Reviews: Jack Reacher, Vielleicht lieber morgen (Review)

16 Comments

Jack Reacher – USA 2012
★★★½☆

Ein Amok-Sniper erschiesst fünf Menschen in einer Stadt in Indiana. Der Täter ist schnell gefunden, doch er beteuert seine Unschuld ehe er im Krankenhaus ins Koma geprügelt wird. Sein letzter Wunsch war: Holt Jack Reacher.

Wenn man darüber hinwegkommt, dass der Hüne Reacher vom 1,70m großen Tom Cruise gespielt wird und der im wesentlichen so spielt wie er immer spielt, ist der Film durchaus unterhaltsam. Dabei ist der Streifen vom “Usual Suspects” und “Valkyrie”-Drehbuchautor Christopher McQuarrie überraschend Low-Key, versucht weder Action-Spektakel noch Mega-Blockbuster zu sein, sondern konzentriert sich auf die Thriller/Krimi-Story, die im Großen und Ganzen dem Roman “One Shot” von Lee Child folgt, auch wenn sie die Rolle einer Reporterin mit der der Verteidigerin verschmilzt und das ganze um ein paar Prügel und Actionmomente aufjazzt.

Wobei das Hauptaugenmerk durchaus auf der Spannung und der Aufklärung des Falls liegt und weniger auf der Action, die hier eher weniger vom Stuhl reißt. Eine ausgedehnte Verfolgungsjagd trägt wenig zur Story bei und wirkt etwas gedehnt und der Showdown erinnert ein bißchen an das Finale alter A-Team und McGyver-Episoden.

Dafür sind die handfesten Prügelszenen knapp, brachial und gut choreographiert und lassen Reacher durchaus als den harten Hund rüberkommen, den Child in seinen Romanen beschreibt. Schön auch die zwar etwas unausgereifte, aber davon von Werner Herzog grandios kryptisch gespielte Rolle des Oberschurken The Zec, der zu keinem Zeitpunkt im selben filmischen Universum wie Reacher zu leben scheint, aber durchaus gut unterhält. Und Robert Duvall als zauseliger Waffenexperte ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern, auch wenn er jetzt nicht die größte Hilfe für Reacher darstellt.

Etwas schade ist es, dass der Film nach einem wirklich extrem spannenden und mitreissenden Opening nie wieder ganz dieses Level an Intensität erreicht und auch halbaufmerksame Zuschauer spätestens nach dem ersten Akt wissen, was hinter der Verschwörung steckt und wie das ganze ausgehen wird. Da wäre etwas subtilere Inszenierung die ihre Clues nicht mit dem Holzhammer verstreut doch angenehmer gewesen.

Unterm Strich bleibt trotzdem ein Eröffnungsfilm der Lust auf mehr Reacher-Abenteuer macht, denn genug lohnenswerte Vorlagen hat Lee Child (der kurz in einem Cameo als Polizist zu sehen ist) ja schon vorgelegt.

Vielleicht lieber morgen (The perks of being a wallflower) – USA 2012
★★★★☆

Charlie ist jung, linkisch und hat Angst davor nach einer Krankheit wieder zurück in die Schule zu müssen. Doch zu seinem Glück findet er wider Erwarten Freunde, die ihm dabei helfen erwachsen zu werden und neue Dinge kennenzulernen, sich seinen Ängsten zu stellen und Spaß zu haben.

Jedes Jahr braucht zumindest einen guten Coming of Age-Film und nach “Submarine” im letzten Jahr, ist dies für 2012 wohl unzweifelhaft “The Perks of being a Wallflower” dessen gruseligen deutschen Verleihtitel (der nach Julimond o.ä. klingt) wohl mit dafür verantwortlich sein dürfte, dass ihn keine Sau gesehen hat.

Was schade ist, denn er ist überaus charmant und variiert die üblichen Marksteine des Genres sehr gekonnt und punktet vor allem mit der gelungenen Besetzung. Ezra Miller darf einmal mehr den schwulen Teenager geben und vergessen machen, wie creepy er in “We need to talk about Kevin” war, Emma Watson behauptet sich souverän jenseits von Hermione und überzeugt als aufgedrehte und doch unsichere Sam – und überraschend ist sogar Logan Lehrman wirklich gut. Auch wenn er für ein Mauerblümchen viel zu gut aussieht, schafft er es tatsächlich seine Unsicherheit aber auch Ambivalenz fühlbar zu machen.

