Reviews: Ralph Reicht’s, Killing Them Softly, Premium Rush, Father’s Day (Review & Trailer)

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Ralph Reicht’s (Wreck-it-Ralph) – USA 2012
★★★★☆

Ralph ist eine Figur aus einem alten 80er Jahre Game im Stile von Donkey Kong. Doch der Spaß am Dasein als Bösewicht ist ihm schon lange abhanden gekommen und als ihm auch die Selbsthilfegruppe für Game-Schurken nicht mehr weiterhilft, beschliesst er in anderen Spielen nach Anerkennung zu suchen…

Mit Wreck-it-Ralph ist Disney-Animation im CGI-Bereich endgültig erwachsen geworden. Waren schon Bolt, Meet the Robinsons und natürlich Tangled gelungene Filme, standen sie doch immer noch im Schatten des großen Bruders Pixar.

Die FIlme waren gut, aber unverkennbar Disney. Mit Ralph haben sie einen Film gedreht der von Anfang an eine eigene Stimme findet und so unverhohlen nerdig ist, wie es sich Disney seit dem ersten Tron nicht mehr getraut hat. Regisseur Rich Moore ist seine Erfahrung als Simpsons/Futurama/Drawn-Together-Regisseur dabei deutlich anzumerken, denn er schafft den Spagat extrem viele Referenzen und In-Jokes einzubauen, ohne dass sie den Film dominieren. Wer die Computerspielhelden erkennt freut sich diebisch, wenn die alten Recken in Nebenrollen auftauchen oder typische Spiel-Logik als Realität genutzt wird.

Ob Q-Bert um Spenden bettelt, der Tapper im Akkord Bier ausschenkt, in der großen Halle hunderte Spielfiguren umherwuseln und Dig Dug bei Ralphs Anblick panisch im Boden verschwindet – oder ob explodierender Kuchen 8Bit-Muster an Wänden und dem Boden hinterlässt, es wimmelt von Gags und Anspielungen ohne das sie reiner Selbstzweck sind oder die Handlung ausbremsen.

Denn wie bei den Simpsons steht bei aller Ironie und allem z.T. sarkastischen Humor hinter allem auch eine emotionale Story die erstaunlich schlüssig aufgebaut ist. Genau wie wir mit den Simpsons, im Gegensatz zu ihren Kollegen aus South Park oder Family Guy, trotz aller Absurdität und harter Gags immer auch emotional mitfühlen können, weil sie mehr sind als reine Popkultur-Schleudern, erschliesst sich auch Ralphs und Vanellopes Story letztlich als berührend ohne schmalzig zu werden.

Was die reine Gagrate angeht, würde man sich vielleicht noch ein paar mehr Sprünge durch andere Games wünschen, ehe es zum Hauptteil im quietschig-leckeren Sugar-Rush-Land kommt (einer Art Mario-Kart in einem Süssigkeitenland mit Anime-Mädchen als Racern) – aber von der reinen Storykonstruktion überrascht der Film mit extrem schönen Set-ups und Payoffs. Vieles was am Anfang in Nebensätzen erwähnt oder beiläufig gezeigt wird, erweist sich später als wichtig und fügt sich zu einem homogenen Ganzen zusammen. Dabei unterschätzt der Film seine Zuschauer nie und erwartet bei aller Mainstreamtauglichkeit immer das man aufpasst und mitdenkt.

Ein Glücksfall ist dabei auch die Voicecast: John C. Reily verleigt Ralph sowohl Durchsetzungskraft als auch jene melancholische Midlife-Crisis-Resignation die er braucht um Glaubwürdig zu sein. Sarah Silverman macht als hyperaktive Göre ebenfalls eine gute Figur und natürlich ist Jane Lynch als knallharter Drill-Sergeant Callhoun eine Idealbesetzung. Ihre Szenen mit dem von Jack McBrayer gesprochenen Fix-it-Felix sind ebenso umwerfend witzig, wie anrührend und tragen ihren Teil zu einem runden Ende bei.

