Jack Reacher – USA 2012




Ein Amok-Sniper erschiesst fünf Menschen in einer Stadt in Indiana. Der Täter ist schnell gefunden, doch er beteuert seine Unschuld ehe er im Krankenhaus ins Koma geprügelt wird. Sein letzter Wunsch war: Holt Jack Reacher.
Wenn man darüber hinwegkommt, dass der Hüne Reacher vom 1,70m großen Tom Cruise gespielt wird und der im wesentlichen so spielt wie er immer spielt, ist der Film durchaus unterhaltsam. Dabei ist der Streifen vom “Usual Suspects” und “Valkyrie”-Drehbuchautor Christopher McQuarrie überraschend Low-Key, versucht weder Action-Spektakel noch Mega-Blockbuster zu sein, sondern konzentriert sich auf die Thriller/Krimi-Story, die im Großen und Ganzen dem Roman “One Shot” von Lee Child folgt, auch wenn sie die Rolle einer Reporterin mit der der Verteidigerin verschmilzt und das ganze um ein paar Prügel und Actionmomente aufjazzt.
Wobei das Hauptaugenmerk durchaus auf der Spannung und der Aufklärung des Falls liegt und weniger auf der Action, die hier eher weniger vom Stuhl reißt. Eine ausgedehnte Verfolgungsjagd trägt wenig zur Story bei und wirkt etwas gedehnt und der Showdown erinnert ein bißchen an das Finale alter A-Team und McGyver-Episoden.
Dafür sind die handfesten Prügelszenen knapp, brachial und gut choreographiert und lassen Reacher durchaus als den harten Hund rüberkommen, den Child in seinen Romanen beschreibt. Schön auch die zwar etwas unausgereifte, aber davon von Werner Herzog grandios kryptisch gespielte Rolle des Oberschurken The Zec, der zu keinem Zeitpunkt im selben filmischen Universum wie Reacher zu leben scheint, aber durchaus gut unterhält. Und Robert Duvall als zauseliger Waffenexperte ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern, auch wenn er jetzt nicht die größte Hilfe für Reacher darstellt.
Etwas schade ist es, dass der Film nach einem wirklich extrem spannenden und mitreissenden Opening nie wieder ganz dieses Level an Intensität erreicht und auch halbaufmerksame Zuschauer spätestens nach dem ersten Akt wissen, was hinter der Verschwörung steckt und wie das ganze ausgehen wird. Da wäre etwas subtilere Inszenierung die ihre Clues nicht mit dem Holzhammer verstreut doch angenehmer gewesen.
Unterm Strich bleibt trotzdem ein Eröffnungsfilm der Lust auf mehr Reacher-Abenteuer macht, denn genug lohnenswerte Vorlagen hat Lee Child (der kurz in einem Cameo als Polizist zu sehen ist) ja schon vorgelegt.
Vielleicht lieber morgen (The perks of being a wallflower) – USA 2012





Charlie ist jung, linkisch und hat Angst davor nach einer Krankheit wieder zurück in die Schule zu müssen. Doch zu seinem Glück findet er wider Erwarten Freunde, die ihm dabei helfen erwachsen zu werden und neue Dinge kennenzulernen, sich seinen Ängsten zu stellen und Spaß zu haben.
Jedes Jahr braucht zumindest einen guten Coming of Age-Film und nach “Submarine” im letzten Jahr, ist dies für 2012 wohl unzweifelhaft “The Perks of being a Wallflower” dessen gruseligen deutschen Verleihtitel (der nach Julimond o.ä. klingt) wohl mit dafür verantwortlich sein dürfte, dass ihn keine Sau gesehen hat.
Was schade ist, denn er ist überaus charmant und variiert die üblichen Marksteine des Genres sehr gekonnt und punktet vor allem mit der gelungenen Besetzung. Ezra Miller darf einmal mehr den schwulen Teenager geben und vergessen machen, wie creepy er in “We need to talk about Kevin” war, Emma Watson behauptet sich souverän jenseits von Hermione und überzeugt als aufgedrehte und doch unsichere Sam – und überraschend ist sogar Logan Lehrman wirklich gut. Auch wenn er für ein Mauerblümchen viel zu gut aussieht, schafft er es tatsächlich seine Unsicherheit aber auch Ambivalenz fühlbar zu machen.
Stephen Chbosky, der seine eigene Buchvorlage umsetzte, findet immer den richtigen Tonfall und inszeniert solide, mit beeindruckender Schauspielführung ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen. Was auch schwierig ist, in diesem Genre das schon so oft beackert wurde und natürlich gibts im Bereich erste Liebe, erster Sex, Drogen, Wahnsinn, Einsamkeit, Freunde finden und erwachsen werden keine wirklich neuen Dinge mehr zu sagen. Doch das macht nichts, denn wie in Submarine wird hier einfach schön erzählt und an ein paar Stellen stimmt die Einheit aus Soundtrack, Bildern und Lebensgefühl und macht diese ansonsten recht brave Mischung aus “Mysterious Skin” und “Nick & Norahs Infinite Playlist” zu einem sympathisch, nostalgischen Stück Jugenderinnerung und Reminiszenz an die frühen 90er.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Januar 4th, 2013 •
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