Stephen Chbosky, der seine eigene Buchvorlage umsetzte, findet immer den richtigen Tonfall und inszeniert solide, mit beeindruckender Schauspielführung ohne dabei das Rad neu erfinden zu wollen. Was auch schwierig ist, in diesem Genre das schon so oft beackert wurde und natürlich gibts im Bereich erste Liebe, erster Sex, Drogen, Wahnsinn, Einsamkeit, Freunde finden und erwachsen werden keine wirklich neuen Dinge mehr zu sagen. Doch das macht nichts, denn wie in Submarine wird hier einfach schön erzählt und an ein paar Stellen stimmt die Einheit aus Soundtrack, Bildern und Lebensgefühl und macht diese ansonsten recht brave Mischung aus “Mysterious Skin” und “Nick & Norahs Infinite Playlist” zu einem sympathisch, nostalgischen Stück Jugenderinnerung und Reminiszenz an die frühen 90er.

In : Review

About the author

Oliver “Batz” Lysiak studierte Mediensoziologie und arbeitete als Redakteur u.a. für NDR, RTL, Pro7, wo er lernte, dass “die Zuschauer Ironie nicht verstehen”. Seit 2006 betreibt er, zusammen mit vier anderen Cinemaniacs, das erfolgreiche Filmblog “Die Fünf Filmfreunde” und arbeitet als “Creative Director” und Filmjournalist bei Deutschlands größter Filmwebsite moviepilot.de. Er mag Wombats, Katzen und Leute die im Kino die Klappe halten und träumt davon, irgendwann von Stephen Fry adoptiert zu werden.

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16 Comments

  1. Binding

    “Wieder erwarten ihn zu seinem Glück Freunde” hätte im ersten Absatz der zweiten Kritik vielleicht noch halbwegs Sinn gemacht, aber die Stelle war auch so wider Erwarten ein großes Lesevergnügen! ;-)

  2. Dave

    Batzmann, in Sachen Filmtitel liegst du nicht ganz richtig. “Vielleicht lieber morgen” ist der deutsche Titel des Buchs, unter dem es jahrelang im hiesigen Buchhandel zu finden war und welcher erst vor nicht allzu langer Zeit, nach einem Verlagswechsel und Rechteproblematik, umbenannt wurde. Der Verleih hat sich entschieden, den Film unter dem deutlich bekannteren deutschen Titel ins Kino zu bringen. Eher dürfte der Buchhandel das blöd gefunden haben, denn für den Romanverkauf war das sicher nicht hilfreich. Am Titel liegt der mangelnde Zuspruch an der Kinokasse also eher nicht. (Eher könnte man den Erstverlag wegen der “Übersetzung” kritisieren.)

  3. Dave

    Batzmann, in Sachen Filmtitel liegst du nicht ganz richtig. “Vielleicht lieber morgen” ist der deutsche Titel des Buchs, unter dem es jahrelang im hiesigen Buchhandel zu finden war und welcher erst vor nicht allzu langer Zeit, nach einem Verlagswechsel und Rechteproblematik, umbenannt wurde. Der Verleih hat sich entschieden, den Film unter dem deutlich bekannteren deutschen Titel ins Kino zu bringen. Eher dürfte der Buchhandel das blöd gefunden haben, denn für den Romanverkauf war das sicher nicht hilfreich. Am Titel liegt der mangelnde Zuspruch an der Kinokasse also eher nicht. (Eher könnte man den Erstverlag wegen der “Übersetzung” kritisieren.)

  4. Oliver Lysiak

    Ah okay. Das wusste ich nicht, muss aber sagen, dass auch “Das also ist mein Leben” nicht gerade eine Verbesserung ist. Beides klingt so nach Drama und Bauchnabelgepule. Während “Die Vorteile ein Mauerblümchen zu sein” zumindest ein wenig den durchaus ironisch/humorvollen Grundton der Vorlage einfängt.

  5. Adi

    Also das Ende der Verfolgungsjagt in Jack Reacher war ja mal sowas von banane. Nehmen wir mal an ich stehe an einer Bushaltestelle. Auf einmal brettert ein Auto um die Kurve, der Fahrer steigt aus und stellt sich neben mich. Kurz darauf wird das Auto von einer Arme Cops umstellt. Was mache ich? Natürlich helfe ich dem Mann, der vermutlich ein gefährlicher Verbrecher ist indem ich ihm meine Kappe gebe und mich vor ihn stelle. Auch die 10 anderen Leute die ebenfalls auf den Bus warten scheint das nicht zu stören.
    Also wie kommt man nur auf so einen Scheiss?