Optisch braucht sich der Film weder hinter der hauseigenen Konkurrenz von Pixar (deren “Brave” grandios aussah aber einige gravierende Pacing- und Storyprobleme hatte) noch hinter Hits wie “Despicable” Me oder “How to train your Dragon” zu verstecken. Das Setting in einer reinen Game-Welt ist natürlich ideal für einen CGI-Film und die Macher nutzen die unterschiedlichen Looks gekonnt aus, um vier sehr unterschiedliche Welten zu erschaffen: Ralphs 8Bit-Game, die Halo/Metroid-inspirierte Welt von Hero’s Duty und das Mario-Kartige Sugar Rush – plus die Welt von Game Central, der Station wo die Spielfiguren hingehen, wenn sie gerade nicht im Spiel jobben. Das jede Welt auch noch ihre typische Musik hat (für Hero’s Duty schrabbelt Dubstep-Ikone Skrillex den Soundteppich, für Sugar-Rush singt eine japanische Girly-Band) fügt sich ins angenehme Gesamtbild, genauso wie die immer präsenten 8Bit-Soundeffekte die mehr als einmal für wohliges Grinsen sorgen.

Für Gamer jeden Alters ist Ralph ein großartiger Spaß, egal ob man jetzt Generation Pong, C64, Amiga, Game Boy, PS2 oder XBox360 ist. Er nimmt nicht nur eine wunderbare Idee sondern macht tatsächlich eine Runde Geschichte daraus, die am Ende sogar Leute kapieren die keine Ahnung haben wer der Master Chief oder Kato sind.

Disney beweist einmal mehr, dass sie bereit sind Risiken einzugehen und nicht ausschließlich auf Sequels und Reboots zu setzen und diesmal zahlt es sich im Gegensatz zu “John Carter” und “Tron Legacy” dankbarer Weise auch aus. Vielleicht guckt Pixar sich ja mal etwas davon, ehe sie Toy Story 4, Cars 3 und Findet Nemos Neffen in Produktion schicken..

Killing Them Softly – USA 2012
★★★☆☆

Nachdem zwei debile Loser ein illegales Gangster-Pokerspiel überfallen, muss ein Cleaner (Brad Pitt) dafür sorgen, dass die Situation geklärt wird. Und das geht nur auf eine Weise.

Die sehr gute Cast rettet den Film der eher durch Geschwätzigkeit, denn wirklich fundierte Dialoge besticht und wohl so viel mehr will, als er letztlich abliefert. Klar es gibt Highlights und Brad Pitt im Dialog mit tranigen Auftragskillern und buchhalterischen Mittelmännern hat einen gewissen Charme. Aber die omnipräsenten Politreferenzen die sich nie zu einem wirklich gelungenen Ganzen verdichten und der Eindruck das die Vergleiche die der Film zieht nicht nur hinken sondern auf einem Rollbrett umherkriechen, vergällt einem den Spaß den diese Story machen könnte, wenn sie etwas weniger überambitioniert erzählt wäre.

Und dafür das im Endeffekt auch nichts passiert das tatsächlich interessiert, nimmt sich der Film an vielen Stellen einfach zuviel Zeit, während einem die Musikauswahl so derb auf die Zwölf gibt, das sie auch von einem Panorma-Redakteur stammen könnte der immer noch Berichte über die Finanzkrise mit “Money Money Money” unterlegt.

Wären nicht die wirklich tollen Schauspieler, würde Killing them Softly total abstürzen, aber die durch die Bank tollen Akteure halten dann doch oft das Interesse wach, einfach weil es Spaß macht ihnen zuzusehen und weil sie soviel besser sind, als die Dialoge die sie sprechen müssen.

Als Fazit bleibt ein ansehbarer Gangsterfilm, der aber weder in seine Lakonie noch in seiner Derbheit irgendwelche neuen Akzente setzt und bei allen Qualitäten doch deutlich im Schatten älterer und besserer Werke steht.

