“Do you want a hug?”
Originaltitel: A Good Day to Die Hard
Herstellungsland: USA 2013
Buch: Skip Woods
Regie: John Moore
Darsteller: Bruce Willis, Mary Elizabeth Winstead, Jai Courtney, Sebastian Koch





John McClane reist nach Moskau, weil sein Sohn in Schwierigkeiten ist und vor Gericht gestellt werden soll. Es dauert nicht lange und McClane gerät zwischen die Fronten von Regierung, CIA und Terroristen.
Fangen wir mit dem positiven an: Es gibt ein paar wirklich spektakuläre Stunts in Die Hard 5 zu bestaunen, die vor allem in der Eingangsautojagd zum Tragen kommen. Und Bruce Willis ist Bruce Willis und einfach eine coole alte Sau.
That being said: Das ist kein guter Tag zum Sterben, auch wenn “langsam” dem gefühlten Erzähltempo dieser schaumgebremsten und über weite Strecken spaßfreien Mixtur recht nahe kommt. Stirb langsam lebte immer davon, dass ein widerstrebender Held gegen seinen Willen in absurde Situationen geworfen wurde und es mit einem faszinierenden, raffinierten Oberschurken zu tun hatte. Alan Rickman, William Atherthon, Jeremy Irons – ja selbst Timothy Olyphant (mit Abstrichen) – waren The Man With A Plan. Und die raffinierten Wendungen und wie der immer deutlich überforderte McClane damit umging und trotz zahlreicher Rückschläge triumphierte – dabei aber immer menschlich blieb – das machte den Reiz der Serie aus. Selbst im schwächeren Teil 4 klappte das insgesamt noch ganz gut, wenn man vom vergeigten Finale inkl. CGI-Jetgehüpfe mal absah.
Teil 5 verfrachtet McClane unnötig nach Moskau (das nicht wie Moskau aussieht, auch wenn digitale Matte-Paintings immer wieder versuchen den Eindruck zu erzeugen) und bringt noch unnötigerweise McClanes Sohn ins Spiel. Und besetzt ihn mit Spatakus-Hansel Jai Courtney, der in Sachen Coolness und Charme in etwa auf dem Level eines russischen Türstehers einer Münchner Rotlichtkneipe liegt. Srsly, wenn das sein Sohn sein soll, hätte McClane vielleicht wirklich einen Vaterschaftstest beantragen sollen um zu checken, ob Holly vielleicht mal mit dem Staubsaugervertreter den Heinzelmann ausprobiert hat. Jay Courtney und Willis haben keinerlei Chemie, und lassen wehmütig an Samuel Jackson oder sogar Justin Long zurückdenken. Courtney hat so wenig Charme, dass er nicht nur selbst keine Ausstrahlung transportiert – er scheint selbst die Ausstrahlung anderer Schauspieler zu neutralisieren, wie ein schwarzes Loch das Spaß, Spannung und Sympathie einsaugt und nur Ödnis und Langeweile zurück lässt.
***Some Spoilers Ahead***
Während die Tochter in Teil 4 eher im Hintergrund blieb und im wesentlichen als Damsel in Distress funktionierte, ist McClanes Sohn streckenweise sogar die Hauptfigur, neben der Willis nur die zweite Geige spielt. Was nicht cool ist, genauso wenig wie ausgedehntes Verhandeln diverser Daddy-Issues. Waren die Dialoge einst eines der smarten, witzigen Highlights der Reihe, sind sie hier auf dem Niveau einer Telenovela in der Gefühle ausgesprochen statt inszeniert und gespielt werden. Selbst für gute Oneliner und eine Catchphrase reicht es nicht, denn egal wie oft McClane sagt er sei hier nur im Urlaub, es fühlt sich aufgesetzt und lahm an – zumal wir wissen, dass er nie in Urlaub gefahren ist.
Dazu kommt der grimmige graugrünblaue Look des Films, der den Moskau-Ersatz noch farb- und trostloser erscheinen lässt, als er es von Natur aus ist. Dark, gritty und freudlos – dieser Die Hard versucht verzweifelt tough daherzukommen. Doch auch wenn massenhaft böse Russen (merke ALLE Russen sind Arschlöcher, außer wenn sie singende Taxifahrer sind) niedergemäht werden, es stellt sich nie das “Stirb langsam”-Gefühl ein. Das Gefühl, dass dort jemand tatsächlich konstant an seine Grenzen getrieben wird und irgendwie die Stärke findet weiterzumachen.
Die doppelte Bait and Switch-Mechanik des Drehbuchs, die eigentlichen Bösewichte zunächst als welche von den Guten zu präsentieren und dann hahah-Überraschung zu enthüllen ist absehbar, unlogisch und lahm inszeniert und der geniale Plan wirkt weniger genial als unnötig umständlich. Was fehlt ist das spannende Katz- und Mausspiel. Die Popcorn-Leichtigkeit, die treibende Spannung durch eine klar benennbare Bedrohung. Hier ist alles irgendwie muddelig, schwurbelig und schlicht langweilig, weil die Bedrohung über weite Strecken tatsächlich nur für McClane und Filius interessant ist. Und selbst die haben viel zu viele Momente in denen nicht passiert. Der Film ist keine 100min lang, zieht sich aber trotzdem in einem Maße wie es keiner der wesentlich längeren Vorgänger tat.
Vielleicht ist es folgerichtig, wenn man weiß, dass die Drehbuchautoren von Perlen wie Hitman, A-Team und X-Men Origins und der Regisseur vom Omen-Remake und Max Payne für den Film verantwortlich sind – denn genau die Schwächen dieser Werke ziehen auch “A good day to die hard” auf das Niveau eines sehr durchschnittlichen Actionheulers. Es wirkt, als haben die Macher keinen der vorigen Filme gesehen oder kapiert – denn sie machen nichts aus McClane, ignorieren knallhart was ihn zu einem unverwechselbaren Actionhelden machen und setzen einzig auf banale Action-Setpieces denen man gerade zum Finale hin wieder ungut ihre CGI und Green-Screen-Herkunft ansieht. Teil 1-3 basierten auf verschiedenen Romanvorlagen, die nie für McClane geschrieben waren, aber sie schafften es immer ein unverkennbares Die-Hard-Gefühl zu erzeugen und die Figur McClane glaubwürdig zu halten. Diesmal könnte Willis auch Horst Bums heißen und es würde kaum auffallen.
Das die politische Message, die den Regimekritiker letztlich als schlimmeren Bösewicht als die Regierung entlarvt, höchst zweifelhaft und als Anbiederung an Putins Unrechtsregime zu verstehen ist, macht das ganze nicht besser.
Am Ende bleiben ein paar coole Willis-Momente, ordentliche Auto-Stunts in einer bisweilen Nolanesk-konfus geschnittenen Verfolgungsjagd, eine halbgare Story die immer wieder gut durchhängt und ein lahmes Finale. Und obendrein schafft es der Trailer des Films wirklich komplett ALLE Money-Shots des Films, inklusive des Finals zu verraten.
Stirb langsam stirbt. Hoffen wir das Bruce noch rüstig genug ist einen sechsten Teil zu drehen, der besser ist damit diese lieblose Gurke nicht das Finale eines bis jetzt zurecht legendären Franchise bleibt.
Yippie-kay-yay, indeed.
- Batzman (Oliver Lysiak) •
- Februar 14th, 2013 •
- 18 Kommentare
- Schlagwörter: Bruce Willis, Die Hard 5, stirb langsam
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