Django Unchained – USA 2012





Der Sklave Django schliesst sich mit einem Kopfgeldjäger zusammen um seine Frau aus der Sklaverei zu befreien
Endlich wieder ein rundum gelungener Tarantino. Während Death Proof bis auf wenige Momente ziemlich lahmte und mich auch Inglorious Basterds nicht völlig überzeugen konnte (alle Szenen zwischen Brühl/Laurent bremsten den Film gnadenlos aus), ist Django, trotz spürbarer Überlänge, enorm unterhaltsam und mitreissend.
Sein Spaghettie-Southern (wie er es selbst nennt) bietet alles um selbst Westernverächter zu begeistern, denn er bringt endlich wieder das im Überfluss, was in seinen letzten beiden Filmen nur partiell enthalten war: Brillante, groovende, witzige Dialoge, die an keiner Stelle langweilen oder in einfaches Gelaber abdriften, wie es leider in Death Proof mehrfach passierte und auch bei den Basterds, wenn Waltz gerade nicht dabei war.
So genial Waltz Rolle als Landa auch war, hier darf er nochmal eine Schippe drauflegen und beweisen, dass er als (zwar ambivalenter) aber dennoch positiver Charakter genauso faszinierend sein kann, wie als Schurke. Sein, in Anlehnung an Martin Luther King Dr. King Schultz getaufter, Kopfgeldjäger ist der treibende Motor, der den Film souverän durch seine mäandernde Story dirigiert. Dabei überrascht zwar nicht der Wortwitz, aber die Menge an Humor die Tarantino dem Film gegönnt hat. Denn bei aller Ernsthaftigkeit die hinter den Bildern rund um das Thema Sklaverei zu spüren ist, ist Django Unchained unverschämt witzig. Ja er scheut nicht davor zurück selbst an Monty Python gemahnende Szenen einzubauen, in denen kreuzdämliche KuKluxKlan-Anwärter über das für und wider von Kapuzen diskutieren.
Diese Szene mit Jonah Hill irritiert zwar, weil sie stimmungsmäßig so völlig anders ist als der restliche Film, sie wirkt wie ein Einschub, ein Nachsatz – aber sie ist gerade in ihrer übertriebenen Länge so absurd komisch, dass man ihr nachsieht den Erzählfluss zu unterbrechen.
Es erstaunt aber sowieso, wieviel man dem Film nachsieht, der gar nicht versucht es optisch mit Leone und Co. aufzunehmen und dessen Vistas zwar zweckmässig gefilmt, aber nicht legendär beeindruckend daherkommen. Tarantino filmt und inszeniert souverän, slick und gut anschaubar ohne dabei den Stil eines klassischen Spaghettie-Westerns nachzuäffen. Wo bei Grindhouse noch die Imitation überwog, ist er hier selbstsicher genug seinen Western ganz eigenständig und ohne Retrolook zu drehen – ohne dabei was Szenen und Musik angeht (das Original-Django-Theme ist dankenswerter Weise dabei und auch der Rest des Soundtracks ist gewohnt eigenwillig eingängig) auf Referenzen zu verzichten.
Fast wirkt es, als wäre Tarantino erwachsener geworden und würde entspannter erzählen. Klar, er findet nicht recht zu einem Ende und hier und da hätte gekürzt werden können, aber es gibt keine Stelle, auf die man den Finger legen möchte und denkt “Die hätte rausgemusst”. Djangos Annäherung an Schultz, der Exkurs in deutscher Sagenkunde, die Lehrzeit, die ersten Abenteuer sind ebenso spannend, wie der eigentliche Hauptgang, wenn es nach Candyland geht um Djangos Frau aus dem Besitz von Calvin Candie zu befreien.
Leonardo Dicaprio spielt diesen bubihaften Sklaventreiber mit diabolischer Freude und angemessenem Overacting, das hier aber perfekt passt. Genauso wie Samuel L. Jacksons Stephen – einer extrem smarten und ebenso bösartig-gefährlichen Figur. Stephen wird zum eigentlichen Gegner Djangos, während Schultz sich an Candie abarbeiten darf und damit eine stimmige Dualität erzeugt.
Lediglich Kerry Washington als Brunhilde/Broomhilda bleibt unterfordert, denn die Damsel in Distress die ihr Tarantino geschrieben hat, bleibt eben passiv und demütig. Was für ihre Figur passt, ihr aber nicht viel Interpretationsraum und Chancen zum Glänzen lässt.
Was auch einer der wenigen Kritikpunkte ist, die man an den Hauptfiguren anbringen könnte: Jamie Foxx Django ist optisch dank eindrucksvoller Maske und Frisur viel besser als erwartet, wird aber dennoch von der kraftvollen Figur des Dr. King Schultz gnadenlos in den Schatten gestellt. Ja die Figur ist so übermächtig, dass Tarantino sie selbst aus dem Film entfernen muss, um Django endlich Raum zum Atmen zu geben und zu beweisen, dass er der Titelheld des Films ist.
Foxx ist nämlich durchaus okay. Ich hatte viel Schlimmeres befürchtet nach den ersten Trailern. Er macht seine Sache ganz gut, aber er ist bei aller Sympathie kein BadMofo, kein Clint Eastwood, kein Franco Nero (auch wenn er mit ebendem eine sehr schöne Cameo-Szene teilt). Seine Stimme ist zu sanft, zu weich. Man nimmt ihm ohne Probleme die Liebe zu seiner Frau ab und dass er alles für sie tut, was man ihm nicht so ganz glaubt ist die obercoole Sau die “I like the way you die, Boy!” ausspuckt. Insofern wirkt das Ende, dass ihm einige sehr stylishe Posen gönnt, wie Tarantinos Art der Wiedergutmachung dafür, dass Django gerade in der ersten Hälfte des Films nur der Sidekick von Schultz ist.
Dabei ist die Machtverschiebung die sich mit dem Handlungswechsel nach Candyland andeutet durchaus geschickt inszeniert, denn je mehr sich Schultz und Django in Candys Reich wagen, desto unsicherer wird sich Schultz, desto mehr schwindet seine Überlegenheit und desto aktiver wird Django der zu allem entschlossen ist, um seine Frau zu retten. Das ist klug und schlüssig gedacht, leidet aber doch immer noch daran, dass Django selbst in Candyland wieder und wieder in den Hintergrund tritt und Samuel L. Jackson, DiCaprio und Waltz die Leinwand dominieren.
Das ist schade, weil damit die Chance verschenkt wird, Django schon mit diesem Film zu einem ähnlich legendären Helden, wie seinerzeit den alten Sargschlepper Franco Nero zu machen. Und ob ein nach dem Ende durchaus vorstellbares Sequel je Realität wird, darf bei Tarantino durchaus bezweifelt werden.
Unterm Strich bleibt trotz allem ein grandioser, wortgewaltiger, witziger und auch überraschend anrührender, ja fast erwachsener Tarantinofilm, der trotz seiner over-the-top Gewaltexzesse nie ins sadistische abgleitet und ganz beiläufig mehr Denkanstösse zur Sklaverei-Vergangenheit der USA liefert, als dies Spielbergs-Lincoln-Epos mit seiner Heldenverklärung schafft.
Django. Ansehen.
Pitch Perfect – USA 2012