  6. Adi

    Also das Ende der Verfolgungsjagt in Jack Reacher war ja mal sowas von banane. Nehmen wir mal an ich stehe an einer Bushaltestelle. Auf einmal brettert ein Auto um die Kurve, der Fahrer steigt aus und stellt sich neben mich. Kurz darauf wird das Auto von einer Arme Cops umstellt. Was mache ich? Natürlich helfe ich dem Mann, der vermutlich ein gefährlicher Verbrecher ist indem ich ihm meine Kappe gebe und mich vor ihn stelle. Auch die 10 anderen Leute die ebenfalls auf den Bus warten scheint das nicht zu stören.
    Also wie kommt man nur auf so einen Scheiss?

  7. Oliver Lysiak

    Logisch ja: Aber dennoch der unterhaltsamste Moment der Szene.

  8. burns

    Um die Frage an einen AMERIKANISCHEN ACTIONFILM zu stellen, brauchts schon ein Minimum an Humor und Filmerfahrung…

  9. Adi

    Niemand wird sich den Spass am Film nehmen lassen aufgrung einiger kleiner Logiklöcher. Nur ist das kein kleines Logikloch, das ist der fucking Grand Canyan.

  10. Adi

    Niemand wird sich den Spass am Film nehmen lassen aufgrung einiger kleiner Logiklöcher. Nur ist das kein kleines Logikloch, das ist der fucking Grand Canyan.

  11. Adi

    Niemand wird sich den Spass am Film nehmen lassen aufgrung einiger kleiner Logiklöcher. Nur ist das kein kleines Logikloch, das ist der fucking Grand Canyan.

  12. svenjo72dpi

    Wenn man auch nur eines der Reacher Bücher gelesen hat KANN MAN NICHT darüber hinwegsehen das die Hauptfigur 20 cm zu klein geraten ist… Für mich ist das so als wäre der Hulk im Film rosa.

  13. svenjo72dpi

    Wenn man auch nur eines der Reacher Bücher gelesen hat KANN MAN NICHT darüber hinwegsehen das die Hauptfigur 20 cm zu klein geraten ist… Für mich ist das so als wäre der Hulk im Film rosa.

  14. Arthur

    Jack Reacher müsste von nem Typen Kaliber Dwayne Johnson gespielt werden, Tom Cruise ist einfach nur lächerlich!

  15. Rocksteady

    Ganz deiner Meinung. Tom Cruise könnte höchstens Jack Reachers linkes Knie spielen.

  16. Patrick

    bin ja mal gespannt auf den Film

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Fünf Facefreunde
Fünf Filmtumblr
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    officialgaygeeks:

    That lightsaber sound lol


    Get the My Neighbor Groot shirt http://buff.ly/1EFUcA2 http://ift.tt/1BEBgm8

    11/16/14

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    pennyfornasa:

    Putting The Cost Of The ESA’s Rosetta Mission In Perspective

    "So what do we get for our €1.4bn? Rosetta is both an astounding feat of engineering (catapulting a tonne of spacecraft across millions of kilometres of space and ending up in orbit around a comet just 4 km across) and an extraordinary opportunity for science (allowing us to examine the surface of a lump of rock and ice which dates from when the Solar System formed).

    Like a lot of blue-skies science, it’s very hard to put a value on the mission. First, there are the immediate spin-offs like engineering know-how; then, the knowledge accrued, which could inform our understanding of our cosmic origins, amongst other things; and finally, the inspirational value of this audacious feat in which we can all share, including the next generation of scientists.

    Whilst those things are hard to price precisely, in common with other blue-skies scientific projects, Rosetta is cheap. At €1.4bn, developing, building, launching and learning from the mission will cost about the same as 4.2 Airbus A380s—pretty impressive when you consider that it’s an entirely bespoke robotic spacecraft, not a production airliner. On a more everyday scale, it’s cost European citizens somewhere around twenty Euro cents per person per year since the project began in 1996.

    Rosetta has already sent us some stunning images of Comet 67P/Churyumov–Gerasimenko and today’s landing will, with any luck, provide us with our first close-up glimpse of the chaotic surface of this dirty snowball. If you’re a sci-fi fan, then, you might consider the mission to have been worth its price tag just for the pictures. The total cost for the Rosetta mission is about €3.50 per person in Europe; based on the average cinema ticket price in the UK (€8.50), it has cost less than half of what it will cost for you to go to see Interstellar.”

    Via Scienceogram: http://scienceogram.org/blog/2014/11/rosetta-comet-esa-lander-cost/

    Find Out How Budget Cuts Canceled NASA’s Own Comet Landing Mission: http://www.penny4nasa.org/2014/11/11/how-budget-cuts-canceled-nasa-own-rosetta-comet-landing-mission/

    11/15/14

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    meatbicyclevevo:

    i never wanted this to end

    10/20/14

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    iambluedog:

    Life is too short to be holding on to old grudges

    10/20/14

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    10/09/14