Premium Rush – USA 2012
★★★☆☆

Fahradkurier übernimmt eine Lieferung hinter der ein korrupter Bulle her ist und eine Jagd durch die Stadt beginnt.

Nach einem extrem rasanten und optisch verspielten Start hängt dieser Fahradkurier-Thriller leider in der Mitte extrem durch, denn immer wenn die Handlung einsetzt und nicht mit halsbrecherischer Geschwindigkeit durch die City geheizt wird, nervt die Story dann doch etwas mit unnötiger angetäuschter Komplexität. Statt auf straighte, harte Action zu setzen kann sich der Film nicht so recht entscheiden ob er jetzt leichtfüssige Comedy oder doch spannende Hatz sein will und fällt irgendwo unentschlossen in der Mitte auf den Arsch.

Was nicht an JGL liegt der wie immer einen guten Job macht, sexy aussieht und durchaus glaubwürdig daherkommt. Und im Grunde ist der Schurke auch spannend, aber leider wirkt er im entscheidenden Moment eher wie ein skurriler Comic-Relief, denn wie eine echte Bedrohung. Im fehlt die Skrupellosigkeit eines Die-Hard.Schurken und ehrlich gesagt wirkten selbst die Einbrecher in Home Alone bösartiger und das nimmt der Jagd dann leider die dringend notwendige Fallhöhe, ganz abgesehen davon dass der Regisseur mehr als einmal eine Vollbremsung hinlegt so das sich nie die Art von Thrill einstellen will, die die Prämisse eigentlich hergäbe.

Nettes Fastfood-Wegguck-Futter aber weit unter seinen Möglichkeiten.

Father’s Day – USA 2011
★★★½☆

Ein Serien-Vater-Vergewaltiger macht die Stadt unsicher und nur drei Männer können ihn aufhalten…

Was für wundervoll kranke Scheisse. Nicht so mainstreamtauglich wie Machete, nicht so gritty wie Hobo with a shotgun schafft es diese Troma-Produktion nach einem etwas zählen Anfang doch noch spaßiges Trash-Feeling aufkommen zu lassen. Der Look ist konsequent auf “80er Jahre VHS-Mitschnitt eines Kabelsenders” getrimmt, inkl Station-Intro und Werbebreak.

Die Story um einen Serien-Vatervergewaltiger der von einem Rächer, einem Stricher und einem Priester gejagt wird spottet jeder Beschreibung. Das ganze ist hemmungslos debil, over-the-top gespielt und sehr stylish cheap produziert. Wenn der ganze Spaß am Ende vom Sleazy-Thriller noch in einen Fantasy-Schlocker umkippt klappt einem schon mal ein wenig die Kinnlade runter und spätestens beim Gastauftritt von Lloyd Kaufmann als Gott ist es schwer den Film nicht zu mögen.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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18 Comments

  1. Hatoi

    Wieso kann heute kaum noch einer dass und das korrekt setzen? Der Text ist voll mit diesen Fehlern.

  2. Hatoi

    Wieso kann heute kaum noch einer dass und das korrekt setzen? Der Text ist voll mit diesen Fehlern.

  3. Hatoi

    Wieso kann heute kaum noch einer dass und das korrekt setzen? Der Text ist voll mit diesen Fehlern.

  4. Oliver Lysiak

    Wieso schreiben Kommentatoren nie was sinnvolles zum Thema sondern nur kleinkarierte Beckmesserkommentare? Fragen die die Welt bewegen.

  5. slowcar

    Frage zu Ralph: Wie ist der Film auf Englisch/Deutsch im Vergleich?
    Leider läuft er nirgendwo im Original, stellt sich die Frage ob man auf Deutsch ins Kino gehen kann oder doch lieber wartet.

  6. slowcar

    Frage zu Ralph: Wie ist der Film auf Englisch/Deutsch im Vergleich?
    Leider läuft er nirgendwo im Original, stellt sich die Frage ob man auf Deutsch ins Kino gehen kann oder doch lieber wartet.

