibbelige Handkamera verwendet wird und das rechne ich dem Film an, aber Deakins Bilder wirken extrem lustlos und auf Nummer Sicher getrimmt. Viel zu selten wagt er mal Totalen und selbst die lassen kaum Erhabenheit und Wow-Gefühl aufkommen.
*Some slight spoilers ahead – Beware*
Was natürlich auch an den blassen Locations liegt, denn auch wenn der Film in der Türkei beginnt und es einen Abstecher nach Fernost gibt – wirklich exotisch oder nach Scope, nach weiter Welt riecht dieser Bond nicht, bei dem ich mich mehrfach fragte wofür denn bitte die 200 Mio$ draufgegangen sind. Sind Drehgenehmigungen in London wirklich so teuer? Denn dort spielt ein Hauptteil und so schön London ist, als Hauptschauplatz ist es dann doch zu durchfotografiert um tatsächlich zu beeindrucken. Und wie schmerzlich vermisse ich (nachdem ich mir gerade die alten Bonds alle auf Blu-ray nochmal angesehen hatte in den vergangenen Wochen) die opulenten, originellen Sets eines Ken Adam. Hier gibts karge Kellerräume, Tunnel, ein ziemlich kleines Casino, einen austauschbaren Gerichtssaal, eine austauschbare Trümmerstadt und ein eher kleines Landhaus am schottischen Arsch der Welt, das für den Showdown herhalten muss. Hier strebt nichts nach dem überdimensionalen, dem überlebensgroßen das Bond immer abhob von anderen Serien. Und so klein wie die optischen Schauwerte, so klein wird auch die Action inszeniert bei der sich stets das Gefühl einstellt, sie sei Mendes (den ich für seine Dramen wie “Revolutionary Road” sehr schätze) eher lästig und er wolle sie möglichst schnell hinter sich bekommen, damit er wieder zu dem zurückkehren kann was ihn interessiert: Menschen in Halb-Nah-Aufnahme die miteinander reden. Was gefühlt ca 70% von Skyfall bestimmt.
Was ich nicht schlecht finde. “Tinker, Tailor, Soldier Spy” ist ein brillanter Film der nur aus solchen Szenen besteht. Nur Bond ist eben nicht “diese Art” Agentenfilm. Bond ist kein psychologischer Thriller, der auf Subtilität, vielschichtige, glaubhafte Charaktere und komplexe Stories setzt. Bond ist ein Mythos. Ein übermenschlicher Held der zum Träumen einlädt, der hilft aus dem Alltag zu entfliehen, der stellvertretend so gut, so heroeisch, so lässig, witzig und cool ist wie es niemand im Publikum je sein wird. Er ist die Art von Held den kleine Jungs auf dem Schulhof nachspielen, wie Superman, wie Indiana Jones, wie Han Solo. Bond ist der Gentleman, der Macho, der Frauenflachleger der austeilt und einstecken kann und am Ende immer die Oberhand gewinnt. Er ist unrealistisch, denn idealisierte Helden sind nun einmal unerreichbar und sie funktionieren eben durch ihre fehlende Komplexität.
Es fällt schwer sich vorzustellen, das sich ein Schuljunge in Craigs Bond hineinträumt oder das irgendein Erwachsener Craig nacheifern möchte. Er ist zu normal. Wurde in Quantentoast schon ständig von “Damaged Goods” geredet, erreicht die Demontage mit Bonds “Tod” und seiner Rekonvaleszenz (auch das ungute Anklänge an Nolans Batman) hier penetrante Ausmaße. Als wenns nicht reicht, dass Craig aussieht wie Sean Connerys kleinerer Opa der beim Bingo-Abend zu oft gegen den Beichtstuhl gestolpert ist, betont der Film unablässig das dieser Bond durch ist. Er ist nicht fit, er ist an der Grenze zum Alkoholiker, er schaffts nicht mehr eine Zielscheibe zu treffen die auf Armeslänge weg ist und nach zwei Klimmzügen steht er vorm Herzkasper.