Sanges-Truppe an der Universität muss sich zusammenraufen und gegen die Konkurrenz beim Songwettstreit durchsetzen
Als filmisches Gegenstück zu Leuten die “No homo” sagen, versucht Pitch Perfect mit aller Macht das Muscial für Leute zu sein, die Musicals total ätzend und schwul finden. Leider bleibt bei dem krampfhaften Versuch ein Anti-Glee zu sein auch jeder Charme und genau das auf der Strecke was Musicals oft ausmacht: Das Pathos, die große Geste, ironische übersteigerte Emotion, die Lebensfreude und Lust an der Musik.
Das hier ist Hangover und Bridesmaids mit Musik, die Choreographien wirken hingerotzt um bloss nicht wie Musical zu wirken. Die Songauswahl nimmt sich mit Glee nicht viel. Nur dass man statt der glatten Studioproduktion, die dort oft den Drive nimmt, hier das Gefühl hat die ersten Runden vom DSDS-Casting zu sehen. Dünne Stimmen und öde Arrangements die selbst für A Capella sehr mager klingen. Und wenn man nicht gerade Fat Amy Fan ist, die mit aller Gewalt als die coole Dicke inszeniert wird und im Endeffekt dieselbe Rolle ist die Rebel Wilson immer spielt, fällt es schwer in Pitch Perfect sympathische Figuren zu entdecken.
Die Darsteller der Uni-Freshman sind fast noch älter als bei Glee und größtenteils ohne eigenen Charakter über ihr Klischee hinaus. Die Story ist ziemlich Schema F – was okay ist, aber ohne entsprechende Inszenierung leider doch etwas öde bleibt. Für eine Satire auf Musikfilm-Klischees ist Pitch Perfect zu mutlos, für ein Musical zu schwunglos, für eine Komödie dann doch zu witzlos und letztlich bleibt die einzige Qualität diese “ich find Musicals auch scheisse”-Attitüde, mit der er sich beim Publikum anbiedert.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Januar 17th, 2013 •
- 36 Kommentare
- Schlagwörter: Django Unchained, Quentin Tarantino, Tarantino










































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