  7. slowcar

    Frage zu Ralph: Wie ist der Film auf Englisch/Deutsch im Vergleich?
    Leider läuft er nirgendwo im Original, stellt sich die Frage ob man auf Deutsch ins Kino gehen kann oder doch lieber wartet.

  8. drjonezzz

    Mir gefiel KILLING DEM SOFTLY vor allem wegen der Dialoge so gut. Die sind sehr gut geschrieben – so eine Geschwätzigkeit und ein authentisches Gelaber – das sieht man selten so gut. Es ging dann ja auch doch mehr um die Lakonie und das Tangieren vor einem Mord als um die Geschichte selbst, die man so schon zig mal gesehen hat. So auch, dass der eigentliche Raub so lang auserzählt ist – in anderen Filmen wäre er mit Offsprecher in einen schnöden Prolog geprügelt. Der brillante Cast hat viel Raum seine Charaktere zu zeichnen. I liked it

  9. toasted

    Habe Ralph Reichts auf deutsch gesehen und bei ein paar Dialogen war mir beim Hören schon klar, dass das Wortspiel im Englischen besser funktionert. Aber das macht den Film deswegen nicht komplett anders.
    Wenn du generell lieber Filme im Original siehst, dann warte lieber noch :)

  10. Rudi Ratlos

    Wer ist denn “Kato” bei “Ralph reicht’s”? Oder meinst du Kano aus Mortal Kombat?

  11. burns

    Das auf allen Seiten überschwengliche Lob zu Ralph reichts irritiert mich ein wenig. Er ist zwar natürlich hübsch-sympathisch nerdig und die beiden Hauptfiguren sind gut erfunden – ansonsten ist das aber reißbrettartig in der Dramaturgie runtergerissen wie selten. Man kann alle Stationen der Hollywood-Dramaturgie schön nacheinander abhaken – und dass man es hier mit einem lupenreinen Kinderfilm zu tun hatte (abgesehen von den Spiele-Nerd-Motiven – somit eigentlich ein seltsamer Zwitter von der Anlage her…), hat mich doch ein wenig enttäuscht, da man seit den letzten 10 Jahren doch davon ausgeht, dass viele Animationsfilme für Kinder und Erwachsene gleichermaßen produziert werden; hier wäre ich froh gewesen, wenn Trailer und Werbung das vorher irgendwo klar kundgetan hätten.
    Für einen Kinderfilm nach Schema F, und sei er auch noch so liebevoll produziert, muss ich nicht automatisch ins Kino.

  12. Felix

    Wenn die Fehler allerdings derart überhandnehmen, dass man manchen Satz mehrfach lesen muss, um ihn zu verstehen, ist die Kritik schon berechtigt – auch wenn die Inhalte stimmen.

  13. Jer Mann

    father’s day is the greatest movie of all time! i can’t wait for the german language release!

  14. Jer Mann

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  15. Jer Mann

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  16. Jer Mann

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  17. Ben Henn

    Also mir hat Premium Rush sehr gut gefallen. War mal was anderes, Schöne Musik tolle Action.

  18. Darf Späder

    Es ist einfach nur peinlich wenn ein Journalist (!) einer Rechtschreibregel nicht mächtig ist, die man in der Grundschule lernt. Noch peinlicher ist es jedoch, patzig zu reagieren anstatt sich mal damit vertraut zu machen oder mal alles richtig Korrektur zu lesen. Denn weißt Du, ob das kleinkariert ist oder nicht ist nicht an Dir zu entscheiden, würdest Du aber nicht haufenweise Fehler setzen würde sich hier auch niemand, am Ende noch kleinkariert, darüber beschweren.
    Bei der gelegentlichen Arroganz einiger Filmfreunde hier vergesse ich tatsächlich von Zeit zu Zeit dass dies hier nur ein kleiner privater Filmblog ist.

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Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr
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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14