Das ist durchaus symptomatisch, denn Dame Judis M wirkt ebenfalls recht fragil und Javier Bardems Schurke ist ebenfalls nicht gerade der stabilste. Ein Emo-Schurke mit Rachekomplex und Überbiss, der an Udo Kier in den 80ern erinnert. Eine weinerliche Schwuchtel, die nicht verwunden hat das M(ami) sie verraten hat, wie es nunmal Art des Geheimdienstes ist und der Muster-Macho Bond mit homophilen Avancen verunsichern will, was aber auch nicht so gut klappt. Javier spielt ihn mit Verve und sichtlicher Freude und ist ganz interessant anzusehen, aber verglichen mit früheren Megalomaniacs vom Schlage Stromberg, Blofeld, Zorin, Drax und Co ist er doch ein rechter Jammerlappen. Ein Muttersöhnchen der einen sehr umständlichen und aufwendigen Plan designed bei dem letztlich nicht wirklich genug auf dem Spiel steht um wirklich mitzufiebern. Denn so sehr ich Dame Judi mag – als Bondgirl funktioniert sie ebensowenig wie als dramaturgisches Element, denn wir wissen das M’s Austauschbar sind und ob sie jetzt Bonds Boss ist oder nicht, hat auf die Serie letztlich keine Auswirkung. Und doch setzt Mendes sie als Dreh- und Angelpunkt ein um mit ihr, Bond und Bardem eine Mommy-Issues-Story durchzudeklinieren die zumindest mich nicht wirklich zu fesseln vermochte.
Es wirkt oft als hätten sich die Macher großzügig bei der sehr guten britischen Serie “Spooks”-Inspiration geholt, die bewusst ein Anti-Bond-Image pflegte und moralische Fragen, Ränkespiele, Enttäuschungen und Ambivalenzen als Stilmittel einsetzte um zu zeigen wie ernüchternd und unglamourös der Agentenalltag doch ist. Dench spielt hier den Harry Pierce, der in der Serie seine Agenten führte und oft genug opferte und eiskalt ins Messer laufen ließ. Für Spooks funktionierte das wunderbar und etliche Staffeln waren extrem spannend und komplex, emotional und politisch relevant – stellten sie doch immer wieder die Daseinsberechtigung des MI6 und seiner Methoden in Frage. Und einige Folgen boten leider wesentlich aufregendere Action als Skyfall.
Mendes bleibt dem Reboot-Motto weitgehend treu, er vermeidet Spektakel und doch will er den Fans Brosamen hinwerfen, die natürlich gierig aufgenommen werden. Der ungelenke Versuch von One-Linern in der Pre-Title-Sequenz, der Verweis das Bond seine Martinis wieder geschüttelt trinkt und allen voran der Aston Martin der logisch absolut nicht zu rechtfertigen ist, aber als Fan-Favorit ein Garant für wohligen Nostalgie-Bonus. Es hat ein bißchen etwas tragisches, dass die Craig-Bonds eine Ikone aus dem wohl bekanntesten Bondfilm Goldfinger zurückholen müssen – während ihnen gleichzeitig absolut nichts eigenes einfällt was auch nur im Ansatz zukünftig mal den Kultcharakter dieses Wagens erlangen könnte. Denn Craigs-Bond ist ja eben kein Superman, kein übermenschlicher Held. Er ist immer noch eher Bourne (den wohl auch nie irgendein Kind nachahmen würde oder als Actionfigur besitzen wollte) als Bond und das wird dem Zuschauer auch überdeutlich um die Ohren gehauen, wenn die Hoffnung auf interessante Gadgets von “Q” mit einem zynischen “Was haben sie erwartet, einen explodierenden Kugelschreiber? Sowas machen wir heute nicht mehr” kommentiert wird. Es bleibt grauer Alltag mit einem graubärtigen Bond, dessen Gadget-Highlight bleibt wenn ihm eine Gegner seine Imprint-WaltherPPK abnimmt, damit nicht schiessen kann und von einem saumässig schlecht animierten Komodowaran gefressen wird. Willkommen in Jahr 2012, wo Spaß verboten ist und Sex auch nicht stattfindet. Denn das Bondgirl ist ja M – die blasse Französin die ca. 8min-Screentime hat ehe sie erschossen wird ist etwa so erinnernswert wie die Inneneinrichtung des MI6-Kellers.
In Erinnerung bleibt neben Ralph Fienes allerdings Eve Moneypenny, die im gesamten Film die einzige ist die etwas Humor und Lebensfreude, Sexyness und Augenzwinkern ausstrahlt. Naomie Harris ist eine Idealbesetzung und wäre als Love-Interest um Meilen besser gewesen als die blasse Französin. Sie ist cool, witzig und erzsympathisch und ihre Dialoge mit Bond reissen den Film immer mal wieder aus der herbstlichen Dämmerstimmung. Ebenfalls ein Lichtblick: Der neue Q, der durchaus eine angemessene Aktualisierung der Rolle darstellt und sich ein paar schöne Zickendialoge mit Bond liefert. Doch ja, es gibt sie die Lichtblicke die erkennen lassen, das die Serie immer noch Potential hat, wenn die Macher mal endlich von der Realismusschiene runterkämen, die Handbremse lösen würden und statt psychologisch-peinlicher Kindheitstrauma mal wieder anfingen die Welt zu retten und echte Schurken zu jagen.
Natürlich ist Bardem besser als die Craig-Schurken zuvor, aber es bleibt eben doch kleinscheiss und wenn er am Ende jedesmal wenn Bond auftaucht und selbst im Tode nur noch genervt schaut, dann konnte ich ihn gut nachvollziehen. Skyfall ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung, der dennoch weit weit weg ist von großem Actionkino und einem großen Bond-Film. Das gilt leider auch für den quarkärschigen Song, der vielleicht Druck machen würde wenn ihn jemand mit richtiger Röhre singen würde, der aber bei Adele nur mattes Monieren bleibt, das über einem extrem unausgegorenen Vorspann liegt der ein paar ganz gute Ideen mit vielen ganz scheusslichen verbindet und zwischen allem keine Ballance und keine Stimmung findet. Zwischen dem Versuch Mädels im Binder-Stil mit billig animierten Grabsteinen zu kombinieren, versinkt diese Titelszene im konfusen Brei, den auch der Versuch der inhaltlichen Anbindung nicht retten kann.
Im Gegensatz zu Quantum of Solace und Casino Royale hab ich Skyfall nicht gehasst. Mit einem anderen Namen für den Hauptdarsteller wäre es ein okayer Agentenfilm, der zwar zu lang ist, aber seine Story passabel durchdekliniert. Vielleicht nicht Kinoformat, aber im TV gut aufgehoben. Als Bondfilm bleibt er für mich zu lang, zu langatmig und sowohl was den Mythenfaktor als auch die Güte der Actionszenen angeht nur Mittelklasse. Und es stellt sich die Erkenntnis ein, dass es absolut seinen Grund hat, dass die dutzende Werbepartner die für Skyfall an Bord geholt worden schon ihren Grund haben, warum sie in ihren Spots bewusst auf die klassischen Filme anspielen und deren Gefühl des übermächtig-coolen Superagenten zu evozieren suchen und nicht den abgewrackten Melancholiker der in Skyfall die meiste Zeit zu sehen ist. Träume brauchen Helden, den grimmigen Alltag gibts überall umsonst. Letztlich will der Film ja sogar ein Plädoyer für 007 sein, Testament dafür, dass er nicht überflüssig ist und nicht durch Schreibtischtäter ersetzt werden kann, dass es sich lohnt die Doppelnullen weiter zu beschäftigen. Das Ende ist Reset abgeschlossen und verspricht, das es ab hier wieder gewohnt weitergehen könnte. Das die Serie nachdem sie Bourne und Nolan durchgeorgelt hat jetzt endlich mal wieder anfangen könnte Spaß zu machen.
In diesem Sinne: Bis zum nächsten Film. Vielleicht dann mal wieder mit James Bond.
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Achja: Die Gesamtbox “Bond 50″ ist übrigens sehr zu empfehlen. Alle Filme bis zu Quantum auf BD in sehr geil remasterter Qualität und mit massig Bonusmaterial und einer ganz stylishen Verpackung.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- November 1st, 2012 •
- 91 Kommentare
- Schlagwörter: 007, casino royale, ein quantum, James Bond, Quantum Of Solace, Skyfall









































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